Der Hirte führt seine Herde zur Wohnung Gottes

Sieben Bilder

Asaph war ein geübter Sänger und Chorleiter. Zudem gab ihm der HERR auch Weissagungen für das Volk Israel und Voraussagen zu ihrer Warnung. Das, was er, geleitet durch den Geist Gottes, zu Israel sagte, dient auch zu unserer Belehrung und Ermahnung. Um uns Zugang zu den Gedanken Asaphs zu öffnen, beschäftigen wir uns mit sieben Bildern, die sich wie ein roter Faden durch seine zwölf Psalmen und Lehrgedichte ziehen (Ps 50; 73 – 83). Sie zeigen uns Israel als eine Herde, die der Hirte zur Wohnung des HERRN führt. Der Gedanke der Herde hängt mit dem der Wohnung Gottes zusammen. Dass der Lobgesang im Haus Gottes verstummte, ging Asaph als Sänger besonders nahe und beschäftigte ihn sehr. Wann und wie wird der HERR sein Volk wieder dazu führen, dass Er in seiner Mitte wohnen kann und Israel Ihm wieder lobsingen wird?

1. Bild: Das zerstörte Heiligtum

Ein zorniger Hirte hat seine Schafe zerstreut. Da, wo einst das Heiligtum Gottes stand, sieht man nur noch einen Trümmerhaufen. Die Bildunterschrift lautet:

«Gott, warum hast du verworfen für immer, raucht dein Zorn gegen die Herde deiner Weide? Gedenke deiner Gemeinde, die du erworben hast vor alters, erlöst als dein Erbteil – des Berges Zion, auf dem du gewohnt hast! Erhebe deine Tritte zu den immerwährenden Trümmern! Alles im Heiligtum hat der Feind zerstört … Sie haben dein Heiligtum in Brand gesteckt, zu Boden entweiht die Wohnung deines Namens» (Ps 74,1-3.7).

Dieses Bild deutet zunächst auf die Zeit der letzten Wegführung unter Nebukadnezar nach Babel hin. Gott warnte sein Volk durch Asaph 400 Jahre im Voraus. Es gab eine weitere Teilerfüllung des Bildes im Jahr 70 bei der Zerstörung Jerusalems durch die Römer. Doch es wird vollständig erfüllt werden, wenn die Nationen die heilige Stadt während 42 Monaten zertreten werden (Ps 79,1; Off 11,2).

Dieses prophetische Bild musste Asaph zutiefst erschüttert haben, denn er hatte die Einweihung des Tempels mitgefeiert. Er hatte miterlebt, wie die Herrlichkeit Gottes den Tempel erfüllte. Darum fragte er: «Gott, warum hast du dein Volk verworfen?» – In Psalm 78 fand er die Antwort in der Geschichte Israels vom Auszug aus Ägypten bis zur Erwählung Davids. Zwölf Mal hatte Gott in dieser Zeit zugunsten seines Volkes gewirkt. Aber was war die Reaktion des Volkes? Ablehnung und Widerspenstigkeit. Im besten Fall kehrte es heuchlerisch zu Gott um. Das geschah alles, bevor der Tempel überhaupt gebaut worden war! Die darauf folgende Geschichte der Könige Israels sollte noch viel schlimmer werden. Deshalb war Gott gegen die Herde seiner Weide zornig.

Weiter erinnerte Asaph Gott daran, dass sowohl die Weide als auch die Herde Gott gehörte. Er hatte sich das Volk als ein Eigentumsvolk erkauft. Die Wohnung war doch der Ort, wo Er seinen Namen wohnen liess! Liegt nicht gerade in der Tatsache, dass es seine Weide, seine Herde, sein Volk, sein Heiligtum war, die Antwort? Verstehen wir, dass Gott dem Bösen in Israel nicht länger zusehen konnte und sein Volk in die Hände seiner Feinde geben musste?

Was war die Folge? Ein Trümmerhaufen statt der Wohnung Gottes. Eine zersprengte Herde singt nicht mehr. In einem Trümmerhaufen kann kein Lobgesang erklingen.

Auch das heutige Volk Gottes wird mit einer Herde verglichen. Es ist seine Versammlung, die Er sich durch das Blut seines Eigenen erworben hat (Apg 20,28). Deshalb dürfen wir die Gedanken Asaphs auch auf uns anwenden: Der Herr ermahnt seine Versammlung, wenn sie von Ihm abweicht:

«Ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tu Buße und tu die ersten Werke; wenn aber nicht, so komme ich dir und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegrücken, wenn du nicht Buße tust» (Off 2,4.5).

