Besonderheiten im Leben Jesu (19)

Lukas 2,21

Beschnitten

Nur in Lukas 2,21 wird die Beschneidung Jesu erwähnt. Dort heisst es: «Und als acht Tage erfüllt waren, dass man ihn beschneiden sollte, da wurde sein Name Jesus genannt, der von dem Engel genannt worden war, ehe er im Leib empfangen wurde.»

An und für sich ist es nichts Besonderes, dass der Herr Jesus als männliches Kind beschnitten wurde. Denn Er war vollkommen Mensch und gehörte durch seine Geburt zum Volk Israel. Abraham war der Erste, dem Gott den Auftrag der Beschneidung gegeben hatte: «Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt …: Alles Männliche werde bei euch beschnitten. Und ihr sollt am Fleisch eurer Vorhaut beschnitten werden. … Und acht Tage alt, soll alles Männliche bei euch beschnitten werden nach euren Generationen» (1. Mo 17,10-12). Diesem Gebot Gottes folgte die Familie Jesu – und damit auch der Herr Jesus selbst.

Das führt uns zur Bewunderung unseres Heilands und Herrn. Aus Stellen wie Kolosser 2,11 erkennen wir, dass die Beschneidung eine geistliche Bedeutung hat. Dem männlichen Kind im Volk Israel wurde das Fleisch der Vorhaut weggeschnitten. Gott machte damit deutlich, dass Er den natürlichen Menschen nicht brauchen kann – nicht nur den Teil, der weggeschnitten wurde, sondern gar nichts. Das Abgeschnittene symbolisiert hier den ganzen Menschen. Das gilt bis heute für jeden. Nichts von uns ist für Gott brauchbar!

Aber es gab unter den Menschen eine Ausnahme: Jesus Christus. Bei Ihm gab es nichts Sündiges. Er tat keine Sünde, in Ihm war keine Sünde und Er kannte Sünde nicht (1. Pet 2,22; 1. Joh 3,5; 2. Kor 5,21). Bei Ihm gab es nichts Verwerfliches. Im Gegenteil: «Alles an ihm ist lieblich» (Hld 5,16).

Dennoch liess Gott es zu, dass das Kind Jesu beschnitten wurde. Die Bereitschaft, sich etwas zu unterziehen, was für Ihn an sich nicht nötig war, wird später bei seiner Taufe bestätigt. Als Er sich von Johannes dem Täufer taufen lassen wollte, zögerte dieser. Er erkannte, dass er von Jesus getauft werden müsse und nicht umgekehrt. Diesen Einwand beantwortete der Herr mit den Worten: «Lass es jetzt geschehen; denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen» (Mt 3,14.15).

Der Herr Jesus wollte sich mit seinem Volk vor Gott eins machen. So sehr hat Er sich erniedrigt! Er, der Schöpfer von allem, der HERR des Volkes Israel, kam auf diese Erde als jemand, der Teil seines Volkes wurde, ohne je aufzuhören, der HERR der Heerscharen zu sein. Aber als demütiger Mann und Jude erfüllte Er alle Gebote des HERRN, sogar die Vorschrift der Beschneidung.

Bedenken wir: Hier erlaubte der sündlose Herr sündigen Händen, Ihn nicht nur anzufassen, sondern sogar zu beschneiden, obwohl nur Herrliches an Ihm war. Etwas Vergleichbares finden wir vielleicht erst wieder bei seiner Verspottung im Prätorium und am Kreuz. Zuerst liess Er zu, dass rücksichtslose Soldaten Ihm eine Dornenkrone aufs Haupt drückten und darauf schlugen (Mt 27,29.30). Später gestattete Gott, dass sündige Hände eines Soldaten einen Speer in die Seite des bereits gestorbenen Heilands bohrten (Joh 19,34).

Wir staunen über diese Erniedrigung unseres Herrn. Er, der sich mit seinem Volk, das in Sünde lebte, eins machte, ist aber jetzt der Erhabene und Erhobene. «Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln; er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein» (Jes 52,13). «Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen gegeben, der über jeden Namen ist» (Phil 2,9).