Verbindungen, die verunreinigen

1. Korinther 5,11-13; 1. Korinther 10,14-22; 2. Korinther 6,14-16; Galater 5,9; 2. Timotheus 2,19-21; 2. Johannes 7; Offenbarung 18,4-5

Kann ein Gläubiger sich durch verkehrte Verbindungen, die er hat, verunreinigen? Ja, die Lehre der Bibel zu dieser Frage ist eindeutig. Altes wie Neues Testament bestätigen klar: Es kommt nicht nur darauf an, dass der Gläubige sich persönlich rein hält (so wichtig das natürlich ist), sondern dass er ebenso auf seine Verbindungen achtet, die er eingeht. Ich möchte versuchen, diesen Grundsatz an einigen Bibelstellen aufzuzeigen, um so vielleicht dem einen oder anderen eine Hilfestellung zu geben. Dabei beschränken wir uns auf das Neue Testament, wohl wissend, dass auch das Alte Testament diesen Grundsatz völlig bestätigt (vgl. z.B. 4. Mo 19,14-16; Jes 52,11; Hag 2,11-13).

2. Korinther 6

In 2. Korinther 6,15 fragt der Apostel Paulus: «Welches Teil hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen?» Wie könnte eine Gemeinschaft zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen möglich sein? Dieser Vers unterstreicht, dass Trennung (Absonderung) grundsätzlich den Gedanken Gottes entspricht. Wir sind es seiner Heiligkeit schuldig. Ein unheiliges Miteinander wird mit einem ungleichen Joch verglichen. Dabei geht es in 2. Korinther 6,14-16 um folgende Gegensätze, die eine Unmöglichkeit darstellen:

  • Gerechtigkeit – Ungerechtigkeit
  • Licht – Finsternis
  • Christus – Belial
  • Gläubiger – Ungläubiger
  • Tempel Gottes – Götzenbilder

Die Anwendung betrifft verschiedene Lebensbereiche, wie z.B. die Ehe und andere Formen des menschlichen Miteinanders in Kultur, Politik, Sport, Religion usw. Wir werden aufgefordert, solche unheiligen Verbindungen nicht einzugehen. «Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab, spricht der Herr, und rührt Unreines nicht an, und ich werde euch aufnehmen» (2. Kor 6,17).

Diese Aufforderung ist ein Zitat aus Jesaja 52,11 und macht erstens deutlich, dass die Hinweise des Alten Testaments ihre Bedeutung für uns nicht verloren haben. Zweitens wird klar, dass das Anrühren von Unreinem unbedingt vermieden werden soll, weil wir dadurch selbst verunreinigt werden. Es geht hier nicht in erster Line darum, dass wir selbst Böses tun, sondern es geht um die Verbindung mit dem Bösen. Dabei verstehen wir gut, dass hier die Trennung von Ungläubigen und von der Welt in moralischem Sinn angesprochen ist. Eine solche Verbindung verunreinigt.

Damit kein Missverständnis aufkommt, sei der Vollständigkeit halber gesagt, dass es natürlich nicht darum geht, dass wir ungläubigen Menschen kein Zeugnis sein sollten. Ganz im Gegenteil. Um ihnen vom Herrn Jesus zu erzählen und ihnen das Evangelium zu sagen, müssen wir mit ihnen in Kontakt kommen. Um diese Berührungspunkte geht es hier nicht. Es geht darum, dass wir uns in einer Art und Weise mit ihnen verbinden (z.B. in der Ehe oder in einem Verein), durch die wir in ein «ungleiches Joch» kommen.

Offenbarung 18

Offenbarung 18,4.5 gibt uns eine weitere Belehrung. Auch diese Stelle hat ein alttestamentliches «Gegenstück», und zwar in Jeremia 51,6. In der Offenbarung heisst es: «Ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet und damit ihr nicht empfangt von ihren Plagen; denn ihre Sünden sind aufgehäuft bis zum Himmel, und Gott hat ihrer Ungerechtigkeiten gedacht.»

