Die Kleider Josephs

1. Mose 37; 1. Mose 39; 1. Mose 40; 1. Mose 41,14-46

Die Bibel berichtet uns von vier Altären, die Abraham gebaut hat (1. Mo 12,7.8; 13,18; 22,9), von vier Denkmälern, die Jakob aufgerichtet hat (1. Mo 28,18; 31,45; 35,14.20), sowie von vier Brunnen, die Isaak gegraben hat (1. Mo 26,19-25).

Von Joseph lesen wir an vier Stellen von verschiedenen Kleidern: Sein Vater Jakob machte ihm ein langes Ärmelkleid. Er liess sein Sklavengewand in der Hand der Frau Potiphars. Er wechselte seine Kleider, als der Pharao ihn aus dem Gefängnis holen liess. Schliesslich kleidete der Pharao ihn in Kleider von Byssus.

Joseph ist das umfassendste Vorausbild des Herrn Jesus im Alten Testament, sowohl in seiner Erniedrigung als auch in seiner Erhöhung. So deuten auch die verschiedenen Kleider Josephs auf verschiedene Herrlichkeiten des Herrn Jesus hin.

Das lange Ärmelkleid

(1. Mo 37)

Dieses vornehme Kleidungsstück zeichnete Joseph als den über alles geliebten Sohn Jakobs aus. Joseph in seinem langen Ärmelkleid stellt uns den Herrn Jesus als den geliebten Sohn des Vaters vor. Dass Er dies ist, bezeugt der Vater Ihm und anderen gegenüber. Der Vater hat den Sohn vor Grundlegung der Welt geliebt. Da war Er seine Wonne. Er fand sein Wohlgefallen an Ihm, als Er auf der Erde lebte, und die Bereitschaft seines Sohnes, sein Leben zu lassen, gab dem Vater einen weiteren Anlass, Ihn zu lieben (Lk 3,22; 9,35; Joh 17,24; Spr 8,30; Joh 10,17).

Die besondere Liebe Jakobs zu Joseph ruft den Hass seiner Brüder gegen ihn hervor, der so weit geht, dass sie ihn nicht zu grüssen vermögen. Wir können annehmen, dass sie auch ihrem Vater grollten, weil er Joseph bevorzugte. So muss der Herr Jesus seinen Jüngern sagen, dass die Juden sowohl Ihn als auch seinen Vater gehasst haben (Joh 15,24).

Während Joseph das üble Nachreden seiner Halbbrüder dem Vater hinterbringt, sagt der Herr Jesus zu den Juden: «Meint nicht, dass ich euch bei dem Vater verklagen werde» (Joh 5,45). Aber die Welt hasst Ihn, weil Er von ihr zeugt, dass ihre Werke böse sind (Joh 7,7).

Als Joseph seinen Brüdern seinen ersten Traum hinsichtlich seiner zukünftigen Herrlichkeit erzählt, hassen sie ihn noch mehr. Der ewige Sohn Gottes, der alles weiss, benötigt keine Träume, um seine Herrlichkeit im Tausendjährigen Reich zu erfahren. Drei seiner Jünger werden Augenzeugen seiner herrlichen Grösse, als der Herr vor ihren Augen umgestaltet wird. Er gebietet ihnen jedoch, nicht vor seiner Auferstehung davon zu reden (Mt 17,1-9). Petrus schreibt später den Gläubigen aus der Zerstreuung von diesem Ereignis, um ihr Vertrauen in die prophetischen Schriften zu befestigen (2. Pet 1,16-19).

Der zweite Traum, den Joseph ausser den Brüdern auch dem Vater mitteilt, ruft auch bei diesem eine negative Reaktion hervor. Doch er bewahrt die Worte in seinem Herzen, wie es auch Maria, die Mutter Jesu, tut, die zuvor ihren Sohn tadelt, weil Er die Eltern durch sein Zurückbleiben in Jerusalem in Sorge versetzt hat (Lk 2,51).

Nach diesem sendet Jakob Joseph aus, um nach dem Wohlergehen sowohl seiner Brüder als auch der Herde zu sehen. Über 40-mal lesen wir im Johannes-Evangelium, dass der Herr Jesus vom Vater (bzw. von Gott) gesandt worden ist. Er wurde nur zu den Schafen des Hauses Israel gesandt (Mt 15,24). So wie Joseph seine Brüder sucht und den Weitergezogenen nachgeht, bis er sie findet, so sucht der Herr das Verlorene, um es zu retten, und geht ihm nach, bis Er es findet (Lk 19,10; 15,4).

Sobald die Brüder Joseph kommen sehen, beschliessen sie, ihn umzubringen. Im einzigen Gleichnis, in dem der Herr Jesus von seinem Tod spricht, beschliessen die Weingärtner, den Sohn des Weinbergbesitzers umzubringen, sobald sie diesen sehen (Mt 21,38).

