Belohnungen (1)

In seiner Gnade ermuntert unser Herr die Seinen verschiedentlich zur Treue und zum Ausharren durch die Verheissung eines Lohnes. Obwohl ihre Hingabe nur aus ihrer Liebe zu Ihm hervorgehen soll und nicht aus dem Wunsch, wie Tagelöhner eine Vergeltung zu empfangen, ist die Aussicht, vor dem Richterstuhl des Christus belohnt zu werden, doch eine mächtige Ermunterung für sie, treu zu bleiben. Aber mehr noch als an ihre eigene Freude denken sie daran, wie es ihren Herrn erfreuen wird, wenn Er in Gegenwart der heiligen Myriaden die ganze Befriedigung seines Herzens über die Treue ausdrücken kann, die sie während ihres Lebens auf der Erde offenbarten. Dann wird die Bewährung ihres Glaubens «befunden werden zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi» (1. Pet 1,7).

Belohnungen werden dem verheissen, der treu ist im Dienst des Herrn, im Zeugnis für seinen Namen, in der Erwartung seiner Wiederkunft und schliesslich in der Prüfung.

1. Belohnung der Treue im Dienst des Herrn

Bei der Ankündigung seiner baldigen Wiederkehr, am Ende des heiligen Buches, trägt der Herr Sorge, seine Geliebten daran zu erinnern, dass Er einen Lohn mitbringen wird, gleichsam um sie zu ermuntern, ihren Eifer während der kurzen Zeit anzufachen, in der sie das Vorrecht haben, Ihm noch zu dienen. «Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, um einem jeden zu vergelten, wie sein Werk ist» (Off 22,12). Wenn wir bei Ihm sind, werden wir keine Gelegenheit mehr haben, unsere Treue in seinem Dienst zu bezeugen. Hier auf der Erde sollen wir uns mit Eifer befleissigen, Ihm wohlgefällig zu sein, damit wir bei unserer Offenbarung vor dem Richterstuhl des Christus die Anerkennung des Meisters finden (2. Kor 5,9.10). Wenn wir nicht nach den Gesetzen des Kampfspiels kämpfen, werden wir nicht gekrönt, so wenig wie wir die Früchte geniessen können, bevor wir gearbeitet haben.

Die der Treue im Dienst des Herrn verheissene Belohnung wird im Zusammenhang mit verschiedenen Formen des Dienstes erwähnt.

a) Die anvertraute Habe

Da ist vor allem der während der Abwesenheit des Meisters erfüllte Dienst mit Hilfe der Habe, die Er seinen Knechten anvertraut, um sie nutzbar zu machen. In Matthäus 25,14-30, empfängt der erste der Knechte fünf Talente, der zweite zwei, der dritte ein einziges, jeder nach seiner eigenen Fähigkeit. Diese «Talente» stellen Segnungen dar, die dem Werk des Kreuzes entspringen. Sie wurden uns aus lauter Gnade verliehen, und wir sollen sie zur Ehre des Herrn in dieser Welt zur Geltung bringen.

Durch ihren ausdauernden Eifer und ihre Treue gelingt es den beiden ersten Knechten, das ihnen anvertraute Kapital zu verdoppeln, und es ist ihr Eifer und ihre Treue, die der Meister bei seiner Wiederkehr belohnt. Die Vergeltung und Wertschätzung ihres Dienstes sind gegenüber den beiden ersten die gleichen: «Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn.» Die Freude des Herrn selbst teilen zu dürfen, das wird in erster Linie der erhabene Lohn sein für alle Erlösten, die mit Liebe und Treue gedient haben, was auch das Ergebnis ihrer Wirksamkeit sein mag. Der treue Knecht wird auch «über vieles gesetzt», das heisst, er wird an der Herrschaft Christi teilhaben und geniesst mit Ihm die Frucht der Mühsal seiner Seele.

Das Gleichnis von Matthäus 20,1-6 bestätigt die Tatsache, dass der Lohn nicht im Verhältnis zum scheinbaren Ausmass des Dienstes steht, aber von der Wertschätzung des Meisters abhängt. Auf alle Fälle übersteigt der Lohn, den Gott zuteilt, bei weitem die Verdienste der Empfänger, denn alles ist Gnade. Jeder wahre Diener erinnert sich an diese Erklärung des Herrn: «Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte» (Lk 17,10). Hüten wir uns also vor dem Gedanken, dass unser Dienst uns ein Verdienst verleihe; aber lasst uns ihn immer als eine Gnade betrachten (2. Kor 4,1).

In Lukas 19,11-27, wo jeder der zehn Knechte ein Pfund empfängt – ein Bild der jedem Gläubigen im geistlichen und zeitlichen Bereich verliehenen Gabe – geht es besonders um unsere Verantwortung, diese Gaben auszunützen. In diesem Fall entspricht der Lohn den Ergebnissen des erfüllten Dienstes: Wer zehn Pfunde dazu gewann, wird über zehn Städte gesetzt, wogegen der, der nur fünf Pfunde gewann, nur über fünf Städte gesetzt wird. Die Diener, die mit dem gearbeitet haben, was der Herr ihnen anvertraut hat, («dein Pfund hat … hinzugewonnen»), während seiner Abwesenheit und seiner Verwerfung, werden an seiner Herrlichkeit teilhaben und Ihn selbst, wie auch die Frucht ihrer Arbeit für Ihn geniessen. Welch gesegnetes Teil!

b) Die Gegenstände des Dienstes

Es gibt auch Verschiedenheiten von Belohnungen gemäss den Gegenständen des Dienstes: Gott selbst, Christus, die Versammlung, die Heiligen, die Armen, die Herren.

