Tröstet, tröstet mein Volk!

Jesaja 40; Jesaja 66

Einleitung zu Jesaja 40 – 66

Im zweiten Teil des Propheten Jesaja spricht der HERR zum Herzen des Volkes Israel, um es aus seiner Entfernung von Gott, seiner Schuld und seinem elenden Zustand zu sich zurückzuführen. Er will es trösten.

Die vergangene und noch zukünftige Geschichte dieses Volkes dient uns zum Trost und zur Ermutigung. Das bestätigt uns 1. Korinther 10,11: «Alle diese Dinge aber widerfuhren jenen als Vorbilder und sind geschrieben worden zu unserer Ermahnung, auf die das Ende der Zeitalter gekommen ist.» Wer diese Kapitel aufmerksam liest, wird seine eigene Geschichte darin finden.

Zum Thema «Trost Gottes» wollen wir uns zuerst einige grundlegende Fragen stellen:

Wann brauchen wir Trost?

Als Erstes kommt uns wohl der Tod in den Sinn: Wenn wir eine geliebte Person verloren haben, sehnen wir uns nach Trost. Doch schon unsere tägliche Arbeit verursacht oft Mühe genug, so dass wir Ermutigung brauchen. Deshalb gab Lamech seinem Sohn den Namen Noah: «Dieser wird uns trösten über unsere Arbeit und über die Mühe unserer Hände wegen des Erdbodens, den der HERR verflucht hat» (1. Mo 5,29). Auch Unglück und Krankheit, die plötzlich über uns kommen, drücken uns nieder. Paulus redet von allerlei Umständen, die uns entmutigen können, und von der Sorge um die Versammlungen, die täglich auf ihn eindrang (Eph 6,21.22; 2. Kor 11,28). Zudem bedrängen uns oft kummervolle Gedanken. Der Psalmist erlebte es und wurde getröstet: «Bei der Menge meiner Gedanken in meinem Innern erfüllten deine Tröstungen meine Seele mit Wonne» (Ps 94,19).

Wen tröstet der Herr?

Wenn wir den zweiten Teil des Propheten Jesaja sorgfältig lesen, werden wir erstaunt sein, dass der Herr an alle unsere vielfältigen Nöte denkt und jedem seinen Trost schenken möchte. Wir nennen vorab nur einige Beispiele:

  • Er redet zu Menschen, die in Not geraten sind: Elende, Arme (Jes 41,17), Gefangene (Jes 49,25; 61,1), Flüchtlinge (Jes 43,14).
  • Er spricht zu Glaubenden, die in einer besonderen Gemütsverfassung sind: Müde, Unvermögende (Jes 40,29), in ihrem Geist oder Herzen Zerschlagene (Jes 57,15; 66,2).
  • Er tröstet auch solche, die jemand durch den Tod oder durch Trennung verloren haben: Witwen (Jes 54,4) oder verlassene Kinder, weil sich ihre Mutter von ihrem Mann getrennt hat (Jes 50,1).

Wenn du beim Lesen dich selbst entdeckst, wirst du betroffen sein, dass der HERR gerade von dir spricht. Öffne Ihm dein Herz! Dann wirst du erfahren, dass Er nicht nur an eine Personengruppe denkt, sondern dich ganz persönlich meint. «Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein» (Jes 43,1).

Wie tröstet Gott?

Er redet sowohl zum Herzen als auch zum Gewissen. Gott spricht unser Herz an, um einen Zugang zu uns zu finden. Er hat eine Botschaft an unser Gewissen, damit wir das wegtun, was die Gemeinschaft mit Ihm stört. Er tröstet durch seine Worte, schliesst uns in seine Arme und lässt uns in seiner Nähe zur Ruhe kommen (Jes 40,11). Die Krönung seines Trostes ist, Ihn selbst kennen zu lernen. In seinen Aussprüchen stellt der Prophet eine Fülle von Herrlichkeiten des HERRN vor, die im Neuen Testament in den drei Personen der Gottheit völlig offenbart werden:

  • Der Herr Jesus kam als Trost Israels zu seinem Volk (Lk 2,25).
  • Der Heilige Geist wohnt jetzt als Sachwalter, Tröster und Beistand in den Glaubenden (Joh 14,16 Fussnote).
  • Von Gott, dem Vater, heisst es, dass Er «der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes» ist (2. Kor 1,3).

