Belehrungen aus dem «Prediger»

Prediger 4,10-12

Wir wenden uns in der Regel nicht zum Buch des Predigers, um Grundsätze über die christliche Gemeinschaft zu finden. Trotzdem illustriert dieses erstaunliche kleine Buch, das in erster Linie das «Leben unter der Sonne» beschreibt, in Kapitel 4 einige entscheidende Merkmale wahrer christlicher Gemeinschaft:

1. Unterstützung

«Wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen wieder auf» (V. 10). Ich erinnere mich noch gut an ein Ereignis in meiner Kindheit. Als Buben hatten wir ein Lagerfeuer angezündet, erfreuten uns daran und wurden dann übermütig. Wir begannen über das Feuer hinwegzuspringen – aber ich fiel hinein. Die schnelle Reaktion meines Bruders, der mich herausriss, rettete mir vermutlich das Leben und lehrte mich die erste Lektion über brüderliche Gemeinschaft. – Praktische Gemeinschaft unter den Gläubigen umfasst mehr als nur darüber zu reden. Es bedeutet gegenseitige Unterstützung in Zeiten der Niedergeschlagenheit und der Entmutigung.

2. Wärme

«Wenn zwei beieinander liegen, so werden sie warm; der Einzelne aber, wie will er warm werden?» (V. 11). Wie schön ist die warmherzige Gemeinschaft der Gläubigen inmitten einer kalten, gefühllosen Welt! Aus einer römischen Gefängniszelle schrieb der alte Apostel Paulus in Erinnerung an die Wärme, die er von seinem Freund Onesiphorus erfahren hatte: «Er hat mich oft erquickt und sich meiner Kette nicht geschämt; sondern als er in Rom war, suchte er mich fleissig auf und fand mich» (2. Tim 1,16.17).

3. Verteidigung

«Wenn jemand ihn, den Einzelnen, gewalttätig angreift, so werden ihm die zwei widerstehen» (V. 12). Als Christen haben wir es mit einem gefährlichen und listigen Feind zu tun, der uns überwältigen möchte. Gottes Wort erinnert uns aber an verschiedenen Stellen an die Hilfsquellen, die uns gegen diesen Feind zur Verfügung stehen. Eine davon ist sicher die christliche Gemeinschaft.

Der Abschnitt in Prediger 4 endet mit einem lieblichen Ton: «Eine dreifache Schnur zerreisst nicht so schnell.» Das erinnert uns daran, dass die beste menschliche Unterstützung, Wärme und Verteidigung bedeutungslos sind ohne den dritten Faden – die Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn (1. Joh 1,3.4). Eine solche Gemeinschaft führt zu völliger Freude.