Heilige Brüder

Hebräer 3,1

Daher, heilige Brüder, Genossen der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus (Hebräer 3,1).

Die Gnade, mit der Gott uns gesegnet hat, steckt voller Überraschungen. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass wir jemals «heilige Brüder» genannt werden? Wir hätten uns diese Bezeichnung kaum gegenseitig gegeben. Wir wären nie auf die Idee gekommen, sie auf uns selbst zu beziehen, denn wir wissen ein wenig, wie verdorben und sündig unser eigenes Herz ist.

Diese Bezeichnung wird uns hier vom Heiligen Geist gegeben, der kein einziges Wort, das Er gesprochen hat, zurücknehmen muss. Er ist der Geist der Wahrheit. Wenn Er die, die dem Herrn Jesus gehören, als «heilige Brüder» anredet, muss es auch auf sie zutreffen. Deshalb ist es nur recht, wenn wir ernsthaft und respektvoll danach fragen, was diese Bezeichnung bedeutet und wie es dazu kam, dass sie uns gegeben worden ist. Eine Hilfe dazu gibt uns Hebräer 2,11.12, wo Psalm 22 zitiert wird. Dort finden wir diese beiden Worte, die hier zusammengefügt werden und uns als Gläubige beschreiben.

Wir sind heilig

Das Wort «heilig» passt zum ersten Teil von Psalm 22. Er beginnt mit dem unvergleichlichen Schrei: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» (V. 2). Wir wissen, dass unser Herr diese Frage stellte, als Er am schmachvollen Kreuz hing. Vielleicht sind wir darüber erstaunt. Damit sich unsere Verwunderung in verständnisvolle Anbetung verwandelt, gibt der von Gott verlassene und leidende Erlöser selbst die Antwort: «Doch du bist heilig» (V. 4).

War Jesus denn nicht heilig? Doch! Er war genauso heilig, als Er sein Kreuz nach Golgatha trug, wie Er heilig war, als die Seraphim ihr Angesicht vor seiner Herrlichkeit verbargen und einander zuriefen: «Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen» (Jes 6,1-4; Joh 12,41). Warum wurde Er, der Heilige, von Gott verlassen? Es war wegen uns! Er wurde am Kreuz für uns zur Sünde gemacht. Er wurde das, was wir waren,

  • damit Er in seiner unermesslichen Liebe all das erduldete, was wir verdienten, und
  • damit wir das werden, was Er ist, und an all dem teilhaben, was Ihm in der Gunst Gottes zusteht.

Als Jesus Christus am Kreuz unseren Platz einnahm und unsere Sünden auf Ihn gelegt wurden, verbarg Gott in seiner absoluten Heiligkeit sein Angesicht vor Ihm. Aber gerade zu diesem Zeitpunkt und an diesem Ort bewirkte der Heiland eine vollständige Sühnung für uns. Als Folge seines vollbrachten Werks am Kreuz und auf der Grundlage einer vollkommenen Gerechtigkeit sind wir Teilhaber der göttlichen Natur geworden. «Denn mit einem Opfer hat er auf immerdar die vollkommen gemacht, die geheiligt werden» (Heb 10,14). Jene heilige Natur, die am Kreuz die Sünde verurteilte, als der Herr Jesus für uns litt, ist nun unsere Natur geworden, weil wir aus Gott geboren sind. Darum werden wir als «heilig» angesprochen. Diese Bezeichnung hätten wir nie erhalten können, wenn unsere Sünden und die ganze Verdorbenheit unserer sündigen Natur nicht ins schonungslose Gericht Gottes gekommen wären. Doch nun sind wir davon befreit. Wir stehen vor unserem Gott und Vater heilig und untadelig in Liebe (Eph 1,4).

Wir sind Brüder

Unser Platz und Titel als Brüder gehört zur zweiten Hälfte von Psalm 22, wo der auferstandene Herr jubelnd erklärt: «Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Versammlung will ich dich loben» (V. 23). Merken wir uns gut: Wir sind seine Brüder! Es ist eine segensreiche Tatsache, Brüder voneinander zu sein, was aber nur wahr ist, weil der Herr uns seine Brüder nennt. Das muss an erster Stelle stehen. Es bestimmt unsere Beziehung zu unserem Gott und Vater und prägt die Beziehung der Gläubigen zueinander.