Die unmittelbare Bedeutung dieser Verse betrifft Gläubige kommender Tage, aber der Grundsatz hat allgemeine Gültigkeit. Es geht um Babylon, die grosse Hure. Sie ist ein Bild der falschen Kirche. Die Aufforderung, hinauszugehen, spricht hier von der Trennung von religiös Bösem. Dass die Gläubigen kommender Tage sich in der Mitte dieses bösen Systems aufhalten, genügt, dass sie seiner Sünden teilhaftig werden. Durch ihre äussere Verbindung zur falschen Kirche kommen sie in innere Gemeinschaft mit ihrem bösen Tun. Darum werden sie aufgefordert, hinauszugehen.

Sollte dieses Prinzip nicht auch für uns Gültigkeit haben? Gott wünscht Trennung von der Welt – sei es in ihrem moralisch Bösen, sei es in ihrem religiös Bösen. Bemerkenswert ist zudem, dass die Aufforderung zur Trennung an dieser Stelle eindeutig kollektiv ist. Das Volk Gottes insgesamt wird angesprochen und nicht nur der Einzelne.

2. Johannes-Brief

Der 2. Johannes-Brief bestätigt das, was wir soeben gefunden haben. Der Apostel Johannes warnt vor Menschen, die böse Lehren über den Herrn Jesus verbreiten. «Viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht Jesus Christus im Fleisch kommend bekennen; dies ist der Verführer und der Antichrist. … Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus auf und grüsst ihn nicht. Denn wer ihn grüsst, nimmt teil an seinen bösen Werken» (2. Joh 7-11). Der Ausdruck «nimmt teil» bedeutet soviel wie «zusammen Anteil haben» oder «etwas gemeinsam besitzen». In 1. Korinther 10,16 und in 1. Johannes 1,3 wird dieses Wort mit «Gemeinschaft» übersetzt.

Erneut wird klar, dass eine äussere Handlung (hier der Gruss) uns in innere Gemeinschaft mit der Sache bringen kann. Es geht nicht darum, dass einer, der den Irrlehrer begrüsst, seine Lehre teilt oder toleriert. Er kann sie völlig ablehnen. Aber die Tatsache, dass er den Irrlehrer aufnimmt oder grüsst, wertet Gott so, dass er an seinen bösen Werken teilnimmt.

1. Korinther 5 und Galater 5

In diesen beiden Kapiteln begegnen wir erneut dem Grundsatz, dass Verbindung mit Bösem verunreinigt. Hier kann es sich durchaus auf Gläubige beziehen, von denen wir uns trennen müssen. Wir verstehen das gut, denn Sünde ist in den Augen Gottes immer Sünde. In 1. Korinther 5,11 ist von jemand die Rede, der Bruder genannt wurde. Dieser Mann lebte in moralisch Bösem. Die Korinther werden aufgefordert, sich von ihm zu trennen. «Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Hurer ist oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen nicht einmal zu essen. … Tut den Bösen von euch selbst hinaus» (1. Kor 5,11-13).

Die Begründung zu dieser Aufforderung finden wir vorher: «Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Fegt den alten Sauerteig aus, damit ihr ein neuer Teig seiet, wie ihr ungesäuert seid. Denn auch unser Passah, Christus, ist geschlachtet worden» (1. Kor 5,6.7). Das Böse wird mit Sauerteig verglichen, der den ganzen Teig durchsäuert und «infiziert». Alle anderen – also solche, die mit der Sache direkt nichts zu tun haben – werden beeinflusst und verunreinigt, wenn sie mit einer solchen Person in Verbindung bleiben. Das ist einer der Gründe, warum eine örtliche Versammlung einen Hurer, einen Habsüchtigen usw. von der Gemeinschaft am Tisch des Herrn ausschliessen muss.

In Galater 5,9 schreibt Paulus noch einmal: «Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.» Der Zusammenhang macht deutlich, dass es sich hier nicht so sehr um moralisch Böses, sondern um Böses in der Lehre handelt. Die Konsequenz ist jedoch die gleiche. Trennen wir uns nicht, machen wir uns schuldig.