Auf den Rat Rubens hin töten die Brüder Joseph nicht, sondern ziehen ihm das Ärmelkleid aus und werfen ihn in eine trockene Grube. Auch der Herr Jesus trägt ein kostbares Untergewand, das die Soldaten Ihm ausziehen, um dann darum zu losen. So hängt der Heiland entblösst am Kreuz, den schamlosen Blicken der gaffenden Menge preisgegeben. Dieses Geschehen prophezeite David schon über 1000 Jahre zuvor (Ps 22,18.19).

Aus Neid verkaufen die Brüder Joseph schliesslich für 20 Silbersekel an vorüberziehende midianitische Händler (Apg 7,9). Judas hat den Herrn für 30 Silberstücke verkauft, und die Obersten überliefern Ihn aus Neid dem Pilatus (Mt 27,18).

Um ihre böse Tat zu vertuschen, tauchen die Brüder Josephs sein langes Gewand in das Blut eines Ziegenbocks und schicken es so ihrem Vater. Dann trösten sie scheinheilig den verzweifelten Vater. Aber während Joseph nicht wirklich umgekommen ist, musste der Heiland sterben. Sein kostbares Blut hat wirklich Sühnung getan, im Gegensatz zum Blut der vielen Ziegenböcke und Ziegen, die nach dem Gesetz als Sündopfer dargebracht wurden (3. Mo 4,23.28; 5,6; 23,19; 4. Mo 28,15.30; usw.).

Ist es nicht erstaunlich, wie in diesem Kapitel – und zwar bis in die Einzelheiten hinein – Joseph Den vorschattet, der grösser ist als er, den geliebten Sohn,

  • den der Vater gesandt hat,
  • dem Er Zeugnis gegeben hat,
  • den aber sein Volk aus Neid den Nationen überliefert hat und
  • der dann für unsere Sünden gestorben ist?

Das Kleid eines Sklaven

(1. Mo 39)

Joseph wird in Ägypten von den Midianitern als Sklave an Potiphar, einen Hofbeamten des Pharaos, verkauft. In diesem Kapitel ist Joseph ein Bild vom Sohn Gottes, der sich selbst erniedrigt und Knechtsgestalt angenommen hat. Jesus kam nicht nur in das Seine, zum Volk Israel, sondern Er war auch in der Welt, wovon Ägypten ein Bild ist.

Joseph gelingt alles, weil Gott mit ihm ist. Nikodemus sagt zum Herrn Jesus: «Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, wenn Gott nicht mit ihm ist» (Joh 3,2). Der Herr sagt von sich selbst: «Der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue» (Joh 8,29).

Potiphar, der sieht, dass Gott mit Joseph ist und ihm alles gelingen lässt, vertraut ihm alles an. Dies wird auch vom Herrn Jesus bezeugt: «Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben» (Joh 3,35).

Weil Joseph schön ist, wirft die Frau Potiphars, die ein Abbild der in Sprüche 7 beschriebenen Hure ist, ein Auge auf ihn und versucht ihn zu verführen. Er flieht vor der Versuchung, indem er sich losreisst und dabei sein Gewand in den Händen der zudringlichen Frau zurücklassen muss. Der Herr Jesus, in dem keine Sünde ist, der keine Sünde kannte und der keine Sünde tat, konnte nicht in dieser Weise versucht werden (1. Joh 3,5; 2. Kor 5,21; 1. Pet 2,22; Heb 4,15). Als Er vom Teufel versucht wird, flieht nicht der Herr, sondern der Teufel muss weichen. Dieser fand in Ihm keinen Anknüpfungspunkt. Noch bevor er am Ende des Weges des Herrn wieder an Ihn herantritt, kann der Herr seinen Jüngern bereits sagen: «Der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir» (Joh 14,30).

Aufgrund der Falschaussage seiner Frau lässt Potiphar Joseph ins Gefängnis werfen. So treten auch gegen den Herrn falsche Zeugen auf, wie es David schon prophezeit hat (Ps 27,12; Mt 26,60). Wir lesen nicht, dass Joseph versucht hat, sich zu verteidigen. Auch darin ist er ein Vorausbild des vollkommenen Knechtes, der, gescholten, nicht wiederschalt, leidend, nicht drohte, sondern sich Dem übergab, der gerecht richtet (1. Pet 2,23).

