Bin ich nützlich?
«Alles ist erlaubt, aber nicht alles ist nützlich» (V. 23a).
Schon in 1. Korinther 6,12 heisst es: «Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von keinem beherrschen lassen.» In beiden Stellen wird das Essen erwähnt. Wenn wir diesen Zusammenhang beachten, verstehen wir auch, was mit «alles» gemeint ist. Es steht in einem gewissen Rahmen und hat nicht eine absolute Bedeutung. Sonst würde «alles» auch den giftigen Fliegenpilz einschliessen. Dies wäre nicht nützlich, ratsam oder zweckmässig.
Als Christen dürfen wir alles essen ausser Blut und Ersticktes (Apg 15,20). Mit Ersticktem ist Fleisch von Tieren gemeint, deren Blut nach dem Töten nicht aus dem Körper abgelassen wurde. Doch im Gebrauch der christlichen Freiheit sollen wir immer wieder überlegen, was für uns und andere nützlich ist.
Die Bibel gibt uns Hinweise zu weiteren Punkten, die nützlich sind:
- «Damit die, die Gott geglaubt haben, Sorge tragen, gute Werke zu betreiben. Dies ist gut und nützlich für die Menschen» (Tit 3,8).
- «Nimm Markus und bring ihn mit dir, denn er ist mir nützlich zum Dienst» (2. Tim 4,11).
- «Wie ich (Paulus) nichts zurückgehalten habe von dem, was nützlich ist, dass ich es euch nicht verkündigt und euch gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern» (Apg 20,20).
Bin ich nützlich für meine Umgebung und für das Werk des Herrn?
Dient es der Erbauung?
«Alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut» (V. 23b).
Obwohl wir alles essen dürfen, sollen wir uns von nichts beherrschen lassen (1. Kor 6,12). Es gibt nämlich zwei Extreme:
- Man stellt beim Essen Verbote auf: Sie «gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, die glauben und die Wahrheit erkennen» (1. Tim 4,3). Diese Gedanken der Gnostiker in der Anfangszeit des Christentums fanden ihre Fortsetzung im Mönchstum. Man verzichtete auf Speisen, weil man damit eine geistlich höhere Stufe zu erreichen glaubte.
- Man lebt ausschweifend und ungezügelt. So taten es einige vor ihrer Bekehrung: «Ihr wandeltet in Ausschweifungen, Begierden, Trunkenheit, Schwelgereien, Trinkgelagen» (1. Pet 4,3).
Als Christen brauchen wir die richtige Balance, ein gesundes Mass und gewisse Grenzen, damit wir zur Ehre Gottes leben. Darum fragen wir uns im Gebrauch der christlichen Freiheit: Ist es zur Erbauung?
Was suchen wir?
«Niemand suche das Seine, sondern das des anderen» (V. 24).
Wir sollen das Wohl des anderen suchen und dem nachstreben, was unseren Mitmenschen nützt. Eine Eigenschaft der Liebe ist: «Sie sucht nicht das Ihre» (1. Kor 13,5). Das steht im Gegensatz zu dem, was bei uns Menschen leider oft anzutreffen ist: Man lebt auf sich selbst ausgerichtet und sucht, seine eigenen Wünsche zu erfüllen.
Timotheus war anders eingestellt. Von ihm sagt der Apostel Paulus: «Ich habe keinen Gleichgesinnten, der von Herzen für das Eure besorgt sein wird; denn alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist» (Phil 2,20.21). Unter den Gläubigen gab es schon damals nur wenige selbstlose Menschen, die das Wohl der anderen über ihre eigenen Wünsche stellten.
Wofür lebe ich? Was sind meine Ziele? Sind es die Interessen des Herrn? Geht es mir um das Wohl und den Nutzen der Mitmenschen? Möchte ich ein Zeugnis für meinen Herrn sein?
Der Herr Jesus ist darin unser grosses Vorbild:
- Als Ihn seine Brüder aufforderten, sich am Fest öffentlich zu zeigen, lehnte Er es ab. Er suchte nicht das eigene Ansehen. «Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da» (Joh 7,6).
- Der Herr begründete seine Entscheidung: «Wer von sich selbst aus redet, sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, dieser ist wahrhaftig, und Ungerechtigkeit ist nicht in ihm» (Joh 7,18).
- Auf den schlimmen Vorwurf der Juden, Er habe einen Dämon, antwortete der Herr Jesus: «Ich habe keinen Dämon, sondern ich ehre meinen Vater, und ihr verunehrt mich. Ich aber suche nicht meine Ehre» (Joh 8,48-50).
