Markus

Der Name Markus wird zum ersten Mal in Apostelgeschichte 12,12 erwähnt. Es scheint, dass im Haus seiner Mutter Maria Zusammenkünfte der Gläubigen stattfanden. In der Tat, viele von ihnen hatten sich dort versammelt, um für den gefangenen Apostel Petrus zu beten. Und dass sich dieser nach seiner Befreiung dorthin begab, ist auch ein Beweis dafür.

So befand sich Markus, dessen eigentlicher Name Johannes war, also nicht nur unter dem gesegneten Einfluss einer gläubigen Mutter, er wurde auch früh mit dem Wort Gottes in Verbindung gebracht, das er in den Zusammenkünften der Gläubigen und bei den Besuchen der Brüder hörte. Vielleicht können wir auch annehmen, dass, wie Paulus dem Timotheus zu seiner geistlichen Förderung nützlich sein konnte, auch der Apostel Petrus diesem jungen Mann von Nutzen war, obwohl es nicht sicher ist, dass Petrus am Schluss seines ersten Briefes von ihm redet.

Der Umstand, dass sein Name in Kapitel 12,12 ausdrücklich erwähnt wird, zeigt ohne jeden Zweifel nicht nur, dass er dem Herrn angehörte, sondern auch Beweise davon gegeben hatte. Welche Freude musste es für seine Mutter gewesen sein, das Werk des Geistes Gottes in ihrem Sohn so klar feststellen zu können! Hatte sie in ihrem Herzen vielleicht auch den Wunsch genährt, dass er sich dem Dienst des Herrn ganz zur Verfügung stelle, wie einst die fromme Hanna ihren Sohn Samuel dem HERRN zu seinem Dienst geliehen hatte?

Und siehe, schon kurz darauf wird erwähnt, dass Barnabas und Paulus auf ihrer ersten Missionsreise «Johannes zum Diener» hatten (Apg 13,5). Wir wissen nicht, wie sich die Sache angebahnt hatte. Auf jeden Fall schätzte Johannes es als ein Vorrecht, diesen geachteten Knechten des Herrn auf ihren Reisen dienen zu können. Wir haben keinerlei Grund anzunehmen, dass seine Absicht nicht lauter gewesen sei. Wie manchmal kommt es vor, dass eine gute Absicht vorliegt, aber die Kosten nicht einberechnet werden, und man genug Kraft zu haben meint, um die Aufgabe, die man sich aufgeladen hat, auszuführen. Auf dem Weg treten Schwierigkeiten und Prüfungen aller Art auf, die nicht vorausgesehen wurden. Die Kraft, die man zu haben glaubte, fehlt. Man ist nicht auf der Höhe der Prüfungen, und die Folgen sind beklagenswert. So ist es mit Markus geschehen, der auch Johannes genannt wurde.

Mutig zog er mit den Aposteln aus. Als aber die Entbehrungen und die Übungen zahlreich wurden, machte er es wie der Mann, der Hand an den Pflug legt und dann zurückblickt. Auch er schaute zurück und kehrte um in sein Land. Wie musste dies die Apostel enttäuschen und gewiss auch seine Mutter und alle Gläubigen, die ihn kannten! So beraubte er sich selbst des Vorrechtes, Mitarbeiter im Weinberg des Herrn zu sein. Wer kann die Grösse eines solchen Verlustes ermessen? Welche Warnung ist sein Beispiel für alle, die auf irgendeine Weise vom Herrn gebraucht werden möchten! Die Schrift stellt mehrere ähnliche Beispiele vor uns hin, wo es dem Feind gelang, einem Knecht des Herrn zu schaden und ihn für das Werk Gottes unpassend zu machen. In diesem Stück ist, mehr als in jeder anderen Sache, das Wort des Apostels zu beachten: «Sieh auf dich selbst!» (Gal 6,1).

Als Paulus dem Barnabas vorschlug, mit ihm die Brüder in den verschiedenen Städten wieder zu besuchen, hätte Barnabas gerne wieder Markus mitgenommen. Aber Paulus, der mehr Einsicht hatte als Barnabas, stellte ohne Zweifel fest, dass Markus seine Lektion noch nicht gelernt hatte, und das bewog ihn, gegen den Vorschlag Einspruch zu erheben, selbst auf die Gefahr hin, Barnabas als Begleiter zu verlieren.

Welche Gnade, dass der Herr nicht aufhört, sich mit jedem der Seinen zu beschäftigen, trotz ihrer Untreue! Die gleiche Liebe, die einen Petrus wiederherstellte, hat auch einen Markus nicht sich selbst überlassen. Sein Name sei gelobt!

Die weiteren wenigen Stellen des Wortes, die Markus erwähnen, zeigen, dass der Herr sein Ziel mit ihm erreicht, und dass Markus in seiner Schule gelernt hat. Er ist in seiner Hand wieder ein brauchbares Werkzeug geworden, daher nennt ihn der Apostel im Brief an Philemon seinen «Mitarbeiter» (V. 24). Im Kolosserbrief empfiehlt er ihn warm und bezeichnet ihn als Neffen des Barnabas (Kol 4,10). Im 2. Timotheus-Brief bittet er diesen, Markus mitzubringen, «denn er ist mir nützlich zum Dienst» (2. Tim 4,11). Alle Wolken hatten sich aufgelöst, und Markus erfüllte seinen Dienst nicht mehr in seiner eigenen Kraft, sondern in der des Herrn. Bestimmt hatte er jetzt gegenüber dem treuen Apostel Gefühle der Dankbarkeit für seine feste Haltung, wenn er sie nicht vorher schon verstanden hat. Und jetzt wich er nicht mehr zurück, nicht einmal vor Rom und seinem schrecklichen Kaiser Nero. So also hat die Gnade den einst furchtsamen und unbeständigen Diener zurückgebracht und gebildet, so dass er gegenüber dem treuen Knecht des Herrn in Rom und für den Herrn selbst einen Dienst von grossem Wert ausüben konnte.

Und nicht nur das. Dem völlig wiederhergestellten Markus wurde noch die grosse Aufgabe anvertraut, uns den wahren und vollkommenen Diener zu zeigen; wie er es unter der Leitung des Heiligen Geistes in dem Evangelium getan hat, das seinen Namen trägt. Welch wunderbare Wirkungen, ja, welch ein Triumph der Gnade! Wir wollen uns daher angesichts unserer Fehler und unserer Mängel nicht aufhalten, entmutigen und niederdrücken lassen, sondern uns vielmehr vom Herrn nach seinen Gedanken formen lassen, in aufrichtigem Bekenntnis und im Verurteilen alles dessen, was nicht gut ist! In seiner Schule lernen wir, auf Ihn zu vertrauen und in Wachsamkeit mit seiner Kraft voranzugehen. Dann wird Er uns zu seiner Ehre und zum Segen anderer gebrauchen können, bis Er kommt.