«Und sogleich» (2)

Markus 5,42; Markus 7,34; Markus 10,52

5. Das Kind des Synagogenvorstehers (Markus 5,42)

Auch die Begebenheit von der Auferweckung der Tochter des Jairus ist uns sicher allen gut bekannt. Menschlich gesprochen gab es überhaupt keine Hoffnung mehr – das Kind war gestorben. Die Menschen in ihrem Unglauben sagten; «Deine Tochter ist gestorben, was bemühst du den Lehrer noch?» (V. 35). Doch die Dinge waren in der Hand Gottes, der es in seiner Vorsehung so geführt hatte, dass das Kind starb, bevor der Herr da war. Auf diese Weise wurde der göttlich vollkommene Diener in wunderbarer Weise verherrlicht; denn wo Er wirkt und tätig wird, da muss selbst die Macht des Todes weichen.

Erneut zeigt uns der Geist Gottes im Bild des gestorbenen Kindes eine wichtige Wahrheit über den Zustand des natürlichen Menschen. Er ist tot für Gott. Im Römerbrief, wo die Dinge vom Standpunkt des Menschen aus gesehen werden, zeigt Gott uns unseren natürlichen Zustand als lebend in der Sünde, also als solche, die böse Taten, Sünden, tun. Im Epheserbrief wird alles von Gott aus gesehen. Da ist der Mensch tot für Gott (Eph 2,1.5). Mit einem Toten kann man erstens unter normalen Umständen nichts anfangen, und so konnte Gott auch mit uns von Natur aus nichts anfangen, sondern musste uns ein ganz neues Leben schenken. Zweitens kann ein Toter von selbst nichts mehr für sich tun, weil er eben tot ist. So konnten auch wir uns selbst nicht retten, sondern alles musste von Gott ausgehen.

Das sehen wir auch in diesem Abschnitt. Doch zunächst tritt die ganze Bescheidenheit des vollkommenen Dieners vor unsere Augen. Er hätte dieses Wunder in aller Öffentlichkeit tun können, aber Er dient nicht der Neugier. Er verbirgt sich und tritt in den Hintergrund. Erst nachdem Er alle hinausgetrieben hatte, ergreift Er das Mädchen bei der Hand und spricht: «Mädchen, ich sage dir, steh auf.» Ein Wunder der Macht und Gnade Gottes! «Und sogleich stand das Mädchen auf.» Das Ergebnis wird sofort sichtbar. Wo eben noch Tod und Trauer geherrscht hatten, hält nun das Leben und die Freude Einzug.

Kann es einen grösseren Gegensatz geben als Tod und Leben? Und was ist mit uns geschehen? Wir sind vom Tod in das Leben übergegangen:

Einst tot in Vergehungen und Sünden, jetzt mit dem Christus lebendig gemacht (Eph 2,1-5). Christus selbst ist im Tod gewesen, und weil Er durch die göttliche Kraft auferweckt wurde, ist dies auch unser Teil geworden, die wir einst tot waren.

Noch sind wir aber auf dieser Erde, und deshalb geht der Herr weiter, als uns «nur» göttliches, neues Leben zu schenken. Er weiss, dass dieses Leben Nahrung braucht, um wachsen und gedeihen zu können. Deshalb gebot Er den Eltern der Tochter, «ihr zu essen zu geben». In diesem Wort liegt zweierlei: Erstens haben wir es selber nötig, Nahrung zu uns zu nehmen, damit sich unser neues Leben entfalten kann. Petrus sagt: «Wie neugeborene Kinder seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch» (1. Pet 2,2). Damit meint er das Wort Gottes, von dem wir uns nähren sollen. Zweitens zeigen uns die Worte des Herrn an die Eltern des Kindes auch, dass wir die Aufgabe haben, andern zu essen zu geben. Es ist eine Sache, das Evangelium zu verkündigen, und es ist eine andere Sache, neugeborenen Kindern Gottes Nahrung zu geben. Beides ist an seinem Platz wichtig und darf durch uns getan werden.

6. Der Taubstumme (Markus 7,34)

Erneut bringen die Menschen einen unheilbar Kranken zum Herrn Jesus, einen Taubstummen. Dieser Mensch konnte weder hören noch richtig sprechen. Auch in dieser Krankheit dürfen wir ein doppeltes Bild des Zustandes des natürlichen Menschen sehen. Er ist erstens unfähig, die Sprache Gottes zu verstehen, und zweitens kann er nicht zur Ehre Gottes reden.

