Ich bin… (2)

Johannes 10,7; Johannes 14,6; Johannes 15,1

Ich bin die Tür der Schafe

Johannes 10,7

«Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe … Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden» (Joh 10,7.9). Das Bild der Türe, das der Herr an dieser Stelle gebraucht, hat eine doppelte Bedeutung.

Einerseits hebt sie die Tatsache hervor, dass Er durch die Tür in den jüdischen Schafhof eingegangen ist (Vers 2) – das heisst auf dem Weg, den Gott Ihm vorgezeichnet hat – um sich den Schafen, die sich darin befanden, als ihr Hirte zu offenbaren und sie herauszuführen, indem Er vor ihnen herging. «Die Schafe hören seine Stimme, und er ruft seine eigenen Schafe mit Namen und führt sie heraus. Wenn er seine eigenen Schafe alle herausgeführt hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen» (Verse 3 und 4). Christus war also die Tür, durch die Er die Juden, die an Ihn glauben würden, aus dem irdischen Schafhof herausbringen und sie in eine neue Heilszeit, in die der Gnade, einführen würde. Gingen sie durch diese Türe, würden sie auch in einen ganz neuen Bereich eintreten, wo sie, geführt durch den guten Hirten, der vor ihnen herging, durch den Glauben das Heil und die Freiheit anstatt der Knechtschaft des Gesetzes finden würden, wie auch die Speise, die ihnen das Brot des Lebens brachte.

Aber diese Türe ist auch für uns da. «Wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden» (Vers 9). Gott sei gelobt! Die Türe ist allen denen geöffnet, die an den Herrn Jesus glauben und so seine geliebten Schafe geworden sind. Als solche können sie durch Ihn «eingehen» und teilhaben an den Segnungen, die aus der Erlösung hervorgehen, ob sie Juden oder Heiden seien. «Wenn jemand durch mich eingeht, so wird er errettet werden.» Das umschliesst die Befreiung von der Verdammnis, die Vergebung der Sünden, die Gabe des ewigen Lebens, die Stellung eines Kindes Gottes, alles aufgrund der vollkommenen Annahme Christi selbst, die Hoffnung der Herrlichkeit. Niemand kann durch die «Türe» eingehen, ohne errettet zu sein. Und niemand kann errettet werden, ohne durch sie einzugehen, «denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel, der unter den Menschen gegeben ist, in dem wir errettet werden müssen» (Apg 4,12).

Dann wird der Errettete ein- und ausgehen: Das bedeutet vollkommene Freiheit in Christus. «Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht … Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder» (Gal 5,1.13). Das ist nicht eine Freiheit, um seinen eigenen Willen zu tun – was nichts anderes als die Knechtschaft des Teufels wäre –, sondern das Vorrecht, den Willen des Herrn zu tun, indem man in wahrer Hingabe des Herzens Ihm dient. Dies ist «das vollkommene Gesetz, das der Freiheit», das den, der sich Ihm unterwirft, in einen «Täter des Werkes» verwandelt (Jak 1,25). Die christliche Freiheit kommt aus dem neuen Leben hervor, das seine Freude darin findet, den Willen Gottes zu tun. Christus versetzt die, die durch Ihn eingehen, in die Freiheit, indem Er sie vom Joch des Gesetzes, der Sünde, der Welt und des Satans befreit.

Die durch die Türe eingehen, werden schliesslich auch Weide finden, das heisst, die göttliche Speise, die ihre Seelen nötig haben: Christus selbst, das Brot Gottes, offenbart im Wort, dieses himmlische Manna, das das Leben des neuen Menschen stärkt, und alles, was Gott uns zum Unterhalt unserer Seelen gegeben hat. Diese Speise findet sich im Überfluss auf den grünen Weiden, auf die der gute Hirte seine geliebten Schafe zu führen wünscht.

Ich bin der Weg

Johannes 14,6

Als der Herr Jesus den Jüngern seinen Weggang ankündigte, um in das Haus seines Vaters zurückzukehren, sagte Er ihnen: «Und wohin ich gehe, wisst ihr, und den Weg wisst ihr» (Joh 14,4). Von der Unwissenheit der Jünger, deren Sprachrohr Thomas war, sprach dann der Herr dieses unvergessliche Wort aus: «Ich bin der Weg.»

Der Mensch, der sich durch seinen Ungehorsam von Gott entfernt hat, ist durch eigene Anstrengungen nie dazu gelangt, einen Weg zu finden, der ihn bis zu Ihm geführt hätte. Sein Suchen nach dem Paradies, das er verloren hat, ist nichts anderes als ein unaufhörliches und verzweifeltes Umherirren. «Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg» (Jes 53,6). «Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat», erbarmte sich unseres Elends und hat sich uns in Christus genaht. Und jetzt hört der verirrte Sünder, der in der Nacht umhertastet, aber nach Licht und Heil dürstet, eine Stimme voller Liebe zu ihm sagen: «Ich bin der Weg» – der wahre, der einzige Weg.

