Nachdem wir im ersten Artikel erkannt haben, wie wichtig der Gehorsam ist, befassen wir uns jetzt mit der Frage: Wem gehorchen wir? Als Geschöpfe und vielmehr noch als Gläubige sollen wir Gott und seinem Wort gehorchen. Das ist uns sicher klar. Aber die praktische Anwendung in die Verhältnisse unseres Lebens umfasst ein breites Spektrum. Wir möchten uns nun mit einigen Aspekten beschäftigen und sie mit Bibelstellen belegen. Dabei werden wir sehen, dass Gehorsam immer Segen zur Folge hat.
1) Dem Evangelium gehorchen
«Wie werden sie nun den anrufen, an den sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger? Wie aber werden sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind? – wie geschrieben steht: ‹Wie lieblich sind die Füsse derer, die das Evangelium des Guten verkündigen!› Aber nicht alle haben dem Evangelium gehorcht» (Röm 10,14-16).
Wenn ein Mensch das Evangelium hört, wird er vor die Entscheidung gestellt, diese gute Botschaft Gottes anzunehmen. Wohl hat er die Möglichkeit, sich dagegen zu entscheiden. Aber trotzdem besteht die Verpflichtung, zu gehorchen und sich vor Gott zu beugen. «Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen» (Apg 17,30).
Mit Buße sind nicht Bußgelder gemeint, um unsere Schuld vor Gott abzuzahlen. Buße tun im Sinn der Bibel heisst umdenken und umkehren. Wer seine Schuld vor Gott einsieht und demütig zu Ihm umkehrt, erfährt seine Gnade. Er darf im Glauben für sich annehmen, dass der Herr Jesus auch für seine Sünden am Kreuz gestorben ist.
Die Auswirkungen von Buße und Umkehr sind enorm: Sie bringen dem Glaubenden einen ewigen Segen. Er ist für immer gerettet. Wer sich jedoch dagegen entscheidet, ist Gott ungehorsam – mit weitreichenden, tragischen Folgen. Er geht ewig verloren. Wir sehen hier klar, dass ein Gott gemässer Gehorsam Heilung und Segen bringt.
2) Der Wahrheit gehorchen
«Ihr lieft gut; wer hat euch aufgehalten, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht? … Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig» (Gal 5,7.9).
Die Galater waren gläubige Christen, mehrheitlich nichtjüdischer Abstammung. Sie hatten bei ihrer Bekehrung erfasst, dass sie nicht durch Gesetzeswerke, sondern nur durch den Glauben errettet werden konnten. Nun standen sie aber in Gefahr, sich durch Einflüsse von falschen jüdischen Lehrern dem Gesetz zuzuwenden. Die Verführer liessen zwar den Glauben stehen, erachteten aber das Halten des Gesetzes als ebenfalls nötig zur Errettung. Das war ein Angriff auf die Person und das vollkommene Erlösungswerk des Herrn Jesus. Damit war es auch ein Angriff auf fundamentale Tatsachen des christlichen Glaubens und damit auf die Wahrheit. Durch das Hören auf diese falschen Lehrer gehorchten die Galater der Wahrheit nicht mehr. Das war sehr ernst, denn dadurch konnte sich die verkehrte Lehre wie ein Sauerteig immer weiter ausbreiten.
Es ist doch wunderbar, dass wir nicht menschlichen Gedanken und Ideologien folgen müssen, sondern der Wahrheit des Wortes Gottes gehorchen dürfen. Wieder sehen wir, dass Gott gemässer Gehorsam segensreiche Folgen hat: Wenn wir der Wahrheit Gottes gehorchen, sind wir nicht den schwankenden Meinungen der Menschen ausgesetzt, die nicht nur Falsches, sondern sogar fundamental Böses lehren können. Stattdessen ruht unser Glaube auf einem festen, sicheren Fundament.
3) Der Regierung gehorchen
«Erinnere sie daran, Obrigkeiten und Gewalten untertan zu sein, Gehorsam zu leisten, zu jedem guten Werk bereit zu sein» (Tit 3,1).