Gott spricht auf verschiedene Weise zu den Menschen:

  • durch die Schöpfung,
  • durch das Gewissen,
  • durch sein Wort und
  • vor allem in seinem und durch seinen Sohn.

Aber wir sehen,

  • dass der Mensch die Schöpfung verdirbt,
  • sein Gewissen verhärtet,
  • das Wort Gottes verachtet und
  • seinen Sohn ans Kreuz genagelt hat.

Und welche Worte redet der Mensch? Zeugen nicht seine Worte ganz besonders von seiner Gottlosigkeit und Feindschaft gegen Gott? Ein einziger Blick in die Medien wird uns das bestätigen.

Aber wenn ein solcher Mensch, wie hier im Bild des Taubstummen, zum Herrn Jesus gebracht wird, dann kann er geheilt werden. Der Herr lässt einen solchen nicht in seinem elenden Zustand, wie Er auch uns nicht in unserer Misere gelassen hat.

Beachten wir, was der Herr tut:

  • Erstens nimmt Er ihn von der Volksmenge weg, für sich allein. Wieder sehen wir die Bescheidenheit des göttlichen Dieners, der das hasste, was wir heute «Publicity» nennen. Er wollte nicht nach aussen glänzen, sondern seine Aufgabe erfüllen.
  • Zweitens legt Er seine Finger in die kranken Ohren, was erneut vom persönlichen Kontakt des Herrn zu dem Taubstummen spricht. Der Herr begnügte sich nicht damit, ein Machtwort zu sprechen, was ohne Frage möglich gewesen wäre.
  • Drittens spie Er und rührt seine Zunge an. Wir wundern uns vielleicht darüber, aber wir müssen bedenken, dass die Menschheit unseres Herrn Jesus Christus absolut heilig und rein und von der Sünde unberührt war. Nun wollte er klarmachen, dass die Heilung seinem eigenen Wesen entsprang.
  • Viertens blickt der Herr zum Himmel auf und spricht: «Werde aufgetan.» Der Herr war Gott, aber zugleich Mensch. Als solcher blieb Er stets von Gott abhängig, wie auch hier, wo Er erst zum Himmel emporblickt.

Nachdem der Herr gehandelt hatte, finden wir wieder ein sofortiges Ergebnis: «Und sogleich wurden seine Ohren aufgetan, und das Band seiner Zunge wurde gelöst.» Das, was ihn vorher behindert. hatte, war verschwunden; er konnte wieder hören und reden. Denken wir an uns, die wir auch einmal solche waren, die Gott nicht hören und nicht zur Ehre Gottes reden konnten. Der Herr hat auch unsere Ohren für seine wunderbare Botschaft geöffnet, und wir dürfen nun zur Ehre Gottes reden.

Aber wenn wir die Begebenheit genau lesen, stellen wir fest, dass es nicht nur heisst, dass das Band seiner Zunge gelöst wurde, sondern wir lesen: «Und er redete richtig.» In der Lage zu sein, reden zu können, heisst noch lange nicht, auch die richtigen Worte zu sagen. Auch das dürfen wir auf uns anwenden. Wir können «richtig» reden, d.h. solche Worte, die den Herrn Jesus verherrlichen und ehren, wir können aber mit dem gleichen Mund Worte reden, die den betrüben, der sich selbst für uns hingegeben hat.

7. Der Blinde am Weg (Markus 10,52)

Der Herr kommt nach Jericho und findet dort einen Blinden, der ein tiefes Bedürfnis hatte. Jericho war eine Stadt, die eigentlich gar nicht hätte existieren dürfen. Josua hatte bei der Eroberung Jerichos durch das Volk Israel einen Fluch über die Stadt ausgesprochen, der in Erfüllung ging, als Hiel Jericho wieder aufbaute (Jos 6,26; 1. Kön 16,34).

Jericho, ein Bild des Fluches, kennzeichnet somit diese Welt, auf der der Fluch liegt. Verwundert es uns da, dass dort ein Blinder bettelnd am Weg sitzt? Wird nicht auch hier ein treffendes Bild vom natürlichen Menschen gemalt? In der Welt ist man blind; blind für göttliche Dinge. Man sieht seinen eigenen Zustand nicht und sieht auch nicht, dass der Fluch ausgesprochen ist und das Verderben bald kommt.

