Gottes Wort lesen

Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN zu erforschen (Esra 7,10). Es war ihm wichtig, das damals vorhandene Wort Gottes gut zu kennen. Darin ist er uns ein nachahmenswertes Beispiel.

Die Bibel ist für uns Christen das wichtigste Buch. Daraus bekommen wir Nahrung für unser geistliches Leben, Wegweisung für unsere Entscheidungen und Kraft für unser Glaubensleben.

Durch sein Wort spricht Gott direkt zu uns – ein Vorrecht, das wir nicht genug schätzen können. Wir erfahren es, wenn wir selbst die Bibel lesen oder der Verkündigung des Wortes Gottes zuhören. Beides soll in unserem Leben einen zentralen Platz einnehmen.

In diesem Artikel denken wir vor allem über das persönliche Bibellesen nach. Dabei unterscheiden wir zwischen der täglichen Lektüre und dem intensiveren Erforschen des Wortes Gottes.

Regelmässiges Bibellesen

Im natürlichen Leben nehmen wir täglich mehrere Mahlzeiten ein, um unseren Körper mit dem zu versorgen, was er braucht. Ganz ähnlich ist es im geistlichen Leben: Wenn wir regelmässig das Wort Gottes lesen, nähren wir unseren Glauben.

a) Nahrung aufnehmen

Ein Vergleich mit drei Lebensmitteln zeigt, wie notwendig und segensreich es ist, beim Bibellesen immer wieder geistliche Nahrung aufzunehmen.

  • Milch: «Wie neugeborene Kinder seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, damit ihr durch diese wachst zur Errettung» (1. Pet 2,2). Ein Baby verlangt begierig nach der Muttermilch. In kurzen Abständen bekommt es Nahrung, um zu wachsen und zu gedeihen. Haben wir auch so ein starkes Verlangen nach dem Wort Gottes? Lesen wir immer wieder in der Bibel, um diese gesunde Nahrung aufzunehmen, damit wir im Glauben wachsen können?
  • Brot: «Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht» (Mt 4,4). Wie das Brot zu den Grundnahrungsmitteln gehört, so gibt uns Gottes Wort das, was zur Erhaltung des neuen Lebens nötig ist. Wenn wir die Bibel regelmässig lesen, werden wir geistlich ernährt. Wir bekommen Kraft, um im Glauben vorwärtszugehen und standhaft zu bleiben.
  • Honig: «Wie süss sind meinem Gaumen deine Worte, mehr als Honig meinem Mund!» (Ps 119,103). Gott bietet uns in der Bibel nicht nur das Allernötigste zum geistlichen Überleben. Er schenkt uns darüber hinaus extra Feines, das wir geniessen dürfen. Sicher sind wir schon auf Bibelstellen gestossen, die uns besonders wertvoll geworden sind. Sie geben uns reichen Trost, tiefe Freude und neue Kraft.

b) Manna sammeln

Gott gab den Israeliten in der Wüste das Manna zur Nahrung. Jeden Morgen – ausser am Sabbat – lag dieses Brot aus dem Himmel auf der Fläche der Wüste. Die Menschen mussten nur hinausgehen und es auflesen. Aus den göttlichen Anweisungen und dem Bericht über das Einsammeln des Mannas lernen wir, wie wir beim Bibellesen die geistliche Nahrung aus dem Wort Gottes aufnehmen.

  • «Das Volk soll hinausgehen und den täglichen Bedarf an jedem Tag sammeln» (2. Mo 16,4). Genauso nötig haben wir es, die Bibel jeden Tag zu lesen. Das Wort, das wir am Sonntag hören, reicht nicht für die ganze Woche. Nehmen wir uns die Gläubigen in Beröa zum Vorbild, die «täglich die Schriften untersuchten» (Apg 17,11).
  • «Sammelt davon, jeder nach dem Mass seines Essens» (2. Mo 16,16). Das Glaubensleben gedeiht nur, wenn wir persönlich die Bibel lesen. Keiner kann für den anderen geistliche Nahrung aus dem Wort Gottes aufnehmen. Das muss jeder für sich selbst tun. Die tägliche Andacht in der Familie ist kein Ersatz für das eigene Bibellesen.
  • «Sie hatten jeder nach dem Mass seines Essens gesammelt» (2. Mo 16,18). Was ein Gläubiger an Nahrung für sein Herz zu sich nimmt, sollte seinem geistlichen Fassungsvermögen entsprechen. Wenn wir jung im Glauben sind, brauchen wir einfache Nahrung aus der Bibel. Lesen wir deshalb in den Evangelien, um den Herrn Jesus besser kennen zu lernen. Später können wir auch anspruchsvollere Bibeltexte lesen, z.B. die Briefe, die uns die christliche Lehre vorstellen.
  • «Sie sammelten es Morgen für Morgen …; und wenn die Sonne heiss wurde, zerschmolz es» (2. Mo 16,21). Es ist gut, die Bibel am Morgen zu lesen, wenn wir geistig frisch sind und vom Alltag noch nicht bedrängt werden. Vielleicht haben wir nur wenig Zeit dafür. Trotzdem wollen wir nicht ohne ein Wort von Gott in den Tag gehen.

