Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, das Gesetz des HERRN zu tun (Esra 7,10). Darin ist er uns ein Vorbild, auch wenn er in einer anderen Heilszeit lebte. Gehorsam hat immer Segen zur Folge!
Das Befolgen des Wortes Gottes soll jedoch keinen gesetzlichen Charakter haben. Wir gehorchen nicht, um Gott angenehmer zu werden, sondern um Ihm Freude zu machen. Unsere Stellung vor Ihm ist bereits vollkommen. Er blickt jederzeit in Liebe auf uns, weil Er uns in Christus sieht.
Das Motiv für den Gehorsam ist die Liebe des Herrn zu uns: «Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat» (1. Joh 4,19). Immer wieder staunen wir über seine wunderbare Liebe am Kreuz. Der Heiland hat uns so geliebt, dass Er für uns sein Leben gegeben hat. Da fragen wir uns: Wie können wir seine Liebe erwidern? Er selbst gibt uns die Antwort: «Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote» (Joh 14,15). Wir zeigen Ihm unsere Liebe, indem wir seine Anweisungen in der Bibel befolgen. Das ist christlicher Gehorsam – nicht aus Zwang, sondern aus Liebe zu unserem Erlöser und Herrn, der uns zuerst geliebt hat.
Warum ist Gehorsam wichtig?
Gott legt grossen Wert darauf, dass wir sein Wort befolgen. Wenn wir tun, was Er uns sagt, ehren wir Ihn und führen ein glückliches Christenleben. Darum lohnt es sich, Ihm zu gehorchen.
a) Hören und tun
«Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen» (Jak 1,22).
Es ist gut, Gottes Wort zu lesen und zu hören. Nur so können wir seinen Willen für uns erkennen. Doch das genügt nicht. Wir werden auch aufgefordert, Täter des Wortes zu sein. Oder anders ausgedrückt: Ein offenes Ohr führt zu einer aktiven Hand. Jede biblische Unterweisung ist uns gegeben, damit sie eine Auswirkung auf unser Leben hat. Dem Hören soll die Tat folgen. Sind wir bereit, das, was wir aus der Bibel gelernt haben, in die Praxis umzusetzen?
Hören und Tun gehören zusammen. Wir können das eine nicht gegen das andere ausspielen. Einerseits stehen wir in Gefahr, kaum in der Bibel zu lesen und nicht nach Gottes Willen für unser Leben zu fragen, sondern nach eigenem Gutdünken zu handeln. Anderseits ist es leider auch möglich, uns viel mit dem Wort Gottes zu beschäftigen, ohne das Gelernte im Leben umzusetzen. Im zweiten Fall meinen wir, das Hören des Wortes würde genügen, um ein guter Christ zu sein. Doch damit betrügen wir uns, weil es nicht stimmt.
Wenn wir Gottes Wort im Leben befolgen, sind wir glückliche Gläubige: «Wer aber in das vollkommene Gesetz, das der Freiheit, nahe hineinschaut und darin bleibt, indem er nicht ein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, der wird glückselig sein in seinem Tun» (Jak 1,25).
b) Wissen und tun
«Wenn ihr dies wisst, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut» (Joh 13,17).
Jesus Christus gibt uns diesen Hinweis, nachdem Er uns als Herr aufgefordert hat, einander die Füsse zu waschen, und als Lehrer gezeigt hat, wie es geht. Er weiss, wie schwer dieser Dienst ist. Wenn wir einen Mitchristen auf etwas hinweisen, was ihn beschmutzt und seine Beziehung zum Herrn Jesus stört, werden unsere Worte oft nicht gut aufgenommen. Trotzdem sollen wir einander die Füsse waschen. Um uns dazu anzuspornen, sagt der Herr: «Glückselig seid ihr, wenn ihr es tut.»
Das gilt im weiteren Sinn für alles, was wir aus der Bibel lernen:
- Vielleicht hören wir den Ruf unseres Herrn: «Folge mir nach!» Wir wissen, dass Er ein Anrecht auf die Führung unseres Lebens hat. Sobald wir Ihm gehorchen und nachfolgen, erfahren wir die Freude, die Er solchen Jüngern schenkt.
