Wiederherstellung

Psalm 32; Psalm 51

Im Leben Davids gibt es ein Kapitel, das man so überschreiben könnte. Es hat auch uns, die wir das Heil in Christus gefunden haben, viel zu sagen. Versuchen wir, es kurz zusammenzufassen.

Bei der Lektüre von 1. Samuel 19 – 30 begleiten wir den jungen David, den der Prophet zum König gesalbt hat, auf der Flucht vor Saul. Scheinbar endlose Tage lang geht er durch grosse Bedrängnis und tiefe Not. Aber Gott ist der sichere Zufluchtsort seiner Seele. Verschiedene Psalmen aus dieser Zeit zeugen davon. Psalm 63 zum Beispiel beschreibt, wie er mitten in der Wüste Juda nach Gott dürstet und schmachtet, wie seine Seele Ihm unmittelbar nachfolgt. Und was ist die Folge? Sein Inneres wird wie von Mark und Fett gesättigt und mit jubelnden Lippen lobt sein Mund. Kann es für den Gläubigen einen glückseligeren Zustand geben?

In 2. Samuel 1-10 wird uns dann berichtet, wie David den Thron besteigt und ihm Macht und Ehre zuteilwerden. Er besiegt alle Feinde ringsum, und aus einer Zeit der Verfolgung und des äusseren Druckes werden Jahre des Erfolges, königlicher Herrschaft, des Reichtums und der Wohlfahrt. Wie gefährlich können solche Umstände für das geistliche Wohlergehen des Gläubigen sein! Sie treiben ihn nicht an, beständig das Angesicht des Herrn zu suchen. Die Trübsale sind es – nicht das Wohlergehen – die Ausharren, Erfahrung und Hoffnung bewirken.

Aber auch «gute Zeiten» können für den Gläubigen Segenszeiten sein, wenn er «wacht und betet». Solange David dies tat, übte er «Recht und Gerechtigkeit an seinem ganzen Volke» (2. Sam 8,15).

Doch dann kam er zu Fall (2. Sam 11). Am Tag des Kampfes schickte er Joab mit ganz Israel an die Front. Er selbst aber legte sich auf sein weiches Lager hin, um zu schlafen! Wie war er in diesen Mangel an Wachsamkeit hineingeglitten? Wie lange dauerte er schon an? Wir wissen es nicht, aber Satan wusste es. Im geeigneten Augenblick überfiel er David mit einer schlimmen Versuchung – und der König wurde zum Ehebrecher!

Wie verändert dies den frommen Mann! Wir erkennen ihn nicht wieder. Er sucht nicht Gott, sucht nicht Vergebung für seine Sünde. Vielmehr will er sie vor den Menschen zudecken. Und wenn Urija seinen Urlaub nicht bei seiner Frau verbringen will, lässt der König ihn kurzerhand umbringen! Und diese Sünde weiss er als Kriegsgeschehen zu tarnen. – Welche Verunehrung Gottes! Er hat «den Feinden des HERRN Anlass zur Lästerung gegeben.»

Der erste Schritt zur Wiederherstellung

Diese Verhärtung seines Gewissens scheint monatelang anzudauern. Wie immer, so auch hier, ist es Gott, der den ersten Schritt zur Wiederherstellung auslöst. Nachdem der König sich die verwitwete Bathseba zur Frau genommen und sie ihm einen Sohn geboren hat, sendet der HERR Nathan zu ihm, der ihm die Geschichte von einem Reichen erzählen muss, die grosse Ähnlichkeit hat mit seiner eigenen bösen Geschichte (2. Sam 12). David, noch blind über sein eigenes Tun, hat keine Mühe, jenen «Reichen» als einen «Mann des Todes» zu verurteilen, weil jener in Selbstsucht seine Macht missbrauchte und «kein Mitleid» hatte mit dem «Armen».

Mit dem Zuruf: «Du bist der Mann» zerreisst der Prophet die Decke vor seinen Augen und teilt ihm mit, was der HERR zu seinen schweren Verfehlungen zu sagen hat und welche bitteren Folgen sie für ihn haben werden. – Endlich bekennt David: «Ich habe gesündigt», aber diese Einsicht ist noch sehr schwach, und es dauert noch lange, bis er wieder ins volle Licht Gottes kommt, in dem er früher gelebt hat.

