Wie der Herr die Müden durch ein Wort aufrichtet (3)

Johannes 11,17-37

Im Haus der Geschwister in Bethanien waren Tod und Trauer eingekehrt: Lazarus, der Bruder von Martha und Maria, war gestorben. Bei diesem Ereignis sehen wir ein weiteres Beispiel, wie Jesus Christus als der in Jesaja 50,4 angekündigte Knecht Gottes die Müden durch ein Wort aufrichtete.

Müde werden durch Belehrung und durch Mitgefühl aufgerichtet

Johannes 11,17-37

Empfinden wir Christen weniger Schmerz und Trauer, weil wir glauben? Nein, im Gegenteil! Wir empfinden tiefer, weil wir wissen, dass Tod, Schmerz und Not durch den Ungehorsam des ersten Menschenpaars in die Welt gekommen sind. Not, Schmerz und Tod sind nicht Teil der ursprünglichen Absicht Gottes. Weil wir dies wissen und verstehen, seufzen wir mit der ganzen Schöpfung. Dadurch vertieft und intensiviert sich unsere Trauer und unser Schmerz in den Nöten, besonders angesichts des Todes.

So sehen wir auch Jesus weinen. Mit einem vollkommenen Verständnis empfand Er die verheerenden Folgen der Sünde und des Todes. Er war zutiefst erschüttert darüber. Doch dann griff Er in Macht und Gnade ein, um den toten Freund aufzuerwecken. Damit demonstrierte Er die Herrlichkeit Gottes in Auferstehungskraft (Joh 11,40).

Wir empfinden wohl tiefer als die Ungläubigen, aber wir sind nicht verzweifelt und betrübt wie die, die keine Hoffnung haben (1. Thes 4,13). Der Schmerz ist da. Doch wir wissen: Jesus Christus ist Sieger. Er hat den Tod überwunden. Er hat Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht (2. Tim 1,10). Er ist die Auferstehung und das Leben. Auf der Grundlage seines vollkommenen Opfertodes und seiner Auferstehung wird Er jeden Glaubenden leiblich auferwecken und zu sich in die Herrlichkeit nehmen. Dort wird Gott jede Träne abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz, denn das Erste ist vergangen. «Siehe», sagt Er, «ich mache alles neu» (Off 21,4.5).

Der Wert der Belehrung, wenn man müde ist

Nachdem der Apostel Paulus die beunruhigten Thessalonicher über die Auferstehung und Entrückung belehrt hat, sagt er ausdrücklich: «So ermuntert nun einander mit diesen Worten.» Belehrung ist auch Trost! Warum ist das so? Weil durch Belehrung unsere Blicke auf die Absichten und Ratschlüsse Gottes gelenkt werden, die ewig sicher sind. Dadurch kommt unser Herz zur Ruhe. Wenn wir die Bibel auf diesen Punkt untersuchen, werden wir feststellen, dass der Trost, den Gott gibt, immer mit einer konkreten Verheissung verbunden ist. Er richtet die Blicke auf das, was Er zu unserem Segen tun wird (z.B. Jes 51,3; 66,13; 2. Kor 7,6). Es ist nie ein billiges Vertrösten, wie wir das oft tun (vgl. Hiob 21,34). Es sind reale Tatsachen, die Gott vor unsere Herzen stellt, um uns zu trösten.

Wir sehen das auch in der Geschichte von Ruth. Sie kommt mit ihrer Schwiegermutter nach Bethlehem, obwohl diese ihr klar gesagt hat, dass sie in Israel keine Zukunft habe. Um zu überleben, geht Ruth Ähren sammeln und trifft Boas. Von ihm darf sie, die ohne jede Perspektive ist, Worte hören, die ihr bestätigen, dass sie sehr wohl eine Zukunft hat. Weil sie bei Gott Zuflucht gesucht hat, soll ihr Lohn, d.h. ihr Segen, voll sein. Göttlicher Segen ist etwas sehr Konkretes – auch wenn wir manchmal Mühe haben, ihn zu erfassen. Das liegt aber nicht am Segen an sich, sondern an uns. Ruth jedenfalls erfasst den Wert dieser Ermunterung und sagt: «Du hast mich getröstet und hast zum Herzen deiner Magd geredet» (Ruth 2,11-13).

