Die Stiftshütte (5)

2. Mose 25,23-40; 2. Mose 27,20-21; 2. Mose 30,1-10; 3. Mose 24,1-9; 4. Mose 8,14

6. Das Heilige

Wenn das Tor und der kupferne Altar vom Zugang zu der Stiftshütte reden, der für jeden offenstand, der mit einem Opfer dorthin kommen wollte, so stellt das Heilige uns das dar, was ausschliesslich den Priestern vorbehalten ist. Um heute Priester zu sein, muss man zu den Kindern Gottes zählen und von neuem geboren sein. Jedes Kind Gottes ist Priester (1. Pet 2,5). Das war in Israel nicht der Fall. Das Teil, das wir jetzt betrachten wollen, gehört also denen, die den Herrn Jesus als ihren Heiland kennen und nicht jenen, die noch nicht zu Ihm kommen wollten.

Der kupferne Altar ist schon mit der Bekehrung verglichen worden, das kupferne Becken mit dem Bekenntnis und das Heilige mit der Gemeinschaft.

In der Stiftshütte gab es weder Fussboden noch Stühle, noch Fenster! Die Priester, deren Füsse auf dem Sand standen, sollten sich daran erinnern, dass sie noch in der Wüste waren. So ist es auch heute. Wie gross auch die Vorrechte sind, die wir geniessen können, bleibt es uns doch bewusst, dass wir noch auf der Erde sind, wo wir nur «stückweise» erkennen; das Sehen «von Angesicht zu Angesicht» ist noch zukünftig.

In der Stiftshütte gab es keine Sitzgelegenheit, weil die Priester stehen mussten (Heb 10,11): Ihr Dienst hatte kein Ende; die Opfer auf dem kupfernen Altar konnten niemals «Sünden wegnehmen». Der Herr Jesus aber, «nachdem er ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht, hat sich für immer gesetzt zur Rechten Gottes» (Heb 10,12).

Dass die Stiftshütte keine Fenster hatte, zeigt an, dass sie nicht durch das äussere, natürliche Licht erhellt wurde: Der Verstand des «natürlichen» Menschen, der sich nur von seiner Seele (1. Kor 2,14) führen lässt, kann die Dinge Gottes nicht begreifen. Um sie erkennen zu können, benötigt er Licht, das der Heilige Geist (der goldene Leuchter) verbreitet.

Im Heiligen stand, vom Eingang aus gesehen, der Schaubrottisch rechts, der siebenarmige Leuchter links und der goldene Altar mitten vor dem Vorhang. Diese drei Gegenstände reden von Nahrung, Licht und Gottesdienst.

Der Schaubrottisch (2. Mose 25,23-30; 3. Mose 24,5-9)

Der Tisch mit seinen kleinen Massen (zwei Ellen lang, 1 Elle breit und 1½ Ellen hoch) bestand aus Akazienholz und war mit reinem Gold überzogen. Er ist zweifellos ein Vorbild von Christus, der sein Volk vor Gott trägt. Die Brote auf dem Tisch, zwölf an Zahl (3. Mo 24,5-9), haben eine doppelte Bedeutung. Sie wurden wie das Speisopfer aus Feinmehl zubereitet, und es wurde Weihrauch darauf gelegt. Das richtet unseren Blick:

  1. In erster Linie auf Christus, der die Nahrung für die Priester im Heiligtum ist. Diese Nahrung ist für das Kind Gottes, das wachsen, zum «erwachsenen Mann» hingelangen und nicht ein kleines Kind in Christus bleiben will, unentbehrlich. Ohne Nahrung verkümmert ein Kind oder eine Pflanze. Die Nahrung muss aber auch gesund sein, wenn das Kind oder die Pflanze am Leben bleiben soll. Die geistliche Nahrung ist es, die den «inneren Menschen» gestaltet. In Psalm 144,12 wird die Bitte ausgesprochen: «dass unsere Söhne in ihrer Jugend seien wie hochgezogene Pflanzen». Lasst uns oft über die Person des Herrn Jesus nachsinnen und in den Evangelien, wie auch im ganzen Wort, nach Ihm suchen. Ein Bruder sagte einmal: «Du hast auf diesem Blatt der Bibel nur darum Christus nicht gefunden, weil du es schlecht gelesen hast!» – «Erforscht die Schriften … sie sind es, die von mir zeugen» (Joh 5,39). Nebenbei bemerkt: auch im Speisopfer, im Sündopfer, im Brandopfer und im Opfer der Einweihung wird uns Christus als Nahrung vorgestellt, anderseits auch im Manna und im Korn des Landes;
  2. Auf die Heiligen, in Christus gesehen, die seine Natur besitzen (Feinmehl) und für Gott angenehm sind (Weihrauch) in der von Gott eingesetzten Ordnung (6 in einer Schicht), so, wie uns zum Beispiel der Brief an die Kolosser sie beschreibt. Es geht hier um die Gläubigen im Licht des Heiligtums, in ihrer Stellung vor Gott, so wie Christus (der goldene Tisch) sie vor Gott hinstellt. Eine handbreite Leiste rings um den Tisch verhinderte das Herabfallen des Brotes: ein Sinnbild von der Sicherheit der Erlösten in Christus;
  3. auf die 12 Stämme Israels, sowohl in der Zeit ihrer Wüstenwanderung als auch in der Zukunft, wenn die Verwaltung der Erde diesem Volk anvertraut sein wird, – und im Heiligtum ist Israel immer ein Gegenstand der Gedanken Gottes (Röm 11).