Die Gedanken des Trostes und der Ermunterung laufen wie silberne Fäden durch die ernsten Aussagen, die Gott im zweiten Teil des Propheten Jesaja macht. Ein besonderer Anfang zu diesem Thema bildet Kapitel 40. Es beginnt mit den Worten: «Tröstet, tröstet mein Volk.» Wir empfehlen, das ganze Kapitel zu lesen, um die Trostworte, die wir herausgreifen, in ihrem Zusammenhang zu verstehen.

1) Zum Herzen reden

«Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet zum Herzen Jerusalems, und ruft ihr zu, dass ihre Mühsal vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist, dass sie von der Hand des HERRN Zweifaches empfangen hat für alle ihre Sünden» (Jes 40,1.2).

Die Worte Jesajas richten sich an das Volk Israel. Aus der vergangenen und zukünftigen Geschichte dieses Volkes lernen wir Gottes Handeln mit uns besser verstehen. Unser Gott weiss, dass wir Trost nötig haben, weil Er uns kennt. Wir merken manchmal nicht einmal, was uns fehlt. Deshalb ergreift Er selbst das Wort und ruft uns zu: «Tröstet, tröstet mein Volk.»

An den Herrn Jesus zu glauben und damit zu seinem himmlischen Volk zu gehören, ist ein Vorrecht. Wir sind mit Dem verbunden, der uns trösten will. Nur verhindern oft Sünden in unserem Leben seine Tröstungen. Deshalb redet Er zu uns, damit wir die begangenen Sünden bekennen. Dadurch öffnet Er unser Herz für seinen Trost.

Denk an die Geschichte Josephs und überlege, zu welchem Zeitpunkt er sich seinen Brüdern zu erkennen gab. Er prüfte sie so lange, bis Juda ein Bekenntnis ablegte. In diesem Moment zeigte er sich ihnen als ihr Bruder und tröstete sie: «Betrübt euch nicht, und zürnt nicht über euch selbst» (1. Mo 45,5). Dann umarmte Joseph seine Brüder. So ist es auch mit uns. Wenn nichts mehr zwischen uns und unserem Gott steht, sind unsere Herzen offen für seinen Trost.

2) Hindernisse aus dem Weg räumen

«Stimme eines Rufenden: In der Wüste bahnt den Weg des HERRN; ebnet in der Steppe eine Strasse für unseren Gott! Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden; und das Höckerige soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene!» (Jes 40,3.4).

Gott macht uns noch auf andere Hindernisse aufmerksam, die sich zwischen uns und seinen Trost stellen können. Er führt uns dahin, unser Leben in seinem Licht zu sehen und uns korrigieren zu lassen. Die Hindernisse gehen in drei Richtungen. Es gibt Hügel, Täler und Höckeriges:

  • Hügel entstehen, wenn wir unsere eigenen Ansichten höher gewichten als die Gedanken Gottes.
  • Täler dagegen befinden sich dort, wo wir zu gering von unserem Gott denken.
  • Das Höckerige deutet auf unseren Eigenwillen hin, der sich gegen Gott erhebt.

Bei der Erkrankung von Lazarus wurden die Gedanken der beteiligten Personen offenbar. Einige Jünger wollten gar nicht hingehen, weil sie fürchteten, gesteinigt zu werden. Sie dachten, sie könnten die Lage besser einschätzen als der Herr. Martha und Maria sagten beide zum Herrn Jesus: «Herr, wenn du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben.» Sie dachten zu gering von der Macht des Sohnes Gottes. Thomas wollte zwar hingehen, aber mit Lazarus sterben – ein Gedanke, der nicht mit dem Herrn übereinstimmte. Alle ihre Überlegungen und Einwände mussten geebnet werden, bevor der Herr durch die Auferweckung des Lazarus seine Herrlichkeit als Sohn Gottes offenbaren konnte: «Ich bin die Auferstehung und das Leben.»

