Die Weissagungen Haggais (3)

Haggai 2,1-9

und ihre Anwendung auf die gegenwärtigen Tage

4. Ermunterungen

«Seid stark!»

Das Buch Haggai enthält vier Offenbarungen. Die in den obgenannten Versen enthaltene ist die Folge der Erweckung, die durch die erste Offenbarung hervorgerufen worden ist. Gott ermuntert seine Zeugen in einer Zeit des Verfalls durch die Mitteilung der Hilfsquellen, die ihnen bleiben, und durch die herrliche Hoffnung, mit denen Er ihre Herzen erfüllen will.

Diese Verse haben eine auffallende Ähnlichkeit mit dem zweiten Brief an Timotheus. Wie der Überrest Israels war auch Timotheus in Gefahr, den Mut zu verlieren und sich durch das um ihn her wachsende Böse einschüchtern zu lassen. Der Apostel ermahnte ihn, «die Gnadengabe Gottes anzufachen», die in ihm war. Es durfte nicht sein, dass seine Hände in der Aufrichtung des Hauses Gottes ermatteten, in welchem Zustand sich dieses dem Auge auch immer darbieten mochte. «Gott», fügt der Apostel hinzu, «hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit» (2. Tim 1,7), und auch: «Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist» (2,1)

So ist es auch hier: «Und nun sei stark, Josua, Sohn Jozadaks, du Hoherpriester, und seid stark, alles Volk des Landes, spricht der HERR, und arbeitet! … Fürchtet euch nicht!» (Hag 2,4-5).

Der Herr bekennt sich auch in Zeiten des Verfalls zu denen, die bauen

Um sein Volk zu ermuntern, schwächt Gott in keiner Weise die Tatsache des Verfalls ab, hier so wenig wie im zweiten Timotheus-Brief. Im Gegenteil, Er stellt ihn in seiner ganzen Wirklichkeit fest: «Wer ist unter euch übrig geblieben, der dieses Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie seht ihr es jetzt? Ist es nicht wie nichts in euren Augen?» (2,3).

In der Tat, was mochten sie vom damaligen Zustand des Hauses Gottes denken, wenn sie es mit seinem ersten Zustand verglichen? Was blieb diesem armen Überrest noch übrig? Wo war die Lade mit den Gesetzestafeln und dem Sühndeckel und dem Thron Gottes zwischen den Cherubim? Wo waren die Urim und die Tummim, um den HERRN zu befragen? Was war aus dem Königtum geworden, das das Volk mit Gott verband? Serubbabel, der Sohn Davids, durfte nicht einmal den Königstitel tragen. Und was war aus dem Priestertum geworden? Josua hatte statt seiner Kleider der Herrlichkeit und des Schmuckes schmutzige Kleider (Sach 3,3). Wo war die Gegenwart Gottes in der Mitte seines Volkes zu suchen? Wo konnte man die Herrlichkeit finden? War sie nicht aufs Neue von Israel gewichen? (vgl. 1. Sam 4,21 mit Hesekiel).

Welch demütigender Gegensatz zwischen dem damaligen Zustand des Hauses und seiner ersten Herrlichkeit! Aber auch welcher Gegensatz zwischen dem jetzigen Zustand der Kirche und ihrem Aussehen im Augenblick ihrer Aufrichtung! Sollen wir darob den Mut verlieren? Im Gegenteil, legt Hand an dieses Werk, sagt uns der Herr. Denen, die unter seiner Züchtigung ihr Herz wirklich auf ihre Wege gerichtet haben, die durch seinen Aufruf erweckt worden sind, denen wird Er immer wieder dieses Trostwort zurufen «Ich bin mit euch» (2,4).

Nahm der Herr bei der Taufe von Johannes denn nicht seinen Platz unter dem durch das Wort des Propheten erweckten Überrest ein? Hatte Er es nicht auch zu den Zeiten Haggais getan? Wird Er es nun nicht ebenso in unseren Tagen tun? Gewiss, Er gesellt sich zu den zweien oder dreien, die sein Wort erweckt hat. Wenn uns die Kraft fehlt, so hat Er sie sich selbst doch unversehrt bewahrt. Sind die sieben Geister Gottes nicht bei Ihm und hat Er die sieben Sterne nicht in seiner Hand? «Geh hin in dieser deiner Kraft», sagt Er zu Gideon in einer Zeit des Verfalls, so gut wie Er auch in einer Zeit des Gedeihens Josua zurief: «Sei stark!»