Der Leuchter (2. Mose 25,31-40; 27,20.21; 3. Mose 24,1-4; 4. Mose 8,14)

Im Gegensatz zu den anderen Gegenständen der Stiftshütte, die aus Akazienholz angefertigt und mit Gold überzogen waren, war der ganze Leuchter von reinem Gold gemacht, aus einem Stück getrieben. Er spricht von dem, was dem Wesen nach göttlich ist. Die Tatsache, dass das Gold «getrieben» werden musste, erinnert daran, dass Christus, der durch den Leuchter dargestellt wird, durch Leiden hindurchgegangen ist. Das goldene Kalb dagegen wurde einfach gegossen (2. Mo 32,24). Der Leuchter selbst ist also ein Sinnbild von Christus, während das Öl in der ganzen Heiligen Schrift ein Sinnbild des Heiligen Geistes ist.

Ein mehrmals erwähnter Bestandteil des Leuchters sind die Mandelblüten. Diese Mandelblüten lassen uns an den Stab Aarons denken, der, wie wir es in 4. Mose 17 sehen, gesprosst und Blüten und Mandeln hervorgebracht hatte: ein Vorbild der Auferstehung Christi. Die Mandelblüte zeigt an (Jer 1,11.12), dass Gott seine Verheissungen in Christus erfüllen wird. Es ist ein auferstandener und in die Herrlichkeit erhöhter Christus, der den Seinen den Heiligen Geist gegeben hat.

Im Leuchter, als Ganzes betrachtet, mit seinem Öl und den sieben Lampen, die im Heiligtum brannten, kann man auch Christus sehen, so, wie Er durch den Heiligen Geist mittels menschlicher Gefässe im Dienst dargestellt wird. Von dieser Seite aus gesehen, sind tatsächlich «Dochtscheren» nötig (2. Mo 25,38), um all das wegzutun, was den freien Ausfluss des Öls zur Hervorbringung des Lichts hindert. Anderseits zeigen uns die sieben Lampen, dass der Dienst Christi im Geist durch verschiedene Kanäle ausgeübt wird.

Das Licht des Leuchters lässt sich von fünf verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten:

  1. die Lampen sollten gerade vor den Leuchter hin scheinen (2. Mo 25,37): Das wichtigste und erste Zeugnis des Heiligen Geistes gilt Christus selbst; der erste Gegenstand, der beim Eintritt ins Heiligtum die Blicke auf sich zog, war der vom Licht erhellte Leuchter.
    Der Herr Jesus sagte vom Heiligen Geist : «Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen» (Joh 16,14).
  2. Der Leuchter erhellte den Schaubrottisch (2. Mo 26,35): Der Heilige Geist beleuchtet die Stellung der Heiligen in Christus im Heiligtum.
  3. Das Licht des Leuchters steht in 4. Mose 8 in Verbindung mit der Reinigung der Leviten: Der Heilige Geist ist die Kraft allen wahren Dienstes für Gott, und Er soll ihn leiten.
  4. In 3. Mose 24 wird am Anfang des Kapitels, wo inmitten des Volkes Israels der Widerstand gegen Gott, also der Abfall, zu Tage trat, der Leuchter erwähnt. Angesichts des Bösen, das sich unter dem Volk Gottes ausbreitet, ist der Heilige Geist das einzige Hilfsmittel.
  5. Aus 2. Mose 27,21; 30,8 geht hervor, dass der Leuchter während der Nacht brannte. (Beachte, dass es im Tempel Hesekiels während «des Tages» des Tausendjährigen Reiches keinen Leuchter gibt). Während der Nacht der Verwerfung und Abwesenheit Christi erleuchtet der Heilige Geist das Heiligtum auf der Erde und bringt sowohl Fürbitte als auch Anbetung hervor (2. Mo 30,7).