- Vielleicht teilt uns der Herr eine Aufgabe zu, die wir für Ihn tun dürfen. Nun wissen wir, was Er von uns will. Aber erst wenn wir die Arbeit in Angriff nehmen, erleben wir, wie der Herr Jesus uns Kraft und Freude zur treuen Erfüllung gibt.
Hilfen
Als Erlöste sind wir mit allem ausgerüstet, was wir nötig haben, um das Wort Gottes zu befolgen.
a) Das neue Leben
«Hieran wissen wir, dass wir ihn kennen, wenn wir seine Gebote halten» (1. Joh 2,3).
Als wir den Herrn Jesus im Glauben als unseren Erlöser und Herrn angenommen haben, sind wir von neuem geboren worden. Gott hat uns das ewige Leben geschenkt und damit die Fähigkeit, seinem Wort zu gehorchen. Dieses neue Leben hat Freude daran, den Willen Gottes zu tun. So heisst es in Römer 6,17, dass wir «von Herzen gehorsam» geworden sind. Die Kraft des neuen Lebens ist der Heilige Geist.
Wenn das ewige Leben in uns wirksam wird, halten wir die Gebote des Herrn. Dadurch zeigen wir, dass wir Gott kennen und als seine Kinder in einer glücklichen Beziehung zu Ihm stehen.
b) Der Heilige Geist
«Ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt» (Apg 1,8).
Der Heilige Geist ist an Pfingsten auf die Erde gekommen, um in jedem Gläubigen zu wohnen. Als wir an den Herrn Jesus geglaubt haben, hat der Geist Gottes in uns Wohnung genommen (Eph 1,13). Nun gibt Er uns die Kraft, das zu tun, was Gott gefällt.
Mit der Hilfe des Heiligen Geistes können wir die «Handlungen des Leibes töten» (Röm 8,13), d.h. all das verurteilen, was aus der alten Natur kommt. Dazu gehört auch der Eigenwille. Ausserdem hilft uns der Geist, das Wort Gottes täglich in die Praxis umzusetzen. So wird in unserem Leben das erfüllt, was Gott vom Menschen erwartet (Röm 8,4).
c) Christus im Himmel
«Gekräftigt mit aller Kraft nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu allem Ausharren und aller Langmut mit Freuden» (Kol 1,11).
Wenn wir das Wort Gottes bereitwillig ins Herz aufnehmen, werden wir mit der Erkenntnis des Willens Gottes erfüllt (Kol 1,9). Nun wissen wir, wie wir dem Herrn Jesus gefallen können. Doch woher bekommen wir Kraft, den erkannten Willen Gottes zu tun und für unseren Herrn zu leben? Von Christus im Himmel! Wenn wir mit den Augen des Glaubens zu Ihm blicken und seine Herrlichkeit betrachten, werden wir innerlich gestärkt, um dem Wort Gottes zu gehorchen und zur Freude des Herrn Jesus zu leben.
Hindernisse
Der Gehorsam entspringt nicht unserem Naturell und ist bei den Menschen unpopulär. Deshalb können uns der Eigenwille und die Welt daran hindern, die biblischen Anweisungen im Leben zu befolgen. Wir wollen diese Hindernisse mit der Hilfe des Herrn überwinden.
a) Der Eigenwille
«Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder. Denn wie Sünde der Wahrsagerei ist Widerspenstigkeit, und der Eigenwille wie Abgötterei und Götzendienst» (1. Sam 15,22.23).
Wenn wir unser Leben nach den eigenen Vorstellungen gestalten möchten, sind wir nicht bereit, das Wort Gottes zu befolgen. Der Eigenwille hindert uns, das im Alltag umzusetzen, was wir aus der Bibel erkannt haben. Das kann gravierende Konsequenzen mit sich bringen, wie uns Beispiele aus Gottes Wort zeigen:
- Saul sollte an den Amalekitern das Gericht Gottes ausführen, indem er alle Menschen und Tiere tötete. Doch er gehorchte nicht, sondern verschonte Agag, den König, und das Beste vom Klein- und Rindvieh. Da erklärte ihm Samuel: «Weil du das Wort des HERRN verworfen hast, so hat er dich verworfen, dass du nicht mehr König sein sollst.»