Nicht nur Evangelisation, sondern auch Bauen am Haus Gottes ist nötig

Ja, wir haben diese Kraft in Ihm für die Arbeit in seinem Haus, um jene hereinzuführen, die nach Gottes Willen dazu gehören sollen. Wie vielen Christen ist dies völlig unbekannt! Haben sie am Herzen, die Versammlung auf Christus aufzubauen, auf die alleinige göttliche Grundlage, oder geht es ihnen mehr darum, Proselyten zu machen für die verschiedenen Parteiungen? Ach, wenn man eine Bemerkung darüber macht, so weichen sie ihrer Verantwortung mit der Begründung aus, die einzige Aufgabe der Christen sei die Evangelisation. Sie wollen von nichts anderem hören.

Gewiss, die Evangelisation ist eine überaus wichtige Pflicht, aber sie ist für den Diener Gottes nicht die einzige. Erkundige dich beim Apostel Paulus, bei diesem grossen Diener des Evangeliums, ob er diesen Dienst dem der Versammlung überordnete, oder ob nicht alle beide den gleichen Wert für ihn hatten (Kol 1,23-25). Nein, die Evangelisation ist gewiss nicht alles, weder für den Herrn noch für seine Zeugen. Er hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben. Wie sollte sie Ihm je gleichgültig werden? Gott wird durch das Werk, das zur Auferbauung seines Hauses, seiner Versammlung hier auf der Erde geschieht, geehrt, und wer sich nicht darum kümmert, verachtet, was Gott verherrlicht und verzichtet auf Segnungen, auf die wir jetzt zu sprechen kommen.

Neue Gnaden

Da Gott das Tun des gehorsamen Überrestes billigte, empfing dieser neue Gnaden, dieselben, die auch im zweiten Timotheus-Brief erwähnt sind. «Das Wort, das ich mit euch eingegangen bin, als ihr aus Ägypten zogt, und mein Geist bestehen in eurer Mitte: Fürchtet euch nicht!» (Vers 5). Das Verständnis des Wortes, die Verwirklichung der Gegenwart des Heiligen Geistes sind da zu finden, wo sein Haus geehrt wird, und nicht da, wo man aufhört, daran zu bauen.

Die anspornende Hoffnung

Gott begnügte sich nicht damit, dem armen, durch das Wort erweckten Überrest Segnungen zu geben. Er gab ihm auch eine nahe und herrliche Hoffnung. So ist es auch heute. Die gegenwärtige Hoffnung des Kommens des Herrn findet sich in der Mitte derer, die die Versammlung Christi anerkennen.

«Noch einmal, eine kurze Zeit ist es, da werde ich den Himmel erschüttern und die Erde und das Meer und das Trockene. und ich werde alle Nationen erschüttern; und das Ersehnte aller Nationen wird kommen, und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen, spricht der HERR der Heerscharen. Mein ist das Silber und mein das Gold, spricht der HERR der Heerscharen. Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird grösser sein als die erste, spricht der HERR der Heerscharen; und an diesem Ort will ich Frieden geben, spricht der HERR der Heerscharen» (Verse 6-9).

Anstelle der irdischen, jüdischen Hoffnung haben wir Christen eine himmlische Hoffnung. Wenn Christus kommen wird, wird Er dieses Haus, zu dessen Bau wir aufgerufen waren, mit Herrlichkeit füllen, dieses Haus, das heute durch unsere Schuld verachtet ist, und worin jetzt seine Gegenwart nur im Glauben wahrgenommen werden kann. Dann, wenn Er in Herrlichkeit in der Versammlung wohnt, wird der Wert, den sein Haus in Ewigkeit für Ihn besitzt, vor den Augen aller sichtbar sein. «Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen!» Die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird grösser sein als die erste! Dann werden die Arbeit und der Kampf für immer vorbei sein, denn «an diesem Ort will ich Frieden geben», sagt der Herr (Vers 9).

Wie geben doch alle diese Verheissungen unserem Glauben eine so grosse Sicherheit! Welch reichen Lohn stellt doch Gott für die Treue in Aussicht!

Richten wir daher unsere Herzen auf unsere Wege und fragen wir uns, woher der Stillstand in unserer Arbeit herrühren mag! Hören wir auf, unsere Interessen denen des Hauses Gottes voranzustellen und lasst uns vom Schlaf, der uns lähmt, aufwachen!

Dann werden wir erfahren, dass Gott und sein Geist und sein Wort mit uns ist, und werden ermuntert sein durch die Aussicht auf das Kommen des Herrn, der uns eine wolkenlose Herrlichkeit mit Ihm verheisst.