Leitplanken der christlichen Freiheit
Wer an den Herrn Jesus glaubt, ist zur Freiheit berufen worden: «Für die Freiheit hat Christus uns frei gemacht … ihr seid zur Freiheit berufen worden» (Gal 5,1.13). Doch es gibt göttliche Leitplanken, die den Gebrauch der christlichen Freiheit regeln.
- In der Beziehung zum Herrn wird die Heiligkeit im christlichen Leben betont, denn wir sind ein Geist mit Ihm (1. Kor 6). Darum gebrauchen wir die Freiheit nicht eigennützig, sondern leben hingebungsvoll für Ihn.
- In der Beziehung zu den Mitgläubigen ist die Freiheit des eigenen Rechts durch Liebe und Rücksichtnahme flankiert (1. Kor 8).
- In der Beziehung zu der uns umgebenden Welt sollen wir im Gebrauch der Freiheit an die Ehre Gottes und an den Nutzen unserer Mitmenschen denken (1. Kor 10).
Die Korinther – einst und jetzt
Um als Christ zu leben, muss man zuerst Christ werden. Das traf auf die Korinther zu, an die dieser Brief gerichtet ist. Paulus besuchte die Hafenstadt Korinth auf seiner zweiten Missionsreise (Apg 18,1-18). Diese Stadt war kein einfaches Pflaster. Die Sünde war sprichwörtlich greifbar. Ausserdem prägte der Götzendienst das Leben. Paulus wurde durch den Herrn selbst ermuntert, gerade in Korinth zu arbeiten, wo das Denken von der Sünde und von der griechischen Philosophie durchdrungen war. Einige der Korinther waren vor ihrer Bekehrung Hurer, Götzendiener, Ehebrecher, Weichlinge, Knabenschänder, Diebe, Habsüchtige, Trunkenbolde, Schmäher oder Räuber gewesen (1. Kor 6,9.10).
In ihrem Leben gab es aber ein Einst und ein Jetzt, wie es auch den gläubigen Ephesern gesagt wurde: «Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn» (Eph 5,8). Über die Menschen, die in Korinth zum Glauben gekommen waren, schreibt der Apostel: «Aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes» (1. Kor 6,11).
Gott hatte die Korinther abgewaschen, d.h. durch das Bad der Wiedergeburt gereinigt (Tit 3,5). Er hatte sie auch gerettet und geheiligt, also für sich aus der Welt herausgenommen. Gott hatte ihnen nicht nur die Sünden vergeben, sondern sie auch gerechtfertigt. Sie waren von der höchsten Instanz als gerecht erklärt worden. Kein Geruch der Sünde haftete mehr an ihnen. Gott sah sie, wie wenn sie nie gesündigt hätten.
Eine solche Stellung und ein solches Leben sind uns Glaubenden nur möglich geworden durch die Würde und das Werk des Herrn Jesus und in der Kraft des Heiligen Geistes, der mächtig in uns gewirkt hat. Nun gehören wir dem Herrn. Wie gehen wir damit um?
In der christlichen Freiheit gibt es Gefahren
«Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von keinem beherrschen lassen» (V. 12).
Der Apostel spricht hier von der Freiheit der Christen, die aber gewissen Einschränkungen unterliegt. Es gibt nämlich zwei Gefahren:
- Gesetzlichkeit: Durch ein falsches Joch (das Gesetz) wird eine gesetzliche Einschränkung der Freiheit anerkannt oder gefordert.
- Gesetzlosigkeit: Die christliche Freiheit wird mit der Zügellosigkeit des Fleisches verwechselt.
Darum finden wir hier Leitplanken und Leitlinien, wie sie auch in Galater 5,13 erwähnt werden: «Ihr seid zur Freiheit berufen worden, Brüder, nur gebraucht nicht die Freiheit zu einem Anlass (oder Vorwand) für das Fleisch.» So lernen wir hier, dass es nicht ratsam oder zweckmässig ist, sich alles zu erlauben.