Wir werden zu Gott, dem Vater, gebracht und mit der gleichen Liebe geliebt, die auf Christus als Mensch ruht. Wir geniessen auch dieselbe Beziehung und teilen mit Christus für immer die Freude daran. So sehen wir in diesem Titel, der uns gegeben worden ist, was unsere Natur als Kinder Gottes ist und in welcher Beziehung wir zu Gott, dem Vater, und zu Jesus Christus stehen. Wir lernen: «Sowohl der, der heiligt, als auch die, die geheiligt werden, sind alle von einem; um welcher Ursache willen er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen» (Heb 2,11).

Es war der Vorsatz Gottes, solche Söhne zu seiner Herrlichkeit zu bringen. In seiner vollkommenen Weisheit hat Er den Weg gefunden, diesen Plan auszuführen. Was für ein Tag wird es sein, wenn alle «heiligen Brüder» mit Christus als dem Ranghöchsten in dieser Herrlichkeit erscheinen! Was wird es sein, wenn Er, der sie sicher ans Ziel führt, von neuem das Lob zur Ehre Gottes anstimmt! Dann wird jedes Herz in vollem Einklang mit Ihm stehen, denn alle werden seinem Bild gleichförmig sein. Das ist die himmlische Berufung, die uns zuteilgeworden ist. Wie herrlich ist diese Bestimmung, die die «heiligen Brüder» erwartet!

Betrachtet den Apostel und Hohenpriester

Es ist klar, dass uns die Gnade zu heiligen Brüdern gemacht hat. Wie sollen wir nun leben, um dieser edlen Berufung gerecht zu werden? Wie können wir als Fremde durch diese nichtige Welt gehen und ihren Verführungen widerstehen? Wie ist es möglich, unser Herz im Einklang mit unserem Herrn zu halten, wenn Er das Lob inmitten seines Volkes zur Ehre Gottes anstimmt? Es gibt nur einen Weg: «Betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus!» Er muss das Thema unserer Gedanken sein.

Lasst uns den Herrn Jesus als Apostel betrachten, der von Gott ausgegangen und zu uns herabgekommen ist. Er hat nicht steinerne Tafeln mitgebracht, auf denen das Gesetz geschrieben steht, das uns wegen unserer Sündhaftigkeit nur verfluchen konnte. Nein, Er hat uns die Liebe Gottes gebracht! Diese Liebe hat vor dem Tod nicht haltgemacht, denn der Herr Jesus ist gestorben. «Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist» (Röm 5,8). Es gibt keine Liebe wie diese. Sie ist unbeschreiblich. Wir können sie nicht erklären, denn sie ist unvergleichlich, unauslöschlich und ewig.

Als Apostel hat der Herr Jesus uns diese Liebe gebracht. In Ihm hat Gott mit liebevollen Worten zu uns gesprochen, um unser Herz für sich zu gewinnen, damit wir für immer Ihm gehören. Den Apostel unseres Bekenntnisses zu betrachten, ist keine schwere Aufgabe für uns. Lasst uns mit ständiger und ungetrübter Freude auf Ihn blicken.

Jesus Christus ist auch unser Hoherpriester, der für uns zu Gott gegangen ist. Als Apostel ist Er aus dem himmlischen Heiligtum gekommen, um Gott vor uns zu vertreten und Ihn zu uns zu bringen. Als Hoherpriester ist Er ins himmlische Heiligtum eingegangen, um uns vor Gott zu vertreten und uns zu Ihm zu bringen. Er ist unser Hoherpriester, denn Er ist in den Himmel gegangen und hat uns den Weg zu Gott geöffnet. So haben wir Zutritt «auf dem neuen und lebendigen Weg, den er für uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch» (Heb 10,20). Das Allerheiligste ist der Ort für die heiligen Brüder. Dort ist das kostbare Blut des Herrn Jesus. Wo dieses Blut ist, gibt es keine Sünden. Die heiligen Brüder können dort sein – gereinigt und geweiht, weil der Hohepriester dort lebt.

Lasst uns die Grösse des Herrn Jesus betrachten! Er ist aus der höchsten Höhe der Herrlichkeit Gottes gekommen, um Gott in der tiefsten Tiefe unserer Not bekannt zu machen. Dann ist Er aus dieser Tiefe des Todes auferstanden und wieder in die himmlische Herrlichkeit eingegangen. Er vermag uns in unseren Schwachheiten beizustehen und in der Kraft seines Auferstehungslebens bis in die Gegenwart Gottes zu tragen, wo Er jetzt lebt.

Wenn wir Ihn betrachten, kann uns der Feind nicht besiegen. Wir sind dann mehr als Überwinder, eine triumphierende Schar von Söhnen Gottes. Als heilige Brüder in Stellung und Praxis beschreiten wir den Weg nach oben zur Herrlichkeit Gottes.