Vertieftes Bibelstudium

Neben dem täglichen Lesen der Bibel gibt es auch Momente, wo wir uns mehr ins Wort vertiefen. Dieses persönliche Erforschen des Wortes Gottes können wir mit der Suche nach Gold vergleichen.

Gold findet man nur mit grosser Anstrengung. Manche Menschen haben viel Zeit investiert und enorme Entbehrungen auf sich genommen, um ihre Taschen mit diesem wertvollen Edelmetall zu füllen. Doch letztlich hat Gold nur einen zeitlichen Wert.

Der geistliche Reichtum in der Bibel liegt nicht an der Oberfläche. Wir finden ihn nur, wenn wir Gottes Wort intensiv erforschen. Dazu ist Zeit und Ruhe nötig. Machen wir uns fleissig auf die Suche! Dann werden wir Schätze von ewigem Wert entdecken.

a) Nutzen des Bibelstudiums

Wir haben gesehen, dass beim täglichen Bibellesen die Aufnahme von geistlicher Nahrung im Vordergrund steht. Der Schwerpunkt beim vertieften Studium des Wortes Gottes liegt anderswo: Es geht darum, ein eigenes Glaubensfundament zu bekommen. Wie wichtig das ist, zeigen uns zwei Bibelstellen:

  • Epheser 4,14: Es gibt in der Christenheit viele fremde Lehren, die uns wie starke Winde hin und her werfen wollen. Wir brauchen sie nicht zu kennen. Hingegen ist es wichtig, dass wir im Wort Gottes gegründet sind, damit wir im Glauben standhaft bleiben und feindliche Angriffe abwehren können.
  • Kolosser 2,6-8: Christliche Verführer versuchen, uns durch Philosophie und religiöse Traditionen von Christus abzuziehen. Um nicht weggeführt zu werden, müssen wir im Glauben befestigt sein. Je besser wir die biblische Wahrheit kennen, desto weniger fallen wir auf eine geistliche Verführung herein.

b) Arten des Bibelstudiums

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Wort Gottes zu erforschen. Dazu einige Hinweise und Anregungen:

  • Ein Bibelbuch besser kennen lernen: Wir denken darüber nach, welches Thema behandelt wird und wie das Buch aufgebaut ist. Wir überlegen uns, welche Belehrung Gott uns geben will und was wir über den Herrn Jesus erfahren. Ein Beispiel: Im Römer-Brief geht es um das Evangelium Gottes. Wir erfahren, was bei unserer Bekehrung geschehen ist und was unsere Errettung beinhaltet. Beim Studium dieses Briefs erkennen wir auch seinen Aufbau: Auf die Lehre (Röm 1 – 11) folgt die Praxis (Röm 12 – 16). Wir werden über die Rechtfertigung aus Glauben und über die Befreiung von der Macht der Sünde unterwiesen.
  • Sich mit einem Thema befassen: Das Erlösungswerk, die Leiden des Herrn Jesus, die Heilssicherheit, die Anbetung, das Reich Gottes oder die Versammlung Gottes sind Wahrheiten, die an mehreren Orten in der Bibel behandelt werden. Beim Erforschen solcher Themen gilt es, die einzelnen Stellen zusammenzutragen und genauer anzuschauen. Ein Beispiel: Die Versammlung Gottes wird nicht in einem Brief erklärt, sondern im Neuen Testament immer wieder vorgestellt. Manche Abschnitte zeigen mehr, was die Versammlung in ihrer Stellung ist. Andere Verse geben Hinweise, wie wir als Versammlung zusammenkommen sollen.
  • Gottes Wort im Überblick betrachten: Manchmal ist es gut, ein Bibelbuch in einem Zug durchzulesen und es sozusagen mit dem Panoramablick zu betrachten. Dabei erkennen wir die grossen Zusammenhänge und bekommen ein Bild für das Ganze. So lernen wir, einzelne Aussagen im Kontext zu sehen und zu verstehen. Ein Beispiel: Das Matthäus-Evangelium stellt uns den Herrn Jesus als König Israels vor. Es werden viele Zitate aus dem Alten Testament angeführt, um diese Tatsache zu bezeugen. Ausserdem finden wir in diesem Evangelium viele Belehrungen über das Reich der Himmel. Wie gut passt das alles zusammen!
  • Die Bibel im Detail untersuchen: Es gibt Verse im Wort Gottes, die sehr inhaltsreich sind. Wenn wir sie genau und intensiv erforschen, erkennen wir, wie tiefgründig und weitreichend einzelne Aussagen in der Bibel sind (Ps 92,6; 119,96). Sie gleichen einem kostbaren Edelstein, den wir von allen Seiten bewundern. Ein Beispiel: Johannes 3,16 fasst das Evangelium der Gnade in einem Satz zusammen. Dieser Vers zeigt die Liebe Gottes, seinen Sohn als Retter, das Angebot der Gnade, den Glauben als Bedingung, die Verlorenheit des Ungläubigen und das ewige Leben, das dem Glaubenden geschenkt wird.

