Der Prophet Jesaja (4)

Jesaja 7

Kapitel 7

In Kapitel 6 haben wir die Offenbarung der Herrlichkeit Christi gesehen; hier zeigt uns das prophetische Licht, wie diese Herrlichkeit in der Mitte des Volkes in Erscheinung treten wird, dann die Verwerfung des Messias und schliesslich seinen Endtriumph auf dem Thron Davids.

Der erste Abschnitt führt uns in die Zeit des gottlosen und ungläubigen Königs Ahas. Sein Herz und das Herz seines ganzen Volkes bebt, wie die Bäume des Waldes vor dem Wind beben, denn verbündete Könige ziehen gegen Jerusalem in den Krieg. Die Könige von Israel und Syrien haben sich in einem gemeinsamen Hass zu diesem Unternehmen gegen die Stadt, wohin Gott seinen Namen gesetzt hat und von wo aus der Herr über das ganze Universum herrschen wird, zusammengeschlossen. Unglücklicher König von Israel! In welch einen Zustand der Verwirrung war er gefallen! Nicht nur hatte er den HERRN, den Gott Israels, vergessen, er dachte sogar, gegen Ihn Krieg führen zu können. Das Bündnis zwischen diesen Königen hatte nicht nur zum Ziel, ihre Bosheit gegen Juda auszulassen, sondern sie wollten in Jerusalem auch einen König ihrer Wahl einsetzen, den Sohn Tabeels.

Sie versuchten also, das Haus Davids zu zerstören und sich so gegen die Herrschaft des verheissenen Messias aufzulehnen. Wie weit sie sich dessen bewusst waren, können wir nicht sagen. Sicher ist, dass Satan der Anstifter dieser Machenschaften war und dass diese Könige nur Werkzeuge in seiner Hand waren, um sich gegen Christus aufzulehnen. Als die Königin Athalja alle königlichen Nachkommen umbrachte (2. Chr 22,10) und Herodes, in einer anderen Zeitepoche, alle kleinen Knaben in Bethlehem töten liess (Mt 2,16), handelten sie nicht anders als jene und verfolgten dasselbe Ziel.

Über den Sohn Tabeels wird uns nichts berichtet. Es würde uns, nebenbei bemerkt, auch nichts nützen, da Gott uns das grosse Ziel enthüllt, das sich hinter diesem ganzen Unternehmen verbirgt: die Auflehnung gegen die Herrschaft Christi. Und genau in diesem Moment verkündet der Prophet einerseits die Befreiung und anderseits den Herrn selbst, das Kommen Immanuels, «Gott mit uns», in der Person Dessen, der von der Jungfrau geboren werden wird. Dieser Sohn wird die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes hier auf der Erde sein. Der elende Zustand des Volkes Gottes, der Hass der Feinde, die Bosheit und der Unglaube des Herrschers, der auf dem Thron des Hauses Davids sitzt, können die Erfüllung dessen, was Gott sich zu seiner eigenen Verherrlichung und zum Segen seines Volkes vorgesetzt hat, in keiner Weise hindern.

Die Feinde, vor denen der König und das Volk sich fürchten, werden unter dem Gericht Gottes sterben und ihre Pläne werden sich zu ihrem eigenen Verderben wenden. Der versprochene Messias wird kommen, und seine Herrlichkeit wird in der Person Immanuels in Erscheinung treten. Was kann man dazu sagen? Gott, in einem Menschen und unter den Menschen offenbart! Was vermögen die verbündeten Könige dieser Erde mitsamt ihren Armeen gegen Ihn? Aber wo findet sich der Glaube, der ganz einfach dem Wort des HERRN vertraut und danach handelt? Wir finden ihn weder beim König noch beim Volk. Und indem wir diese Gedankenfolge auf uns anwenden, können wir hinzufügen: Wird wohl der Sohn des Menschen, wenn Er kommt, den Glauben auf der Erde finden? (Lk 18,8).

Dennoch wird ein Überrest zurückkommen und den versprochenen Segen geniessen. Der Sohn des Propheten, Schear-Jaschub, ist ein Bild davon. Wie bewegend zu sehen, was dieser treue Überrest für den Herrn sein wird, vergleichbar mit dem, was der Sohn des Propheten für das Herz seines Vaters war: ein Sohn ganz nahe beim Vater! Mitten in den finstersten Umständen scheint die Liebe Gottes in ihrem vollsten Glanz; ja, je dichter die Schatten sind, desto heller leuchtet sie.

Welch ein armes, unvernünftiges und ungläubiges Geschöpf war der König Ahas! Er zittert in der Gegenwart von zwei «rauchenden Brandscheit-Stümpfen», die bald zerstört werden, und er bittet den König von Assyrien um Hilfe (2. Chr 28,16). Es ist derselbe König der Assyrer, der ein Werkzeug in der Hand Gottes sein wird, um ihn wegen seines Unglaubens zu züchtigen. Die Länder der beiden verbündeten Könige, vor denen er sich fürchtete, würden bald verlassen sein. Und der Herr würde kurz darauf diesen König der Assyrer, auf den Ahas sein Vertrauen gesetzt hatte, gegen ihn und sein Volk kommen lassen (V. 17).

Dieser letzte Abschnitt des Kapitels beschreibt den Zustand der Verwüstung des Landes, nachdem die Heere der Assyrer hindurchgezogen waren: Alles ist niedergerissen und zerstört. Anstelle der ertragreichen Weinstöcke des guten Landes, das Gott seinem Volk gegeben hatte, werden nun Dornen und Disteln wachsen, und die Herden werden auf den Bergen weiden, die man wie fruchtbare Gärten bepflanzt hatte.