Die Weissagungen Haggais (2)

Haggai 1

und ihre Anwendung auf die gegenwärtigen Tage

3. Richtet euer Herz auf eure Wege!

Gründe für die Einstellung des Bauens

Als Haggai zum Volk gesandt wurde, war dieses in der Überlegung befangen: «Die Zeit ist nicht gekommen, die Zeit, dass das Haus des HERRN gebaut werde» (1,2). Was nützt ein solches Werk, wenn es doch nicht vollendet werden kann? Ach! Wie häufig hört man dieses Wort auch unter Christen, und selbst unter solchen, die Hand ans Werk gelegt hatten!

Dafür, dass sie ihre Bemühungen nun als überflüssig betrachteten, gibt es nur eine Erklärung: Entmutigung. Die Gründe dafür sind Furcht und das Bewusstsein der Unfähigkeit, den Hindernissen zu widerstehen, die die Macht des Feindes ihnen entgegensetzt. Stellte aber diese Entmutigung nicht eine Herausforderung gegenüber der Macht und Treue ihres Gottes dar?

Doch wird uns der Prophet nun zeigen, dass die Entmutigung selbst im Grund nur ein Vorwand war. Hinter ihr verbarg sich ein Grundsatz, den der Überrest kaum vermutete, oder dessen Gefährlichkeit er nicht erkannte: Selbstsucht und Weltlichkeit. «Ist es für euch selbst Zeit, in euren getäfelten Häusern zu wohnen, während dieses Haus wüst liegt?» (Vers 4). Das Volk Gottes legte seinen eigenen Angelegenheiten mehr Wert bei als denen des Hauses des HERRN. Es sorgte für seine eigene Behaglichkeit, liess sich vom Luxus umgeben, indem es seine Häuser täfelte – und die Interessen des Tempels waren in den Hintergrund verdrängt.

Wie redet dies auch zu uns! Kaum sind die Grundlagen des Baus aus der Erde hervorgetreten, folgen wir schon unserer natürlichen Neigung und kehren zu unseren eigenen Häusern zurück und denken nur daran, für uns und die Unseren einen Ruheort zu finden. Wir hatten damit begonnen, dem nachzufolgen, der keinen Ort hatte, um sein Haupt hinzulegen; und jetzt sind wir es, die Ihn als Fremdling behandeln und Ihm kaum ein Heim gewähren in der Mitte derer, die Er errettet und aus denen Er sein Haus gebildet hat. Ach! Der Eifer um das Haus Gottes hat uns bestimmt nicht so verzehrt wie Ihn selbst! Wir lieben den Komfort unserer getäfelten Häuser und lassen uns, wir, die Himmelsbürger, zu denen herab, «die auf der Erde wohnen!»

Züchtigungen des Herrn

Beachten wir nun dieses Wort: «Richtet euer Herz auf eure Wege!» (1,5). Es wird so oder ähnlich in dieser kurzen Weissagung fünfmal wiederholt.

Lasst auch uns stillstehen, um über unsere Wege nachzusinnen; betrachten wir ihre Folgen! Sie hatten Züchtigungen des Herrn über unsere Weltförmigkeit und unsere Selbstsucht zur Folge: «Ihr habt viel gesät und wenig eingebracht; ihr esst, aber nicht zur Sättigung; ihr trinkt, aber nicht zur Genüge; ihr kleidet euch, aber es wird keinem warm; und der Lohnarbeiter erwirbt Lohn für einen durchlöcherten Beutel» (1,6).

Brüder, erinnern wir uns an die Wahrheiten, die reichlich zutage traten, als Gott den Gläubigen die Gnade schenkte, sich um den Tisch des Herrn zu versammeln! Wie vermehrte sich da die Saat in ihren Händen! Aber wenn nun die Zeit der Ernte gekommen ist, wo sind da die Scheunen, die sich unter der Last der Ernte beugen? «Ihr habt … wenig eingebracht!» War zu wenig Saatgut da? Nein, es fehlte an uns.

Aber die Züchtigung Gottes trifft nicht nur unser Tun, sie schlägt auch uns persönlich: «Ihr trinkt, aber nicht zur Genüge.» Vielleicht beschäftigen wir uns oft mit dem Wort Gottes, aber mehr mit dem Verstand als mit dem Herzen; wir stossen auf viele interessante Fragen, suchen ihre Antwort in der Schrift und machen uns mit ihrer Lehre vertraut. Aber finden wir dabei die nötige Erfrischung für unsere Seelen, wenn gleichzeitig Selbstsucht und Weltlichkeit sie erfüllen? Nein, das Herz bleibt ausgetrocknet, und wir fahren fort zu trinken, ohne den Durst zu löschen. Mehr noch, obwohl wir Kleider haben, «wird keinem warm», wir bleiben kalt. Schliesslich zerrinnt auch die für uns selbst gesammelte Frucht der Arbeit durch die Löcher des Geldbeutels, so dass nichts mehr bleibt!

Wiederbelebung

«So spricht der HERR der Heerscharen: Richtet euer Herz auf eure Wege! Steigt auf das Gebirge und bringt Holz herbei und baut das Haus, so werde ich Wohlgefallen daran haben und verherrlicht werden, spricht der HERR. Ihr habt nach vielem ausgeschaut, und siehe, es wurde wenig; und brachtet ihr es heim, so blies ich hinein. Weshalb das?, spricht der HERR der Heerscharen. Wegen meines Hauses, das wüst liegt, während ihr lauft, jeder für sein eigenes Haus» (Verse 7-9).

Ja, betrachten wir ein zweites Mal unsere Wege. Die Arbeit für Gott besteht darin, lebendiges Material zu seinem Haus zu bringen. Der Überrest hatte nicht allein dieses Werk getan, sondern hatte versucht, zwei unvereinbare Dinge zusammenzubringen: Die Arbeit des Hauses Gottes und die Befriedigung der eigenen Interessen: «Ihr läuft jeder für sein eigenes Haus.» Diese Dinge harmonieren nicht miteinander. In einer solchen Verbindung ist es immer die Seite Gottes, die darunter leidet. Er will keine geteilten Herzen…

Ist es nicht bemerkenswert, dass die Welt, der es so daran gelegen war, die Arbeit des Überrestes für Gott zu hindern, nicht den geringsten Widerstand leistete, als sie jeder für sein eigenes Haus liefen? Satan ist ein Feind, dessen Hass klarsichtig ist. Er weiss wohl, dass das Werk nicht gedeihen kann, wenn es mit geteilten Herzen getan wird.

Aber welche Gnade Gottes! (Verse 12-15). Die Führer hörten auf die Stimme des HERRN, das Volk fürchtete sich vor Ihm und nahm die Botschaft seines Gesandten an. Der Ruf: «Richtet euer Herz auf eure Wege» fand ein Echo in den Herzen Israels. Möge es auch bei uns so sein!

Das Ergebnis dieser Erweckung liess nicht auf sich warten. Gott selbst ermunterte sie bei ihren ersten Schritten auf dem Weg des Gehorsams. «Ich bin mit euch», sagte der HERR. Es gibt nichts Rührenderes und Ermutigenderes als dieses: «Ich bin mit euch.»

Die Befürchtungen von mehreren lösten sich auf, und ihre Seele hatte das Bewusstsein, dass ihr Gehorsam vom Herrn anerkannt und geschätzt wurde. Sie empfängt das Zeugnis, Gott zu gefallen. Eine allgemeine Erweckung entstand, als Folge des Eifers von einigen. «sie kamen und arbeiteten am Haus des HERRN der Heerscharen.»