Die Vergangenheit der Leviten (1)

Wenn wir uns mit der Geschichte des Volkes Israel während seiner Wüstenwanderung befassen, erkennen wir drei verschiedene Gruppen von Menschen:

  • Die Priester stammten von Aaron ab. Sie waren für den Dienst im Heiligtum und am Altar zuständig. Sie brachten die Opfer dar, wechselten die Schaubrote aus und bedienten die Lampen. Im Bild stellen sie alle Erlösten der Gnadenzeit dar, wie sie eine heilige Priesterschaft bilden und Gott geistliche Schlachtopfer darbringen (1. Pet 2,5).
  • Die Leviten nahmen unter den Stämmen Israels eine besondere Stellung ein. Sie standen Gott zur Verfügung und verrichteten den Dienst am Heiligtum. Ihre Aufgabe war es, die Stiftshütte mit allen ihren Geräten durch die Wüste zu transportieren und für den Unterhalt des Zeltes der Zusammenkunft zu sorgen. So unterstützten sie den Priesterdienst. Sinnbildlich zeigen sie, dass heute alle Gläubigen Diener des Herrn sind und eine Aufgabe am Haus Gottes haben (Eph 4,7-16).
  • Die übrigen Menschen aus Israel gehörten zum irdischen Volk Gottes und standen als solches in einer Beziehung zum HERRN. Sie stellen uns die Tatsache vor, dass alle gläubigen Christen miteinander das himmlische Volk Gottes bilden. Sie gehören zur Versammlung des lebendigen Gottes (Eph 2,19-22).

Jeder gläubige Christ ist also ein Anbeter, ein Diener und ein Glied am Leib des Christus.

In einer kurzen Artikelfolge schauen wir uns die Leviten und ihre Aufgabe etwas genauer an, um von ihnen Unterweisung für den Dienst zu bekommen. Die göttlichen Grundsätze über den christlichen Dienst finden wir im Neuen Testament. Doch diese Lehre wird durch die Leviten bildlich dargestellt, so dass wir manches von ihnen lernen können.

Am Anfang des vierten Buches Mose lesen wir, wie die Leviten in ihren Dienst eingesetzt wurden. Bevor wir im Einzelnen darauf eingehen, denken wir zuerst an ihre Vergangenheit.

Es ist nur Gnade!

Simeon und Levi, zwei Söhne Jakobs, rächten sich auf eine grausame und hinterlistige Weise an den Hewitern für das, was Sichem, der Sohn des Landesfürsten, ihrer Schwester Dina angetan hatte (1. Mo 34). Ihr Vater Jakob nahm kurz vor seinem Tod darauf Bezug: «Simeon und Levi sind Brüder, Werkzeuge der Gewalttat ihre Waffen.» Er sprach auch einen Fluch über sie aus: «Verflucht sei ihr Zorn, denn er war gewalttätig, und ihr Grimm, denn er war grausam! Ich werde sie verteilen in Jakob und sie zerstreuen in Israel» (1. Mo 49,5-7).

Trotz dieser traurigen Vergangenheit und ihrer Folgen wollte Gott den Nachkommen Levis einen Dienst anvertrauen. Das hatten sie nicht verdient, das entsprang nur der göttlichen Gnade.

Genauso erging es Saulus von Tarsus. Er hatte gegen Jesus, den Nazaräer, gekämpft und die Versammlung Gottes verfolgt. Er hatte gläubige Christen festgenommen und ins Gefängnis überliefert. Doch der Herr wollte gerade diesem Mann, nachdem er sich bekehrt hatte, eine besondere Aufgabe geben.

Paulus war sich dieser Gnade bewusst: «Ich danke Christus Jesus, unserem Herrn, der mir Kraft verliehen hat, dass er mich für treu erachtet hat, indem er den in den Dienst stellte, der zuvor ein Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war; aber mir ist Barmherzigkeit zuteilgeworden, weil ich es unwissend im Unglauben tat. Über die Massen aber ist die Gnade unseres Herrn überströmend geworden mit Glauben und Liebe, die in Christus Jesus sind» (1. Tim 1,12-14). Er erklärte auch: «Ich bin der geringste der Apostel, der ich nicht wert bin, ein Apostel genannt zu werden, weil ich die Versammlung Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin» (1. Kor 15,9.10).

Das ist die erste Lektion, die wir von den Leviten lernen: Es ist nur Gnade, dass der Herr uns in seinem Dienst brauchen will! Daran wollen wir denken, wenn wir in seinem Auftrag eine Arbeit beginnen. Das gilt es auch im Herzen festzuhalten, wenn wir schon länger für den Herrn tätig sind und Er unseren Dienst segnen kann. Das Bewusstsein der Gnade Gottes macht uns demütig und bescheiden.

