Gott gibt Mut und Kraft

David

«An dem Tag, als ich rief, antwortetest du mir; du hast mich ermutigt: In meiner Seele war Kraft» (Psalm 138,3).

Viele Psalmen zeugen davon, wie oft David in der Bedrängnis die Befreiung des HERRN erfahren hat. Er hat gerufen, und Gott hat geantwortet, indem Er die Schwierigkeiten weggenommen hat. In Psalm 138 weist die göttliche Antwort jedoch ein anderes Merkmal auf: «Du hast mich ermutigt: In meiner Seele war Kraft.» David erinnert hier daran, dass er innere Kraft bekommen hat, um die Prüfung zu ertragen.

So war es in Ziklag, als David mit seiner Truppe nach einer längeren Abwesenheit dorthin zurückkehrte und entdeckte, was die Amalekiter getan hatten. Welch ein Schmerz für ihn und seine Begleiter! Die Stadt war mit Feuer verbrannt, die Frauen und Kinder waren gefangen weggeführt worden (1. Samuel 30,1-3).

David war in grosser Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen. Was tat er in dieser schrecklichen Situation? «David stärkte sich in dem HERRN, seinem Gott» (V. 6).

Zu unserer Ermutigung möchten wir an einige andere Berichte aus Gottes Wort erinnern, die uns zeigen, wie Glaubende in besonders schwierigen Situationen von Gott gestärkt wurden.

Esra

«Ich erstarkte, weil die Hand des HERRN, meines Gottes, über mir war» (Esra 7,28).

Esra ist ein kundiger Schriftgelehrter im Gesetz Moses (V. 6). Der HERR hat es ihm aufs Herz gelegt, aus Babel nach Jerusalem zurückzukehren, um den Dienst im wiederaufgebauten Tempel zu unterstützen und das Herz des untreuen Volkes aufzuwecken. Ausserdem lesen wir von Esra, dass er sein Herz darauf gerichtet hatte, das Gesetz des HERRN zu erforschen und zu tun und in Israel Satzung und Recht zu lehren (V. 10). In seinen Kontakten mit König Artasasta macht er nun die Erfahrung, dass «die Hand des HERRN, seines Gottes, über ihm» ist (V. 6.9.28). Das gibt ihm Kraft und Mut. Aber er fühlt auch die Notwendigkeit, demütig und von seinem Gott abhängig zu sein.

Auf die Bitte von Esra gibt ihm der König all sein Begehr: Er erlaubt jedem aus dem Volk Israel, der es auf dem Herzen hat, mit Esra nach Jerusalem zu ziehen. Zudem erteilt er seinen Schatzmeistern den Befehl, Esra alles zu geben, was er verlangt. Esra könnte vom König auch eine Heeresmacht und Reiter erbitten, damit sie die kleine Reisegruppe mit den Wertgegenständen, die sie nach Jerusalem bringen, vor Angriffen beschützen. Doch er schämt sich, diese Bitte auszusprechen, weil er vor dem König das schöne Zeugnis abgelegt hat: «Die Hand unseres Gottes ist über allen, die ihn suchen, zum Guten; aber seine Macht und sein Zorn sind gegen alle, die ihn verlassen» (Kap. 8,22).

Als Esra in den Angelegenheiten mit dem König die mächtige Hand des HERRN erlebt, dankt er seinem Gott (Kap. 7,27). In der Folge will er sich weiter auf Ihn verlassen. Er vergisst nicht, mit Demütigung und Fasten von Gott einen geebneten Weg zu erbitten.

In seinen Vorbereitungen am Fluss Ahawa erfährt Esra bereits die göttliche Hilfe. Bevor es nun losgeht, befiehlt er sich seinem Gott für die Reise an. Schon nach dem Gebet kann er sagen: Gott «liess sich von uns erbitten» (Kap. 8,23). Der weitere Bericht bestätigt es: «Die Hand unseres Gottes war über uns, und er rettete uns von der Hand des Feindes und des am Weg Lauernden» (V. 31).

Lasst uns den Glauben dieses treuen Knechts nachahmen! Wir wollen von Gott einen geebneten Weg erbitten – es ist der Weg, der seinem Willen für uns entspricht. «Die Augen des HERRN durchlaufen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist» (2. Chr 16,9). Möchten wir das verwirklichen, was die Söhne Korahs erklärten: «Glückselig der Mensch, dessen Stärke in dir ist, in deren Herzen gebahnte Wege sind!» (Ps 84,6).