Das betrifft jetzt unser Leben als Bürger eines Staates. Gott hat Menschen als regierende Personen eingesetzt. Er nennt sie obrigkeitliche Gewalten und sagt uns, wozu Er sie beauftragt hat: «Jede Seele sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan; denn es gibt keine Obrigkeit, ausser von Gott, diejenigen aber, die bestehen, sind von Gott eingesetzt. Wer sich daher der Obrigkeit widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen. Denn die Regenten sind nicht ein Schrecken für das gute Werk, sondern für das böse. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten? So übe das Gute aus, und du wirst Lob von ihr haben; denn sie ist Gottes Dienerin, dir zum Guten. Wenn du aber Böses verübst, so fürchte dich, denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe für den, der das Böse tut. Darum ist es notwendig, untertan zu sein, nicht allein der Strafe wegen, sondern auch des Gewissens wegen» (Röm 13,1-5).
Gott hat nicht politische Parteien aufgestellt, das haben die Menschen getan. Er hat einfach Personen eingesetzt, wie auch immer sie in die Regierung gekommen sind. Sie sollen über das Volk regieren, damit das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Das ist der Grundgedanke der Regierung, die Gott gibt. Diese regierenden Menschen tragen eine grosse Verantwortung, und sie sind auch nicht fehlerfrei. Darum hat Gott – obwohl wir zur Unterordnung verpflichtet sind – eine «Sicherung» eingebaut: «Sie führten sie (die Apostel) aber herbei und stellten sie vor das Synedrium; und der Hohepriester befragte sie und sprach: Wir haben euch streng geboten, in diesem Namen nicht zu lehren, und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen. Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen» (Apg 5,27-29).
Das ist ein Beispiel damaliger Zeit. Es kann auch heute sein, dass eine Regierung von den Bürgern ihres Landes etwas verlangt, das klar gegen Gottes Wort und die offenbarte Wahrheit ist. Dann muss man Gott mehr gehorchen als Menschen. Zum Glück kommt dies in unseren Ländern bis heute sehr selten vor.
Die Aussage «Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen» darf nicht dazu benutzt werden, etwas zu verweigern, was einem persönlich nicht passt, obwohl vom Wort Gottes her gesehen nichts dagegen spricht. Das wäre ein Missbrauch dieser Bibelstelle.
Wir wollen diesen Abschnitt positiv beenden. Wenn eine Regierung dem göttlichen Auftrag nachkommt und die Bevölkerung sich an die staatlichen Anordnungen hält, ist es zum Segen für das Volk. Auch hier gilt das Prinzip: Unterordnung bringt Segen.
4) Den Führern gehorchen
«Gehorcht euren Führern und seid fügsam; denn sie wachen über eure Seelen (als solche, die Rechenschaft geben werden), damit sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies wäre euch nicht nützlich» (Heb 13,17).
Wir wollen festhalten, dass wir als Gläubige in unserer Stellung vor Gott alle gleich sind. Er hat aber geistliche Führer gegeben, die sich in ihrem Glaubensleben bewährt haben. Sie sind Vorbilder der Gläubigen und können im Lauf der Jahre eine geistliche Führung im Volk Gottes übernehmen. Solch ein Führer wird man nicht durch autoritäres und befehlendes Auftreten. Man wird es durch ein geistliches Verhalten, durch ein Leben des Gehorsams gegenüber Gott und seinem Wort. So bekommt man im Lauf der Jahre moralisches Gewicht und kann zu einer verlässlichen, glaubwürdigen Persönlichkeit heranreifen. Das wird von anderen gesehen. Wenn man merkt, dass diese Personen sich ihrer Verantwortung vor dem Herrn bewusst sind, fällt es leichter, sie als Führende anzuerkennen. Es ist zum Segen, wenn es solche geistlichen Führer gibt und wenn wir ihnen gehorchen.
«Gedenkt eurer Führer, die das Wort Gottes zu euch geredet haben, und, den Ausgang ihres Wandels anschauend, ahmt ihren Glauben nach» (Heb 13,7).
Den geistlichen Führern, die noch leben und unter uns wirken, gehorchen wir. Die geistlichen Führer, die schon heimgegangen sind, halten wir in guter Erinnerung. Ihre Treue bis zum Lebensende und ihr vorbildliches Verhalten als Gläubige sollen wir nicht vergessen. Wir bewahren ein ehrendes Andenken an sie und ahmen ihren Glauben nach – aber nicht was sie getan haben oder wie sie geredet haben.