Warum ist hier das Essen von Götzenopferfleisch keine Gewissensfrage?
«Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, esst, ohne zu untersuchen um des Gewissens willen» (V. 25).
Paulus beschreibt zuerst folgende Situation: Wer in Korinth Fleisch für den privaten Verzehr kaufte, konnte damit rechnen, dass es zuvor für kultische Zwecke verwendet worden war. Eine ähnliche Verbindung zwischen Opferdienst und Essen von Fleisch finden wir zur Zeit des Alten Testaments: Die Israeliten assen Fleisch vom geschlachteten Rind, dessen Fett und Blut dem HERRN geopfert wurde (3. Mo 17,3-6).
Die Korinther brauchten auf dem Fleischmarkt wegen des Gewissens nichts zu untersuchen. Sie konnten das Fleisch einfach kaufen, ohne daraus eine Gewissensfrage zu machen.
«Denn ‹die Erde ist des Herrn und ihre Fülle›» (V. 26).
Dieses Zitat aus Psalm 24,1 liefert die Begründung, warum Fleisch, auch wenn es den Götzen geopfert worden war, gekauft und gegessen werden durfte. Gott hat uns alles gegeben, was uns wohltut. Ein Rind ist kein Geschöpf eines Dämons, sondern des Herrn. Fett bleibt Fett, Eiweiss bleibt Eiweiss, auch wenn ein Teil des Fleisches Götzen geopfert worden ist. Das ist der eine Gesichtspunkt dieser Sache. Den anderen werden wir in den nächsten Versen sehen.
Warum ist jetzt das Essen von Götzenopferfleisch eine Gewissensfrage?
«Wenn jemand von den Ungläubigen euch einlädt und ihr wollt hingehen, so esst alles, was euch vorgesetzt wird, ohne zu untersuchen um des Gewissens willen» (V. 27).
Hier haben wir die zweite Situation: Ein Ungläubiger lädt zum Essen ein. Die Formulierung «ihr wollt hingehen» bringt zum Ausdruck, dass keine Verpflichtung dazu besteht, wie zum Beispiel bei einem Firmenessen. Warum gehen wir trotzdem hin? Besuchen wir einen Ungläubigen aus Neugierde, um einmal etwas zu erleben? Oder gehen wir hin, um uns zu amüsieren? Es kann auch sein, dass wir einen Auftrag des Herrn erkennen, dort ein Zeugnis für Ihn abzulegen. Wenn wir also hingehen wollen, haben wir dann auch die Kraft, vom Herrn zu zeugen?
«Wenn aber jemand zu euch sagt: Dies ist als Opfer dargebracht worden, so esst nicht, um dessentwillen, der es anzeigt, und um des Gewissens willen, des Gewissens aber, sage ich, nicht deines eigenen, sondern desjenigen des anderen; denn warum wird meine Freiheit von einem anderen Gewissen beurteilt?» (V. 28.29).
Damit kommen wir zum anderen Gesichtspunkt: Das Essen von Fleisch konnte zu einer Gewissensfrage des anderen werden. Die Person, die anzeigte (der Gastgeber oder ein Gast), dass das Fleisch zur Ehre eines Götzen geopfert worden war, mass dem Fleisch eine andere Bedeutung bei. In diesem Fall sollten die Korinther gleich reagieren und nicht weiteressen. Wenn sie es trotzdem taten, würde der andere zur Ansicht gelangen, man könne als Christ alles tun, sogar den Götzen opfern. Damit brachte der Gläubige seine Handlung (nämlich das Essen von Fleisch) für den anderen in Verbindung mit einer bösen Sache und irritierte dessen Gewissen.
«Wenn ich mit Danksagung teilhabe, warum werde ich gelästert für das, wofür ich danksage?» (V. 30).
Christen sind sich gewohnt, vor dem Essen Gott dafür zu danken, auch wenn sie die Einladung eines Ungläubigen annehmen. Der Gläubige nahm die Speise als eine gute Gabe des Schöpfers dankbar zu sich. Dann erfuhr er, dass das Fleisch den Dämonen geopfert worden war. Wenn er nun trotzdem weiterass, dachte der Ungläubige: Das Gewissen der Christen ist biegsam. Als Folge davon begann er, über sie zu lästern. So konnten Gläubige einen Anlass geben, dass schlecht über den Herrn Jesus und den christlichen Glauben gesprochen wurde.
Wir werden heute in unseren Ländern kaum mit der Problematik von Götzenopferfleisch konfrontiert. Aber wir wollen die Grundsätze erkennen, die durch die Ausführungen des Apostels zum Ausdruck kommen, und sie in unsere heutigen Situationen übertragen.
