«Und sogleich» (1)

Markus 1,31.42; Markus 2,12; Markus 5,29

Das Markus-Evangelium ist zwar das kürzeste der vier Evangelien, aber es ist deshalb keineswegs weniger wichtig als die andern. Im Gegenteil, die Botschaft von Markus ist aktuell und wichtig für uns alle, die wir dem Herrn dienen wollen. Gott hat jedem der vier Evangelisten eine bestimmte Aufgabe gegeben – auch Markus. Er beschreibt uns den Herrn Jesus, den Sohn Gottes (Mk 1,1), als den vollkommenen Diener, als den, der in Knechtsgestalt gekommen ist, «nicht … um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele» (Mk 10,45).

Wollen wir also dem Herrn dienen – und wer von uns Gläubigen wollte das nicht – so können wir praktischen Anschauungsunterricht bei Markus nehmen. Sein Bericht zeigt uns den Dienst des göttlichen Dieners – und von wem könnten wir wohl besser lernen als von Ihm?

Zwei kleine Worte sind es, die den Dienst des Herrn in wunderbarer Weise kennzeichnen. Es sind die Worte «und» und «sogleich». Es lohnt sich, das ganze Evangelium einmal auf diese beiden unscheinbaren Worte hin zu untersuchen, zeigen sie uns doch die Unermüdlichkeit des Dienstes des Herrn Jesus. Er war gekommen, um einen göttlichen Auftrag zu erfüllen – und Er zögerte nicht, diesen Auftrag in allen Einzelheiten vollkommen zu erfüllen. Es gab Zeiten, wo der Herr in den Wüsteneien war, um mit Gott, seinem Vater, allein zu sein; aber wenn die Zeit gekommen war, etwas zu tun, dann zögerte Er nicht, sondern handelte sofort, ja «sogleich».

Aber nicht nur der Dienst des Herrn in seiner Unermüdlichkeit wird durch das Wörtchen «sogleich» gekennzeichnet, sondern auch die Ergebnisse seines Dienstes. Siebenmal lesen wir im Markus-Evangelium, dass der Dienst des Herrn ein sofortiges Ergebnis hatte. Wie könnte es auch anders sein! Wenn der göttliche Diener dient, wenn Er etwas tut, kann dann das Ergebnis lange auf sich warten lassen? Niemals. Das Resultat stellt sich «sogleich» ein und es ist göttlich vollkommen.

Alle sieben Stellen, die uns der Geist Gottes in dieser Weise zeigt, reden vom natürlichen Zustand des Menschen (in erster Linie in Bezug auf Personen aus dem Volk Israel) und wie der Herr diesen Zustand «sogleich» beseitigt. Darüber hinaus werden wir sehen, dass der Herr sich damit allein nicht zufrieden gibt, sondern jeweils noch etwas Besonderes hinzufügt.

1. Die Schwiegermutter des Petrus (Markus 1,31)

Nachdem der Herr sein erstes grosses, öffentliches Wunder vollbracht hatte, indem Er den unreinen Geist austrieb, sehen wir Ihn nun im Verborgenen des Hauses von Simon und Andreas. Die Schwiegermutter Simons lag fieberkrank danieder, und zwar war sie, wie Lukas uns sagt, von einem schweren Fieber befallen. Doch bevor der Herr irgendetwas sagt oder tut, lesen wir von den Jüngern: «Sogleich sagen sie ihm von ihr.» Sie sagen es Ihm. Wie schön! Das war der einzig richtige Weg zu Ihm zu gehen. Dieser Weg steht auch uns offen, Tag und Nacht. Der Herr hört uns immer. Ob es unsere eigenen Nöte, oder wie hier, die Sorgen um andere sind, Er hat immer ein offenes Ohr für uns.

