Esra hatte sein Herz darauf gerichtet, in Israel Satzung und Recht zu lehren, weil er als Priester eine göttliche Anweisung dazu hatte (5. Mo 33,10; Esra 7,10). Sein Beispiel ist ein Ansporn für alle, die im Auftrag des Herrn das Wort Gottes weitergeben.
Wenn wir über dieses Thema nachdenken, merken wir, dass verschiedene Lebensbereiche davon betroffen sind. Ausserdem wird klar: Oft geht es nicht um die öffentliche Verkündigung des Wortes, sondern um das persönliche Gespräch mit einzelnen Personen.
In der Ehe
a) Nähren und pflegen
«Niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, wie auch der Christus die Versammlung» (Eph 5,29).
In der Ehe hat der Mann die Aufgabe, seine Frau zu nähren und zu pflegen. Das betrifft nicht nur den materiellen Lebensunterhalt und die Sorge um das seelische Wohl der Frau. «Nähren» bedeutet auch, dass sich der Ehemann bemüht, den geistlichen Bedürfnissen seiner Frau mit dem Wort Gottes zu entsprechen, also geistliche Nahrung zu geben. Mit «pflegen» ist ermuntern und innerlich aufrichten gemeint. Beides erfordert, dass der Mann selbst regelmässig die Bibel liest.
b) Fragen beantworten
«Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen» (1. Kor 14,35).
Diese Anweisung macht klar, dass der Ehemann die Aufgabe hat, die Fragen seiner Frau über die Bibel zu beantworten. Das ist ihm nur möglich, wenn er im Wort Gottes gegründet ist. Dazu braucht es Zeit, denn das Verständnis der biblischen Lehre kommt nicht von heute auf morgen. Darum ist es gut, wenn junge Männer ihre freie Zeit vor der Heirat nutzen, um die Bibel zu erforschen.
In der Familie
a) Im Wort Gottes unterweisen
«Du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt und wenn du auf dem Weg gehst und wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst» (5. Mo 6,7).
Der Vater hat die Verantwortung, die Kinder in der Bibel zu unterweisen. Am Anfang übernimmt oft die Mutter einen Teil dieser Aufgabe und erzählt den Kleinen die biblischen Geschichten. Wir wollen unseren Kindern Gottes Wort lieb machen und es auf ihre Herzen legen. Wie wichtig ist es, ihnen dabei den Inhalt der Bibel kindgerecht vorzustellen. So können sie es begreifen und aufnehmen. Schon kleine Kinder verstehen die Geschichten im Alten Testament und in den Evangelien. Werden sie älter, verstehen sie auch anspruchsvollere Texte, sofern sie ihnen einfach erklärt werden.
Aus den Anweisungen an die Israeliten lernen wir, das Weitergeben des Wortes Gottes an die Kinder in den Tagesablauf einzubauen. Ein gemeinsames Essen eignet sich gut für eine Familienandacht. Auch der biblische Tageskalender ist ein Mittel, den Kindern das Wort Gottes regelmässig mitzugeben.
b) Fragen beantworten
«Wenn eure Kinder zu euch sagen werden: Was soll euch dieser Dienst?, so sollt ihr sagen: Es ist ein Passahopfer dem HERRN» (2. Mo 12,26.27).
Kinder fragen, wenn sie klein sind und wenn sie älter werden. Sie beobachten unser Glaubensleben und besuchen mit uns die Zusammenkünfte als Versammlung. Da kommt es unweigerlich zu Fragen. Zum Beispiel: Warum machen wir das so und nicht anders? Oder: Wie ist das zu verstehen, was der Bruder in der Wortverkündigung gesagt hat?
Die Fragen unserer Kinder sollen anhand der Bibel beantwortet werden, denn das Wort Gottes ist die Grundlage unseres Glaubens. Dabei berücksichtigen wir das Alter der Kinder. Wir geben ihnen nicht lehrmässige Erklärungen, die sie nicht begreifen können, sondern versuchen, ihnen eine einfache und verständliche Antwort zu geben.