Wie tröstlich ist das Beispiel der Auferweckung von Lazarus. Wir sollen wissen, dass eine leibliche Auferweckung auch für uns Wirklichkeit ist. Der Herr Jesus wird uns, sollten wir durch den Tod zu gehen haben, aus den Gräbern herausrufen (Joh 5,28.29). Für die Glaubenden wird es eine Auferstehung zum ewigen Leben sein.

3) Durch wen tröstet uns Gott?

«Die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des HERRN hat geredet» (Jes 40,5).

Gott tröstet uns durch die Sendung einer Person, durch seinen eigenen Sohn. Simeon erwartete und erlebte den Messias als den Tröster Israels. Als er dem Kind Jesus im Tempel begegnete, lobte er Gott: «Nun, Herr, entlässt du deinen Knecht, nach deinem Wort, in Frieden; denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker: ein Licht zur Offenbarung für die Nationen und zur Herrlichkeit deines Volkes Israel» (Lk 2,29-32). Wunderbare Erfüllung der Verheissung Gottes, seinem Volk den Messias zu senden! Dieser sollte der Trost Israels sein. Er kam und offenbarte die Herrlichkeit Gottes.

Aber es kam anders, als die meisten dachten: Weil sein Volk Ihn ablehnte, wurde Jesus Christus zuerst den Nationen zum Heil. Erst in der Zukunft wird Er zur Herrlichkeit seines Volkes Israel sein. So hatte es Simeon prophezeit. Christus kam in das Seine, doch die Seinen nahmen Ihn nicht an. Sie wollten ihre Herzen nicht durch seine Person trösten lassen. Deshalb bleibt ihnen Gottes Trost vorerst versagt. Doch dem Einzelnen, der Hindernisse wegräumt und sein Herz öffnet, ruft Er Worte des Trostes zu.

4) Der Herr tröstet uns durch sein Wort

«Stimme eines Sprechenden: Rufe! Und er spricht: Was soll ich rufen? ‹Alles Fleisch ist Gras, und all seine Anmut wie die Blume des Feldes. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; denn der Hauch des HERRN hat sie angeweht. Ja, das Volk ist Gras. Das Gras ist verdorrt, die Blume ist abgefallen; aber das Wort unseres Gottes besteht in Ewigkeit›» (Jes 40,6-8).

Der Prophet fragt: Was soll ich rufen? Die Antwort lautet: die Wahrheit! Denn Gottes Trost ist offen und wahr. In seinem Wort teilt Er uns die Wahrheit über uns mit: Wir sind wie Gras. Wenn Gras geschnitten wird, verdorrt es. Das ist ein treffendes Bild von uns Menschen. Wie stolz sind wir oft auf das, was wir sind, obwohl wir nichts sind! Wenn wir Gottes Worte für uns annehmen und uns darunter stellen, dann gibt es für uns göttlichen Trost, wie es auch für das Volk Israel in der Zukunft durch ihren Messias Trost geben wird. Von Zion, dem Ort der Gnade, wird mit Macht eine frohe Botschaft verkündet: Der Herr wird mit seinem starken Arm herrschen und seine Herde wie ein Hirte weiden (Jes 40,9.10).

5) Sein tröstliches Handeln

«Er wird seine Herde weiden wie ein Hirte, die Lämmer wird er auf seinen Arm nehmen und in seinem Schoss tragen, die Säugenden wird er sanft leiten» (Jes 40,11).

In diesem lieblichen Bild sehen wir, wie wir Trost vom Herrn empfangen: Er pflegt uns wie ein Hirte seine eigenen Schafe. Am Kreuz hat Er sein Leben für uns gelassen. Nun versorgt Er uns und übernimmt die Führung in unserem Leben. Besonders sorgfältig geht Er mit den Schwachen um. Die Kleinen, die nicht mehr laufen können, trägt Er auf seinem Arm und in seinem Schoss. Mit Kraft wirkt Er für uns. Bei Ihm sind wir wohl geborgen. Die säugenden Schafe sprechen von Glaubenden, die für das Wohl von anderen besorgt sind. Mit ihnen geht Er sanft um. Er überfordert sie nicht. Haben wir nicht einen guten und treuen Hirten?