Wovon redet das Fieber in dieser Begebenheit? Wer Fieber hat, ist innerlich überhitzt und voll innerer Unruhe. Treffend beschreibt der Prophet Jesaja diesen Zustand. Er sagt es in Bezug auf Israel, aber wir dürfen es auch auf den natürlichen Menschen anwenden: «Und es wird geschehen an dem Tag, an dem der HERR dir Ruhe verschafft von deiner Mühsal und von deiner Unruhe und von dem harten Dienst, den man dir auferlegt hat, da wirst du diesen Spruch anheben … : Wie hat aufgehört der Bedrücker, aufgehört das Anstürmen!» (Jes 14,3.4). Mühsal, Unruhe, harter Dienst, Anstürmen – wird nicht der natürliche Mensch dadurch gekennzeichnet? Finden wir es nicht täglich, wenn wir mit offenen Augen um uns her blicken? Es ist ein schweres Fieber, von dem jeder Mensch von Natur befallen ist. Da kann nur eines helfen: der persönliche Kontakt mit dem Herrn Jesus. «Er richtete sie auf, indem er sie bei der Hand ergriff.» Und was geschieht dann? «Und das Fieber verliess sie sogleich.»

Haben wir es nicht alle erfahren? Der Herr hat gleichsam unsere Hand ergriffen, und alle Unruhe, alle Mühsal, aller Druck war im Kontakt mit Ihm verschwunden.

Aber das war nicht alles. Es geschah noch mehr. Nicht nur war die Schwiegermutter des Simon geheilt, sondern wir lesen von ihr: «Und sie diente ihnen.» Schlichte, einfache Worte – und doch wie tiefgehend. Gerade noch fieberkrank, jetzt im Dienst für den Herrn. Sie diente ihnen. Ihr Dienst galt ohne Zweifel in erster Linie dem, der sie geheilt hatte, aber sie übte ihren Dienst an den Seinen aus. Welch einfache und doch klare Belehrung für jeden, der sich die Frage stellt: Wie kann ich dem Herrn dienen?

2. Der Aussätzige (Markus 1,42)

In diesem Abschnitt sehen wir einen Aussätzigen, der mit der Bitte zu dem Herrn Jesus kommt, von Ihm geheilt zu werden. Der Aussatz war eine in Israel häufig vorkommende Krankheit. Im Alten Testament wird der Aussatz sehr ausführlich behandelt (3. Mose 13 und 14). Der Aussätzige musste, isoliert vom Volk Gottes, ausserhalb des Lagers leben. Gemeinschaft war in keiner Weise möglich.

Das zeigt uns, dass der Aussatz ein Bild von der Sünde ist, wie sie uns von Gott trennt. Der Sünder kann keine Gemeinschaft mit Gott haben. Wir finden diesen Grundsatz zum ersten Mal nach dem Sündenfall. Adam und Eva konnten die Gegenwart Gottes nicht mehr ertragen, sondern versteckten sich. Auch das Beispiel des Königs Ussija redet eine deutliche Sprache. Es heisst dort am Ende: «denn er war von dem Haus des HERRN ausgeschlossen» (2. Chr 26,16-21). Keine Gemeinschaft mit Gott war möglich, weil er aussätzig war.

Aber es gibt Einen, der uns in dieser Gottesferne gesehen hat: der Herr Jesus. Und Er hat wahre göttliche Gefühle über den, der sich in diesem Zustand befindet und zu Ihm kommt. Er wurde «innerlich bewegt». Göttlich vollkommene Anteilnahme finden wir nur bei dem Herrn Jesus.

«Jesus … streckte die Hand aus und rührte ihn an.» Wieder der persönliche Kontakt mit Ihm. Nur Er konnte einen Aussätzigen anrühren, ohne selbst angesteckt zu werden, weil Er absolut rein und vollkommen war. Dann das Ergebnis: «Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde gereinigt.» Welch ein Wort: «Er wurde gereinigt»! Das, was ihn von Gott getrennt hatte, war weg, sobald er mit dem Herrn Jesus in persönlichen Kontakt kam.

Doch der Herr wollte nicht nur das wegnehmen, was den Aussätzigen von Gott getrennt hatte, Er wollte viel mehr schenken. Sein Ziel war es, aus diesem Mann einen Anbeter zu machen, indem Er ihn beauftragte, die vorgeschriebenen Opfer darzubringen. Diese Opfer, vor allem das Brand- und Speisopfer (3. Mo 14,19.20), reden von Anbetung und Gemeinschaft. Denken wir an uns. Der Herr Jesus hat nicht nur das weggenommen, was uns von Gott trennte, sondern Er möchte, dass wir auch aktiv Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, haben. «Der Vater sucht solche als seine Anbeter.» Gott möchte gern Gemeinschaft mit uns haben, indem wir uns mit seinem geliebten Sohn beschäftigen. Welch ein herrliches Teil!

