In diesem Abschnitt fallen zwei Tatsachen auf, von denen ich die praktischen Folgen aufzeigen möchte:
- Christus ist gekommen, um die Verheissungen zu erfüllen. Wie wertvoll sind die Zusagen Gottes als Hilfe auf dem Weg und wie herrlich ist das Ergebnis davon! Was uns aber in diesen Versen vorgestellt wird, sind nicht mehr Verheissungen, sondern ihre Erfüllung. Das ist nun etwas Neues: Ich kann mit Gott in der vollen Gewissheit seiner Liebe sein, wie sie in Christus offenbart worden ist. Ich stütze mich nicht nur auf Verheissungen, sondern auf diese vollkommene Offenbarung.
- Christus ist gekommen, und dadurch ist die Macht des Herrn selbst da. Er macht sie geltend und übt sie zu unseren Gunsten aus. Alles, was sich seiner Kraft entgegenstellt, ist absolut machtlos. Deshalb heisst unser Hilfsmittel: «Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht» (2. Kor 12,9).
Christus erfüllt die Verheissungen
Abraham bekam Verheissungen und sah sie von fern. Er besass das, was Gott ihm versprochen hatte, noch nicht, «da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat» (Heb 11,39.40). Der Herr Jesus konnte seinen Jüngern sagen: «Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr anschaut, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört» (Mt 13,17). Wir wollen auch nicht vergessen, was Er erklärte: «Glückselig sind, die nicht gesehen und doch geglaubt haben!» (Joh 20,29). In diesem letzten Trostwort haben wir vollkommenen Frieden. Das Kommen des Herrn Jesus hat alles verändert.
«Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt» (Lk 4,20.21). Damit sagte Er eigentlich: Das ist das Wort, und hier bin Ich! Abraham frohlockte, als er daran dachte, dass der Herr kommen würde (Joh 8,56). Jetzt war Er da! Die Wirklichkeit ist besser als die Hoffnung. Aus dem Gefängnis herauszukommen ist viel mehr als zu hoffen, dass man bald freigelassen wird. Die Ankündigung in den Schriften über das Kommen des Herrn Jesus war jetzt erfüllt.
Als Folge davon besitzt der Gläubige den Herrn Jesus. Er sagt nicht mehr: Christus wird kommen, wie es alle Treuen seit Adam sagen mussten. Nein, Simeon erklärte: «Nun, Herr, entlässt du deinen Knecht, nach deinem Wort, in Frieden; denn meine Augen haben dein Heil gesehen» (Lk 2,29.30). Wir haben jetzt den Herrn. Wir besitzen Ihn sogar noch besser als zur Zeit seines Lebens auf der Erde, denn Er sagte: «Es ist euch nützlich, dass ich weggehe» (Joh 16,7).
Wenn ich mit einem Gläubigen spreche, kann ich ihm sagen: Der verheissene Christus ist gekommen und hat den Platz in unserer Mitte eingenommen. In dieser einfachen Tatsache ist alles enthalten: Der Heiland selbst ist da! Er hat die Erlösung vollbracht und alles ausgeführt, was nötig war, damit wir vollständig gereinigt werden konnten. Das ist nicht eine Verheissung, sondern eine Tatsache. Es gibt keinen Grund, darauf zurückzukommen. Jesus Christus kann nicht noch einmal sterben. Es ist keine Rede mehr von Verheissung oder Prophezeiung auf den Erlöser. Im Blick auf mein Herz darf ich die volle Gewissheit haben: «Dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben» (1. Joh 5,11.12).
Es gibt keinen anderen Inhalt für den Glauben. Etwas anderes zu glauben, wäre nicht glauben. Es wäre eine Verleugnung des Erlösers, wenn wir sein Kommen und sein Werk am Kreuz nicht als Realität betrachten würden. Ich besitze Ihn, darum habe ich ewiges Leben. Es ist das Leben, das beim Vater war und offenbart worden ist (1. Joh 1,1.2). Welch eine Ruhe, welch ein Friede, welch eine Gewissheit für das Herz! Jesus Christus, der die Vergebung, das ewige Leben und die Erlösung ist, ist da. Ich besitze Ihn und finde in Ihm mehr als das, was offenbart wurde, als Er in der Synagoge von Nazareth aus der Schrift vorlas.
Die praktische Konsequenz daraus ist von grosser Tragweite. Anstatt zu sagen: «Ich hoffe», sage ich: «Ich weiss, dass Gott mich liebt.» Ich habe mit Gott eine Gemeinschaft, die darauf beruht, dass Er mich liebt. Ich kann vor Ihm bestehen, weil Christus mich gereinigt hat. Gott liebt mich, denn Er hat seinen Sohn gegeben. Das ist meine tägliche Beziehung zu Dem, der mich gerettet hat. Ich habe Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Sein Geist lässt mich die Gunst Gottes geniessen. Ich kann Ihn loben und preisen. Meine Seele wird von Mark und Fett gesättigt, weil zwischen mir und Gott nur Christus steht. Er ist der ewige Beweis, dass Gott mich mit grenzenloser Liebe geliebt hat. Wie sollte da das Herz nicht Ruhe finden?