- Jona bekam von Gott den Auftrag, nach Ninive zu gehen und den Menschen das Gericht anzukündigen. Doch er wollte nicht. Stattdessen stieg er in ein Schiff, das nach Tarsis fuhr, um vor dem HERRN zu fliehen. Da kam ein grosser Sturm auf, der die Besatzung in grosse Not brachte. So trat der HERR dem ungehorsamen Propheten in den Weg und führte ihn zur Umkehr.
Lasst uns alle eigenwilligen Ideen immer wieder verurteilen und dem Wort Gottes mit bereitwilligem Herzen gehorchen.
b) Die Welt
«Seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist» (Röm 12,2).
Die Ideen der Welt entspringen den Überlegungen der Menschen, die Jesus Christus ablehnen. Sie wollen ohne Gott erfolgreich und glücklich sein. Kein Wunder also, dass diese weltlichen Meinungen dem Willen Gottes widersprechen! Wenn sie unser Herz und Leben prägen, hindern sie uns daran, das zu tun, was uns Gott in der Bibel anweist. Zwei Beispiele dazu:
- Die Moralvorstellungen der Welt weichen stark von den biblischen Werten ab. Vieles wird verharmlost, was Gott als Sünde bezeichnet. Lassen wir uns durch diese falschen Auffassungen nicht davon abbringen, dem Wort Gottes zu gehorchen! Lehnen wir jede Lüge und jede sexuelle Sünde entschieden ab!
- In der Welt steht die Selbstverwirklichung des Menschen hoch im Kurs. Wenn uns diese Einstellung prägt, fällt es uns schwer, das zu befolgen, was die Bibel lehrt. Dort steht nämlich, dass wir uns selbst verleugnen und auch auf das achten sollen, was die anderen betrifft. Welch ein Kontrast!
Auswirkungen
Wenn wir Gott gehorchen möchten, ist es zweifellos nötig, sich selbst zu verleugnen und gegen den Strom der menschlichen Meinungen zu schwimmen. Doch die Auswirkungen eines schlichten Gehorsams sind für unser Glaubensleben überaus positiv. Das macht Mut.
a) Stabilität im Leben
«Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute» (Mt 7,24).
Der Herr Jesus fordert uns auf, seine Worte zu hören und zu tun. Damit verbindet Er eine Zusage: Wenn wir Ihm gehorchen, bekommen wir Stabilität im Leben und können in den Schwierigkeiten bestehen. Wir gleichen dann einem Mann, der sein Haus auf den Felsen baute. Es hielt den Stürmen stand, weil es ein gutes Fundament hatte. Dazu zwei Beispiele:
- Wenn wir Gottes Gedanken über seine Versammlung praktisch umsetzen, werden wir innerlich überzeugt, dass es die Wahrheit ist. Das hilft uns, bei den Angriffen des Feindes standhaft zu bleiben und das Zusammenkommen als Versammlung nicht aufzugeben.
- Wenn wir unsere Ehen und Familien nach den biblischen Anweisungen führen, erleben wir den Segen Gottes. Diese Erfahrung lässt uns in den Lebensstürmen bei seinem Wort bleiben und die verkehrten Meinungen der Menschen ablehnen.
b) Gelingen im Leben
«Damit du darauf achtest, zu tun nach allem, was darin geschrieben ist; denn dann wirst du auf deinem Weg Erfolg haben, und dann wird es dir gelingen» (Jos 1,8).
Hier verspricht Gott dem, der Ihm gehorcht, Erfolg und Gelingen auf dem Lebensweg. Damit ist nicht gute Gesundheit, familiäres Glück oder berufliches Vorwärtskommen gemeint. Das kann Er uns in seiner Gnade schenken, aber Er verspricht es uns nicht. Die Zusage an Josua hat eine geistliche Bedeutung für uns: Wenn wir Gottes Wort befolgen, gibt Er uns Wachstum im Glauben, Gelingen in der Nachfolge, mehr Freude am Herrn Jesus und zunehmendes Verständnis seiner Gedanken. Ist das nicht der Mühe wert, unser Leben am Wort Gottes auszurichten?
c) Freude an Gottes Liebe
«Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren» (Joh 14,21).