5) Den Vorgesetzten gehorchen
«Ihr Knechte, gehorcht in allem euren Herren nach dem Fleisch, nicht in Augendienerei, als Menschengefällige, sondern in Einfalt des Herzens, den Herrn fürchtend» (Kol 3,22).
Die früheren Verhältnisse der Sklaverei, die diesem Vers zugrunde liegen, bestehen heute nicht mehr. Damals gab es jedoch Herren, die Sklaven als Leibeigene besassen. Diese Sklaven hatten keine Rechte, nur Pflichten. Sie waren ihren Herren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Das war eine bedenkliche Situation. Einige Sklaven in Kolossä hatten das Evangelium gehört und sich bekehrt. Nun bekamen sie nicht die Anweisung, gegen ihr ungerechtes Los zu rebellieren, sondern ihren Herren in allem zu gehorchen. An dem Platz, wo Gott sie hingestellt hatte, sollten sie gehorsam sein.
Wir sind Gott dankbar, dass wir dieses Verhältnis von Sklaven und Herren nicht mehr haben. Aber die Belehrungen lassen sich auf unser Berufsleben übertragen. Das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist natürlich anders. Es trägt nicht den Charakter eines sklavischen Gehorsams. Trotzdem muss sich ein Angestellter heute bewusst sein, dass er seinem Chef unterstellt ist. Das ist grundsätzlich eine Stellung der Unterordnung und des Gehorsams. Heutzutage verfolgen zwar viele Unternehmen eine andere Philosophie. Gehorsam wird durch Mitbestimmung und Unterordnung wird durch Gleichstellung ersetzt. Dennoch ist das biblische Prinzip des Gehorsams auch bei der Arbeit zum Segen. Der Herr kann uns in seiner Gnade helfen, dies angemessen zu verwirklichen, damit Er verherrlicht wird.
6) Den Eltern gehorchen
«Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn dies ist wohlgefällig im Herrn» (Kol 3,20).
Hier steht ausdrücklich, dass die Kinder ihren Eltern gehorsam sein sollen. Warum legt Gott einen gewissen Ernst auf diese Anweisung? Weil Kinder lernen müssen zu gehorchen. Das geschieht nicht von selbst und auch nicht von heute auf morgen. Es ist ein längerer Prozess. Sie brauchen dazu die Anleitung und Unterstützung der Eltern.
Wenn Kinder den Gehorsam nicht lernen, wenn er ihnen nicht beigebracht wird, werden sie Mühe haben, zu Gott umzukehren. Die Bekehrung ist eine Handlung des Gehorsams, wie wir es im ersten Punkt gesehen haben (Apg 17,30). Der Feind will das verhindern. Darum versucht er, den Gehorsam in der Erziehung und in der Pädagogik zu beseitigen. Man ersetzt ihn durch unbiblische Denkmuster, die davon ausgehen, dass der Mensch im Kern gut ist. Doch die Bibel spricht anders: «Ich weiss, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt» (Röm 7,18). Vor diesem Hintergrund bekommt Kolosser 3,20 ein grosses Gewicht. Dieser Vers spricht nicht nur Kinder, sondern auch Eltern an, die Kinder zu erziehen haben (siehe auch Eph 6,1-4; Spr 22,6; Heb 12,7). Eltern, die ihre Kinder nicht zum Gehorsam erziehen, erweisen ihnen einen schlechten Dienst.
Es bleibt noch zu erwähnen, dass die Eltern nicht fehlerfrei sind. Man kann in der Erziehung zu weit gehen oder die Stellung der Autorität missbrauchen. Es ist eine grosse Herausforderung, Autorität Gott gemäss anzuwenden. Man kann sie hartherzig oder gütig ausüben. Elterliche Autorität soll mit Liebe verknüpft sein. Dann kann in der Familie eine gute Atmosphäre entstehen, was ein grosser Segen für alle ist. Wenn die Eltern nicht nur Gehorsam von ihren Kindern fordern, sondern auch selbst Gott und seinem Wort gehorchen, sind sie glaubwürdig und erleichtern den Kindern den Gehorsam. Wir sehen hier nochmals: Gehorsam ist überaus segensreich!