Gott hat mir keine Botschaft geschickt. Er ist selbst in der Person seines Sohnes gekommen. Ich habe es mit Ihm selbst zu tun. Ich weiss nicht nur, dass ich gerettet bin, sondern Er selbst ist gekommen, um mir zu sagen: Ich liebe dich! Ich antworte: Das glaube ich! Seine Liebe ist die Kraft meines Herzens. Es ist, als ob sie zwischen mir und Gott reden würde. Ich kann mit Gott nicht anders leben als in einem grenzenlosen Vertrauen auf seine Liebe. Ich bin schwach, aber bei Ihm gibt es keinen Mangel. Meine Gemeinschaft besteht mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.
Das ist unser Verhältnis zu Gott. Der Gläubige kann keine andere Beziehung kennen als die, die sich auf die vollkommene Liebe gründet, die in der Hingabe des Herrn Jesus am Kreuz zum Ausdruck gekommen ist. Ich wiederhole: Alles läuft darauf hinaus, dass es zwischen mir und Gott keinen anderen Gedanken gibt als den, dass Er Liebe ist.
Christus ist die Kraft Gottes
Wenn es darum geht, ein konsequentes Glaubensleben zu führen, finden wir im Inneren Schwäche und von aussen Versuchungen. Zweifellos besitzen wir Verheissungen, wie zum Beispiel: «Ich werde dich nicht verlassen.» Aber auch hier gibt es mehr als Zusagen: «Meine Gnade genügt dir, denn meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.» Der Herr ist bei mir, seine Kraft ist da.
Der Teufel kann mich versuchen, aber Gottes Macht ist stärker als der Widersacher. Der Satan ist ein besiegter Feind. «Widersteht aber dem Teufel, und er wird von euch fliehen» (Jak 4,7). Widerstehen! Kann mein böses Herz das? Leider reicht ein guter Wunsch nicht aus. Es erfordert Kraft, und die habe ich nicht. Ich brauche jeden Moment eine andere Art von Macht, die mir zu Hilfe kommt. Jesus Christus ist Derselbe. Er liebt uns. Für uns ist Er am Kreuz dem Feind und dem Gericht Gottes begegnet. Nun haben wir die ganze Macht, die der Herr ausüben kann, bei uns und mit uns.
Lasst uns Gott bitten, dass Er uns in seiner Gnade hilft, beständiger an Ihn zu denken. Er denkt an uns, auch wenn wir Ihn vergessen – wie ein guter Vater seinem gestürzten Kind zu Hilfe eilt und damit nicht wartet, bis es von selbst aufsteht.
Ob es Kämpfe, Versuchungen oder Schwierigkeiten gibt, der Herr Jesus ist immer da, Er ist mit uns. Das zeigen die Zeichen in Lukas 4, die seine Worte bestätigen. Ein Mann ist von einem Dämon besessen. Aber die gegenwärtige Kraft des Sohnes Gottes macht den Satan wirkungslos. Auch hier geht es nicht um eine Verheissung oder um die Hoffnung auf einen Befreier. Er ist da! In Ihm finden wir Befreiung. Wir haben einen Retter, der gekommen ist und eine vollkommene Erlösung vollbracht hat.
Unser Herz ist in den Genuss seiner Macht und seiner Liebe versetzt. Er hat seine Zuneigung in uns hineingelegt, was nur Gnade ist. Diese Gnade wird uns in Naaman, dem Syrer, und in der Witwe von Sarepta gezeigt. Seine Gnade überwindet alle Hindernisse, um überall hinzugehen, wo es eine Not gibt. Durch seine Gnade geniessen wir gegenwärtig die Liebe Gottes, die in unsere Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist (Röm 5,5). Lasst uns wachsam sein! Wir haben geistliche Feinde in den himmlischen Örtern. Aber die Gnade ist da und genügt uns. Die Kraft des Herrn wird in Schwachheit vollbracht.
Das ist die kostbare Wirklichkeit in der Gegenwart. Für die Zukunft bleibt nur eine Hoffnung, nämlich den Herrn zu sehen, wie Er ist. Das wünschen wir uns von Herzen. Das himmlische Jerusalem, die heilige Stadt, wird durch die Herrlichkeit Gottes erleuchtet. Aber Jesus Christus ist die Lampe.
Wir wollen uns nahe beim Herrn aufhalten, damit unser gegenwärtiges Leben im Genuss der göttlichen Liebe verläuft und so ein Leben in Gemeinschaft mit dieser Liebe ist. Lasst uns die volle Genügsamkeit seiner Gnade erkennen, während wir darauf warten, dass Er selbst kommt. Dann sind wir dort, wo der Herr Jesus ist, um ewig bei Ihm zu sein!
