In allem den Vorrang

Kolosser 1,15-18

Leider geschieht es, dass wir als Gläubige den Herrn Jesus aus dem Blickfeld verlieren. Dann hat Er in unserem Herzen nicht mehr den zentralen Platz. Das führt dazu, dass unser Leben nicht mehr auf Ihn ausgerichtet verläuft. Es gibt mehrere Gründe, warum es so weit kommen kann.

Manchmal macht das Irdische dem Herrn den ersten Platz streitig. Wir lassen uns von der Ausbildung, dem Beruf oder der Familie übermässig in Beschlag nehmen und vernachlässigen unsere Glaubensbeziehung zu Jesus Christus. Noch schlimmer ist es, wenn wir unser Herz der Welt und ihren Ideen öffnen. Dann verlieren wir die Freude am Herrn und an unserer Beziehung zu Ihm.

Bei den Kolossern bestand die Gefahr, dass Christus durch Philosophie und religiöse Traditionen aus ihren Herzen verdrängt wurde. Der Apostel erkannte dieses Problem und sprach es an (Kol 2,8). Er zeigte ihnen auch die Folgen auf, die dieser negative Einfluss auf ihr Glaubensleben hatte. Doch zuvor stellte Paulus ihnen die Herrlichkeit des Herrn Jesus vor, um ihre Herzen neu auf seine wunderbare Person auszurichten (Kol 1,15-18).

Was auch immer die Ursache sein mag, weshalb wir uns innerlich vom Herrn Jesus distanziert haben – das einzige Heilmittel ist das Betrachten seiner Herrlichkeit. Wenn Christus unser Herz aufs Neue tief beeindruckt, werden wir wieder mit Ihm und für Ihn leben. Darum wollen wir jetzt über das nachdenken, was seine wunderbare Person ausmacht.

Christus ist gross und herrlich

  • Der Herr Jesus ist das Bild des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15). Um Gott völlig zu offenbaren, ist der ewige Sohn als sündloser Mensch auf die Erde gekommen. In seinem Leben und in seinem Tod hat Er gezeigt, dass Gott absolut heilig und zugleich voller Liebe ist. Jesus Christus hat Gott auch als Vater bekannt gemacht (Joh 1,18). Wir staunen darüber, dass der Mensch gewordene Sohn Gottes die Ausstrahlung der göttlichen Herrlichkeit und der Abdruck des Wesens Gottes ist (Heb 1,3).
  • Christus ist der Erstgeborene aller Schöpfung (Kol 1,15). Der ewige Sohn Gottes wurde vor 2000 Jahren wahrer Mensch, gezeugt vom Heiligen Geist und geboren von einer Jungfrau. Auf diese Weise trat der Herr Jesus als Mensch in die erste Schöpfung ein, die Er als Gott ins Dasein gerufen hatte. Er war nicht der erste Mensch, der auf der Erde lebte, aber unbedingt der Vornehmste oder Ranghöchste in der ersten Schöpfung. Das wird durch den Titel «Erstgeborener» ausgedrückt.
  • Der Herr Jesus ist der Schöpfer von Himmel und Erde (Kol 1,16). In seiner göttlichen Kraft hat Er das ganze Universum ins Dasein gerufen. Er hat die Menschen, die Tiere und die Pflanzen geschaffen. Auch das, was wir nicht sehen können, hat Er gemacht. Denken wir nur an die mächtigen und erhabenen Engel. Wie viel grösser muss der Sohn Gottes sein, der durch sein Wort alles erschaffen hat (Ps 33,9)! Wir bewundern seine Allmacht und seine Weisheit, die in der Schöpfung sichtbar werden.
  • Der Herr Jesus ist das Haupt des Leibes, der Versammlung (Kol 1,18). Er wurde Mensch, lebte auf der Erde und starb am Kreuz. Danach kehrte Er als Auferstandener in den Himmel zurück. An Pfingsten kam der Heilige Geist auf die Erde und bildete die Versammlung Gottes (1. Kor 12,13). Da wurde Jesus Christus das Haupt des Leibes. Seither ist Er als verherrlichter Mensch im Himmel fest und untrennbar mit der Versammlung auf der Erde verbunden. Vom Haupt geht alles aus, was zur geistlichen Erbauung des Leibes geschieht (Kol 2,19; Eph 4,15.16).
  • Der Herr Jesus ist der Anfang, der Erstgeborene aus den Toten (Kol 1,18). Drei Tage nach seinem Tod am Kreuz ist Er aus den Toten auferstanden, um als Mensch ewig zu leben. Mit seiner Auferstehung hat die neue Schöpfung begonnen, zu der die Gläubigen der Gnadenzeit dem Geist nach bereits gehören (Off 3,14; 2. Kor 5,17). Nach der Entrückung werden sie auch körperlich an der neuen Schöpfung teilhaben. Im ewigen Zustand werden die neuen Himmel, die neue Erde und alle Erlösten dazu gehören (Off 21,1-4). Doch Jesus Christus wird in der neuen Schöpfung ewig der Vornehmste oder Ranghöchste sein, denn Er ist der Erstgeborene aus den Toten.

Christus hat in allem den Vorrang

Auf die wunderbare Beschreibung des Herrn Jesus folgt die bedeutsame Aussage: «Damit er in allem den Vorrang habe» (Kol 1,18). Er steht als ewiger Sohn Gottes, als allmächtiger Schöpfer und als sündloser Mensch über allem. Er ist sowohl in der ersten als auch in der neuen Schöpfung der Ranghöchste. Er hat bei seinem Gott und Vater den absoluten Vorrang. Während Er als Mensch hier lebte, bezeugte der Vater zweimal: «Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe» (Mt 3,17; 17,5). Christus nimmt auch in allen Plänen Gottes den zentralen Platz ein: Er wird als König über das Volk Israel und die ganze Erde regieren (Ps 2,6-8). Christus wird als Sohn des Menschen das ganze Universum zur Ehre Gottes verwalten (Ps 8,5-7; Eph 1,10). Zudem wird Er die Versammlung sich selbst verherrlicht darstellen, um sich ewig an ihr zu freuen (Eph 5,27).

Nun stellt sich jedem von uns die Frage: Hat der Herr Jesus in meinem Herzen und in meinem Leben auch den Vorrang vor allem anderen? Die Antwort darauf hängt von unserer Wertschätzung für seine wunderbare Person ab. Wenn wir tief von seiner Herrlichkeit beeindruckt sind, geben wir Ihm gern den ersten Platz. Je mehr wir Ihn schätzen, desto entschiedener folgen wir Ihm nach. Je mehr uns der Herr Jesus bedeutet, desto wichtiger ist uns der Ort, wo Gläubige in seinem Namen versammelt sind.