2. Timotheus 2

Dieser Brief gibt uns weitere wichtige Hinweise. Paulus schreibt an Timotheus: «Der feste Grund Gottes steht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die sein sind; und: Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit! In einem grossen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefässe, sondern auch hölzerne und irdene, und die einen zur Ehre, die anderen aber zur Unehre. Wenn nun jemand sich von diesen reinigt (eig. sich von diesen wegreinigt, d.h. sich durch Absonderung reinigt), so wird er ein Gefäss zur Ehre sein, geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet» (2. Tim 2,19-21). Hier ist die Rede von Gefässen eines Hauses. Das lässt uns besonders an unseren Dienst und unsere Verbindungen im Dienst für den Herrn denken. Es ist nicht ohne Belang, mit wem wir unserem Herrn dienen.

Der Zusammenhang macht klar, dass es hier nicht vorrangig um eigene, persönliche Ungerechtigkeit geht (wovor wir uns natürlich immer hüten müssen), sondern um Ungerechtigkeit im Haus Gottes. Ungerechtigkeit ist alles, was im Gegensatz zu dem steht, was Gott ist und was Er von sich offenbart hat. Davon sollen wir abstehen. Wie können wir diese Aufforderung verwirklichen? Indem wir uns von den Gefässen zur Unehre – das sind Menschen, die an einer solchen Ungerechtigkeit festhalten oder sie ausüben – reinigen. Diese Menschen mögen ungläubig oder gläubig sein.

Wie geschieht das Reinigen? Indem wir uns von ihnen trennen und absondern. Wieder wird das biblische Prinzip sehr deutlich: Trennung vom Bösen ist eine klare Aufforderung Gottes.

Allerdings – und das macht der Abschnitt ebenfalls klar – führt ein solcher Weg nie in die Isolation. Erstens muss es sich um Ungerechtigkeit handeln, die offenbar ist und von der jemand nicht lassen will, damit die Aufforderung zur Trennung Gültigkeit hat. Zweitens wird es immer solche geben, die den Namen des Herrn aus reinem Herzen anrufen. Solche sind nicht ohne Fehler, aber sie haben ein reines Herz, weil sie sich vom Bösen fernhalten möchten. Mit ihnen sollen wir nach praktischer Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden streben.

Wir werden also auf drei Punkte hingewiesen:

  • die Trennung von etwas weg (von den Gefässen zur Unehre)
  • die Hinwendung zu etwas hin (den Namen des Herrn anrufen)
  • der gemeinsame Weg mit anderen.

1. Korinther 10

In 1. Korinther 10,14-22 geht es um den Tisch des Herrn, d.h. um unsere gottesdienstlichen Verbindungen und nicht so sehr um unsere Gemeinschaft in der Arbeit für den Herrn. Der Grundsatz, den wir mehrfach gefunden haben, wird hier bestätigt. Durch die äussere Teilnahme an einer Sache kommen wir in innere Gemeinschaft mit ihr. Dadurch können wir uns vor unserem Herrn schuldig machen. Dreimal spricht Paulus von Gemeinschaft:

  1. die Gemeinschaft des Blutes und des Leibes des Christus.
  2. die Gemeinschaft mit dem Altar (gemeint ist der Altar des Alten Testaments).
  3. die Gemeinschaft mit den Dämonen.

Wie wird diese innere Gemeinschaft ausgedrückt? Durch eine äussere Teilnahme! Wenn wir aus dem Kelch trinken, drücken wir unsere Gemeinschaft mit dem Blut des Herrn Jesus aus. Wenn wir von dem Brot essen, bezeugen wir einerseits unsere Gemeinschaft mit Christus, unserem Haupt, und anderseits mit allen Gläubigen. Durch die äussere Handlung des Essens der Schlachtopfer waren die Israeliten im Alten Testament in Gemeinschaft mit dem Altar. Durch die Opferrituale im Götzentempel kamen die Korinther in Gemeinschaft mit den Dämonen. Obwohl ein Götzenbild an sich nichts ist, standen hinter dem Götzenkult doch die Dämonen – und mit ihnen kamen die Korinther in innere Verbindung, wenn sie bewusst in die Götzentempel gingen, um dort äusserlich an der Götzenfeier teilzunehmen.