Die Gebote des Herrn Jesus sind seine Anweisungen für ein christliches Leben, die wir vor allem im Neuen Testament finden. Wenn wir sie im Herzen haben und im Leben halten, gehorchen wir Ihm und beweisen so unsere Liebe zu Ihm. Damit ist ein grosser Segen verknüpft: Unser Gott und Vater zeigt uns seine Liebe. Wir freuen uns auch an der Liebe des Herrn Jesus und lernen Ihn besser kennen. Wir machen die Erfahrung, dass ein gehorsamer Christ in der göttlichen Liebe zur Ruhe kommt.
d) Gemeinschaft mit Gott
«Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen» (Joh 14,23).
Mit dem Wort des Herrn ist alles gemeint, was Er uns von seinem Vater mitgeteilt hat. Es geht im weitesten Sinn um die christliche Wahrheit, wie wir sie im Neuen Testament finden. Wenn wir im Sinn dieser Mitteilungen leben, halten wir sein Wort. Dann handeln wir in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes, ohne ein konkretes Gebot zu haben. Wir fragen einfach nach Gottes Gedanken über das christliche Leben, um ihnen zu entsprechen. Wenn wir so das Wort unseres Herrn halten, sind wir reich gesegnet: Der Vater und der Sohn werden zu uns kommen und Gemeinschaft mit uns haben. Wir erleben schon auf der Erde die völlige Freude, die wir im Haus des Vaters ewig geniessen werden (1. Joh 1,3.4).
Beispiele
In der Bibel finden wir Gläubige, die Gott gehorcht haben. Ihr Beispiel spornt uns an, das Wort Gottes im täglichen Leben umzusetzen.
a) Abraham
Gott gab Abraham den Auftrag, in ein Land zu ziehen, das Er ihm zeigen würde. Da gehorchte Abraham im Glauben an Gottes Wort und machte sich auf den Weg. Als er ins Land Kanaan kam, erschien ihm der HERR und segnete ihn. Da baute er einen Altar und genoss die Gemeinschaft mit Gott.
Viele Jahre später prüfte Gott Abraham. Er forderte ihn auf, seinen Sohn zu opfern. Wieder gehorchte Abraham. Er reiste mit Isaak ins Land Morija, legte ihn auf den Altar und streckte seine Hand aus, um seinen Sohn zu schlachten. Da griff Gott ein und gab Abraham einen Widder als Ersatz für Isaak. Er erklärte ihm: «Weil du dies getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, werde ich dich reichlich segnen» (1. Mo 22,16.17). Damit belohnte Gott den Gehorsam Abrahams.
b) Elia
Gott gab Elia immer wieder konkrete Aufträge (1. Kön 17,3.9; 18,1; 19,11.15; 21,18; 2. Kön 1,3.15). Manchmal sollte sich der Prophet in die Stille zurückziehen. Bei einer anderen Gelegenheit wurde er aufgefordert, öffentlich für die Ehre des HERRN einzutreten. Gott wollte ihn auch benutzen, um gottlosen Menschen das Gericht anzukündigen, was keine leichte Aufgabe war.
Es fällt auf, dass Elia jedes Mal gehorchte. Ob er die Anordnung verstand oder nicht, ob der Auftrag leicht oder schwierig war – er tat einfach das, was der HERR ihm gesagt hatte. Dadurch erwies er sich als ein treuer Diener Gottes. Schliesslich wurde er in den Himmel aufgenommen, ohne durch den Tod gehen zu müssen. War das nicht eine besondere Auszeichnung Gottes?
Schluss
Der Sohn Gottes kam als Mensch in die Welt, um den Willen Gottes zu tun (Heb 10,7). Es war eine Freude für Ihn, jeden Tag das auszuführen, was sein Vater Ihm aufgetragen hatte (Joh 4,34). So wurde der Herr Jesus gehorsam bis zum Tod am Kreuz (Phil 2,8).
Sein vollkommener Gehorsam, der unsere Bewunderung hervorruft, ist der Massstab für uns: Lasst uns Gott so gehorchen, wie es Jesus Christus getan hat!
