«Was soll ich tun, Herr?»

Apostelgeschichte 22,10

Wenn diese Frage ernsthaft gestellt und auf die Antwort gewartet wird, dann führt das zu einem grossen Wechsel im Leben eines Gläubigen, zu einem Wendepunkt in seiner Geschichte.

Denn wir brauchen nicht weit fortgeschritten zu sein in der Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes, um zu entdecken, dass wenn das Leben nicht ein tragisches Versagen werden soll, wir nicht nur den Willen des Herrn befragen, sondern wir Ihm auch von Herzen gehorchen müssen. So manche Entscheidungen mit weitreichenden Folgen müssen getroffen werden im Leben, in der christlichen Gemeinschaft, im Dienst des Herrn, im Berufsleben und im Familienkreis, dass es von überaus grosser Bedeutung ist zu wissen, was der Herr will. Der wahre Sinn des eigentlichen Lebens ist der, der Linie des Willens Gottes persönlich zu folgen. Da mögen schlafende Talente in uns sein, die nötig haben, zum Gebrauch in seinem glücklichen Dienst aufgeweckt zu werden. Es mögen uns anvertraute Gaben sein, die uns noch unbewusst sind. Daher brauchen wir die leitende Hand dessen, der gesagt hat: «Ich will dich unterweisen und dich den Weg lehren, den du wandeln sollst» (Ps 32,8), damit die bis jetzt unbenützten Möglichkeiten unseres christlichen Lebens zum Nutzen der Interessen Christi zur Ausübung kommen.

Der Grundton allen wahren Dienstes für den Herrn wird in der Seele dessen getroffen, der in Aufrichtigkeit des Herzens diese Frage stellt. Die Musik des so geordneten Lebens eines Jüngers Christi steigt aus allen Missklängen der Erde zu den Ohren dessen empor, der als Mensch hier auf der Erde Gottes vollkommener Diener war.

Durch die Verbindung mit dem Herrn Jesus Christus, als unserem Heiland und Herrn, finden wir das Geheimnis wahren Lebens. Denn in Gemeinschaft mit Ihm, der Kraft hat, ist es sozusagen frei gemacht, um alles in dem zu tun, der uns kräftigt.

Die tägliche Gemeinschaft mit unserem Herrn durch den Heiligen Geist, mittels des geschriebenen Wortes – dem Wort der Wahrheit – gibt nicht nur Kraft für die täglichen Bedürfnisse, sondern befähigt uns auch, in der Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes zu wachsen, im Gelernten auszuharren und vorwärtszugehen, um grösseren Anforderungen zu entsprechen. Mit Zittern und Staunen stellte Saulus von Tarsus die Frage: «Was soll ich tun, Herr?» Mit Zittern, im Bewusstsein, was wir sind: schwach, strauchelnd und unfähig, etwas ohne Ihn zu tun, fallen wir zu seinen Füssen nieder. Aber mit Staunen beugen wir uns auch vor Ihm und wundern uns, dass Er seine Interessen, sein Werk, das Zeugnis seines Namens solchen, wie wir sind, anvertrauen will.

Die Versuchung, niedergeschlagen und mutlos zu werden, wenn wir nicht beachtet sind und unsere besten Anstrengungen von anderen gering geschätzt bleiben, setzt uns zu. Auch der schwache Zustand, den wir sehen, die Gleichgültigkeit von gewissen Gläubigen, zusammen mit körperlicher Schwachheit und Niedergeschlagenheit der Geister, schaffen ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Aber der Gegenpol dazu ist die offenbarte Tatsache, «dass alle Gewalt im Himmel und auf der Erde» dem Herrn Jesus gegeben ist und dass «ihr dem Herrn Christus dient». Er ist der Herr und leitet das Wirken seiner Diener persönlich, so dass wer wirklich seine Leitung sucht, sie findet und darüber sicher sein kann. «Er leitet die Sanftmütigen im Recht und lehrt die Sanftmütigen seinen Weg» (Ps 25,9). Das heisst, dass der, der wirklich Gottes Willen tun will, ihn bestimmt erkennen wird; aber das schliesst den Eigenwillen ganz aus.

Das bedeutet das Ende von Ehrsucht und Nachahmung, Unsicherheit und Verstimmung im Werk für den Herrn. Und bei dieser Abhängigkeit von seiner Leitung ist die Sünde ungläubiger Furcht verbannt, die uns so leicht befällt; ihr Platz wird durch wachsenden Glauben besetzt. Denn als Antwort auf das Gebet stärkt Gott die Seele durch seinen Geist, und auch die äussere Leitung seiner Vorsehung zeigt, was schon die Heiligen vor alters bezeugten: «Er führte sie sicher, so dass sie sich nicht fürchteten» (Ps 78,53).

«Was soll ich tun, Herr?» Ist mein Dienst zuhause oder in der Ferne? Was willst du, dass ich mit meiner Zeit, meinem Geld, meinem Einfluss tun soll? Dürfen wir solche Fragen stellen? Lasst uns, ob wir junge oder alte Gläubige sind, die Frage vom Tun des Willens des Herrn im Licht jenes Tages betrachten, wo «wir alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden». Dann wird das Leben von Schreiber und Leser vielleicht deutlicher zeigen, zu welchem Zweck wir erkauft worden sind.