Niemals dürfen wir uns erlauben zu sündigen. Das ist uns bestimmt klar. Es gibt aber auch Dinge, die keine Sünde sind, die jedoch zu einem unguten Zwang, zu einer unguten Gewohnheit werden können. Dazu zwei Beispiele:
- Noah pflanzte einen Weinberg und trank Wein, von dem es heisst, dass er Götter und Menschen erfreut (1. Mo 9,20.21; Ri 9,13). Wein zu trinken ist an sich nichts Verkehrtes. Wird er in kleinen Mengen zu sich genommen, kann er sogar nützlich sein. So empfahl Paulus seinem jungen Mitarbeiter Timotheus: «Trinke nicht länger nur Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein wegen deines Magens und deines häufigen Unwohlseins» (1. Tim 5,23). Aber Noah missbrauchte diese Freiheit und betrank sich. Das war nicht zur Ehre Gottes, wie es am Ende unseres Kapitels heisst: «Verherrlicht nun Gott in eurem Leib» (V. 20).
- Denken wir z.B. an Computerspiele, bei denen man sich entspannen möchte. Wenn uns diese Spiele aber täglich stundenlang beherrschen, verlieren wir schnell das Interesse an Gottes Wort. Dann gerät die Sache des Herrn in den Hintergrund, was nicht nützlich ist.
Speisen und Bauch, Leib und Hurerei
«Die Speisen für den Bauch, und der Bauch für die Speisen; Gott aber wird sowohl diesen als auch jene zunichtemachen. Der Leib aber nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib» (V. 13).
Im Alten Testament gab es klare Speisevorschriften (3. Mo 11; 5. Mo 14). Im Neuen Testament haben wir keine solchen Vorschriften, ausser der klaren Anweisung, uns von Blut und Ersticktem zu enthalten (Apg 15,20.29). Sonst stellt uns Gott die ganze Fülle an Nahrungsmitteln zur Verfügung. Wir dürfen alles essen, um unseren Hunger zu stillen. Dabei wollen wir beachten, dass es Menschen gibt, die aus gesundheitlichen Gründen auf gewisse Speisen verzichten müssen.
Gott hat sowohl die Nahrungsmittel wie auch den Verdauungsapparat geschaffen. So essen wir zur Erhaltung des Lebens und zum Genuss. Aber die Speisen und der Bauch werden einmal zunichtegemacht werden, d.h. sie verlieren ihre Bedeutung und Funktion im heutigen Sinn. Nach der Auferweckung müssen wir nicht mehr essen. Wohl hat der Herr als Auferstandener gegessen, als Beweis seiner leiblichen Auferweckung. Aber Er musste im Auferstehungsleib nicht mehr essen (Lk 24,42.43).
Unser Körper ist für den Herrn. Darum sollen wir unsere Fähigkeiten Ihm zur Verfügung stellen. In Römer 6,13 steht: «Stellt euch selbst Gott dar als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit.» Damit sind unsere Glieder wie Füsse, Hände, Augen und Ohren gemeint.
Der Herr ist für den Leib. Er gibt uns alles, was wir für den Körper nötig haben.
«Der Leib aber nicht für die Hurerei.» Die Griechen hatten die Auffassung, das Materielle und das Geistige seien zwei getrennte Bereiche. Deshalb meinten sie, man könne mit dem Leib ein Leben in Hurerei und Sünde führen, ohne dass das Geistige, der innere Mensch, dadurch beeinträchtigt würde. Doch solche Gedanken stehen in klarem Widerspruch zum Wort Gottes und zur Wirklichkeit.
Die griechische Philosophie betrachtete das Geistige höher als das Materielle. Der Körper war für sie ohne Wert. Als Paulus in Athen auf dem Areopag (einem Ort unterhalb der Akropolis) von der leiblichen Auferstehung sprach, spotteten die einen (Apg 17,30-32). Für sie war der Geist im Körper gefangen und nach dem Tod endlich frei.
Heute spotten die Menschen aus dem gegenteiligen Grund: Der Materialismus durchdringt alles Denken. Manche meinen, das Geistige im Menschen sei nur ein biochemischer Prozess, der ihn zu entsprechenden Handlungen veranlasse. Man glaubt nicht mehr an eine höhere Instanz, der man verantwortlich ist.