Wie reagierte der Gereinigte? Er war nicht gehorsam und tat nicht das, was der Herr ihm gesagt hatte. Wie schade! Es ist sicher wichtig, ein Zeugnis für den Herrn zu sein, wie dieser Mann es war, aber es darf nicht auf Kosten des Gehorsams gegenüber dem Herrn geschehen.

3. Der Gelähmte (Markus 2,12)

Wiederum tritt der Herr Jesus in ein Haus ein, doch diesmal ist Er nicht allein mit seinen Jüngern, sondern eine grosse Volksmenge ist um Ihn herum, um Ihn zu hören. Der Andrang der Menschen ist so gross, dass man einen Gelähmten nicht auf normalem Weg zu Ihm bringen kann. Dennoch lassen sich die vier Freunde nicht abhalten und wählen einen ungewöhnlichen Weg: durch das Dach. Damit bewiesen diese Männer einen Glauben, den der Herr nie unbelohnt lässt.

Auch dieser Gelähmte ist ein treffendes Bild des natürlichen Menschen in seinem Zustand vor Gott. Der Gelähmte selbst war unfähig, auch nur einen einzigen Schritt allein zu tun; er war an sein Bett gefesselt. Ist es bei den Menschen anders? Ist ein Mensch von Natur aus fähig, auch nur einen Schritt zur Ehre Gottes zu tun? Nein, im Gegenteil! Gottes Wort sagt uns: «auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, in denen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlauf dieser Welt» (Eph 2,1). Das ist der Wandel des natürlichen Menschen. Er wandelt nach dem Zeitlauf dieser Welt und ist an alle möglichen Leidenschaften gefesselt, von denen er allein nie loskommen kann.

Doch alles ändert sich, sobald der Gelähmte in Kontakt mit dem Herrn Jesus kommt. Wir lesen im ganzen Abschnitt nichts davon, dass der Gelähmte geredet hätte, aber der Herr Jesus kannte die Wünsche seines Herzens, und Er konnte sie auch erfüllen. Er sagt zu dem Mann: «Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett auf und geh in dein Haus.» Herrliche Worte in den Ohren des Gelähmten! Und das Ergebnis lässt nicht lang auf sich warten: «Und er stand auf, nahm sogleich das Bett auf.» Er war nun fähig, zu gehen.

Ist es bei uns anders gewesen? Wir, die wir einst nach dem Zeitlauf dieser Welt wandelten, sind nun fähig, den Weg zur Ehre Gottes zu gehen. Der Epheser-Brief zeigt uns etwas von diesem Wandel: Wir können in Liebe und als Kinder des Lichts wandeln (Eph 5,1.8). Unser Wandel in Liebe spricht davon, dass wir unseren Weg im Genuss der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn gehen dürfen; der Wandel im Licht zeigt uns, dass wir selbst in der Gegenwart Gottes unseren Weg gehen können. Welch ein Wechsel hat stattgefunden!

Aber unser Abschnitt zeigt uns noch etwas. Der Gelähmte stand nicht nur auf, sondern wir lesen weiter: «Er nahm das Bett auf und ging hinaus vor allen.» Er trug nun das, was ihn vorher getragen hatte. Er war an das Bett gefesselt gewesen, war total abhängig von diesem Bett, aber jetzt war er selbst Herr über dieses Bett und konnte es aufnehmen und vor allen hinausgehen. Die Dinge, die uns vor unserer Bekehrung gefesselt und gebunden haben, brauchen nun keine Gewalt mehr über uns zu haben; wir können sie sogar ins Gegenteil umwandeln. In Epheser 4 finden wir einige Beispiele dazu. In Vers 25 spricht Paulus von solchen, die einst an die Lüge gebunden waren. Aber er ermahnt sie nicht nur, die Lüge in Zukunft zu unterlassen, sondern er will sie positiv beeinflussen: «Redet Wahrheit.» In Vers 28 haben wir denselben Grundsatz. Einst hatten sie gestohlen, jetzt ging es nicht nur darum, nicht mehr zu stehlen, sondern zu arbeiten, um andern mitteilen, d.h. geben zu können. So nehmen wir in praktischer Weise «unser Bett auf».