In allen drei Fällen wird eine gottesdienstliche bzw. götzendienerische Gemeinschaft ausgedrückt, indem der Teilnehmende äusserlich damit verbunden ist. Die äussere Verbindung mit irgendeinem «Tisch» bringt uns in innere Gemeinschaft mit den Grundsätzen und Praktiken, die an diesem Tisch geduldet, gelehrt oder praktiziert werden. Dabei ist klar, dass die gottesdienstlichen «Tische» der Menschen, d.h. die Gemeinschaften, die wir heute in der Christenheit finden, nicht mit «Tischen der Dämonen» gleichzusetzen sind. Dieser Gedanke wäre völlig falsch. Es geht um den Grundsatz, dass wir uns durch die äussere Teilnahme an solchen «Tischen» mit dem eins machen, was dort geduldet, gelehrt und praktiziert wird. Eine verunreinigende Wirkung entsteht nicht nur dann, wenn ich persönlich Umgang mit einem Bösen pflege, sondern auch dann, wenn ich mit kirchlich Bösem Gemeinschaft habe oder mich mit solchen gottesdienstlich verbinde, die Böses dulden.

Damit ist gleichzeitig die Frage beantwortet, ob wir in den Gemeinschaften der Menschen mit anderen Gläubigen das Brot brechen können. Auf die Belehrungen von 1. Korinther 10 gegründet, kann die Antwort nur lauten: Es ist nicht möglich – auch wenn es uns im Einzelfall sehr schwer fallen mag. 2. Timotheus 2 warnt vor falscher «Dienstgemeinschaft». 1. Korinther 10 warnt vor falscher «Tischgemeinschaft».

Die Belehrungen der Bibel sind einfach und klar. Die äussere Teilnahme an einer Sache, die im Widerspruch zu Gottes Wort steht, lässt mich, wenn ich mich mit ihr verbinde, nicht unbeeinflusst. Es reicht auch nicht aus, dass wir die falschen Lehren und Praktiken persönlich ablehnen und uns vielleicht sogar öffentlich gegen sie stellen. Solange ich in äusserer Gemeinschaft damit bleibe, mache ich mich schuldig. Gottes Wort fordert zur Trennung auf. Eine solche Absonderung bewirkt oft tiefe innere Herzensübungen. Es kann nicht anders sein. Dabei werden wir zuerst versuchen, mit viel Geduld, mit Langmut und Liebe die Dinge ins Licht Gottes zu stellen. Aber wenn letztlich alle Bemühungen scheitern, bleibt uns in Abhängigkeit vom Herrn keine andere Möglichkeit als die Trennung. Andernfalls können wir unseren Weg nicht weiter zur Ehre des Herrn gehen. Die Heiligkeit des Hauses Gottes erfordert Gehorsam zu seinem Wort.

Ein einzigartiger Mensch

Ich möchte mit einem Hinweis auf unseren Herrn schliessen. Im Lauf der Menschheitsgeschichte hat es nur einen einzigen Menschen gegeben, der äusserlich mit Bösem in Berührung treten konnte, ohne dadurch selbst verunreinigt zu werden. Dieser einzigartige Mensch ist der Mensch vom Himmel, unser Herr Jesus. Als Er auf der Erde war, konnte Er die Hand ausstrecken, um einen Aussätzigen anzurühren. Nach den Vorschriften des Alten Testaments war das streng verboten. Jeder andere hätte sich dabei angesteckt. Nicht so der Herr Jesus. Er wurde nicht verunreinigt. Warum nicht? Die Antwort ist einfach: In Ihm gab es keinen Anknüpfungspunkt für die Sünde. Er tat keine Sünde (1. Pet 2,22), Er kannte keine Sünde (2. Kor 5,21) und Sünde war (ist) nicht in Ihm (1. Joh 3,5). Er ist in allem versucht worden wie wir, ausgenommen die Sünde (Heb 4,15). In Ihm gab es gar nichts, wo die Sünde hätte eindringen können. Das unterscheidet den Herrn Jesus von allen anderen Menschen.

Dann war Er es – der einzig Sündlose – der fremde Schuld und Sünde auf sich nahm und sie zu seiner eigenen machte. Er wurde «zur Sünde gemacht». Als solcher stand Er an unserer statt im Gericht Gottes und erlitt für uns den Tod. Dafür sei Ihm ewig Lob und Dank.