Versuchungen

Den Ausdruck «Versuchung» oder «Versuchungen» finden wir oft in Gottes Wort. Dabei werden uns auch verschiedene Personen vorgestellt, die versucht wurden. Für unser praktisches Leben als Gläubige ist es von grossem Nutzen, wenn wir beachten, dass mit Versuchung nicht immer dasselbe gemeint ist. Man kann zwei Hauptgruppen unterscheiden:

  • Versuchungen, deren Ursprung die Sünde ist
  • Versuchungen, die von Gott kommen

Versuchungen durch die Sünde

Hier wollen wir klar festhalten, dass diese Versuchungen nichts mit Gott zu tun haben, also nicht von Ihm kommen. Jakobus 1,13 sagt uns: «Niemand sage, wenn er versucht wird: Ich werde von Gott versucht; denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht niemand. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird». Hier lernen wir, dass diese Art Versuchungen ihren Ursprung in der in uns wohnenden Sünde haben. Dies wird uns in Matthäus 15,19 bestätigt: «Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen». Um bei solchen Versuchungen, die jeder Gläubige kennt, richtig reagieren zu können, ist es wichtig zu erkennen und zu akzeptieren, dass die Sünde, das böse Prinzip, noch in uns wohnt, so lang wir auf der Erde leben. Mit der Bekehrung wurde die in uns wohnende Sünde nicht weggetan und unser Fleisch nicht verbessert. Aber Gott hat etwas Neues geschaffen. Wir sind «Teilhaber der göttlichen Natur» geworden (2. Pet 1,4). Und diese Natur kann vom Bösen nicht versucht werden, weil sie von Gott und darum vollkommen ist. Wenn wir diese beiden Tatsachen klar auseinander halten, wird uns dies helfen, bei Versuchungen durch die Sünde richtig zu reagieren, nämlich: «Haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christus Jesus» (Röm 6,11).

Wir müssen also nicht die Sünde, oder das Fleisch, im Tod halten, denn das wird uns nie gelingen, sondern wir sollen uns der Sünde für tot halten. Das bedeutet, dass wir der Versuchung gegenüber nicht reagieren, sondern uns dem Bösen gegenüber tot stellen. Einen Toten kann man ansprechen und locken so viel man will, er bleibt regungslos. Dies können wir aber nicht aus eigener Kraft vollbringen. Nur kraft der göttlichen Natur, die jeder Gläubige empfangen hat, ist es uns möglich, bei Versuchungen vom Bösen nicht zu unterliegen. Dazu ist auch eine geistliche Entschiedenheit nötig, die das aufkeimende Böse sofort und bei der Wurzel verurteilt, damit keine sündigen Taten entstehen. Diesen Gedanken finden wir in Kolosser 3,5: «Tötet nun eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinheit, Leidenschaft, böse Lust und die Habsucht.» Die beste Hilfe, dies zu verwirklichen, finden wir darin, persönlich mit dem Herrn Jesus in Verbindung zu sein, indem wir viel an Ihn denken, ein aktives Gebetsleben führen und bestrebt sind, uns so zu verhalten, wie Er als Mensch auf der Erde gelebt hat. Dies wird in Galater 5,16 so ausgedrückt: «Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen.» Er macht uns auf die kleinste Regung des Fleisches aufmerksam (Röm 8,13).

Weiter gibt es aber auch Versuchungen vonseiten der Sünde, die von aussen auf uns eindringen. Sie sprechen die Sünde in uns an, und es ist wichtig, dass wir uns so verhalten, dass das Fleisch nicht in Tätigkeit kommt. Erinnern wir uns hier an David in 2. Samuel 11. Anstatt mit seinem Heer in den Krieg zu ziehen, zog er es vor, in Jerusalem zu bleiben. Dort gab er sich dem Müssiggang hin, denn wir lesen in Vers 2: «Und es geschah zur Abendzeit, als David von seinem Lager aufstand und auf dem Dach des Königshauses umherging, dass er vom Dach herab eine Frau sich baden sah» Das war der Anfang von einem schweren Fall Davids, wobei er sogar den Ehemann dieser Frau ermorden liess. Wie konnte es dazu kommen? «Es geschah … zur Zeit, wenn die Könige ausziehen» (V. 1). David hätte an der Spitze seines Heeres in den Kampf ziehen sollen, statt in Jerusalem zu bleiben und sich am Nachmittag auf dem Dach seines Hauses auszuruhen. Zudem hätte er die Gedanken, die diese Versuchung in ihm hervorriefen, sofort und gründlich verurteilen und richten sollen, anstatt sie weiter zu verfolgen. Auch wir leben heute in einer Zeit des Kampfes, wo geistliche Energie nötig ist, um bestehen zu können. Wenn wir nicht bereit sind, den Kampf von Epheser 6 zu führen, sondern uns dem geistlichen Müssiggang hingeben, dann sind wir sehr anfällig für Versuchungen durch die Sünde von aussen.

