Baruch erhält ein persönliches Wort

Jeremia 45

Baruch war der Schreiber und wohl auch der Diener von Jeremia. Im vierten Jahr der Regierung Jojakims musste er alle Prophezeiungen aufschreiben, die Jeremia bis dahin von Gott erhalten hatte (Jer 36,1-8). Zudem bekam er den Auftrag, das gesamte Dokument im Tempel vorzulesen. Er tat das ohne Widerrede. Da überrascht es uns, dass Gott ihn gerade in diesen Umständen durch ein persönliches Wort ermahnte (V. 1). Er sollte nicht nach grossen Dingen für sich trachten (V. 5). Gott sah in sein Herz und erkannte darin diese schädliche Haltung. Wir wissen nicht, wonach er trachtete. Wollte er vielleicht auch ein Prophet werden? Genügte es ihm nicht, bloss aufzuschreiben? Hätte er gern selbst göttliche Aussprüche getan? Auf jeden Fall geriet er durch diese Einstellung in Gefahr, seinen Aufgaben nicht mehr nachzukommen.

Ein Jahr später sehen wir ihn wieder an seiner gewohnten Aufgabe (Jer 36,9-32). Er wird sogar ausdrücklich «Schreiber» genannt. Dieser Auftrag war umfangreich, denn er schrieb alles auf, was Jeremia als Prophet sagte. Wie gut, dass er diesen wertvollen und nachhaltigen Dienst nicht aufgegeben hat! So können wir diese Botschaft heute noch lesen.

Gott spricht zu uns

Persönliche Worte von Gott in die Lebenssituation hinein kann jeder Gläubige erfahren. Die Bibel nennt es Weissagung. Gott nutzt verschiedene Kanäle dafür. Wenn Er Menschen dazu braucht, wissen sie im Allgemeinen nichts von der Sache.

  • Gott benutzte früher das Gesetz, um persönlich zu Menschen zu reden. So heisst es in Matthäus 11,13: «Alle Propheten und das Gesetz haben geweissagt bis auf Johannes.» Heute tut Er das durch sein Wort. Deshalb ist es wichtig, dass ich die Bibel persönlich lese, damit Gott zu mir sprechen kann.
  • Weissagung geschieht auch, wenn wir als Versammlung zusammenkommen. Durch die Verkündigung seines Wortes kann Gott in unser Leben hineinreden (1. Kor 14,23.24.31).
  • Philippus hatte vier Töchter, die weissagten (Apg 21,8.9). Wenn jemand bei ihnen zu Besuch war, konnte Gott durch die geistlichen Gespräche, die geführt wurden, ebenfalls persönlich zu den Zuhörern sprechen. – Wir lernen hier, im privaten Rahmen einen Austausch mit unseren Geschwistern zu pflegen. Dabei wollen wir nicht nur belanglose Gesprächsthemen haben, sondern uns auch geistlich unterhalten.

Nicht jedes Mal, wenn wir die Bibel lesen oder zur Versammlungsstunde gehen, begegnet Gott uns durch Weissagung. Doch es ist eine besondere Sache, dies zu erleben. In seiner Gnade tut Gott es immer wieder!

Gott lehrt uns Demut

Gross herauszukommen, wie Baruch es wünschte, passt nicht zu Jüngern des Herrn:

  • In der Welt und bei Ungläubigen ist es normal, dass man für sich grosse Dinge anpeilt. Man will mächtig sein, Einfluss haben und von allen bewundert werden. Doch ein Jünger soll ein Diener sein und damit den untersten Platz einnehmen. Das ist Grösse nach Gottes Gedanken. In Matthäus 20,24-28 stellt der Herr Jesus dies seinen Aposteln vor. Dabei ist Er selbst das grosse Vorbild: «Wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.»
  • In Lukas 9,46-48 antwortet der Herr Jesus auf die Überlegung seiner Jünger, wer wohl der Grösste unter ihnen sei. Seine Worte haben auch uns etwas zu sagen. Zu wem halte ich mich? Zu den grossen und wichtigen Menschen? Oder halte ich mich zu den Niedrigen, wie es die Kinder und die meisten Gläubigen sind? (Röm 12,16; 1. Kor 1,26-28).
  • Wenn ich einen Dienst vom Herrn habe, belehrt mich Römer 12,3 über das richtige Verhalten. Ich darf dann nicht vorschieben: Ich will nicht nach grossen Dingen trachten, also führe ich meinen Dienst nicht aus. Vielmehr soll ich das Mass des Glaubens erkennen und ausfüllen.

Gott gibt Zusagen

Baruchs Dienst war mit schweren Herzensübungen verbunden (V. 3). Er empfand es tief, die vielen Gerichtsankündigungen schriftlich festhalten und weitergeben zu müssen. Er litt, wenn er an das Elend dachte, das sein Volk durchmachen würde. Zudem erfuhr er zusammen mit Jeremia viel Feindschaft. Zum Schmerz kam Kummer hinzu.

Gott bestätigte seine Gerichtsankündigung. Es würde alles eintreffen, wie Er es vorausgesagt hatte. Was wollte Baruch da nach Grossem streben? Doch er bekam ein wunderbares Versprechen:

  • «Ich gebe dir deine Seele zur Beute» (V. 5). Die Beute ist ein Schatz, der im Kampf gegen den Feind gewonnen wird. Gott würde dafür sorgen, dass die Seele Baruchs in keinem Kampf verloren ging. Durch alle Situationen hindurch garantiert Er das ewige Heil. Der Herr Jesus gibt jedem glaubenden Christen die feste Zusage: «Niemand wird sie (seine Schafe) aus meiner Hand rauben» (Joh 10,28). Er ergänzt: «Niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben.» Es ist ganz unmöglich und völlig ausgeschlossen, dass wir das ewige Leben jemals wieder verlieren können.
  • «An allen Orten, wohin du ziehen wirst» (V. 5). Diese Aussage lässt mich daran denken, dass der Herr Jesus immer bei mir ist, ohne Vorbehalt und Einschränkung. Das verspricht Er in Matthäus 28,20. Der Weg zu Ihm ist nie weit. Wenn ich ein Problem, eine Frage oder etwas habe, was mich belastet, braucht es keinen langen «Anfahrtsweg». So ist es auch, wenn ich von einem falschen Weg umkehren will: Der Heimweg ist kurz. Der Vater «verkürzt» ihn, indem Er dem bußfertigen Sünder entgegenkommt (Lk 15,20). An einem verkehrten Ort und in einem schlechten geistlichen Zustand geniesse ich die Beziehung mit meinem Herrn und meinem Gott und Vater nicht. Aber nie bin ich von Gott verlassen. Das erlebte nur der Heiland am Kreuz, als meine Sünden auf Ihm lagen und Er deshalb von Gott gerichtet wurde.

Die Empfindungen von Baruch, sowohl seine Not als auch seine Herzensziele, sind vielen Gläubigen nicht fremd. Wie wohltuend, dass der Herr Jesus persönlich unseren Herzenszustand aufdeckt und uns Mut macht, im Glauben weiterzugehen.