Unser Körper hat einen hohen Wert für Gott
«Gott aber hat sowohl den Herrn auferweckt, als er auch uns auferwecken wird durch seine Macht» (V. 14).
Wir erkennen den hohen Wert unseres Körpers darin, dass Gott ihn durch seine Macht auferwecken wird.
Die Auferstehung des Herrn wird in den Briefen immer wieder vorgestellt. Er wurde auferweckt «durch die Herrlichkeit des Vaters» (Röm 6,4). Er wurde «lebendig gemacht nach dem Geist» (1. Pet 3,18). «Damit ihr … wisst …, welches die überragende Grösse seiner Kraft an uns, den Glaubenden (ist), nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke, in der er gewirkt hat in dem Christus, indem er ihn aus den Toten auferweckte» (Eph 1,18-20).
Christus ist am dritten Tag auferweckt worden, und zwar leiblich, buchstäblich. Auch wir werden durch die Macht Gottes auferweckt werden, sofern wir vor der Entrückung entschlafen. Welch einen Wert hat unser Körper in Gottes Augen!
Gott hat nicht nur unseren Geist und unsere Seele errettet. Er wird auch unseren Körper erlösen: «Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen seines in euch wohnenden Geistes» (Röm 8,11).
Das Verhältnis unseres Körpers zu Christus
«Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich denn die Glieder Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Das sei ferne!» (V. 15).
Der Körper von uns Gläubigen ist jetzt schon ein Glied von Christus. So eng sind wir mit Ihm verbunden! Das ist ein Grund, warum die körperliche Vereinigung mit einer Hure sündig und böse ist. Sie steht im krassen Widerspruch zu unserer wunderbaren Beziehung zum Herrn Jesus. Wir dürfen niemals eine zweite Verbindung eingehen, die unvereinbar mit dieser ist und im Gegensatz zu ihr steht.
«Oder wisst ihr nicht, dass der, welcher der Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? ‹Denn es werden›, spricht er, ‹die zwei ein Fleisch sein›» (V. 16).
Das Zitat aus 1. Mose 2,24 macht klar, dass «ein Fleisch sein» in der Ehe mehr ist als eine äussere Verbindung. Dieser Ausdruck bedeutet eine Einheit von Mann und Frau nach Geist, Seele und Leib.
«Wer aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm» (V. 17).
Wir haben einen Herrn, wir sind seine Knechte. Er hat alle Rechte und legt die Leitlinien fest. Wir hangen Ihm an und sind ein Geist mit Ihm. Wir haben eine innere Verbindung mit Ihm, dem Heiligen. Das soll auch äusserlich sichtbar werden.
Haben wir dieses Bewusstsein? Seine Gesinnung, sein Rechtsempfinden, seine Denkweise – prägt uns das? Fragen wir nach seinem Willen, nach seinem Wunsch? Anstatt zu fragen: «Was muss ich tun? Was darf ich nicht machen?», fragen wir besser: «Was will der Herr? Was macht Ihm Freude?» Aus diesem Grund heisst es in Römer 12,2: «Werdet verwandelt durch die Erneuerung eures Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.»
Die klare Aufforderung: Flieht!
«Flieht die Hurerei! Jede Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist ausserhalb des Leibes; wer aber hurt, sündigt gegen seinen eigenen Leib» (V. 18).
Im Neuen Testament werden wir viermal aufgefordert zu fliehen:
- «Flieht die Hurerei!» (1. Kor 6,18). Hurerei ist jede geschlechtliche Verbindung ausserhalb der Ehe.
- «Flieht den Götzendienst» (1. Kor 10,14). Worin bestehen für uns die Götzen? Ein Beispiel: Seit über 50 Jahren propagiert die Kulturszene Yoga und Spiritismus. Das schlägt sich in den Medien nieder und wird der Gesellschaft als etwas ganz Normales vorgestellt.
- «Fliehe diese Dinge» (1. Tim 6,11). Im Abschnitt vorher ist von Streitsucht und Geldliebe die Rede.
- «Die jugendlichen Begierden aber fliehe» (2. Tim 2,22). Damit ist das gemeint, was aus der eigenen, verdorbenen Natur kommt und besonders die Jugend kennzeichnet.