Auf diesem Weg kann der Sünder ohne Furcht Gott nahen und Ihn als seinen Vater kennen lernen. Er empfängt den Geist der Sohnschaft, in dem er ruft: «Abba, Vater.» «So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben» (Joh 1,12). Christus allein ist der Weg, der zu Gott führt, «denn es hat ja Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe» (1. Pet 3,18).

«Jetzt aber, in Christus Jesus, seid ihr, die ihr einst fern wart, durch das Blut des Christus nahe geworden» (Eph 2,13). In Christus in eine solche Nähe Gottes eingeführt, sind wir eingeladen, tatsächlich hinzuzutreten «mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und so gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser» (Heb 10,22).

So ist also Christus der Weg, um zum Vater zu kommen, ein Weg, der – wie man gesagt hat – «den, der an Ihn glaubt und Ihm vertraut, bis zum Vater trägt». Dies ist, genau genommen, nicht der Weg, um in den Himmel zu gehen – obwohl auch dies wahr ist – sondern der Weg, auf dem der Mensch, in Ihm, in das Haus des Vaters eingeführt werden kann. Daher, um zu wissen, wo der Herr Jesus hinging, musste man zuerst Ihn, den Weg, erkennen. Weder Mose noch die Propheten hatten Gott als den Vater offenbart. Einzig «der eingeborene Sohn, der im Schoss des Vaters ist», hat es getan, und nicht nur das, Er hat auch kundgemacht, dass Er der einzige Weg ist, auf dem der Sünder zum Vater kommen kann. «Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.» Indem er Christus im Glauben als seinen Heiland annimmt, «kommt er zum Vater», den Christus vollkommen offenbart hat. In seinem Gebet in Johannes 17, kann Er sagen: «Ich habe deinen Namen, (das heisst Gott, den Vater), den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast … und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun (durch den Heiligen Geist), damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen» (Joh 17,6 und 26). Unser gegenwärtiges Vorrecht besteht nun darin, die Liebe zu kosten, die aus unserer Kindesbeziehung zu Gott, unserem Vater, in Jesus hervorfliesst, in Erwartung der Herrlichkeit, in der wir sie in vollkommener Weise geniessen werden. Doch schon jetzt ist Christus in uns der Bürge unserer Stellung vor Gott und unserer Beziehung zu Ihm. Er ist der Weg, auf dem wir zum Vater gekommen sind, so dass «weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn» (Röm 8,39.39).

Ich bin … die Wahrheit

Johannes 14,6

Wenn der Mensch in seinem natürlichen Zustand unfähig ist, durch eigene Anstrengungen den Weg zu finden, der zu Gott führt, so ist er ebenso wenig in der Lage, die Wahrheit zu erkennen. Er kann es umso weniger, als er ein Sklave des «Vaters der Lüge» ist (Joh 8,44).

Doch hat uns Gott in seiner Gnade in Christus die Gabe der Wahrheit gegeben, die vollkommene Offenbarung dessen, was Er ist, und seiner Gedanken über alle Dinge. «Die Wahrheit ist in dem Jesus» (Eph 4,21). Daher konnte der Herr Jesus sagen: «Ich bin … die Wahrheit.» So wie Christus der einzige Weg ist, auf dem wir Gott nahen können, so können wir auch den Vater nicht anders erkennen, als nur in Ihm.

Während seines Dienstes hier auf der Erde hat der Herr nicht aufgehört, der Wahrheit Zeugnis zu geben, trotz des Widerstandes seiner Widersacher (Joh 18,37). In seinen Worten und in seinen Werken, aber auch in dem, was Er in sich selbst war, machte Er die Wahrheit kund, die Er von Gott gehört hatte (Joh 8,40). Als die Juden Ihn fragten: «Wer bist du?», antwortete Er ihnen: «Durchaus das, was ich auch zu euch rede» (Joh 8,25). Weil Er die Wahrheit war, offenbarten seine Worte in absoluter Weise, was Er in seinem Wesen war. Annehmen, was Er sagte, bedeutete zu erkennen, was Er war. Deshalb hören wir Ihn im Johannesevangelium mehrmals wiederholen: «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch.» Denen, die an Ihn glaubten, sagte Er: «Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen» (Joh 8,31.32). Der wahre Jünger verharrt im Wort des Herrn, und die Erkenntnis kommt durch die Gemeinschaft mit Ihm. Das Geheimnis der Glückseligkeit besteht darin, fortwährend vor dem Herrn zu sein und zu seinen Füssen zu bleiben, um auf sein Wort zu hören.