Der Unterschied zwischen Trost und Mitgefühl

An dieser Stelle ist es vielleicht gut, den Unterschied zwischen Trost und Mitgefühl zu zeigen. Lasst mich das an einem Beispiel verdeutlichen: Ein Kind verletzt sich und hat Schmerzen. Seine Mutter beschwichtigt es: «Ich weiss, es tut sehr weh.» Das ist Mitgefühl. Dieses Mitgefühl ist an sich schon tröstlich. Aber dann verbindet die Mutter die verletzte Stelle mit einem Pflaster und ermuntert: «Es wird bald wieder heil sein.» Wir kennen die normale Reaktion auf diese Behandlung: Das Kind ist getröstet, weil es konkret weiss: Es wird wieder gut.

So handelte der Herr auch mit Martha. Nachdem sie Ihm ihre Not vorgestellt hatte, belehrte Er sie: «Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du dies?» Mit dieser Belehrung tröstete der Herr Martha und richtete ihre müde Seele wieder auf. Vielleicht verstand sie die Unterweisung des Herrn nicht völlig. Aber aus ihrem Bekenntnis in Vers 27 wird deutlich, dass sie sich vertrauensvoll auf Ihn stützte. Anschliessend rief sie ihre Schwester, weil sie auch ihr den Trost des Herrn zugänglich machen wollte.

Wenn wir in ein offenes Grab blicken, sind wir erschüttert. Wenn wir aber unsere Blicke zum Herrn erheben, der die Auferstehung und das Leben ist, der die Entschlafenen auferwecken wird, werden wir getröstet.

Das Mitempfinden des Herrn

Was sollen wir mit dem Schmerz und der Trauer, ja, mit unserer ganzen Erschütterung angesichts der Nöte im Leben tun? Wir dürfen wie Maria zu den Füssen des Herrn Jesus niederfallen und Ihm den Schmerz sagen. Obwohl Maria genau dasselbe sagte wie ihre Schwester, war es doch nicht dasselbe. Sie versuchte nicht, klug zu sein und Ihm auf Augenhöhe zu begegnen wie Martha. Sie wollte Ihm nicht sagen, was Er hätte tun sollen. Sie drückte einfach ihre Trauer und das, was sie nicht verstand, vor Ihm aus. Sie schüttete ihr Herz beim Herrn aus. Sie tat es zu seinen Füssen. Gesegneter Platz! Damit bezeugte sie ihre Achtung vor dem Herrn, ihr Vertrauen zu Ihm und ihre Unterordnung unter Ihn.

Lasst uns das auch tun. Dann erleben wir zweierlei:

  • Wir erfahren sein Mitgefühl. Er wird mit uns weinen.
  • Er richtet unsere Blicke auf die Herrlichkeit Gottes. Auch die schmerzlichen Wege, die Gott mit uns geht, offenbaren seine Herrlichkeit und führen zu einem herrlichen Ziel.

Solche, die trauern, dürfen wissen: Es gibt eine Auferstehung aus den Toten, wenn der Herr selbst zur Entrückung wiederkommen wird, um uns zu sich zu holen. Dort bei Ihm wird alles von seiner Herrlichkeit und Liebe erfüllt sein.

Martha wurde aufgerichtet indem sie Belehrung aus dem Mund ihres Heilands hörte. Belehrung tröstet, weil sie unsere Gedanken und Herzen auf Gott und sein Handeln richtet.

Marias müdes Herz wurde aufgerichtet, als sie ihre Not dem Herrn sagte und darauf sein vollkommenes Mitgefühl erfuhr. Mit all unseren Nöten dürfen wir jederzeit zu Ihm gehen und wissen, dass Er völlig mitempfindet. Denn unser Herr wurde in allem versucht wie wir, ausgenommen die Sünde. Er hat gelitten, damit Er denen helfen kann, die durch Schwierigkeiten gehen (Heb 4,15; 2,18).