Nicht nur die Nahrung, auch das Licht ist für das Wachstum unentbehrlich. Wenn eine Pflanze an einen dunklen Ort gestellt wird, stirbt sie ab, selbst wenn man sie gut begiesst. Ein Christ, der nicht im Licht wandelt, kann keine Fortschritte machen. Im Gegenteil, er entfernt sich immer weiter vom Herrn. Im Allgemeinen verdunkelt sich für uns das Licht des Heiligen Geistes nicht von einem Augenblick zum andern. Wir lassen vielmehr ein Ding nach dem anderen fahren; und dann stellen sich andere Dinge zwischen den Herrn und uns, wie ein dünner Schleier, der sich aber immer mehr verdichtet. Er beraubt uns der Gemeinschaft mit Ihm und der Freude an seiner Person und hemmt die Wirksamkeit des Heiligen Geistes in uns. Bei einem solchen Christen wird weder Wachstum, noch Gemeinschaft, noch Freude sein. Was soll er tun? Er soll mit Gebet und Flehen zum Herrn zurückkehren. Er soll sein Angesicht suchen und sich – wie Maria – Zeit nehmen, um wenn möglich stundenlang zu seinen Füssen zu verweilen, bis Er ihm die Freude des Heils wieder schenkt.

Der goldene Altar (2. Mose 30,1-10)

Die Masse des goldenen Altars waren kleiner als die des kupfernen Altars: eine Elle breit, eine Elle lang (quadratisch), zwei Ellen hoch. Er war aus Akazienholz, mit reinem Gold überzogen und redet im Wesentlichen von Christus. Dem Vorhang gegenübergestellt (2. Mo 30,6), stand er in engem Zusammenhang mit der Bundeslade und dem Sühndeckel.

Auf diesem goldenen Altar opferte der Priester das Räucherwerk, während das Volk draussen betete (Lk 1,9.10). Das ist ein schönes Bild vom Herrn Jesus, der Gott die Gebete seines Volkes darbringt, ob es sich um Fürbitte oder um Anbetung handelt (Off 8,3-4).

Am goldenen Altar trat der Hohepriester für das Volk ein. So verwendet sich Christus auch für uns (Joh 17; Heb 7,25; Röm 8,34)!

Heute darf aber auch das Kind Gottes zum goldenen Altar hinzutreten, um Ihm Weihrauch darzubringen: die Vollkommenheiten Christi, die zu Gott emporsteigen. Das ist Gottesdienst, der erhabenste Dienst des Christen. Dieser Dienst wird vor allem in der Versammlung dargebracht (1. Pet 2,5); aber darf nicht jeder von uns morgens und abends, wie der Priester den Weihrauch, seinen Dank zu Gott emporsteigen lassen für die unaussprechliche Gabe seines Sohnes?

Erinnern wir uns daran, dass der Weihrauch einzig für Gott bestimmt war (2. Mo 30,34-38); er durfte nur im Heiligtum geopfert und nicht mit fremdem Feuer verbrannt werden, sondern nur mit Feuer, das vom kupfernen Altar genommen wurde (siehe Nadab und Abihu, 3. Mose 10). Wie wichtig ist es, dass wir beim Öffnen des Wortes oder beim Hinzunahen zu Gott im Gebet erfüllt sind vom Bewusstsein seiner Gegenwart, besonders wenn wir als Versammlung zum Herrn hin versammelt sind. Die Zerstreutheit, das Hin- und Herschauen, das sich Zulächeln von einer Bank zur andern, sogar während des Gottesdienstes, ist eine Ungehörigkeit im Heiligtum. Nichts, was vom Fleisch kommt, darf da geduldet werden. Und was sollen wir sagen zu der Hast gewisser Personen, die sich vor dem Ende der Versammlung zum Hinausgehen vorbereiten!

Anderseits richten sich unsere Gebete und unsere Anbetung ausschliesslich an Gott, an den Vater und an den Sohn. Nirgendwo im Wort sehen wir, dass die Gebete an irgend jemand anders gerichtet werden sollen. Er allein kann der Gegenstand des Dienstes sein. «Es ist der Herr: so huldige ihm!»