Und doch gibt es solche, die das Bedürfnis haben, aus diesem Zustand herauszukommen, wie hier Bartimäus, der den einzig richtigen Weg wählte, den Weg zum Herrn Jesus. Aber die Welt lässt ihre Opfer nicht gern und freiwillig los. Es gab dort Menschen, die den Blinden bedrohten, er solle schweigen. Sie wollten ihn abhalten, zu dem Herrn Jesus zu kommen. Solche Menschen, die nicht wollen, dass andere das Heil im Herrn Jesus finden, gibt es heute noch. Sie führen tausenderlei Gründe an, warum es besser sei, den Weg zum Herrn Jesus nicht zu gehen. Doch Bartimäus tat das einzig Richtige: «Er aber schrie umso mehr.» Kann der Herr Jesus einen solchen Notschrei einer Seele überhören? Nein, sondern wir lesen: «Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn!» Stellen wir uns das ruhig einmal plastisch vor. Ein grosser Volksauflauf, Menschen drängeln und stossen – und dann bleibt der Herr Jesus auf einmal stehen. Tausende von sensationslustigen Menschen, aber eine Seele in Not – der Herr Jesus bleibt stehen und lässt den Blinden rufen. Können wir uns vorstellen, was es für den Blinden war, als er hörte, dass der Herr ihn rief? «Er sprang auf und kam zu Jesus.» Der Herr ruft jeden mit Namen, der zu Ihm kommt. Er beschäftigt sich mit jedem persönlich.

Der Blinde hatte nur einen einzigen Wunsch. Und als der Herr ihn fragt: «Was willst du, dass ich dir tun soll?», kommt die kurze und klare Antwort: «Rabbuni, dass ich wieder sehend werde.» Der Herr erkannte seinen Glauben und spricht zu ihm: «Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt.» Und sofort trat das ein, was der Herr sagte: «Sogleich wurde er wieder sehend.» Was wird er wohl zuerst gesehen haben? Die Menschen um ihn her? die Landschaft? Ach, er hat sicher zuerst in die Augen dessen geblickt, der ihn geheilt hatte. Er sah den Herrn Jesus. Und dieser Blick hat ihn so fasziniert, dass er nicht einfach «hinging», wie der Herr gesagt hatte, sondern wir lesen: «Er folgte ihm nach auf dem Weg.»

Auch wir waren einst blind. Der Herr hat unsere Augen aufgetan. Wir durften Ihn sehen, der schöner ist als die Menschensöhne. Hat uns der Anblick unseres Heilandes auch so beeindruckt, dass wir Ihm nun nachfolgen auf dem Weg? Er geht vor uns her, und wir dürfen Ihm folgen, dürfen da sein, wo Er ist. Als die zwei Jünger in Johannes 1,38.39 den Herrn fragten: «Wo hältst du dich auf?», gab der Herr keine grosse Erklärung ab, sondern sagte einfach: «Kommt und seht.» Und was war das Ergebnis? Die beiden blieben für immer bei dem Herrn. Das, was sie bei Ihm sahen, war so herrlich, dass sie sich nicht mehr von Ihm trennen wollten.

Überdenken wir die sieben Begebenheiten noch einmal. Wir erkennen, in welch einem Zustand wir waren:

  • voll innerer Unruhe;
  • von Gott getrennt;
  • unfähig, zur Ehre Gottes zu gehen;
  • unfähig, Gott zu hören und zu seiner Ehre zu reden;
  • nicht in der Lage, den Herrn zu sehen.

Doch der Herr hat diesen schrecklichen Zustand beseitigt. Er hat uns geheilt und gerettet. Jetzt sind wir solche,

  • die Ihm dienen dürfen;
  • die mit Gott Gemeinschaft haben;
  • die zur Verherrlichung Gottes wandeln;
  • die seinen Frieden geniessen;
  • die anderen Nahrung geben dürfen;
  • die recht reden;
  • die dem Herrn nachfolgen.

Welch ein Wechsel hat stattgefunden. Täglich dürfen wir dem Herrn dafür danken.