Gegen Ende der Kirchengeschichte, wenn der Niedergang des christlichen Zeugnisses offenbar geworden ist, muss der Herr sagen: «Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! So, weil du lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund» (Off 3,15.16).

2. Bild: Auszug aus Ägypten

Eine riesige Herde bewegt sich von Ägypten gegen das Rote Meer. Sie wird vom Heer der Ägypter verfolgt. Vor ihr liegt das Meer, links und rechts ist die Wüste. Die Tausende des Volkes Israel laufen scheinbar in eine Sackgasse, ins Verderben. Die Bildunterschrift lautet:

«Du hast dein Volk erlöst mit erhobenem Arm, die Söhne Jakobs und Josephs … Du hast dein Volk wie eine Herde durch die Hand Moses und Aarons geleitet» (Ps 77,16.21).

Asaph blickt zurück und erinnert in diesem Bild daran, wie Gott sein Volk mit erhobenem Arm aus Ägypten erlöst hat. Durch das Blut des Passahlamms hat Er es vor dem Gericht gerettet. Zudem hatte Gott es aus Ägypten erlöst und herausgeführt. Das Bleiben in Ägypten hätte für Israel den sicheren Tod bedeutet. Die Israeliten waren dort in Knechtschaft. Gott wollte sie befreien, damit sie Ihm dienten, denn in Ägypten konnten sie dem HERRN kein Fest feiern.

Der erhobene Arm demonstriert die Macht Gottes. Dass Er sie durch die Hand von Mose und Aaron leitete, zeigt sein Entgegenkommen. Er weiss, dass es für uns Menschen schwierig ist, einem Gott zu folgen, den wir nicht sehen. Darum gab Er seinem Volk zwei menschliche Führer. Er leitete sie durch die Hand von Mose und Aaron.

Asaph ermahnt damit auch uns. Gott hat uns aus der gegenwärtigen Welt herausgenommen (Gal 1,4). Er möchte nicht, dass wir weiter der Sünde dienen und uns versklaven lassen, sondern uns als ein befreites Volk von Ihm führen lassen.

3. Bild: Die Wüstenwanderung zum Wohnort Gottes

Eine Herde bewegt sich durch die Wüste. Am Tag zieht eine Wolkensäule voraus, die den Weg weist und Schatten spendet. Nachts verwandelt sie sich in eine Feuersäule, die Licht und Wärme gibt. Die Bildunterschrift lautet:

«Er liess sein Volk wegziehen wie Schafe und leitete sie wie eine Herde in der Wüste; und er führte sie sicher, so dass sie sich nicht fürchteten; und ihre Feinde bedeckte das Meer. Und er brachte sie in sein heiliges Gebiet, zu diesem Berg, den seine Rechte erworben hat» (Ps 78,52-54).

Das Erste, was wir von den Israeliten hören, als sie am anderen Ufer des Roten Meeres ankamen, ist das Lied der Erlösung. Es war ein Wechselgesang über ihre Errettung und Befreiung aus der Macht des Feindes und der Führung Gottes zu seiner Wohnung: «Du hast durch deine Güte geleitet das Volk, das du erlöst hast, hast es durch deine Stärke geführt zu deiner heiligen Wohnung … Du wirst sie bringen und pflanzen auf den Berg deines Erbteils, die Stätte, die du, HERR, zu deiner Wohnung gemacht hast, das Heiligtum, Herr, das deine Hände bereitet haben» (2. Mo 15,13.17).

Doch sie waren noch nicht am Ziel. Er leitete sie vorerst an den Horeb, wo sie die Stiftshütte bauen sollten. In der Wüste wurde es erst recht schwierig. Wie sollte ein Volk von mehreren Millionen durch diese Öde geführt werden? Woher sollte es Trinkwasser und Nahrung erhalten?

Das war die Sache des Hirten. Er liess sein Volk wegziehen und leitete sie durch die Wüste. Er führte sie sicher, so dass sie sich nicht zu fürchten brauchten. Jeder Tag in der Wüste war ein Wunder der Führung und Fürsorge Gottes. Er wollte in der Mitte seines erlösten Volkes wohnen, weil Er wünschte, Gemeinschaft mit seinen Erlösten zu haben. Das Endziel war, sie ins Land, zum Berg seines Erbteils zu führen. Das war der Ort, den der HERR erwählen würde, um in der Mitte seines Volkes zu wohnen.

