Ein Wort der Ermunterung

Vor über 100 Jahren führte Bruder Eduard Dennett mit einem fragenden, gläubigen Mann einen Briefwechsel über das Thema Absonderung und die Frage, warum wir heute leider nicht mit allen Gläubigen so ohne weiteres Gemeinschaft haben oder einen gemeinsamen Dienst, z.B. am Evangelium, mit ihnen tun können. Der letzte Brief in dieser Reihe ist eine Hilfe und eine Ermunterung für alle, die heute mit solchen Problemen zu tun haben. Hier der Wortlaut:

Lieber Bruder,

Ich dachte, ich sei zum Schluss gekommen mit dem letzten Brief. Aber nun muss ich Ihnen doch noch einige Zeilen senden, jedoch nicht, um bereits besprochene Fragen weiter zu erörtern, sondern um Sie, wenn möglich, in der Gegenwart Dessen zurückzulassen, der allein vermag, die Wahrheit zu einer lebendigen Kraft in Ihrer Seele zu machen. Die Gefahr bei uns ist sehr gross, dass uns die Wahrheit entgleitet. Wir sehen, wie andere glücklich vorangehen, und dann sind wir geneigt zu fragen: Warum sollen wir uns durch alle diese Herzensübungen beunruhigen lassen? Lassen Sie mich als Antwort auf diese Frage nur zwei Punkte vorbringen.

Der erste ist das Kommen des Herrn. Leben Sie, lieber Bruder, in der täglichen Erwartung Christi? Ich bezweifle es nicht. Was hat Er denn zu uns gesagt? Was ist seine letzte Botschaft an seine Versammlung? «Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald» (Off 22,20). In diesem Kapitel wiederholt Er diese Ankündigung dreimal. Welch eine gesegnete Aussicht entfaltet sich dadurch unseren Herzen! Bald werden wir unseren teuren Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen – Ihn, der auf der Erde der Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut war und der zu unserer Erlösung in den Tod ging. Am Kreuz begegnete Ihm der ganze Zorn Gottes, den wir verdient hatten. Aber seine Liebe war so unendlich, so stark, dass viele Wasser (die Wogen und Wellen des göttlichen Zorns, die über seine Seele gingen) sie nicht ertränken konnten. Diese Fluten vermochten die Gluten der Liebe nicht auszulöschen. Diesen Menschen, dessen Leiden nun beendet sind und der zur Rechten Gottes verherrlicht ist, dürfen wir sehen, wie Er ist; denn wir werden Ihm gleich sein (1. Joh 3,2). Ich wiederhole: Welch eine Aussicht! Wie erfüllt diese Erwartung unsere Herzen doch mit unaussprechlicher Freude. Wir dürfen von allem andern wegschauen und an den Augenblick denken, da Er kommen wird, um uns zu sich selbst zu nehmen, damit, wo Er ist, auch wir seien. Darauf dürfen wir wirklich hoffen, denn jener Augenblick wird sowohl die Erfüllung seiner eigenen Freude als auch die Vollendung unserer Glückseligkeit sein.

Aus dieser Tatsache folgt eine Frage, und das ist der zweite Punkt, den ich Ihnen vorstellen möchte. Was erwartet der Herr von uns in der Zwischenzeit des Wartens? Das gleiche Kapitel, in dem Er uns sein Kommen verheisst, also Offenbarung 22, gibt uns die Antwort. Wir haben auf die dreifache Ankündigung hingewiesen. Nun wollen wir sehen, in was für einer Verbindung seine Worte stehen. Vers 7 heisst: «Siehe, ich komme bald. Glückselig, der die Worte der Weissagung dieses Buches bewahrt!» Er zeigt uns damit, dass Er bei den Seinen, die Ihn erwarten, den Gehorsam wertschätzt. Aus Johannes 14 wissen wir, dass dies der Beweis unserer Liebe zu Ihm ist. Wer möchte, mit solchen Worten vor Augen, seinen Mangel an Gehorsam zu entschuldigen suchen? Wird nicht jeder wahre Gläubige vielmehr sagen: Welch ein Vorrecht hat mein Herr mir geschenkt, dass ich Ihm, den die Menschen verworfen haben, durch das Befolgen seines Wortes meine Liebe beweisen darf? Mit welcher Freude werden seine Augen auf denen ruhen, die inmitten von Prüfungen, ja, sogar Gefahren, dies zum Ziel und Zweck ihres Lebens machen!

In Vers 12 fügt Er etwas anderes bei: «Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist.» Hier werden wir belehrt, dass der Herr bei seinen Knechten Treue sucht. Ausserdem will Er sie entsprechend seiner Beurteilung ihres Lebens belohnen (vgl. Lk 19,12-26). Noch einmal – es ist zum letzten Mal – sagt Er: «Der diese Dinge bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald.» Die Antwort des Johannes lautet: «Amen; komm, Herr Jesus!» Diese Antwort sollte unwillkürlich aus dem Herzen jedes Gläubigen fliessen. Wir werden belehrt, dass Er während der kurzen Zeit, da wir auf Ihn warten, unsere Zuneigung wertschätzt.

Gehorsam, Treue und Zuneigung: Das sind die drei Dinge, die Er in dieser Zeit bei uns sucht. Im Licht dieser Wahrheit, d.h. in der Aussicht auf das Kommen des Herrn und dessen, was Er in den Seinen wertschätzt, während sie seine Rückkehr erwarten, bitte ich Sie, lieber Bruder, die Fragen, die ich Ihnen in diesen Briefen vorstellen durfte, zu bedenken und zu entscheiden.

Indem ich Sie noch einmal der Führung und dem Segen des Herrn anbefehle, Grüsse ich Sie herzlich in Christus.