Fliehen ist nicht ein schrittweises, zögerliches Zurückweichen. Es bedeutet vielmehr, sich umzudrehen und sich schnellstmöglich in Sicherheit zu bringen, ohne jemals stehen zu bleiben.
Ein gutes Beispiel ist Joseph in Ägypten, der in eine Situation geriet, für die er nichts konnte. Die Frau von Potiphar wollte ihn verführen und ging dabei aufs Ganze – aber Joseph auch! Konsequent floh er vor dieser Versuchung und lief weg. Er liess sogar seinen Mantel zurück und blieb nicht in der Tür stehen. Seine Gottesfurcht motivierte ihn, standhaft zu bleiben, und gab ihm Kraft zu fliehen (1. Mo 39,7-12).
Wir sind oft nicht so konsequent. Die Computermaus tänzelt ein paar Mal und schon sind wir auf einer zweifelhaften Seite. Auch Filme können bei uns zum Anlass für ungute Gedanken und Entwicklungen werden. Erinnern wir uns: «Wer hurt, sündigt gegen seinen eigenen Leib.»
Der Heilige Geist wohnt und bleibt in uns
«Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst seid?» (V. 19).
Schon zum wiederholten Mal in diesem Kapitel sagt Paulus den Korinthern, dass sie einen Sachverhalt eigentlich wissen sollten. Und wir? Sind wir nicht schon viele Jahre bekehrt und wissen grundlegende Dinge immer noch nicht?
Wir sollen wissen, dass unser Körper der Tempel des Heiligen Geistes ist. Eine Person der Gottheit wohnt in uns! Das können wir weder verstehen noch erklären. Dennoch wissen wir es und halten diese unfassbare Tatsache im Glauben fest. Was für ein unbegreifliches Vorrecht für uns, dass der Heilige Geist in uns wohnt!
Unser Körper ist erkauft und wird einmal auferweckt werden. Wir sind durch den Heiligen Geist geheiligt. Durch Ihn ist die Liebe Gottes in unsere Herzen ausgegossen (Röm 5,5). Wir werden durch den Geist geleitet. Er bezeugt, dass wir Kinder Gottes sind (Röm 8,14-16). Er bleibt bei uns in Ewigkeit (Joh 14,16) und gibt uns die Kraft, um das zu tun, was den Herrn Jesus ehrt.
Haben wir verstanden, dass der Heilige Geist nie aus unserem Körper geht? Wenn wir irgendwo hingehen, ist Er dabei. Wenn wir etwas anschauen, hören oder tun, ist Er in uns.
Wir sollen ein heiliges Leben führen, weil wir nicht mehr uns selbst gehören. «Ihr seid nicht euer selbst!» Wir können mit unserem Körper nicht tun, was uns passt.
Als Illustration, dass wir als Gläubige nicht mehr uns selbst gehören, eine Geschichte aus alter Zeit. Durch Gottes Gnade kam ein Schmuggler zum Glauben an den Herrn Jesus Christus. Als er im Alter krank zu Bett lag, besuchte ihn ein Arzt und verschrieb ihm Medikamente. Da soll der ehemalige Schmuggler gesagt haben: «Herr Doktor, ich muss mir überlegen, was ich mit meinem Körper tun darf, denn ich gehöre nicht mehr mir selbst.» Der Arzt hielt ihn für verrückt. Welche Auswirkung hat es in unserem täglichen Christenleben, dass wir nicht mehr unser selbst sind?
«Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden; verherrlicht nun Gott in eurem Leib» (V. 20).
Nun folgt die Begründung, warum wir nicht selbst über unseren Körper verfügen dürfen: Wir sind um einen Preis erkauft worden. Es ist ein sehr hoher Preis – zu hoch, um seinen Wert beziffern zu können. Es ist das kostbare Blut des Herrn Jesus: «Ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid …, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken» (1. Pet 1,18.19). Je höher wir diesen Preis einschätzen, desto mehr werden wir in unserem Körper, ja, in unserem ganzen Leben, Gott ehren und verherrlichen.