Und das Endergebnis? «Alle gerieten ausser sich und verherrlichten Gott.» Kann es etwas Schöneres geben, als wenn Gott durch unseren Wandel verherrlicht wird?

4. Die blutflüssige Frau (Markus 5,29)

In dieser Begebenheit finden wir eine blutflüssige Frau, die nur noch eine Möglichkeit zu ihrer Heilung sah, nämlich den Herrn Jesus.

Der Blutfluss war eine zu damaliger Zeit kaum heilbare Krankheit, und wer von ihr befallen war, wurde als unrein angesehen. Es war eine Krankheit, die nach aussen hin zwar verdeckt werden konnte, den menschlichen Körper jedoch innerlich nach und nach zerstörte. Ist das nicht ein treffendes Bild von allen verborgenen Sorgen und Nöten, die durch die Sünde hervorgerufen werden und den Menschen innerlich zerfressen? Es ist die Sünde, die im Menschen von Natur wohnt und ihn letztlich dem Verderben zutreibt. Schon der Psalmist sagte: «Ihr Inneres ist Verderben» (Ps 5,10). Man kann die Folgen der Sünde zwar manchmal nach aussen hin verdecken und verbergen, aber im Innern, im Verborgenen, nagt sie doch. Sie ist wie ein Krebs, der immer weiter frisst und schliesslich das Verderben bringt.

Diese Frau hatte ihre traurige Lage erkannt und wollte gesund werden. Beachten wir nun den Werdegang, der zu ihrer Heilung führte:

  • Erstens hatte sie ihre Not erkannt. Das ist die Grundvoraussetzung. Der Mensch muss seinen eigenen Zustand erkennen.
  • Zweitens hatte diese Frau eingesehen, dass sie unfähig war, an ihrer Lage etwas zu ändern. Obwohl sie viele Ärzte aufgesucht hatte, war es nur noch schlimmer geworden. Auch das muss der Mensch erkennen, dass er selbst nichts tun kann, um sich zu helfen.
  • Drittens zeigt uns der Geist Gottes, dass sie Glauben hatte.
  • Viertens sehen wir, dass dieser Glaube alle Hindernisse, die sich in den Weg stellten, überwand; denn die grosse Volksmenge hätte sie leicht von ihrem Vorhaben abhalten können.
  • Fünftens wandte sich dieser Glaube an die einzig richtige Adresse – an den Herrn Jesus, den einzigen, der helfen kann. Der Herr sagt selbst: «Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen.» Einen anderen Weg gibt es nicht.

Konnte der Herr Jesus einen solchen Glauben unbelohnt und ohne Antwort lassen? Nein, wir lesen: «Und sogleich versiegte die Quelle ihres Blutes, und sie merkte am Leib, dass sie von der Plage geheilt war.» Auch hier war eine persönliche Berührung mit dem Herrn Jesus vorausgegangen, aber diesmal hatte nicht der Herr ihre Hand ergriffen, sondern die Frau hatte Ihn angerührt.

Doch der Herr begnügte sich nicht damit, die Frau von ihrer Krankheit zu heilen, sondern Er wollte auch ihr mehr geben. Deshalb fragte Er, wer Ihn angerührt habe. Und was sagt Er dann zu dieser Frau? «Geh hin in Frieden und sei gesund von deiner Plage.» Heilung von ihrer Krankheit auf der einen Seite und Frieden im Herzen auf der anderen Seite, das ist die Gabe des Herrn.

Hat Er uns weniger geschenkt? Das, was uns gequält hat, unsere Sünden, sind gesühnt, aber wir haben auch Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus. Das, was zwischen uns und Gott stand, ist verschwunden. Aber Er gibt noch mehr. Wir dürfen den Frieden Gottes in den täglichen Umständen geniessen, d.h. mit göttlicher Ruhe durch den Alltag und all das, was er mit sich bringt, gehen. Liegt das nicht in den wunderbaren Worten: «Geh hin in Frieden»?