Hilfen zum Verständnis

Ob es sich um das tägliche Bibellesen handelt oder um das vertiefte Studium des Wortes geht, Gott stellt uns alles zur Verfügung, damit wir die Bibel verstehen können. Zwei grosse Hilfen zum Verständnis sind der Heilige Geist und die Gaben, die der Herr gegeben hat.

a) Der Heilige Geist

«Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten» (Joh 16,13). Diese Aussage betrifft zuerst die Apostel, denen der Heilige Geist den vollen Umfang der christlichen Lehre offenbarte. So konnten sie die gesamte Wahrheit des Neuen Testaments bekannt machen (1. Kor 2,9-16). Folglich besitzen wir mit der Bibel alles, was Gott uns mitteilen will.

Damit wir die Gedanken Gottes kennen lernen und verstehen können, leitet uns der Heilige Geist in die ganze Wahrheit des Wortes Gottes. Schritt für Schritt macht Er uns die biblische Lehre verständlich. Da fragen wir uns: Gebe ich dem Geist Gottes Raum zum Wirken? Lasse ich mich von Ihm in die Wahrheit einführen?

Der Heilige Geist gibt uns Verständnis über das Wort Gottes, um uns den Herrn Jesus gross zu machen (Joh 16,14). Das ist sein grosses Ziel. Immer wieder lenkt Er unsere Gedanken auf Christus, den Sohn Gottes, damit unser Herz von Ihm erfüllt wird.

b) Die Gaben

«Er hat die einen gegeben als Apostel und andere als Propheten und andere als Evangelisten und andere als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen» (Eph 4,11.12). Der Herr Jesus gibt uns Personen als Gaben, damit wir Gottes Wort besser verstehen und im Leben umsetzen können. Einige davon werden in Epheser 4 aufgezählt. Durch ihren mündlichen und schriftlichen Dienst fördern sie unser geistliches Wachstum, indem sie uns die Aussagen der Bibel erklären und aufs Herz legen. Dabei stellen sie uns Christus vor, damit wir von seiner Herrlichkeit ergriffen werden.

Als der äthiopische Staatsmann unterwegs war und aus dem Propheten Jesaja las, trat Philippus zum Wagen und fragte ihn: «Verstehst du auch, was du liest?» Der königliche Beamte musste zugeben: «Wie könnte ich denn, wenn mich nicht jemand anleitet?» Da erklärte ihm der Evangelist Philippus, dass das Lamm in Jesaja 53 vom Herrn Jesus spricht (Apg 8,30-35). So ist es auch uns schon ergangen: Wir haben den Sinn einer Bibelstelle nicht richtig verstanden, bis uns jemand, den der Herr dazu ausgerüstet hat, den Vers mündlich oder schriftlich erklärt hat. Da ist uns ein Licht aufgegangen und etwas gross geworden, was den Herrn Jesus betrifft.

Unsere Einstellung zum Wort Gottes

Ob wir beim Bibellesen einen geistlichen Gewinn haben, hängt stark von unserer Herzenshaltung ab. Eine gute Gesinnung vermehrt zweifellos die Freude am Wort Gottes. Eine schlechte Einstellung hingegen verhindert, dass der Segen frei fliessen kann.

a) Was den Segen fördert

Drei Bibelstellen machen uns deutlich, wie eine positive Einstellung zum Wort Gottes aussieht.