Joseph befand sich in 1. Mose 39 in einer Versuchung, die in ihrer Art der von David ähnlich war. Aber bei ihm sehen wir das richtige Verhalten. «Er aber … floh und lief hinaus» (V. 12). Das ist auch für uns die einzige Möglichkeit, in solchen Versuchungen zu bestehen. Aber wir müssen nicht nur «hinaus»-fliehen, wir dürfen zum Herrn Jesus fliehen, wo wir zur Ruhe kommen. «Kommt her zu mir … und ich werde euch Ruhe geben.» Die Zuflucht zum Herrn Jesus steht uns bei allen Arten der Versuchung vom Bösen offen.

Versuchungen von Gott

Die zweite Gruppe von Versuchungen ist grundsätzlich anderen Ursprungs und anderer Art als die erste.

  • Anderen Ursprungs: Diese Versuchungen kommen weder von der Sünde, die in uns wohnt, noch von der Sünde um uns her, sie kommen von Gott.
  • Anderer Art: Da sie nicht vom Bösen kommen, haben sie auch nicht das Böse zum Ziel, sondern die Verherrlichung Gottes.

Man kann diese Versuchungen auch Prüfungen Gottes nennen. Gott prüft den Glauben der Seinen, indem Er sie manchmal durch schwere Umstände im Leben führt. Wenn wir in diesen Umständen unerschütterlich an Gott und seinem Wort festhalten und Ihm vertrauen, tritt unser Glaube sichtbar an den Tag, und dadurch wird Gott durch uns auf der Erde verherrlicht, und wir selbst werden Bewährte in unserem Glauben. Jetzt können wir auch Jakobus 1,2.3 besser verstehen: «Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Prüfungen fallt, da ihr wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt».

Ein eindrückliches Beispiel finden wir bei Abraham in 1. Mose 22. «Und es geschah nach diesen Dingen, dass Gott Abraham prüfte» (V. 1). Hier sehen wir klar, dass diese Prüfung von Gott selbst kam. Das Verhalten Abrahams ist für alle, die in Prüfungen Gottes stehen, vorbildlich und trostreich. «Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und zieh hin in das Land Morija und opfere ihn dort als Brandopfer auf einem der Berge, den ich dir sagen werde» (V. 2). Sicher hat noch niemand von uns eine Prüfung wie Abraham zu erdulden gehabt, aber Gott prüft heute noch die Seinen, und es gibt auch heute noch sehr schwere Prüfungen.

In einer solchen Lage ist das Bewusstsein, dass die Prüfung ihren Ursprung im Herzen Gottes, unseres Vaters, hat, eine grosse Hilfe. «Der Vater selbst hat euch lieb» (Joh 16,27). Dies darf jedes geprüfte Kind Gottes ruhig machen und ermuntern, den schweren Weg in völligem Vertrauen auf Gott, den Vater, und auf sein Wort, weiterzugehen. Dieses Vertrauen sehen wir auch bei Abraham: «Und Abraham stand frühmorgens auf und sattelte seinen Esel und nahm mit sich zwei von seinen Knaben und Isaak, seinen Sohn» (V. 3). Unverzüglich machte er sich auf den Weg, um diesen schweren Auftrag auszuführen. Seine Gedanken waren zuerst auf Gott ausgerichtet und erst dann auf die Umstände: «Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn» (Vers 8).

Welch ein Glaubensvertrauen sehen wir doch bei diesem Mann! Er nahm diese Prüfung aus der Hand Gottes an, und er wurde nicht beschämt! Gott gab einen Ausgang aus dieser Prüfung. Als sein Gehorsam und sein Glaube sichtbar erwiesen waren, so dass wir heute noch davon lernen können, gab Gott ihm einen Widder, den er anstelle seines Sohnes opfern durfte. Gott ist heute noch derselbe. Er lässt Glauben und Vertrauen auch heute nicht unbeantwortet: «Gott ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt» (1. Kor 10,13). Nicht jede Versuchung wird den Ausgang dann haben, wann wir es uns vorstellen, aber ihr Mass ist von Gott so bemessen, dass wir sie ertragen können.

Bei Prüfungen, die von Gott kommen, gilt es also – im Gegensatz zu den Versuchungen durch die Sünde – nicht zu fliehen, sondern sie im Vertrauen auf Ihn zu erdulden. «Glückselig der Mann, der die Prüfung erduldet! Denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, die er denen verheissen hat, die ihn lieben» (Jak 1,12).