Die Macht des Glaubens

1. Samuel 1,24-28; 1. Samuel 2,1-10

Nur soweit wir in der Zukunft leben, die Gott vor uns stellt, haben wir die Kraft, in der Gegenwart den richtigen Pfad entschieden zu verfolgen. Das, was jenseits der gegenwärtigen Dinge liegt, muss das Herz erfüllen und die Grundlage unserer geistlichen Kraft bilden. Und es ist wunderbar, welche Kraft dies wirklich gibt.

Wir finden in der angeführten Stelle ähnliche Ausdrücke wie in Marias Lobgesang in Lukas 1. Sowohl Hanna als auch Maria waren der Natur nach schwache Gefässe, aber bei beiden finden wir etwas, das ihnen Macht und Kraft verlieh: einen lebendigen Glauben. Sie versenkten sich in das, was die Verheissungen Gottes ihnen zusagten, und fanden darin den richtigen Halt für ihren Weg. Alle, die Gott je auf diese Weise verherrlichten, haben die Gedanken Gottes über sein Volk in der Kraft des Glaubens festgehalten.

Unsere Stelle ist ein erfrischender Ausbruch des Lobes, begleitet von ungewöhnlicher, geistlicher Erkenntnis. Sie stellt die volle Bedeutung des Wortes ans Licht: «Das Geheimnis des HERRN ist für die, die ihn fürchten, und sein Bund, um ihnen denselben kundzutun» (Ps 25,14). Die Herrlichkeit sollte bald von Israel weichen, aber inmitten dieser traurigen Zeit begegnen wir einer Frau, die persönlichen Glauben hatte. Hannas Glaube blickte weit über den Verfall des Volkes hinaus. Der Grund ihrer Freude lag nicht etwa nur in der Geburt ihres Knaben, nein er lag in der Zuversicht, dass Gott eine Befreiung für sein Volk, ja für seine ganze Schöpfung wirken werde. «Mein Herz frohlockt in dem HERRN», sagte sie. Sie stützt sich nicht auf die sichtbaren Umstände. Die letzten Klänge ihres Psalms reichen sogar bis zu den letzten Tagen, und berühren Gottes Vorsätze für seine ganze Schöpfung.

Es ist wichtig für uns, dass unsere Gedanken nicht eingegrenzt werden durch die kleinen Verhältnisse, von denen wir umgeben sind. Gott hat seine herrlichen Ratschlüsse in Bezug auf seine Versammlung, die Schöpfung, die Welt, und wir können uns im Geist in diese Dinge versenken. Es gibt nicht eine einzige Verheissung in Gottes Wort, die nicht unser wäre in Christus Jesus. Und was befähigt uns besser, das Wort seines Ausharrens zu bewahren, als die Gewissheit, dass alle diese Dinge schon unser sind? Wir hoffen nicht auf irgendetwas Unbestimmtes, nein, wir haben die Bestätigung aller Verheissungen in der Person des Herrn Jesus Christus.

Sechs- oder siebenmal wird von Samuel gesagt, dass er im Haus des HERRN diente und dort aufwuchs. Wie wenige haben ihn damals beachtet, wie wenige haben seine Person mit einem zukünftigen Sieg über die Philister (1. Sam 7,10.11), oder mit der Ausführung der Ratschlüsse Gottes verbunden! Desgleichen, als einst Simeon den Herrn auf seine Arme nahm, wer brachte da wohl den kommenden Tag der Herrlichkeit mit diesem kleinen Kind in Verbindung? Nur der Glaube.

Das Geheimnis des HERRN ist für die, die Ihn fürchten – und wunderbar ist es in der Tat, in seine vor der Welt verborgenen Ratschlüsse eingeweiht zu sein. Möge der Herr uns schenken, sie zu kennen und zu lieben. Wenn wir auf die Dinge um uns her blicken, so könnten wir uns wohl entmutigt fühlen.

Aber betrachten wir Hannas Glauben, Marias Glauben – diese Herzen, die in Lob ausbrachen, weil sie auf das schauten, was nach der Verheissung Gottes geschehen sollte. Oh, halten wir an den einfachen Grundsätzen des Glaubens fest, mögen auch die Umstände sein wie sie wollen. Zur Rechten Gottes haben wir Christus als festen und sichern Anker der Seele und können in das Geheimnis des Herrn, in seine Gedanken und Ratschlüsse eingehen. Erlauben wir den kleinlichen Umständen unseres Lebens nicht, unsere Sinne und Blicke einzuschränken! Sind wir doch für immer aufs engste verbunden mit allem, was dem Herrn Jesus am Herzen liegt und was sein ist.