Das Neue Testament stellt an verschiedenen Stellen gewisse «Typen von Menschen» einander gegenüber, die in einem unüberbrückbaren Kontrast zueinander stehen. Entweder gehört man zu der einen Kategorie oder zu der anderen. Dazu zählen besonders:
- der alte und der neue Mensch
- der erste und der zweite Mensch
- der geistliche und der natürliche Mensch
- der fleischliche und der erwachsene Mensch
Einmal lesen wir jedoch auch von dem «äusseren Menschen» und dem «inneren Menschen». Auch hier handelt es sich um einen Kontrast. Allerdings werden wir sehen, dass in diesem Fall beide Bezeichnungen auf den Gläubigen zutreffen. Im Übrigen aber gehören wir entweder zum alten oder zum neuen Menschen, entweder zum ersten oder zum zweiten Menschen. Wir sind entweder ein geistlicher oder ein natürlicher Mensch, entweder fleischlich eingestellt oder geistlich erwachsen. Im Fall des inneren und äusseren Menschen ist es jedoch anders. Jeder Gläubige hat sozusagen einen «inneren Menschen» und einen «äusseren Menschen». Beide Ausdrücke kommen in 2. Korinther 4,16 nebeneinander vor:
«Deshalb ermatten wir nicht, sondern wenn auch unser äusserer Mensch verfällt, so wird doch unser innerer Tag für Tag erneuert.»
Den «inneren Menschen» finden wir darüber hinaus in Römer 7,22 und in Epheser 3,16.
Der äussere Mensch
Der äussere Mensch hat mit unserem Körper und dem zu tun, was ihn steuert. Gott hat uns mit einem Geist, einer Seele und einem Körper geschaffen. Der äussere Mensch ist das, was man beim äusseren Betrachten eines Menschen sieht. Der äussere Mensch ist an sich nicht böse, sondern von Gott geschaffen und mit erstaunlichen Fähigkeiten ausgestattet. Mit dem äusseren Menschen sehen, sprechen und hören wir. Mit ihm nehmen wir Dinge wahr und bringen Dinge in Bewegung. Allerdings ist der äussere Mensch durch den Sündenfall in Mitleidenschaft gezogen. Er wird z.B. krank und verfällt, je älter er wird. Die Mühen des täglichen Lebens setzen sowohl unserem Körper als auch dem zu, was ihn steuert. Leider nutzen wir den äusseren Menschen auch dazu, um zu sündigen. Es sind die Glieder des äusseren Menschen, die zu Werkzeugen der in uns wohnenden Sünde werden können. Paulus nennt diesen Menschen den «Leib der Niedrigkeit» (Phil 3,21). Er ist mit dem verbunden, was sichtbar, zeitlich und vergänglich ist.
Es liegt auf der Hand, dass wir unseren äusseren Menschen pflegen. Das ist sogar unsere Verantwortung. Für Gläubige gilt das umso mehr, weil in ihrem Körper der Heilige Geist wohnt (1. Kor 6,19). Wir können damit nicht beliebig verfahren. So viel an uns liegt, sind wir verantwortlich für einen gesunden Lebensstil. Wir dürfen mit unserem Körper nicht «Raubbau» betreiben. Stattdessen nähren und pflegen wir ihn (Eph 5,29). Wir suchen Regeneration im Schlaf und in der Ruhe. Dabei sollten wir jedoch nicht vergessen, dass alles Sichtbare endlich ist. Paulus sagt, dass der äussere Mensch verfällt. Wenn unser Leben nur auf den äusseren Menschen ausgelegt ist, wird uns dieser Verfall Sorgen bereiten. Viele Menschen werden nicht fertig damit, dass sie alt werden und der Körper ihnen zunehmend Mühe bereitet. Sie tun alles, um diesen Prozess möglichst lange hinauszuzögern. Dennoch scheitern letztlich alle Versuche, dies dauerhaft zu erreichen.