Die Wahrheit ist der Ausdruck der Wirklichkeit, so wie Gott sie sieht. Gott ist also die Quelle der Wahrheit. «Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig», sagt der Herr Jesus (Joh 8,26). Gott offenbart uns die Wahrheit

  • in Christus: «Ich bin die Wahrheit» (Joh 14,6)
  • in seinem Wort: «Dein Wort ist Wahrheit» (Joh 17,17)
  • durch den Heiligen Geist: «Der Geist ist die Wahrheit» (1. Joh 5,6)

Christus

In Christus hat uns Gott seine Gerechtigkeit, seine Heiligkeit, seine Macht, seine Herrlichkeit, seine Majestät, seine Liebe, seine Gnade kundgemacht. Christus ist hier auf der Erde das gewesen, was Er von Ewigkeit her war: das Bild des unsichtbaren Gottes, der Ausstrahlung seiner Herrlichkeit, der Abdruck seines Wesens, und in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Aber in Ihm, dem vollkommenen Menschen erkennen wir auch die Wahrheit in Bezug auf den Wandel. Heiligkeit, Licht, Gerechtigkeit, Gehorsam, Abhängigkeit, Demut, Freude, Frieden, tätige Liebe und Gnade – Christus hat eine Fülle von Vollkommenheiten offenbart, die Gott völlig verherrlicht und das Herz des Vaters erfreut haben. Darum hören wir diesen zweimal ausrufen: «Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.»

Das Wort

Im Wort finden wir Christus selbst, die Wahrheit. Die Seele, die sich seiner Wirksamkeit demütig unterwirft, macht Fortschritte in der Heiligung. In seinem hohenpriesterlichen Gebet richtet der Herr Jesus die Bitte an Gott, die Seinen durch die Wahrheit zu heiligen, und Er fügt hinzu: «Dein Wort ist Wahrheit.» Nur die fortwährende Anwendung dieses Wortes auf uns selbst und auf alle unsere Handlungen kann uns vor dem Bösen bewahren und aus uns «Gefässe zur Ehre, … geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet» (2. Tim 2,21) machen. Daher ist der Gehorsam gegenüber dem Wort die Bedingung für unser ganzes christliches Leben.

Der Heilige Geist

Schliesslich ist der Geist die Wahrheit; Er ist der Geist der Wahrheit, der uns «in die ganze Wahrheit leitet». Er gibt Christus Zeugnis, dem verherrlichten Menschen zur Rechten Gottes. Er nimmt, was Christi ist und teilt es uns mit. Er entfaltet vor uns die himmlischen Herrlichkeiten Christi und verherrlicht Ihn auf diese Weise.

Reich an solchen Gnaden, werden wir den heiligen Wunsch haben, in der Erkenntnis Christi, in der Wahrheit zu wachsen, aber auch «in ihm zu wandeln».

Ich bin der wahre Weinstock

Johannes 15,1

In Adam wurde alles verdorben, in Christus aber hat Gott alles wiederhergestellt. Als Mensch begann Christus von neuem die Geschichte des Menschen auf der Erde und eröffnete ein neues Heilszeitalter, das an die Stelle des Zeitalters des Gesetzes tritt. Ein neues Zeugnis – das christliche Zeugnis – ersetzt das von Israel, das sich auf die Zugehörigkeit zur Nachkommenschaft Abrahams und auf das durch Mose gegebene Gesetz stützte.

Christus, der wahre Weinstock, nimmt auf der Erde den Platz Israels ein, des Weinstocks, den der HERR aus Ägypten gezogen hat (Ps 80,9; Hos 11,1). «Ich bin der wahre Weinstock», sagt Er, «und mein Vater ist der Weingärtner … Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben» (Joh 15,1.5). Alle, die zum christlichen Bekenntnis gehören, sind Reben des wahren Weinstockes. Aber darunter gibt es Reben, die nur der Form nach mit Ihm verbunden sind. Sie haben nur das Bekenntnis, aber kein Leben, so dass sie keine Frucht zu bringen vermögen. Sie «bleiben» nicht in Christus und werden das Gericht erleiden, das in den Versen 2 und 6 von Johannes 15 beschrieben ist. Im Gegensatz dazu bringen die, die mit dem Weinstock in lebendiger Verbindung stehen, Frucht und der Vater «reinigt» sie, damit sie mehr Frucht, viel Frucht bringen.