Daniel

«Mein Herr möge reden, denn du hast mich gestärkt» (Daniel 10,19).

Nachdem Daniel drei volle Wochen getrauert hat, ist er in der Lage, die Mitteilung der Gedanken Gottes entgegenzunehmen (V. 1-3). Denn er hat sein Herz darauf gerichtet, Verständnis zu erlangen und sich vor seinem Gott zu demütigen (V. 12).

So sieht er am Ufer des Stromes Hiddekel eine herrliche Vision: einen Mann in Leinen gekleidet, der den Menschenkindern gleicht (V. 5.16). Wir erkennen in diesem Mann Den, der einige Jahrhunderte später im Fleisch offenbart worden ist – den Sohn des Menschen. Nur Daniel sieht diese Vision. Die Männer, die bei ihm sind, verstecken sich, weil ein grosser Schrecken auf sie gefallen ist.

Daniel selbst ist zutiefst beeindruckt: «Meine Gesichtsfarbe verwandelte sich an mir bis zur Entstellung, und ich behielt keine Kraft» (V. 8). Da rührt ihn eine Hand an und hilft ihm, dass er auf seine Knie und Hände emporwankt (V. 10). Der Mann spricht zu ihm, ermutigt ihn und bittet ihn, aufzustehen, bevor Gott ihm die Zukunft offenbart. Er berührt seine Lippen, worauf Daniel seinen Schrecken und seine Kraftlosigkeit bekennt. Etwas später berührt ihn wieder einer, von Aussehen wie ein Mensch, und stärkt ihn. Daniel hört folgende Worte: «Fürchte dich nicht, du vielgeliebter Mann! Friede dir! Sei stark, ja, sei stark!» (V. 18.19). Sein Herz ist jetzt in Frieden in der Gegenwart seines Gottes. Er bekommt neue Kraft und kann sagen: «Mein Herr möge reden, denn du hast mich gestärkt.»

Der Herr möchte, dass wir auf Ihn schauen, damit wir von Ihm geistliche Kraft empfangen – die Stärke, die Er geboten hat (Ps 68,29). Sie steht uns zur Verfügung, egal in welchem Alter wir uns befinden. Doch wir bekommen sie nur, wenn wir unsere Erwartung im Glauben auf Ihn setzen und in Abhängigkeit von Ihm sind. Vertrauen wir dem Herrn, dass Er uns «von Kraft zu Kraft» gehen lässt (Ps 84,8)! Im Bewusstsein seiner Liebe und im Frieden, den Er uns gibt, besitzen wir die Erkenntnis seines Willens und sind fähig, Ihm zu dienen. Dann können wir wachsen «durch die Erkenntnis Gottes, gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu allem Ausharren und aller Langmut mit Freuden» (Kol 1,10.11).

Habakuk

«Der Herr ist meine Kraft» (Habakuk 3,19).

Am Anfang seines Buches schüttet Habakuk im Blick auf den tiefen Zustand im Volk Israel sein Herz vor Gott aus. Der HERR antwortet ihm und kündigt ihm eine schreckliche Züchtigung an, die Er durch die Chaldäer über sein Volk bringen wird. In seinem tiefen Schmerz betet der Prophet von neuem und stellt sich auf den Turm, um die Worte des HERRN zu hören (Kap. 2,1). Durch eine Vision wird er ermutigt, auf die Befreiung zu warten. Der Böse kann sein Werk einen Moment lang tun, «aber der Gerechte wird durch seinen Glauben leben» (V. 4). Der Prophet besitzt von nun an Frieden in seinem Herzen, weil er weiss, dass der HERR in seinem heiligen Palast ist (V. 20). Dann bittet er Gott, Er möge denen, die sein Gericht verdient haben, barmherzig sein (Kap. 3,2). Schliesslich erinnert er an die Befreiungen, die der HERR in der Vergangenheit zugunsten des Volkes Israel bewirkt hat.