Sowohl die Grube, in die die Brüder Joseph warfen, als auch der Kerker, in den ihn die Ägypter brachten, sind Bilder des Grabes, in das der Herr Jesus hinabgestiegen ist. Er ist einerseits von seinem irdischen Volk umgebracht worden, anderseits aber auch durch die Nationen dem Tod überliefert worden. Während 1. Mose 37 uns im Vorausbild zeigt, dass der Herr Jesus für das getötet wurde, was Er war – der Sohn Gottes –, sehen wir hier im Bild, dass Er als Knecht Gottes für das umgebracht wurde, was Er tat. Ihm wurde Böses für Gutes erwiesen und Hass für seine Liebe (Ps 109,5).

Das Ablegen der Gefängniskleider

(1. Mo 40; 41,14)

Wenn der Kerker das Grab darstellt, in das der Herr nach seinem Tod gelegt wurde, so bedeutet die Befreiung Josephs aus dem Gefängnis die Auferstehung des Erlösers. Wie Joseph beim Verlassen jenes Ortes seine Gefängniskleidung auszieht und neue Kleider anzieht, so lässt auch der Herr die Leinentücher und das Schweisstuch in der Gruft zurück, um als Erstgeborener aus den Toten das Grab siegreich zu verlassen.

Von diesem entscheidenden Wechsel und dessen Auswirkungen sprechen viele Stellen im Neuen Testament, von denen ich drei anführen möchte: «Der unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist.» – «Wer ist es, der verdamme? Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt worden, der auch zur Rechten Gottes ist, der sich auch für uns verwendet.» – «Hierzu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden: um zu herrschen sowohl über Tote als auch über Lebende» (Röm 4,25; 8,34; 14,9).

Noch eine Ähnlichkeit, aber auch einen Unterschied zwischen Joseph im Gefängnis und dem Herrn Jesus am Kreuz, wodurch einmal mehr die Grösse unseres Erlösers ersichtlich ist: Joseph deutet zwei Personen, die die Gefangenschaft mit ihm teilen – dem Obersten der Mundschenken und dem Obersten der Bäcker des Pharaos – ihre Träume, und es ergeht ihnen auch nach seiner Deutung. Der eine wird wieder in sein Amt eingesetzt, der andere dagegen getötet. Mit dem Herrn Jesus teilen zwei Verbrecher sein Los. Der eine stirbt im Unglauben und ist für ewig verloren, der andere aber wendet sich im Glauben an den gekreuzigten Heiland und wird gerettet.

Soweit die Ähnlichkeit, aber nun der Unterschied: Joseph wendet sich mit der Bitte an den Mundschenk, ihn beim Pharao zu erwähnen. Doch dieser vergisst ihn. Auf Golgatha dagegen bittet der eine Räuber den Herrn, seiner zu gedenken, wenn Er in seinem Reich kommen wird. Und der Herr verheisst ihm: «Heute wirst du mit mir im Paradies sein.»

In Kleider von Byssus gekleidet

(1. Mo 41,39-46)

Nachdem Joseph die Träume des Pharaos gedeutet hat, setzt dieser ihn als Verwalter über ganz Ägypten ein. Er gibt ihm seinen Siegelring, kleidet ihn in kostbare Kleidung aus Byssus und legt ihm die goldene Kette um seinen Hals. In dieser Begebenheit ist der Pharao ein Bild Gottes, des Vaters, und Joseph ein Bild des verherrlichten Sohnes des Menschen, der zur Rechten Gottes ist. Der Pharao nennt Joseph den verständigsten und weisesten Menschen. Der Herr Jesus ist die personifizierte Weisheit (Spr 8,12 ff.). Der König von Ägypten setzt Joseph über sein Haus. Der Herr Jesus ist Sohn über sein Haus, d.h. über die Versammlung (Heb 3,6). So wie das ganze Volk sich dem Befehl Josephs fügen musste, so sind auch für uns alle Gebote des Herrn bindend. Nur um den Thron will der Pharao grösser sein als Joseph. Als Mensch sagt der Herr Jesus, dass der Vater grösser ist als Er, und dies wird sogar im ewigen Zustand so bleiben (Joh 14,28; 1. Kor 15,28). So wie sich alle Ägypter vor Joseph niederwerfen müssen, wenn sie diesem begegnen, so wird sich jedes Knie vor dem Herrn Jesus beugen müssen (Phil 2,9.10). Der Pharao gibt Joseph den Namen «Zaphnat-Pahneach», was übersetzt «Retter der Welt» bedeutet. Von unserem Herrn bezeugen die Apostel, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Heiland der Welt (1. Joh 4,14). Schliesslich gibt der Pharao Joseph Asnat, die Tochter Potipheras, zur Frau, während der Herr von uns als von solchen spricht, «die der Vater ihm gegeben hat» (Joh 17,6.9.24).

Welch ein schönes und umfassendes Vorausbild ist Joseph auf den Herrn Jesus! Dennoch sagen wir in Bewunderung und mit anbetenden Herzen in Anlehnung an Matthäus 12,42: «Mehr als Joseph ist hier.»