Der Gläubige muss sich deshalb keine Sorgen machen. Paulus sagt, dass wir nicht ermatten – und er nennt dafür einen Grund. Es gibt nicht nur einen äusseren Menschen, sondern auch einen inneren Menschen. Dieser wird bei einem Erlösten Tag für Tag erneuert. Einerseits besteht zwischen dem Gläubigen und dem Ungläubigen kein Unterschied: Beide erfahren im Leben auf der Erde, wie der äussere Mensch verfällt. Anderseits ist nur der Körper des Gläubigen das «Gefäss», in dem der Heilige Geist wohnt. Darum wird bei der Entrückung ausschliesslich der Körper des Erlösten auferweckt und verwandelt werden. Wenn es jedoch um den inneren Menschen geht, ist der Unterschied noch beachtlicher.
Der innere Mensch
Während der äussere Mensch mit dem Sichtbaren, Zeitlichen und Vergänglichen verbunden ist, hat der innere Mensch es mit dem Unsichtbaren, Ewigen und Unvergänglichen zu tun. Es geht um den Geist und die Seele des Gläubigen, der bei der Bekehrung ein neues Leben bekommen hat. Der Ungläubige hingegen, der ebenfalls einen Geist und eine Seele hat, ist nicht von neuem geboren. Das ist ein grosser Unterschied.
Mit dem inneren Menschen sind wir als Gläubige fähig, Gemeinschaft mit Gott zu pflegen und uns durch den Glauben an dem zu freuen, was unsichtbar und ewig ist. Mit dem inneren Menschen können wir Dinge wahrnehmen, von denen ein Ungläubiger keine Ahnung hat.
In einem Sinn ist der innere Mensch des Gläubigen ein für alle Mal erneuert worden. Im Moment der Neugeburt hat diese grundlegende Erneuerung stattgefunden (2. Kor 5,17). In einem anderen Sinn ist es jedoch ein Prozess, der Tag für Tag erfolgt. Gemeinschaft mit Gott ist etwas, was wir täglich pflegen und woran wir uns immer wieder freuen. Diese Gemeinschaft ist weder der Vergänglichkeit unterworfen noch von äusseren Umständen abhängig. Selbst in Trauer, in Krankheit oder im Alter kann der Gläubige sich der Beziehung mit seinem Gott erfreuen, weil der innere Mensch Tag für Tag erneuert wird. Darin unterscheiden sich der äussere und der innere Mensch substanziell.
Die Erneuerung des inneren Menschen
Wie der äussere Mensch, so muss auch der innere Mensch gepflegt werden. Dabei geht es nicht nur um das, was Gott dafür tut. Die tägliche Erneuerung obliegt zugleich unserer Verantwortung. Paulus drückt es hier jedoch als Tatsache aus. Der innere Mensch wird erneuert. Dieser Prozess findet in der Kraft des Heiligen Geistes statt. Dazu sind das Wort Gottes und das Gebet unerlässlich. Nur so können wir die Gemeinschaft mit Gott täglich aufrechterhalten und daran unsere Freude finden.
Die folgenden Verse in 2. Korinther 4 zeigen uns zwei Aspekte, die diese Erneuerung unterstützen:
- Alle Schwierigkeiten auf unserem Lebensweg werden in der Ewigkeit wiedergefunden werden (V. 17). Dieses Bewusstsein hilft uns, das Schwere aus Gottes Hand anzunehmen, statt darüber zu klagen.
- Wir sollen unseren Blick auf das Unsichtbare richten, das ewig Bestand hat (V. 18). Je mehr unsere Augen jetzt schon auf das ewige Ziel gerichtet sind, umso mehr werden wir innerlich mit Kraft erfüllt sein.
Auf diese Weise ermatten wird nicht, selbst wenn der äussere Mensch verfällt und wir die Mühen des Körpers in zunehmendem Mass spüren. Ein Mut machendes Beispiel ist der Glaubensmann Kaleb, der im hohen Alter noch sagen konnte:
«Siehe, der HERR hat mich am Leben erhalten, so wie er geredet hat, diese fünfundvierzig Jahre, seitdem der HERR dieses Wort zu Mose geredet hat, als Israel in der Wüste umherwanderte; und nun siehe, ich bin heute fünfundachtzig Jahre alt. Ich bin heute noch so stark wie an dem Tag, als Mose mich aussandte; wie meine Kraft damals, so ist meine Kraft jetzt zum Kampf und um aus- und einzuziehen» (Jos 14,10.11).
