Am Tisch des Königs

2. Samuel 9

Als König wollte David den Nachkommen Sauls Güte erweisen, weil Jonathan sein Freund gewesen war. Da hörte er von Mephiboseth, einem Sohn Jonathans, und liess ihn zu sich holen. Er gab ihm die Felder seines Grossvaters Saul zurück und lud ihn ein, beständig am Tisch des Königs zu essen.

Diese Geschichte zeigt in der Prophetie, wie sich der Herr Jesus in der Zukunft mit dem gläubigen Überrest aus Israel verbinden und ihn in den Segen des Tausendjährigen Reichs einführen wird. In der Anwendung auf unsere Zeit sehen wir in David, wie der Heiland durch das Evangelium den Menschen in Gnade begegnet, um sie zu erretten und zu segnen. Mephiboseth stellt einen Menschen dar, der sich im Glauben an den Erlöser wendet und in eine glückliche Beziehung zu Ihm kommt.

Die Errettung bei der Bekehrung eines Menschen hat zwei Seiten, die in dieser Geschichte aufgezeigt werden:

  • König David liess Mephiboseth aus Lodebar holen und sagte zu ihm: «Ich will Güte an dir erweisen … und will dir alle Felder deines Vaters Saul zurückgeben; du aber sollst beständig an meinem Tisch essen» (V. 7). Das ist die Seite Gottes. Der Herr Jesus geht den verlorenen Menschen nach und will sie in eine geordnete Beziehung zu Gott bringen. Er hat am Kreuz alles für sie getan, damit sie durch den Glauben an Ihn errettet und gesegnet werden.
  • Mephiboseth kam zu David, beugte sich vor ihm nieder und bekannte: «Was ist dein Knecht, dass du dich zu einem toten Hund gewandt hast, wie ich einer bin?» (V. 8). Das ist die Seite des Menschen. Wenn er das Urteil Gottes über sich als verlorener Sünder anerkennt und im persönlichen Glauben zum Heiland kommt, wird er in Gnade angenommen. Er hat nun eine persönliche Beziehung zum Herrn Jesus, die sein Leben reich und glücklich macht.

Für Mephiboseth war es eine besondere Freude, jeden Tag am Tisch des Königs zu essen. Was das in der geistlichen Übertragung für uns bedeutet, wollen wir anhand von vier Punkten anschauen.

1) Gunst

David erklärte: «Mephiboseth wird an meinem Tisch essen, wie einer von den Königssöhnen» (V. 11). Er gewährte Mephiboseth eine besondere Gunst: Er behandelte ihn wie einen Königssohn und wies ihm einen Platz an seinem Tisch zu.

Genauso handelt der Herr Jesus mit uns, die wir an Ihn glauben. Er schämt sich nicht, uns seine Brüder zu nennen (Joh 20,17; Heb 2,11). Als der Erstgeborene vieler Brüder hat Er uns in die Familie Gottes eingeführt. Das ist eine besondere Gunst, die Er uns gläubigen Christen in der Gnadenzeit erweist. Diese Gnade lässt uns klein werden. Zugleich stärkt sie unser Vertrauen in die Liebe unseres Herrn.

2) Nahrung

Zu damaliger Zeit wurde am Königstisch das feinste Essen serviert (1. Kön 5,1-7; Dan 1,5). So genoss Mephiboseth täglich die köstlichen Speisen, die für den König und seine Gäste zubereitet wurden.

Der Herr Jesus reicht uns immer wieder geistliche Nahrung aus dem Wort Gottes. Er gibt uns das Beste im Überfluss. Wenn wir mit geistlichem Appetit die Bibel lesen oder der Verkündigung zuhören, werden wir «mit dem Guten deines Hauses» gesättigt (Ps 65,5). Wir machen die gleiche Erfahrung wie Jeremia: «Deine Worte waren vorhanden, und ich habe sie gegessen, und deine Worte waren mir zur Wonne und zur Freude meines Herzens» (Jer 15,16).

3) Herrlichkeit

Mephiboseth sah David täglich am Tisch des Königs. Aus unmittelbarer Nähe konnte er seine Herrlichkeit betrachten und bewundern. Es erging ihm wie dem gläubigen Überrest aus Israel, der in der Zukunft auf Christus blicken wird: «Deine Augen werden den König schauen in seiner Schönheit» (Jes 33,17).

Jesus Christus stellt sich auch uns immer wieder in seiner Herrlichkeit vor. Wir bewundern seine persönliche Würde als ewiger Sohn Gottes und als sündloser Mensch. Wir betrachten seine moralische Schönheit, wie Er von Herzen demütig und bis in den Tod gehorsam war. Wir schauen im Glauben nach oben, um seine himmlische Herrlichkeit zu bewundern. Die tiefen Eindrücke seiner wunderbaren Person geben uns eine grosse Freude ins Herz (1. Pet 1,8).

4) Gemeinschaft

Beim gemeinsamen Essen am Königstisch konnte sich Mephiboseth mit David unterhalten. Er hörte, was der König erzählte. Dabei lernte er die Gedanken und Wertvorstellungen Davids immer besser kennen. Vielleicht durfte Mephiboseth dem König auch mitteilen, was ihn beschäftigte. Jedenfalls genoss er am Tisch die Gemeinschaft mit David.

Als Gläubige sind wir in die Gemeinschaft des Herrn Jesus gebracht worden (1. Kor 1,9). Wir geniessen sie, wenn wir Ihm unser Herz öffnen und Ihn durch das Wort Gottes zu uns reden lassen. Dann teilt Er uns seine Gedanken mit. Wir erfahren, was unserem Herrn wichtig ist. Ausserdem können wir zu Ihm beten und Ihm unser Herz ausschütten. Er interessiert sich für uns und nimmt regen Anteil an dem, was uns beschäftigt. Was für ein hohes Glück, mit dem Herrn Jesus Gemeinschaft zu pflegen!

Im übertragenen Sinn dürfen wir täglich am Tisch des Königs sitzen und all das geniessen, was uns dort geschenkt wird. Lassen wir in unserem Leben nichts zu, das uns diesen Segen wegnimmt!