Das wahre christliche Leben
«Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut, tut alles zur Ehre Gottes» (V. 31).
Wir kommen nun zur Kernaussage des Themas, die uns zum richtigen Verhalten motiviert. Einen ähnlichen Gedanken finden wir in Kolosser 3,17: «Alles, was immer ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, danksagend Gott, dem Vater, durch ihn.»
Hier haben wir den wahren christlichen Lebensstil: Wir haben den Wunsch, alles zur Ehre Gottes zu tun. Wenn man jedoch als Christ fragt: «Ist das gut oder böse? Ist das erlaubt oder verboten?», stellt man nicht die richtigen Fragen und hat eine falsche Haltung. Der Christ vermeidet nicht nur das, was Gottes Wort eindeutig untersagt. Er bleibt auch nicht bei dem stehen, was die Bibel erlaubt. Die richtige Frage lautet: «Was ist zur Ehre Gottes?» Das geht weiter als die Beachtung von Geboten und Verboten, die klar in der Bibel stehen. Es geht dem Gläubigen darum, das zu erwägen und zu tun, was vorzüglicher ist und dem Herrn gefällt (Phil 1,10; Eph 5,10).
Wer sagt: «Ich tue das nur, wenn du es mir aus der Bibel beweisen kannst!», der offenbart eine Art Gesetzlichkeit. Die christliche Freiheit hingegen zeigt sich darin, dass ich die eigenen Wünsche zurückstelle und Gottes Ehre suche.
Keinen Anstoss geben
«Seid ohne Anstoss, sowohl Juden als Griechen als auch der Versammlung Gottes» (V. 32).
Kann man diese Anordnung allen drei Personengruppen gegenüber verwirklichen? Führt das nicht zu einem ängstlichen Leben? Nun, wenn wir uns nahe beim Herrn Jesus aufhalten, mit Ihm leben und uns von Gottes Wort ernähren, bekommen wir ein Feingefühl dafür, wie wir uns verhalten sollen.
Eine Begebenheit kann uns zeigen, was gemeint ist: Eine junge muslimische Frau bekehrte sich zum Herrn Jesus und wurde Christin. Ihr Vater lief Sturm dagegen, aber nicht wegen der biblischen Botschaft, die sie nun glaubte. Er störte sich vielmehr am Verhalten der «Christen» – wie freizügig sich die Frauen kleiden oder wie respektlos viele Christen die Bibel behandeln. Dieser muslimische Mann hatte ein gewisses Empfinden dafür, was sich geziemt. Haben wir als gläubige Christen auch ein Gespür für das, was angemessen ist, damit wir unseren Mitmenschen keinen Anstoss geben?
Den Vorteil der anderen suchen
«Wie auch ich mich in allen Dingen allen gefällig mache, indem ich nicht meinen Vorteil suche, sondern den der Vielen, damit sie errettet werden» (V. 33).
Innerhalb eines gewissen Spielraums können und sollen wir uns den Menschen nähern, ohne dass wir uns in allem anpassen. Die Grenzen finden wir da, wo wir Gottes Willen übertreten müssten oder nicht mehr seiner Heiligkeit entsprechen könnten. Paulus suchte nie seinen Vorteil, sondern den Nutzen der Vielen, damit sie gerettet würden. Von diesem Gedanken liess er sich leiten, wenn er sagte: «Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Errettung erlangen, die in Christus Jesus ist» (2. Tim 2,10). Und: «Ich bin den Juden geworden wie ein Jude, damit ich die Juden gewinne» (1. Kor 9,20).
Welch eine Gegenüberstellung: Einer verzichtet auf einen persönlichen, zeitlich begrenzten Vorteil, damit die Vielen ewig gerettet werden!
Christus, unser Vorbild
«Seid meine Nachahmer, wie auch ich Christi» (1. Kor 11,1).
Der Herr Jesus lebte uns den Verzicht vor. Er besass auf alles Anspruch, aber Er verzichtete auf das Königtum im Volk Israel, damit bis heute «die Vielen» gerettet werden.
Christus betete im Hinblick auf seine schwierigste Situation, nämlich als die Stunde seines Sterbens vor Ihm stand: «Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht … Vater, verherrliche deinen Namen!» (Joh 12,24.28). Er dachte nicht an sich, sondern an die Gläubigen als Frucht seines Todes und an die Ehre seines Vaters.
Wir sind in einer viel leichteren Situation, um Frucht für unseren Gott zu bringen. Stehen wir uns selbst nicht im Weg! Wenn wir uns selbst verleugnen und das Wohl der anderen im Auge haben, kann unser Leben zur Freude Gottes sein.