Unsere Kinder sehen, ob wir selbst das Wort Gottes im Leben umsetzen. Unser Beispiel unterstreicht die biblische Unterweisung enorm. Wenn wir persönlich die Anweisungen der Bibel befolgen, ermutigen wir unsere Kinder, Gottes Wort zu lieben und zu tun.
Im Volk Gottes
a) Nahrung austeilen
«Der Herr sprach: Wer ist nun der treue und kluge Verwalter, den sein Herr über seine Dienerschaft setzen wird, ihnen zur rechten Zeit die zugemessene Nahrung zu geben?» (Lk 12,42).
Mit einem Beispiel aus dem damaligen Leben zeigt der Herr, wie seine Diener den Gläubigen mit dem Wort Gottes geistliche Nahrung austeilen sollen:
- Treue Diener halten sich beim Weitergeben der Nahrung ans Wort Gottes. Sie wollen nichts hinzutun und nichts davon wegnehmen. Ausserdem bleiben sie treu bei ihrer Aufgabe, auch wenn sie schwierig wird. Mit Ausdauer und mit Gebet verkündigen sie das Wort, wie die Apostel dies taten: «Wir aber werden im Gebet und im Dienst des Wortes verharren» (Apg 6,4).
- Kluge Diener handeln im Sinn ihres Herrn und wollen sich vom Heiligen Geist leiten lassen. Sie überlegen sich, was aus der Bibel gerade die angemessene Nahrung für die Gläubigen ist. Sie denken auch an das Auffassungsvermögen der Zuhörer. Darum reden sie weder zu lang noch zu kompliziert. Wenn Kinder anwesend sind, versuchen sie ihnen etwas zu geben, was sie aufnehmen können.
b) Vorlesen, ermahnen, lehren
«Bis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren» (1. Tim 4,13).
Diese Anweisung an Timotheus enthält drei Punkte, die für jede mündliche Weitergabe des Wortes Gottes an die Gläubigen gilt:
- Halte an mit dem Vorlesen: Das hat bis heute eine grosse Bedeutung, auch wenn jeder eine eigene Bibel in der Hand hat. Beim Zuhören des vorgelesenen Abschnitts und beim Mitlesen in der Bibel setzen wir uns der Wirkung des lebendigen Wortes Gottes aus. Es trifft unser Gewissen und spricht unser Herz an. Darum ist es gut, langsam und deutlich vorzulesen. Wir zeigen damit auch unseren Respekt vor dem Wort Gottes.
- Halte an mit dem Ermahnen: Das ist die Anwendung des Wortes auf uns. Manches in der Bibel bezieht sich direkt auf unser Leben – sei es das Beispiel eines Gläubigen oder die Aufforderung zur Bruderliebe. Wenn wir Gottes Wort verkündigen, sollen wir diesen Praxisbezug herstellen, damit die Gläubigen daraus einen Nutzen für den Alltag bekommen.
- Halte an mit dem Lehren: Damit ist das Erklären des Wortes Gottes gemeint. Manchmal ist es nötig, den Zusammenhang aufzuzeigen oder einen biblischen Begriff näher zu erklären. So wird der gelesene Bibelabschnitt leichter verständlich. Je besser wir etwas selbst begriffen haben, desto einfacher können wir es anderen weitergeben.
c) Das Wort der Wahrheit recht teilen
«Befleissige dich, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht teilt» (2. Tim 2,15).
Der Apostel vergleicht die Diener, die das Wort Gottes vorstellen, mit einem Facharbeiter, der sich in seinem Beruf gut auskennt. Genauso sollen sie in der biblischen Lehre fundiert sein, damit sie in der Verkündigung das Wort der Wahrheit recht teilen oder in gerader Richtung schneiden, wie die Fussnote angibt. Wenn sie die Zusammenhänge in der Bibel kennen, können sie die Linien dort ziehen, wo Gott sie zieht. Einige Beispiele zeigen, was damit gemeint ist:
- «Facharbeiter» wissen, dass niemand den Sohn erkennt als nur der Vater. Darum wollen sie den Herrn Jesus, der Gott und sündloser Mensch in einer Person ist, nicht intellektuell ergründen, sondern im Glauben bewundern.
- «Facharbeiter» unterscheiden die Versammlung Gottes in ihrer himmlischen Bestimmung vom Volk Israel, das im kommenden Reich auf der Erde gesegnet sein wird.
- «Facharbeiter» kennen die einzelnen Heilszeiten in der Bibel und verstehen zum Beispiel, dass die Rachegedanken in den Psalmen nicht zur christlichen Zeit passen.
- «Facharbeiter» unterscheiden die Gnade Gottes und die Verantwortung des Menschen. Es ist ihnen klar, dass sie diese beiden Schienen nicht zusammenbringen können. Sie lassen sie nebeneinander stehen.
d) Was, wann und wie
«Predige das Wort, halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise ernstlich zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre» (2. Tim 4,2).
Diese Anweisungen an Timotheus gelten auch allen, die vom Herrn beauftragt sind, das Wort Gottes weiterzugeben.
- Was? «Predige das Wort.» Es geht nicht darum, schöne oder interessante Geschichten zu erzählen, sondern das Wort Gottes vorzustellen und auf die Herzen der Zuhörer zu legen. Nur die Bibel enthält die geistliche Nahrung, die wir für unseren Glauben nötig haben. Sie ist reich an Belehrung und richtet uns innerlich immer wieder auf Jesus Christus aus.
- Wann? «Halte darauf zu gelegener und ungelegener Zeit.» In Erweckungszeiten nehmen viele Christen das Wort Gottes gern auf. Wenn wir aber Niedergang und Verfall erleben, ist das Interesse an der gesunden, biblischen Lehre gering. Doch das soll uns nicht von der Verkündigung des Wortes abhalten.
- Wie? «Überführe, weise ernstlich zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre.» Die einen brauchen ernste Zurechtweisung, damit sie von einem falschen Weg umkehren. Die anderen haben es nötig, auf dem guten Weg des Glaubens bestärkt zu werden. Beides erfordert Geduld und Weisheit von oben, aber auch eine gute Kenntnis des Wortes Gottes.
In der Welt
a) Den Glauben bezeugen
«Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der Rechenschaft von euch fordert über die Hoffnung, die in euch ist» (1. Pet 3,15).
Als Christen wünschen wir ein Leben zu führen, das mit dem Wort Gottes übereinstimmt und den Herrn Jesus ehrt. Oft verstehen uns die Mitmenschen nicht, weil sie sich ganz anders verhalten. Das kann bei ihnen Fragen aufwerfen: Warum betest du vor dem Essen? Warum feierst du unsere Party nicht mit? Warum gehst du jeden Sonntag in den Gottesdienst? Warum greifst du nicht zu einer Notlüge, um dich aus einer unbequemen Situation zu retten?
Solche Fragen geben uns Gelegenheit, unseren Glauben an den Herrn Jesus zu bezeugen. Der Apostel Petrus legt uns ans Herz, jederzeit bereitwillig zu den echten Gründen unseres Verhaltens zu stehen:
- Wir beten vor dem Essen, weil wir an den lebendigen Gott glauben, der ein Erhalter des Lebens ist und uns jeden Tag genug zu essen gibt (1. Tim 4,10).
- Wir feiern keine ausgelassenen Feste, weil der Herr nicht will, dass wir an Trinkgelagen und Schwelgereien teilnehmen (1. Pet 4,3).
- Wir besuchen am Sonntag die Zusammenkünfte, um das Gedächtnismahl unseres Erlösers zu halten und das Wort Gottes zu hören (Apg 20,7).
- Anstatt zu lügen, sagen wir die Wahrheit, weil wir Jünger des Herrn Jesus sind, der immer die Wahrheit geredet hat (Eph 4,20-25).
b) Von der Erlösung erzählen
«Kehre in dein Haus zurück und erzähle, wie viel Gott an dir getan hat» (Lk 8,39).