Christus, der wahre Weinstock, ist also die Quelle der Frucht, dieser «Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus ist, zur Herrlichkeit und zum Preise Gottes» (Phil 1,11). Aber es sind die Reben, die die Frucht tragen, sofern sie einen zum Weinstock gehörenden Teil bilden. Sie könnten auf keinen Fall selber Frucht bringen. «Ausser mir könnt ihr nichts tun.» Sie müssen den Saft empfangen, der aus dem Weinstock kommt. Das blosse Bekenntnis ist nichtig; sich nur Christ nennen, gibt nicht das ewige Leben. Aber wenn die Rebe in Lebensverbindung mit Christus steht, dem wahren Weinstock, gibt sie Frucht, so schwach und unwissend die Rebe auch sein mag. Dann wird der Vater, der Weingärtner, durch seine Züchtigung in Gnade dazwischentreten, um die Rebe dazu zu bringen, immer mehr Frucht zu tragen. «Unsere Väter nach dem Fleisch … züchtigten uns … nach ihrem Gutdünken … Er aber zum Nutzen, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden.» Die Züchtigung bringt «die friedsame Frucht der Gerechtigkeit» hervor (Heb 12,9-11).

Das Leben zeigt sich durch Frucht. Aber, sagt der Herr Jesus, «Wie die Rebe nicht von sich selbst aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt» (Vers 4). In Christus bleiben heisst, mit Ihm verbunden bleiben, wie die Rebe vom Weinstock abhängt und mit ihm eine einzige Pflanze bildet. Es bedeutet, eine Gemeinschaft mit Christus geniessen, die so dauernd und so wirklich ist, dass alle unsere Gedanken, unsere Worte und unsere Handlungen Ausdruck seines Willens sind, so dass keine Handlung der Unabhängigkeit den Zufluss des Saftes in die Rebe unterbrechen kann. Es braucht wenig dazu, dass eine Pflanze welkt. So wird auch das geringste Hindernis zwischen Christus und unserer Seele unser geistliches Wachstum aufhalten und uns zur Unfruchtbarkeit verurteilen.

In Christus bleiben heisst auch, sich von Ihm nähren, sich mit Ihm beschäftigen, die Hilfsquellen gebrauchen, die Er zu unserer Verfügung stellt – besonders das Wort und das Gebet –, damit wir in der Erkenntnis seiner Person wachsen; es bedeutet von seinem Leben leben und in seinen Fussspuren wandeln. Dann wird Er in uns gesehen werden, denn die Frucht der Rebe ist nichts anderes als die des Weinstocks: Diese Frucht wird wie ein Widerschein der Vollkommenheiten sein, die Christus zur Verherrlichung seines Vaters hier auf der Erde offenbart hat. Niemand kann in Gemeinschaft mit Christus leben, ohne auch Christus zu gleichen: Gehorsam, Abhängigkeit, Sanftmut, Güte, Demut, Geduld, Langmut, Barmherzigkeit, Liebe, Heiligkeit werden die Früchte sein im Leben des Gläubigen, der in Christus bleibt. Es kann nicht anders sein.

Aber dies ist niemals das Ergebnis unserer eigenen Anstrengungen. Wie jemand geschrieben hat: Nicht durch unaufhörliche Anstrengung, Licht und Sonne zu empfangen, bringt die Rebe Frucht. Nur indem sie mit dem Weinstock verbunden bleibt, in einer stillen und friedvollen Verbindung, werden Blüten und Früchte erscheinen, wie durch ein freies Wachstum. So genügt es auch, dass der Gläubige sich völlig dem Herrn hingibt, seine Blicke, Gedanken und Zuneigungen auf Ihn richtet, um seine Gnade zu erlangen. Bleiben wir also in Ihm, im Genuss unserer Verbindung mit Ihm. Sein Leben, das unser Leben ist, wird uns dann ganz durchdringen, wie der Saft vom Weinstock bis zu den äussersten Enden der Rebe fliesst. Das Leben des Einen ist das Leben des anderen, so sehr, dass man diese beiden Leben nicht mehr unterscheiden kann. Der Herr hat nicht gesagt: «Bleibt bei mir», sondern: «Bleibt in mir.» Er will, dass wir an seinem Leben völlig teilhaben. Er gibt und nährt uns von seinem Saft, wie der Weinstock es mit den Reben tut. Von Ihm allein ist unser Wachstum abhängig, wie auch unsere Frucht. Diese Wirklichkeit im Glauben ergreifen, befähigt uns, Frucht, mehr Frucht, viel Frucht, bleibende Frucht zu tragen.

Das Wichtigste ist also nicht, uns zur Tätigkeit anzustrengen, sondern in Christus zu bleiben.

Mit Ihm persönlich haben wir es zu tun. Ihn haben wir nötig. Er selbst lädt uns ein, nicht nur von den Gnaden Gebrauch zu machen, die Er uns mitteilen will, sondern Ihn, Ihn selbst anzunehmen. «Kommt zu mir.» «Bleibt in mir.» «Lernt von mir.» Damit sagt Er uns gleichsam: «Euer Herz sei mit mir beschäftigt. Nährt euch von mir. Lasst uns, du und ich, nicht mehr zwei, sondern eins sein.»

So werden wir Frucht tragen, der Vater wird verherrlicht und wir selbst werden wahre Jünger Christi sein.