Wir dürfen die Leitung des Herrn Jesus auf unserem persönlichen Glaubensweg erfahren. Sein Wirken zieht uns zu seiner Herde. Er möchte uns da um sich versammeln, wo Er seinen Namen wohnen lässt, um den Lobgesang anzustimmen. Wir dürfen geistliche Schlachtopfer darbringen, «Gott wohlangenehm durch Jesus Christus». Diese Gedanken werden uns hier gross vor die Herzen gestellt.

4. Bild: Er erwählte David

Ein noch junger Hirte wird ausgewählt. Gott schaut nicht auf sein Äusseres, sondern auf sein Herz:

«Er erwählte David, seinen Knecht, und nahm ihn von den Schafhürden; hinter den Säugenden weg liess er ihn kommen, um Jakob, sein Volk, zu weiden, und Israel, sein Erbteil. Und er weidete sie nach der Lauterkeit seines Herzens, und mit der Geschicklichkeit seiner Hände leitete er sie» (Ps 78,70-72).

Nachdem Israel ins verheissene Land gekommen war und dort die Geduld und Langmut Gottes derart strapaziert hatte, fragt man sich: Welcher Ausweg blieb Gott noch, nachdem Er seine Wohnung in Silo verlassen hatte (Ps 78,60)?

Gott erwählte einen jungen Hirten: David. Von ihm bezeugte Gott, dass er als sein Knecht sich um das Wohl der Schafe kümmerte. Er tat es in Lauterkeit seines Herzens. Das bedeutet: Nicht wie ein bezahlter Hirte, sondern als Sohn, der die Schafe seines Vaters weidet. Das Lagern der Schafe in den Hürden und das Pflegen der Säugenden waren ihm wichtig. Die Geschicklichkeit seiner Hände kam ihm im Umgang mit Stecken, Stab und Schleuder beim Hüten der Schafe zugut. Ausserdem hat er viele Vorbereitungen für das zu bauende Haus Gottes getroffen und das Volk dahin geleitet, dass sein Sohn Salomo den Tempel bauen konnte. Wir merken, dass Gott, wenn Er von der Auswahl Davids spricht, bereits seinen eigenen Sohn im Blickfeld hat. In Ihm wird Er trotz allem Versagen und Zuwiderhandeln in Israel sein Ziel erreichen: Er wird die Herde zur Wohnung Gottes führen.

Gott hat seinen Sohn, den wahren Sohn Davids, erwählt, weil Dieser all sein Wohlgefallen erfüllen wird. Ein Aspekt davon betrifft auch das himmlische Volk Gottes. Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat sein Leben gegeben, damit Er die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammeln kann.

5. Bild: Eine lobende Herde

Endlich wieder eine Herde, die Gott lobt und preist! Die oft gestellte Frage Asaphs: Bis wann?, findet nun eine Antwort. Wenn das Volk seinem Gott lobsingt, wird es auch wieder ein Heiligtum geben. Die Bildunterschrift lautet:

«So werden wir, dein Volk und die Herde deiner Weide, dich preisen in Ewigkeit, dein Lob erzählen von Geschlecht zu Geschlecht» (Ps 79,13).

Es gibt Hoffnung für das zerstörte Heiligtum (Ps 79,1). Wann wird die Wende sein und was löst den Wechsel aus? Der Moment wird kommen, da das Volk zu seinem Gott um Hilfe schreien wird. Es wird den Menschen des Überrests bewusst werden, dass es ihre Sünden sind, die eine Scheidung gemacht haben zwischen ihnen und ihrem Gott. Dann werden sie beten: «Hilf uns, Gott unseres Heils, um der Herrlichkeit deines Namens willen; und errette uns und vergib unsere Sünden um deines Namens willen!» (Ps 79,9). Gott wird auf sie hören und ihnen vergeben. Die Folge kann nicht ausbleiben: Sein Volk wird Gott preisen. Sie werden die Herrlichkeit seines Namens besingen und Gott loben, dass Er ihnen zum Gott ihrer Rettungen geworden ist.