Dennoch weiss Habakuk, dass das Gericht über das Volk hereinbrechen muss und dass eine extrem schwierige Zeit kommen wird: «Der Feigenbaum wird nicht blühen, und kein Ertrag wird an den Reben sein; und es trügt die Frucht des Olivenbaumes, und die Getreidefelder tragen keine Speise; aus der Hürde ist verschwunden das Kleinvieh, und kein Rind ist in den Ställen» (Kap. 3,17). Aber der Prophet ist nicht entmutigt. Sein Glaube, der durch die Prüfung gestärkt worden ist, führt ihn zu einem Ausbruch der Freude und des Lobes: «Ich aber, ich will in dem HERRN frohlocken, will jubeln in dem Gott meines Heils. Der HERR, der Herr, ist meine Kraft und macht meine Füsse denen der Hirschkühe gleich und lässt mich einherschreiten auf meinen Höhen» (V. 18.19). Habakuk findet seine Kraft im HERRN und geniesst ruhig seine Gemeinschaft.

Welch eine Ermutigung gibt uns das Beispiel von Habakuk, wenn wir über den Ruin im Volk Gottes betrübt sind! Lasst uns aus Glauben leben (Heb 10,38), viel im Gebet auf den Knien sein und den Platz auf dem Turm einnehmen, um die göttliche Stimme zu hören. Vergessen wir nicht, dass der Herr auch in den schwierigsten Zeiten die unfehlbare Hilfsquelle der Seinen bleibt. Sein Wort sagt uns: «Seid stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke» (Eph 6,10). «Die auf den HERRN harren, gewinnen neue Kraft: Sie heben die Schwingen empor wie die Adler» (Jes 40,31).

Der Apostel Paulus

«Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich» (2. Timotheus 4,17).

In seiner Zelle in Rom ist Paulus wie ein Verbrecher mit Ketten gebunden und leidet viel schwerer als in der ersten Gefangenschaft. Er weiss, dass die Zeit seines Abscheidens gekommen ist (V. 6). Da ist es sein sehnlicher Wunsch, dass Timotheus, sein geliebtes Kind, zu ihm kommt (V. 9). Nur Lukas ist bei ihm (V. 11). Doch trotz seiner Einsamkeit und seiner Leiden kann Paulus nach oben blicken. Er hat den Herrn vor Augen, der ihm in Korinth erschienen ist und zu ihm gesagt hat: «Fürchte dich nicht … Ich bin mit dir» (Apg 18,9.10). – Vor dem Gericht des Kaisers in Rom ist Paulus allein. Er muss sagen: «Bei meiner ersten Verantwortung stand mir niemand bei, sondern alle verliessen mich» (V. 16). Seine Mitarbeiter im Werk lassen ihn im Stich, aber er erlebt die Gegenwart des Herrn und die Kraft, die Er zur rechten Zeit gibt. «Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, damit durch mich die Predigt vollbracht würde und alle die aus den Nationen hören möchten; und ich bin gerettet worden aus dem Rachen des Löwen» (V. 17). – Wenn Paulus in die Zukunft blickt, kann er voll Vertrauen sagen: «Der Herr wird mich retten von jedem bösen Werk und bewahren für sein himmlisches Reich» (V. 18).

Auch wir fühlen uns manchmal allein. Wir werden nicht verstanden oder vermissen das Mitgefühl unserer Glaubensgeschwister. Dann wollen wir daran denken, wie Paulus die Gegenwart des Herrn erfahren und Kraft von Ihm bekommen hat.

Vielleicht dauert die Erprobung, die wir zurzeit durchmachen, schon lange an und es scheint, dass der Herr auf unser Flehen nicht antwortet. Ohne die Hilfsquellen von oben wird unser Herz durch das lang hingezogene Harren krank und unsere Seele verschmachtet (Spr 13,12). Dennoch können wir sicher sein: Gott ist treu! Er wird nicht zulassen, dass wir über unser Vermögen versucht werden (1. Kor 10,13). Viele Glaubende hätten nie gedacht, dass sie diese oder jene Prüfung ertragen könnten. Aber Gott hat sie gestärkt, so dass ihnen die durchgemachte Not einen ganz besonderen Segen gebracht hat. Sie haben den Herrn näher kennen gelernt und verstanden, sich ganz auf Ihn zu verlassen (Ps 62,2.6).

Schluss

Oft lassen uns die Prüfungen, durch die uns Gott gehen lässt, unsere ganze Schwachheit fühlen. Dann beginnen wir, bei Ihm unsere wirkliche Kraft zu suchen. Er möchte, dass wir allezeit mehr als Überwinder sind (Röm 8,37) und dass wir Christus, die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden erkennen (Phil 3,10).

Wir wollen Dem vertrauen, der uns Mut und Kraft geben will, damit wir mit dem Psalmdichter sagen können: «Der HERR wird es für mich vollenden. HERR, deine Güte währt ewig» (Ps 138,8).