Entschiedenheit für den Herrn

Während Mose auf dem Berg Sinai von Gott das Gesetz und die Anweisungen für den Bau des Heiligtums bekam, wurden die Israeliten ungeduldig, weil ihr Führer so lange nicht zurückkam. Sie verlangten von Aaron einen sichtbaren Gott. Da machte er ihnen das Goldene Kalb. Sie verehrten es als Götze und brachten ihm Opfer dar. Zugleich veranstalteten sie ein Festgelage.

Als Mose vom Berg herabkam, sah er, wie das Volk sich von Gott abgewandt hatte und zügellos geworden war. Da stellte er sich im Tor des Lagers auf und rief: «Her zu mir, wer für den HERRN ist!» (2. Mo 32,26). Wer reagierte darauf? Alle Söhne Levis! Sie kamen zu Mose und bekannten sich so zum lebendigen Gott. Sie anerkannten seine Autorität über sich und stellten sich Ihm zur Verfügung.

Bei Saulus von Tarsus sehen wir etwas Ähnliches. Als ihm der Herr vor Damaskus entgegentrat, kam er zur Umkehr. Er, der bisher gegen Jesus Christus und die Seinen vorgegangen war, fragte nun: «Was soll ich tun, Herr?» Damit stellte er sich ohne Zögern unter die Autorität des Sohnes Gottes und war bereit, für Ihn zu leben.

Das ist die zweite Lektion, die uns die Leviten geben: Der Herr will solche zu seinen Dienern machen, die sich auf seine Seite stellen, seine Autorität über ihr Leben anerkennen und sich Ihm ausliefern. Daraus ergibt sich, dass eine entschiedene Nachfolge hinter dem Herrn Jesus her eine wichtige Voraussetzung ist, um Ihm in der richtigen Weise dienen zu können.

Gehorsam

Nachdem die Leviten sich klar auf die Seite Gottes gestellt hatten, gebot ihnen Mose: «Legt jeder sein Schwert an seine Hüfte, geht hin und her, von Tor zu Tor im Lager, und erschlagt jeder seinen Bruder und jeder seinen Freund und jeder seinen Nachbarn» (2. Mo 32,27). Das war ein schwerer Auftrag. Dennoch kamen die Leviten diesem Befehl Gottes nach. Sie hinterfragten nicht, sie diskutierten nicht – nein, sie gehorchten einfach.

Nachdem Saulus gefragt hatte: «Was soll ich tun, Herr?», bekam er einen konkreten Auftrag: «Steh auf und geh nach Damaskus, und dort wird dir von allem gesagt werden, was dir zu tun verordnet ist» (Apg 22,10). Da stand Saulus auf und liess sich, weil er nicht sehen konnte, nach Damaskus führen. Er, der bis jetzt nach eigenem Gutdünken gehandelt hatte, war nun bereit, dem Herrn Jesus zu gehorchen.

Wir lernen von den Leviten eine dritte Lektion: Der Herr erwartet von allen, denen Er einen Dienst anvertrauen will, dass sie Ihm bereitwillig gehorchen. Das erfordert einerseits, dass wir den grundsätzlichen Willen Gottes in seinem Wort beachten. Anderseits ist es nötig, in Abhängigkeit vom Herrn zu leben, damit Er uns in der jeweiligen Situation seinen Willen zeigen kann. Ohne die Bereitschaft, dem Wort Gottes zu gehorchen und uns dem Herrn unterzuordnen, können wir keine nützlichen Diener für Ihn sein.

Schluss

Die Vergangenheit der Leviten lässt uns an einen wichtigen Grundsatz denken: Der Dienst für den Herrn kommt immer aus einem Leben mit Ihm hervor. Diese Reihenfolge finden wir auch in Markus 3,14: «Er bestellte zwölf, damit sie bei ihm seien und damit er sie aussende.» Die Jünger sollten zuerst beim Herrn sein, um dann von Ihm zu einem Dienst ausgesandt zu werden.

Ein gesundes Glaubensleben mit dem Herrn Jesus in echter Gottesfurcht – wie wichtig ist das für jeden, der Ihm dienen will! Ein paar Gedankenanstösse zeigen, was damit gemeint ist: Wir pflegen Gemeinschaft mit unserem Herrn und folgen Ihm nach. Wir nehmen regelmässig geistliche Nahrung aus dem Wort Gottes auf, um uns persönlich zu nähren. Wir beten zu unserem Gott und Vater, stellen Ihm unsere Anliegen vor und warten auf seine Antwort. Wir leben im Alltag mit dem Herrn und erfüllen treu unsere Pflichten. Wir besuchen regelmässig die Zusammenkünfte der örtlichen Versammlung und pflegen Gemeinschaft mit den Gläubigen. In allem, was wir tun und lassen, suchen wir die Ehre Gottes. Das bedingt, dass wir uns der Sünde für tot halten und uns von der Welt absondern. Wir möchten, dass in unserem Verhalten etwas vom Herrn Jesus sichtbar wird. Darum blicken wir auf Ihn, lernen von Ihm und ahmen Ihn nach. So kann aus einem Jünger ein Diener des Herrn werden. Zugleich bleibt jeder Diener lebenslang ein Jünger des Herrn.