Was für Gott getan wird, im Verborgenen seiner Gemeinschaft mit Ihm, wird seinen Lohn nicht verlieren. «Dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten», ob es sich um Almosen, um Gebet oder um Fasten handelt (Mt 6,4.6 und 18). In jedem Dienst für Gott ist es wichtig, nur seine Anerkennung und nicht die der Menschen zu suchen. Wir werden am Richterstuhl des Christus erstaunt sein festzustellen, welch herrlicher Lohn für Dienste ausgeteilt wird, die niemand bekannt waren, wohl aber dem, für den sie getan wurden. Im Gegensatz dazu wird das, was Einzelne getan haben, um von den Menschen Lob zu empfangen, ihnen von Gott keines eintragen. Das wird für sie ein grosser Verlust sein, denn der Beifall der Menschen ist nur Eitelkeit, während das Lob von Gott auf ewig besteht.

Das Herz der Maria von Bethanien war von Liebe für den Herrn Jesus erfüllt. Was sie für den Tag seines Begräbnisses tat, indem sie die kostbare Narde über Ihn ausgoss, empfing die öffentliche Anerkennung des Herrn: «Sie hat ein gutes Werk an mir getan … Wahrlich, ich sage euch: Wo irgend dieses Evangelium gepredigt werden wird in der ganzen Welt, wird auch davon geredet werden, was diese getan hat, zu ihrem Gedächtnis» (Mt 26,10 und 13). Maria, deren tiefe Liebe für den Herrn Jesus sie gedrängt hatte, eine Handlung zu tun, deren Bedeutung sie zweifellos nicht voll erfassen konnte, wird vor den anderen über die Worte des Herrn erstaunt gewesen sein. Das zeigt, welchen Wert sein Herz allem beimisst, was für Ihn getan wird.

Wir haben den Herrn nicht mehr unter uns, können aber gleichwohl fortfahren, Ihn zu ehren und Ihm zu dienen, indem wir den geliebten Seinen beistehen. Alles was wir für sie tun, berührt sein Herz so sehr, als ob wir es für Ihn selbst täten. «Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf» (Mt 10,40). «Wer irgend euch einen Becher Wasser zu trinken gibt in meinem Namen, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: Er wird seinen Lohn nicht verlieren» (Mk 9,41). «Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan» (Mt 25,40).

Übrigens wird der Lohn der Art des vollbrachten Dienstes sowie den Beweggründen unserer Taten entsprechen. «Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen» (Mt 10,41). Es wurde schon gesagt: Die Person Jesu hat für Gott einen solchen Wert, dass alles, was für Ihn getan wird in dieser Welt, die Ihn verworfen hat, einen unschätzbaren Preis hat, und das wird offenbar im Lohn, den Gott denen gibt, die etwas für seinen geliebten Sohn getan haben. Nichts wird vergessen werden, «denn Gott ist nicht ungerecht, euer Werk zu vergessen und die Liebe, die ihr für seinen Namen bewiesen habt, da ihr den Heiligen gedient habt und dient» (Heb 6,10; siehe auch 10,32-39). Alles, was für Christus getan worden ist, wird «vollen Lohn empfangen» (2. Joh 8; vgl. Ruth 2,12). Die Armen und Benachteiligten sollen besonders die Gegenstände des Dienstes für Christus sein, und eine Verheissung ist da für die, die sich um sie kümmern: «Glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten; denn dir wird vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten» (Lk 14,14)

Es gibt einen Dienst, den der Herr besonders schätzt, nämlich den, der die Auferbauung der Versammlung zum Ziel hat. Alle, die daran mitarbeiten, ob sie pflanzen oder begiessen, «jeder wird seinen eigenen Lohn empfangen nach seiner eigenen Arbeit» (1. Kor 3,8). Aber nur das Werk, das sich im Feuer bewährt, wird belohnt werden (V. 14).

Der Herr hat treue und kluge Verwalter über sein Haus gesetzt, um dem Gesinde zur rechten Zeit seine Nahrung zu geben. In seiner Abhängigkeit handelnd, werden diese Verwalter «die rechte Zeit» zu erkennen wissen und die richtige Ration Nahrung geben, die den Bedürfnissen des Volkes Gottes entspricht. Glückselig der, den sein Herr, wenn Er kommt, damit beschäftigt finden wird. Er wird ihn über seine ganze Habe setzen (Mt 24,45-47; Lk 12,42-44).

Die Ältesten, die die Herde Gottes in dieser Weise weiden, «werden die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen» (1. Pet 5,1-4), eine Krone, die etwas von der Herrlichkeit des «Erzhirten» widerstrahlen wird.

Schliesslich finden wir die Verheissung einer Vergeltung für die Knechte, die ihrem irdischen Meister in Treue dienen. Im Kolosserbrief werden sie ermahnt, von Herzen zu arbeiten, «als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet» (Kol 3,23.24). Dieselbe Verheissung wird ihnen in Epheser 6,5-8 gegeben, mit der Ankündigung eines Lohnes: «Da ihr wisst, dass, was irgend ein jeder Gutes tut, er dies vom Herrn empfangen wird» (V. 8). Diese Ermahnungen richten sich an alle Gläubigen, die berufen sind, eine Tätigkeit in untergeordneter Stellung auszuüben. Sie sollen den verheissenen Lohn für eine treue Arbeit, «als dem Herrn getan», nicht vergessen.