Wie kann ich überwinden?

Von ernsten jungen Gläubigen werden immer wieder die Fragen gestellt: Obwohl ich weiss, dass ich errettet bin und das Wort Gottes mir diese Gewissheit gibt, so ist doch das in mir, was mich zur Sünde verleitet. Ich bin sehr betrübt und beunruhigt darüber, kann es aber nicht überwinden. Was soll ich tun, wenn die Versuchung kommt? Wie kann ich davon befreit werden?

Diese Frage besteht aus verschiedenen Teilen:

  1. Warum ist in mir, der ich doch errettet bin, das, was mich zur Sünde verleitet?
  2. Warum kann ich es nicht überwinden, wenn ich doch über meine Verfehlungen betrübt bin?
  3. Was soll ich tun, um der Versuchung zu widerstehen?
  4. Wie kann ich von diesen Versuchungen befreit werden?

Zum Nutzen unserer Leser ist es wohl das Beste, wenn wir diese vier Schwierigkeiten getrennt betrachten.

1. Die in mir wohnende Sünde

Die Antwort auf die erste Frage ist die, dass jede errettete Person in sich eine böse Natur hat, aus der böse Taten hervorkommen. Wer so fragt, ist in dieser Beziehung gar nicht anders als jeder andere Gläubige. Der Brief an die Römer wurde an Geliebte Gottes, an berufene Heilige gerichtet (Röm 1,7). Doch setzt sich Kapitel 6 mit der Existenz der Sünde in ihnen auseinander, und es wird ihnen dort gesagt, wie sie trotz dieser Tatsache so leben konnten, dass sie für Gott Frucht brachten.

Der Apostel sagt: «Also herrsche nicht die Sünde in eurem sterblichen Leib» (Röm 6,12). Sünde ist in dem Gläubigen, sonst würde ihm nicht gesagt: «also herrsche nicht die Sünde.» Dieses Herrschen bedeutet: Autorität ausüben, zum Gehorsam zwingen. So fährt der Apostel fort: «Um seinen Begierden zu gehorchen.»

Begierden oder Leidenschaften oder Antriebe zur Sünde kommen im Gläubigen aus seiner alten Natur hervor, aber niemals aus dem, was in ihm aus Gott geboren ist. Gefahr besteht, dass er seine Glieder zur Ausführung dieser bösen Wünsche gebraucht. Paulus sagt: «Stellt auch nicht eure Glieder der Sünde dar zu Werkzeugen der Ungerechtigkeit» (V. 13). Wir haben uns selbst der Sünde für tot zu halten, als solche, die mit Christus gestorben und begraben (V. 1 bis 10) und somit völlig unempfänglich sind für ihre Eingebungen.

2. Überwinden

Dann wird gefragt: Warum kann ich meine böse Natur nicht überwinden? Die Schrift antwortet: du hast in dir selbst keine Kraft, dies zu tun. «Christus ist, da wir noch kraftlos waren, … für Gottlose gestorben» (Röm 5,6). Der Apostel schildert unseren Zustand genau (Röm 7). Er sagt: «Nicht das, was ich will, tue ich, sondern was ich hasse, das übe ich aus» (V. 15); und weiter: «Nicht das Gute, das ich will, übe ich aus, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich» (V. 19). Der Sprechende fühlt, dass er der Macht der Sünde, die in ihm wohnt, preisgegeben ist (V. 20).

Der unglückliche und unsichere Zustand, der in diesem Kapitel beschrieben wird, stimmt mit dem Zustand derer überein, die die obigen Fragen stellen: Sie sind über ihre Vergehungen sehr betrübt, können aber ihre sündigen Neigungen nicht überwinden, die zu diesen führen.

3. Widerstehen

Dann kommt die Frage, wie man diesen Versuchungen oder sündigen Wünschen widerstehen könne. Die Fragesteller scheinen überzeugt zu sein, dass sie ihre Neigung zu bösen Dingen nicht überwinden oder besiegen können, aber sie möchten dieser Überzeugung nicht erlauben, die Herrschaft über sie zu haben und so die Unabänderlichkeit böser Gewohnheiten zu bestätigen. Sollten sie ihnen nicht in irgendeiner Weise widerstehen, wenn die Versuchung dazu erscheint?

Nun lesen wir in Galater 5,16: «Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen.» Der Geist Gottes ist in dir, um dich zu stärken und zu leiten, damit du nicht die Dinge tust, wozu dein Fleisch dich verführen will. Wandle so, wie Er dich anweist, dann werden die Wünsche deines Fleisches nie zur Ausführung kommen.

Du musst die Sünden bekennen, die du begangen hast und auch die besonderen Sünden, die dich immer wieder veranlassen wollen, etwas Böses zu tun. Du musst deine eigene gänzliche Unfähigkeit bekennen, diese bösen Wünsche zu überwinden. Dann wird der Heilige Geist deinem Unvermögen zu Hilfe kommen und dich befähigen, im Geist, statt nach dem Fleisch zu wandeln.

Der Widerstand muss also aus dem Geist kommen und nicht aus dir selbst, denn wir lesen: «Das Fleisch begehrt gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt» (Gal 5,17).

4. Befreiung

Nun kommt noch der letzte Punkt der Frage: Wie kann ich von diesen Versuchungen befreit werden? Die Antwort finden wir in Römer 7, das wir nochmals aufschlagen. Zuerst wird der einseitige Kampf zwischen den beiden Naturen beschrieben; ein Sieg des Guten scheint hoffnungslos. Dann schaut der elende Mensch von sich selbst weg nach einem Befreier aus, und sogleich kommt Licht in sein Dunkel: er erkennt seinen Befreier!

«Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?» Der Leib ist «tot», weil er nicht tun kann, was gut ist. Wer kann dem Toten Leben geben? «Ich danke Gott, durch Jesus Christus unseren Herrn» (Röm 7,24,25). Im Glauben zu Ihm aufschauen, in allen Dingen des täglichen Lebens, ist das Geheimnis der Kraft im Leben des Christen. «Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt» (Phil 4,13).

Kurz zusammengefasst: Das Geheimnis eines heiligen, christlichen Wandels besteht darin, den Herrn Jesus durch Glauben bewusst vor dem Herzen zu haben. Auf diese Weise wird die neue Natur beschäftigt, genährt und entfaltet, und die alte Natur wird an ihrem richtigen Platze bleiben: regungslos und unwirksam.

Wer in Bezug auf diesen Gegenstand ausführlichere Hilfe sucht, sei auf die folgenden Schriften aufmerksam gemacht: