Gehorsam – biblisch beleuchtet (1)

In diesem ersten Artikel gehen wir der Frage nach: Warum gehorchen wir? Als gläubige Christen werden wir durch das Wort Gottes unterwiesen, damit wir mit Verständnis das tun, was Gott von uns erwartet. Das trifft auch auf den Gehorsam zu. Die Bibel gibt uns mehrere Hinweise, weshalb wir gehorsam sein sollen.

Zuerst wollen wir festhalten, dass Gott, der Herr Jesus und das Wort Gottes die höchste Autorität sind. Ihnen schulden wir Gehorsam (Apg 5,29; Heb 5,9; Jak 1,22). Gott hat aber auch Menschen Autorität verliehen, denen wir Gehorsam schuldig sind. Wenn wir ihnen gehorchen, sind wir zugleich Gott gehorsam, von dem alles ausgeht.

Dieses Thema ist nicht so negativ, wie wir vielleicht denken. Das merken wir, wenn wir es anhand der Bibel und ausgewogen angehen. Dabei wollen wir uns nicht mit menschlichen Meinungen über den Gehorsam beschäftigen. Stattdessen versuchen wir zu erkennen, was die Bibel mit dem Gehorsam meint und was er für uns in der Praxis bedeutet.

Ist Gehorsam eine veraltete Sache?

In der heutigen Gesellschaft gilt der Gehorsam als ein autoritäres Relikt aus früheren Zeiten. Viele Pädagogen und Erziehungswissenschaftler unserer Zeit gehen davon aus, dass der Gehorsam ein altes Modell sei, das primär durch Regeln, Strafen und Autorität von oben gekennzeichnet ist. Sie meinen auch, der Gehorsam würde die autonome Entwicklung des Menschen behindern. Ist das aus der Sicht des Wortes Gottes richtig? Keineswegs! Es ist nicht so, dass der Gehorsam veraltet und darum durch andere Mittel zu ersetzen wäre. Wenn der Gehorsam auf breiter Front infrage gestellt wird, hat das damit zu tun, dass man Autoritäten nicht mehr anerkennen will. In letzter Konsequenz lehnt man damit Gott als die höchste Autorität ab und meint, man könne so der Verantwortung gegenüber Gott entgehen. Doch das ist ein fataler Irrtum des Unglaubens.

Als Gläubige erkennen wir Gottes Autorität über uns an. Das ist ein erster Grund, warum wir gehorchen.

Das Prinzip des Gehorsams

Folgende Aussage kann uns helfen, unser Thema besser zu verstehen: «Gehorsam und Unterordnung sind das heilende Prinzip der Menschheit. An deren Missachtung hat sich die Sünde entzündet und an deren Beachtung wird die Menschheit genesen.»

Das Prinzip des Gehorsams und der Unterordnung gegenüber Gott und seinem Wort hat also absolut positive Folgen. Es bringt Heilung und Segen in jedes Herz, in jede Familie, in jede örtliche Versammlung. Wenn dieser Grundsatz jedoch missachtet wird, gibt es Unordnung, Zerrüttung und Chaos. Beim ersten Menschenpaar war es Ungehorsam und Auflehnung gegen Gott. Daran hat sich die Sünde entzündet und ist in die Welt gekommen. Im Gegensatz dazu bringt die Beachtung dieses Prinzips Heilung für die Menschheit. Das wird sich im Tausendjährigen Reich vollkommen erfüllen. Gehorsam und Unterordnung werden dann gelebt werden, was zur Heilung und zum Segen der Menschen sein wird.

Dieses Prinzip gilt für alle Menschen zu allen Zeiten. Deshalb sehen wir darin einen weiteren Grund für unseren Gehorsam: Es ist zu unserem Segen!

Woher kommt der Gehorsam?

«Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Von jedem Baum des Gartens darfst du nach Belieben essen; aber vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon sollst du nicht essen; denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben» (1. Mo 2,15-17).

Nachdem Gott den ersten Menschen geschaffen hatte, bereitete Er ihm das günstigste Umfeld. Er pflanzte einen Garten in Eden und setzte Adam dorthin (1. Mo 2,8). Danach gab er ihm ein einziges Gebot: Er solle vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen nicht essen (1. Mo 2,17). Gott forderte also Gehorsam vom Menschen, denn Er hatte ihn als verantwortliches Wesen geschaffen. Aber Er handelte dabei auf einer gerechten Basis. Er enthielt dem Menschen nichts vor, sondern brachte ihn in eine Situation, die vollkommen war. Der Mensch hatte alles, was er brauchte, um das Gebot befolgen zu können, das Gott ihm gegeben hatte. Es war ein einziger Befehl, der ihn unter die Verantwortung des Gehorsams stellte.

Wir Menschen sind verantwortliche Geschöpfe Gottes. Darum ist es normal und richtig, dass wir nicht über unserem Schöpfer stehen, sondern Ihm untergeordnet sind und Ihm darum Gehorsam schulden. Das hat zunächst nichts damit zu tun, ob ein Mensch gläubig ist oder nicht. Es geht einfach um unsere Verantwortung, die wir als Geschöpfe gegenüber unserem Schöpfer haben.

Gott kündigte dem ersten Menschenpaar auch die Folgen im Fall des Ungehorsams an: «An dem Tag, da du davon isst, musst du sterben» (1. Mo 2,17). Er gab dieses Gebot also in völlig gerechter Weise, weil Er die besten Voraussetzungen dafür schuf und die möglichen Konsequenzen offen darlegte. Der Mensch wäre imstande gewesen zu gehorchen. Es hätte ihm keine Nachteile gebracht, denn er hatte alles nach Belieben, was er brauchte. Aber er tat das Gegenteil. Er fiel durch die Verführung des Satans in Sünde und übertrat das Gebot. So kam die Sünde in die Welt.

Diese Gedanken zeigen noch einen Grund für unseren Gehorsam: Gott hat uns geschaffen. Darum darf Er von uns erwarten, dass wir Ihm gehorchen.

Das vollkommene Vorbild des Gehorsams

Der Sohn Gottes ist Mensch geworden und hat uns vorgelebt, was es heisst, gehorsam zu sein.

«Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war, der, da er in Gestalt Gottes war, es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein, sondern sich selbst zu nichts machte und Knechtsgestalt annahm, indem er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und, in seiner Gestalt wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte, indem er gehorsam wurde bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz» (Phil 2,5-8).

Der Sohn Gottes machte sich zu nichts und nahm Knechtsgestalt an. Das bedeutet, dass Er sich als Gott entäusserte und Mensch wurde. Dann erniedrigte Er sich selbst als Mensch, indem Er gehorsam wurde. Warum steht hier «gehorsam wurde»? Er war doch gehorsam! Als Gott wusste Er natürlich, was der Gehorsam ist. Er hatte ihn ja selbst vom Menschen gefordert. Aber als höchste Instanz muss Er niemand gehorchen. Es ist sogar unmöglich für Gott zu gehorchen, weil Er die höchste Autorität ist. Doch der Herr Jesus hat sich so erniedrigt, dass Er als Mensch gehorsam wurde. Er war es vorher nicht, aber als Mensch wurde Er es, und zwar freiwillig.

War es für den Herrn Jesus schlimm, gehorsam zu sein? Nein! Er sagte: «Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe» (Joh 4,34). Wir sehen hier, dass Er Gott gern gehorchte. Aber die Folgen seines Gehorsams waren schlimm für Ihn, denn sie brachten Ihn in den Tod am Kreuz.

Hebräer 5 zeigt uns noch einen weiteren Aspekt: «Obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam lernte» (Heb 5,8). Das bedeutet nicht, dass sich der Herr Jesus den Gehorsam durch Training aneignen musste, bis Er ihn beherrschte, wie das bei uns der Fall sein mag. Es ging bei Ihm darum, in den Leiden zu erfahren, was es heisst, gehorsam zu sein. Als Gott wusste Er es, als Mensch lernte Er es «am eigenen Leib» kennen. Er war immer vollkommen gehorsam. Was für ein Vorbild!

Wenn der Gehorsam für den Herrn Jesus schlimme Folgen mit sich brachte – den Tod am Kreuz –, so waren die Auswirkungen seines Gehorsams positiv. Er verherrlichte dadurch Gott auf der Erde. Seine Motivation war, den Willen seines Gottes und Vaters zu tun.

Davon leiten wir sowohl einen Grundsatz als auch ein Motiv für unseren Gehorsam ab: Wenn wir Gott gehorchen, ehren und verherrlichen wir Ihn.

Die Folgen des Gehorsams unseres Herrn

«So wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden» (Röm 5,19).

Der Ungehorsam des ersten Menschen hatte gewaltige Folgen. Weil Adam das Gebot Gottes übertrat, wurden alle seine Nachkommen in die Stellung von Sündern versetzt. Hier sehen wir, wie schwerwiegend es in den Augen Gottes ist, wenn der Mensch Ihm nicht gehorcht. Es ist eine Sünde, die Er bestrafen muss.

Noch wirkungsreicher sind die Folgen des Gehorsams unseres Erlösers in seinem Tod. Er gehorchte Gott am Kreuz und vollbrachte dort das Erlösungswerk. Darum werden die Glaubenden der Gnadenzeit in eine neue Stellung von Gerechten gebracht und bekommen das ewige Leben. Was für eine wunderbare Gnade!

Wir finden hier ebenfalls einen Grund für unseren Gehorsam: Aus Dankbarkeit für die Errettung, die wir aus Gnade bekommen haben, wollen wir dem Herrn Jesus von Herzen gehorchen.