Der Heiland befreite einen Menschen, der von vielen bösen Geistern besessen war, aus der Sklaverei des Satans. Dann gab Er ihm den Auftrag, in seinem Haus zu erzählen, was Gott an ihm getan hatte.
Diese Anweisung des Herrn gilt allen, die Er aus der Macht des Teufels erlöst und vor dem ewigen Tod errettet hat. Die erfahrene Gnade motiviert jeden, der Jesus Christus als persönlichen Erlöser kennt, anderen von der rettenden Liebe Gottes zu erzählen.
Der Herr bestimmt den Ort, wo wir von Ihm zeugen sollen: Es beginnt bei uns zu Hause! Dort ergeben sich aus den Kontakten mit den Mitmenschen gute Möglichkeiten, von unserem Retter zu erzählen. Zu Hause kennen uns die Leute, so dass die positive Veränderung in unserem Leben die Botschaft der Gnade unterstreicht.
Der Herr Jesus gibt auch an, was wir sagen sollen: Wie viel Gott an uns getan hat! Er verlangt nicht, dass wir grosse Predigten halten. Es genügt, wenn wir schlicht berichten, wie wir die Vergebung der Sünden und die Rettung vor der göttlichen Strafe erfahren haben. Lasst uns auch den Retter Jesus Christus bekannt machen, dem wir alles verdanken.
c) Das Evangelium weitergeben
«Du aber sei nüchtern in allem, leide Trübsal, tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst» (2. Tim 4,5).
Gott will auch am Ende der Gnadenzeit Menschen retten. Darum lässt Er die gute Botschaft der Gnade noch verkündigen und verbreiten. Dazu benutzt der Herr die Evangelisten, denen Er einen besonderen Auftrag dafür gegeben hat. Es kann aber sein, dass Er auch dich und mich gebrauchen will, um die Menschen mit dem Heiland der Welt bekannt zu machen. Wenn Er uns einen evangelistischen Dienst aufs Herz legt, wollen wir ihn mit der Hilfe des Herrn in Angriff nehmen und treu für Ihn ausführen.
Es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen die gute Botschaft zu bringen. Aber einige Punkte gelten für jede evangelistische Arbeit:
- Bringen wir den Menschen die klare biblische Botschaft der Errettung. Hitzige Diskussionen und menschliche Argumente nützen nichts. Nur das Wort Gottes kann Menschen zur Buße und zum Glauben an den Herrn Jesus führen (Röm 10,17).
- Beten wir um das Wirken Gottes an den Herzen und Gewissen der Menschen. Er kann sie zur Einsicht ihrer Schuld bringen und ihnen neues, ewiges Leben schenken. Alles hängt von Gott ab, der Menschen zum Heiland zieht (Joh 6,44).
Lasst uns aus Liebe zum Erlöser und in Abhängigkeit von Ihm das Wort vom Kreuz bekannt machen. Er hilft uns, trotz Widerstand und Gleichgültigkeit in dem Dienst auszuharren, den Er uns anvertraut hat.
Schluss
Der Herr Jesus wird im Markus-Evangelium als Prophet gezeigt. Er gibt uns ein vollkommenes Beispiel für das Weitergeben des Wortes Gottes:
- «Er redete zu ihnen das Wort» (Mk 2,2). Der Herr predigte den Menschen Gottes Wort. Das brauchten sie, um errettet zu werden und danach im Glauben zu wachsen. So streute Er den Samen des Wortes in die Herzen der Zuhörer. Wenn sie es bereitwillig und glaubensvoll aufnahmen, bewirkte es neues Leben und brachte Frucht für Gott.
- «Er redete zu ihnen das Wort, wie sie es zu hören vermochten» (Mk 4,33). Der Herr benutzte oft Vergleiche aus dem täglichen Leben, um seine Botschaft verständlich zu machen. Ausserdem berücksichtigte Er beim Reden das Aufnahmevermögen der Zuhörer. Er überforderte sie nicht, sondern stellte ihnen das Wort einfach und fassbar vor.
Wie viel können wir von unserem Herrn lernen!