Als Gott das Kind Bathsebas schlägt, sucht David Ihn «um des Knaben willen». Er fastet und liegt über Nacht auf der Erde. Sobald er aber hört, dass das Kind gestorben sei, sieht er keinen Grund mehr zum Fasten und zur Demütigung: er wäscht und salbt sich, wechselt die Kleider und nimmt Speise zu sich. Er trauerte nicht über seine Sünden, sondern meinte, Gott werde wegen seines Fastens die Folgen mildern.

Noch ein anderer Umstand lässt Blicke tun in seinen damaligen Herzenszustand: sein grausames Töten der besiegten Ammoniter (2. Sam 12,31)! Kann der Gläubige so gnadenlos handeln, wenn er seine eigene Schuld voll erkennt und weiss, wie gross die Gnade ist, die Gott ihm erweist? (Vgl. Mt 6,12-15; 18,21-35).

«Meine Sünde ist beständig vor mir»

Das Ziel Gottes mit dem in Sünde gefallenen Gläubigen ist dessen volle Wiederherstellung. Gelangt Er durch die Mahnungen seines Geistes und Wortes nicht zu diesem Ziel, sucht Er ihn durch schmerzliche Regierungswege wieder zu sich zu ziehen. Für David begannen sich nun die angekündigten weiteren Folgen seiner Sünden auszuwirken. Die Erfahrungen mit seinen Söhnen erschütterten und demütigten ihn tief. Wie seine Seele dabei zurechtkam, davon zeugen besonders die Psalmen 51 und 32.

In Psalm 51 begegnen wir einem gebeugten David. Er redet hier nur noch von seinen Übertretungen und bekennt: «Meine Sünde ist beständig vor mir» (V. 5). Ach, er möchte wie ehedem seinen Platz vor Gottes Angesicht einnehmen (V. 13), aber das Bewusstsein seiner Vergehungen, seiner Blutschuld hält ihn fern von Gottes heiliger Nähe. Er hat die Freude des Heils Gottes verloren; in seinem Herzen ist daher keine Fröhlichkeit, keine Freude (Verse 10,14). Er, der Liebliche in Gesängen Israels, kann Ihn nicht mehr jubelnd preisen mit seiner Zunge; seine Lippen müssen wieder geöffnet werden, um Gottes Lob verkünden zu können (Verse 16,17).

David sehnt sich hier nach den Segnungen und Früchten des Heils, die er vorher in Fülle besessen und genossen hat. Wir können also Ausdrücke wie: «Wasche mich völlig von meiner Ungerechtigkeit, und reinige mich von meiner Sünde» nicht nur mit der Feststellung erklären, dass er eben ein Gläubiger des alten Bundes sei und daher nicht wie wir Christen die volle Lehre des Heils in Christus kenne. Ist es nicht so, dass je tiefer der Gläubige fällt und je länger er in der Sünde oder in der Verstockung verharrt, es umso länger dauert, bis er sich wieder einer völligen Wiederherstellung erfreuen kann? Die Wurzeln, die er einst am Bach Gottes ausstreckte, aber dann wegriss, können ihren alten Platz nicht so schnell wiederfinden.

«Glückselig der … dessen Sünde zugedeckt ist»

In Psalm 32 ist nun David der Vergebung seiner Schuld ganz gewiss. Wie gut, dass die Hand Gottes so lange Zeit Tag und Nacht auf ihm gelastet hat und ihm keine Ruhe liess, bis er alles vor Ihm aufdeckte und in seinem Geist kein Trug, nichts Verborgenes mehr zurückblieb! Wenn selbst das Innere des Herzens der Wahrheit gemäss vor Gott blossgelegt wird (Ps 51 ,8), dann kann Gott zudecken, rechtfertigen, vergessen. Das ist seine Sache. Wer dies selber tun will, kommt nie in Ordnung vor Ihm.

David ist jetzt glückselig. Er kann wieder ungehindert zu Gott beten (V. 6). Gott ist wieder sein Bergungsort, selbst in der Bedrängnis, die durch die von Gott angeordneten Folgen seiner Sünde entsteht (V. 7). Er geht in Abhängigkeit von Ihm voran (Verse 8,9) und vertraut auf Gott (V. 10). Er kann sich wieder im HERRN freuen, kann frohlocken und jubeln! (Verse 10,11).

Der Geist Gottes teilt uns diese Geschichte mit, damit wir unsere Lehre daraus ziehen. Es ist überaus ernst, wenn der Erlöste in Sünde fällt, denn er ist ja frei gemacht davon (Röm 6,18). «In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige» (Ps 119,11). «Jeder, der in ihm bleibt, sündigt nicht» (1. Joh 3,6).