  • «Nehmt mit Sanftmut das eingepflanzte Wort auf, das eure Seelen zu erretten vermag» (Jak 1,21). Hier wird ein empfängliches Herz beschrieben, das Gottes Wort ohne Widerstand aufnimmt. Wenn wir mit dieser Bereitwilligkeit die Bibel lesen, werden wir reich gesegnet sein.
  • «Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört!» (1. Sam 3,10). Diese Worte offenbaren das demütige Herz des jungen Samuel. Als Knecht ist er bereit, sich unter Gottes Autorität zu stellen. Auch wir wollen die Bibel in demütiger Unterordnung lesen. Dann wird der Segen nicht ausbleiben.
  • «Damit du darauf achtest, zu tun nach allem, was darin geschrieben ist» (Jos 1,8). Der HERR legte Josua ans Herz, auf das Wort zu achten, um es zu befolgen. Hier geht es um ein gehorsames Herz. Für ein gewinnbringendes Bibellesen ist es wichtig, das Gelernte bereitwillig umzusetzen.

b) Was den Segen hindert

Im Gleichnis vom Sämann gibt es drei Böden, wo der ausgestreute Same keine Frucht bringt. Sie zeigen bildlich drei Herzenszustände, die eine positive Wirkung des Wortes Gottes verhindern. Wir wollen sie auf das persönliche Bibellesen anwenden.

  • Der Weg spricht von einem harten Herzen, das dem Wort Gottes widersteht (Lk 8,12). Vielleicht werden wir beim Bibellesen auf etwas Verkehrtes in unserem Leben aufmerksam gemacht. Solange wir uns weigern, die Sache in Ordnung zu bringen, kann der Segen nicht ungestört fliessen.
  • Der steinige Boden stellt ein oberflächliches Herz dar, das schnell begeistert ist, aber keinen Tiefgang hat (Lk 8,13). Wenn wir uns beim flüchtigen Bibellesen nur über das Angenehme freuen, ohne uns im Gewissen ansprechen zu lassen, werden wir kaum geistlichen Gewinn haben.
  • Der mit Dornen verunreinigte Boden veranschaulicht ein geteiltes Herz, wo vieles dem Wort Gottes den Platz streitig macht (Lk 8,14). Wenn wir uns ständig dem starken Einfluss der Welt aussetzen, fehlt es uns an Ruhe und Konzentration. Wir sind dann nicht in der Lage, die Bibel segenbringend zu lesen.

Unsere Motivation zum Bibellesen

In der Bibel finden wir Gläubige, die positive Erfahrungen mit dem Wort Gottes gemacht haben. Was sie darüber berichten, motiviert uns, die Bibel offen und aufmerksam zu lesen.

a) Es bringt Gewinn

«Ich freue mich über dein Wort wie einer, der grosse Beute findet» (Ps 119,162).

Im Wort Gottes liegen wertvolle Schätze verborgen. Es lohnt sich, Zeit und Mühe aufzuwenden, um sie zu finden! Welche Freude, wenn wir beim Lesen etwas entdecken, was uns bis jetzt nicht aufgefallen ist. Wir staunen zum Beispiel über einen Zusammenhang, der uns den göttlichen Ursprung dieses Buches vor Augen führt. Oder wir erkennen eine Herrlichkeit des Herrn Jesus, die uns beeindruckt.

b) Es gibt Freude

«Deine Worte waren vorhanden, und ich habe sie gegessen, und deine Worte waren mir zur Wonne und zur Freude meines Herzens» (Jer 15,16).

Wenn wir die Bibel lesen, will Gott uns tiefe und bleibende Freude schenken. Vielleicht stellt Er uns den Herrn Jesus vor, damit wir uns an seiner wunderbaren Person freuen (Phil 4,4). Oder Er zeigt uns einen Gesichtspunkt unserer ewigen Errettung. Dann freuen wir uns darüber, dass unsere Namen in den Himmeln angeschrieben sind (Lk 10,20).

c) Es schenkt Trost

«Dies ist mein Trost in meinem Elend, dass deine Zusage mich belebt hat» (Ps 119,50).

Wir kommen immer wieder in Situationen, die uns traurig und mutlos machen. Dann will Gott uns durch sein Wort trösten und innerlich wieder aufbauen. Wie macht Er das? Er erinnert uns beim Bibellesen an eine Zusage, die uns neue Zuversicht gibt. Oder Er zeigt uns, dass uns der Herr Jesus wie kein anderer versteht und hilft.

Schluss

Lesen wir die Bibel mit der gespannten Erwartung, einen Schatz zu entdecken. Freuen wir uns wieder neu an der Schönheit des Wortes Gottes. Lassen wir den Herrn persönlich zu uns reden, damit Er uns unterweisen, führen und ermutigen kann.