Wenn der Herr bei uns Wiederherstellung bewirken kann, sei es persönlich oder in einem örtlichen Zeugnis der Versammlung, dann kann das Lob Gottes wieder erklingen.

6. Bild: Der Hirte Israels

Der Hirte wird ihnen ganz gross. Es ist nicht länger David, es ist Gott selbst. Die Bildunterschrift lautet:

«Hirte Israels, nimm zu Ohren, der du Joseph leitest wie eine Herde, der du thronst zwischen den Cherubim, strahle hervor! Von Ephraim und Benjamin und Manasse erwecke deine Macht und komm zu unserer Rettung! Gott, führe uns zurück und lass dein Angesicht leuchten, so werden wir gerettet werden!» (Ps 80,2-4).

Ihre Bitte ist, dass ihr Hirte sie in seine Gegenwart zurückführt. Die drei erwähnten Stämme zogen während der Wüstenwanderung direkt hinter der Bundeslade her, die ein Bild der Gegenwart Gottes ist. Sie waren in der Nähe des HERRN. Diese Nähe vermisste nun das Volk sehr. Deshalb sollte Gott, der zwischen den Cherubim thront, hervorstrahlen. Gott redete einst zu Mose vom Deckel der Bundeslade herab, zwischen den beiden Cherubim hervor.

Im Heiligtum will Gott zu seinem Volk reden, sich offenbaren, die Herrlichkeit des Herrn Jesus zeigen. In Psalm 80 spricht Gott prophetisch von Ihm: vom Menschensohn, vom Mann seiner Rechten. Der göttliche Hirte sendet seinen Sohn als Hirten. Durch Ihn wird Gott alle seine Pläne mit seinem irdischen Volk erfüllen.

7. Bild: Der Feind erhebt sich gegen den Wohnort Gottes

Alle Nationen werden sich gegen Gottes Volk und gegen seinen Wohnort vereinen. Die Bildunterschrift lautet:

«Gott, schweige nicht; verstumme nicht und sei nicht still, o Gott! Denn siehe, deine Feinde toben, und deine Hasser erheben das Haupt. Gegen dein Volk entwerfen sie listige Pläne und beraten sich gegen deine Geborgenen. Sie sprechen: Kommt und lasst uns sie vertilgen, damit sie keine Nation mehr seien, damit nicht mehr gedacht werde des Namens Israels! … Weil sie gesagt haben: Lasst uns in Besitz nehmen die Wohnungen Gottes!» (Ps 83,2-5.13).

Obwohl diese Aussagen 3000 Jahre alt sind, stehen heute das Land Israel und besonders der Tempelberg zunehmend im Brennpunkt der Nationen. Was treibt sie an, diesen Ort um jeden Preis zu besitzen? Steht nicht der Widersacher Gottes dahinter, der Gott seinen Wohnort rauben möchte? Der Feind richtet seine Angriffe gegen das, was dem Herrn kostbar ist, gegen sein Volk und seinen Wohnort.

Schlussfolgerung

Auch den Söhnen Korahs waren die Gedanken über das Haus Gottes wichtig, denn sie sangen: «Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR der Heerscharen» (Ps 84,2). Was war ihnen denn so wertvoll an diesen Wohnungen, dass sie lieber an der Schwelle des Vorhofs stehen wollten, als in den Zelten der Gottlosen zu wohnen? Sie kannten wohl die Belehrungen aus 2. Mose 29,42-45, dass die Wohnung Gottes der Ort war,

  • wo Gott mit seinem Volk zusammenkommen wollte, um mit ihm zu reden;
  • wo die Söhne Aarons Gott den Priesterdienst ausüben durften;
  • wo Gott in der Mitte seines Volkes wohnte.

Deshalb liebten sie seine Wohnung, wo sie Gott kennen lernen konnten und Ihn loben durften.

Diese drei Gedanken sind auch heute für das geistliche Haus Gottes von Bedeutung:

  • Die Versammlung Gottes ist eine Behausung Gottes im Geist (Eph 2,19-22).
  • Sie ist der Ort, wo die Wahrheit hochgehalten wird (1. Tim 3,15).
  • Wir, die Glaubenden, sind eine heilige Priesterschaft, um Gott geistliche Schlachtopfer darzubringen, die Ihm wohlangenehm sind durch Jesus Christus (1. Pet 2,5).

An diesen Ort will der Herr seine Schafe führen.