Drei Arten des Priestertums

Mancherorts bestehen Unklarheiten bezüglich der Arten des Priestertums, die in der Heiligen Schrift beschrieben sind und mit verschiedenen Zeitaltern oder Haushaltungen im Zusammenhang stehen. Es mag daher von Nutzen sein, hier in knapper Weise einige ihrer Unterschiede aufzuzeigen.

1. Das Priestertum im alten Bund

Dieses Priestertum war für die Kinder Israel bestimmt, das irdische Volk Gottes, (ausnahmsweise auch für die Fremden aus den Nationen, die unter ihnen weilten, z.B. 3. Mose 19,33.34; 17,8.9; 22,17 ff. etc.).

Gott hatte es dem Volk gegeben, weil dieses in sich selbst fern von Gott war und jemand nötig hatte, der seinetwegen beständig in der Gegenwart Gottes erschien, um es in seine Nähe zu bringen.

Dieses Priestertum stand in Verbindung mit dem Gesetz, mit «einem fleischlichen Gebot» (Heb 7,16).

Es hat irdischen Charakter.

Die Söhne Levis hatten dieses Priestertum empfangen (Heb 7,5). Aaron und seine Söhne übten es zuerst aus. Es war übertragbar, und es sind mehrere Priester geworden, weil sie durch den Tod verhindert waren zu bleiben (Heb 7,23).

Der Hohepriester sollte «in den Sachen mit Gott» sowohl Gaben als Schlachtopfer für Sünden darbringen (Heb 5,1). Aber das Blut von Böcken und Stieren konnte unmöglich Sünden wegnehmen (Heb 10,4.11). Die Schlachtopfer, die an jedem grossen Versöhnungstag dargebracht, also wiederholt werden mussten, waren ein Erinnern an die Sünden und konnten die Hinzunahenden nicht vollkommen machen (3. Mo 16; Heb 10,1-3). Sie waren für Gott ein Hinweis auf das Ihm wohlgefällige, kommende Opfer des Leibes Jesu Christi, das ein für alle Mal geschehen würde.

Das aaronitische Priestertum hatte es also immer wieder mit der Sünde zu tun.

Jeder aus Menschen genommene Hohepriester war von Schwachheit umgeben und sündigte oft. Wie für das Volk, so musste er auch für sich selbst für die Sünden opfern (Heb 5,1-3; vgl. 3. Mo 16; 3. Mo 4,1-12). Er vermochte daher Nachsicht zu haben mit den Unwissenden und Irrenden.

Die prächtigen Kleider des aaronitischen Hohenpriesters sind Bilder von den Herrlichkeiten und der Wirksamkeit des himmlischen Hohenpriesters (2. Mo 28).

Die Stiftshütte oder das Zelt der Zusammenkunft in der Wüste stellte die Wohnung Gottes unter seinem irdischen Volk dar. (Im Hebräerbrief wird absichtlich nicht auf den Tempel, der vom Reich Christi spricht, Bezug genommen). Dieses Zelt und seine Geräte waren Abbilder der Dinge in den Himmeln (Heb 8,5 und 9,23). Aller Dienst der Priester aus der Familie Aarons stand in der Wüste in Verbindung mit der Stiftshütte und wickelte sich vor allem im Vorhof und im Heiligen ab.

Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester ins Allerheiligste eintreten, um am grossen Versöhnungstag das Blut der vorgeschriebenen Opfer vor den Sühndeckel und auf den Deckel zu sprengen (3. Mo 16,14.15). Sonst blieb der Vorhang zum Allerheiligsten für ihn und die Priester und selbstverständlich für jeden andern aus dem Volk geschlossen.

Weder die Opfer noch das Priestertum nach dem Gesetz konnten den Eintritt in das himmlische Heiligtum öffnen und die Vollkommenheit bringen. Deshalb war das Bedürfnis nach einem anderen Priester vorhanden (Heb 7,11).

Verschiedene Funktionen des levitischen Priestertums sind Vorbilder der jetzigen Tätigkeit Christi als Sachwalter, wovon wir hier nicht reden (z.B. seine Bemühungen um den Israeliten, der vom Aussatz befallen wurde – 3. Mose 13 und 14).

2. Das Priestertum Christi im Himmel

Zu diesem reichhaltigen Gegenstand seien hier nur wenige Punkte erwähnt, die den Unterschied ausmachen zwischen diesem Dienst Christi einerseits und dem Priestertum Aarons, wie auch dem Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks anderseits.

Bevor Christus seinen Priesterdienst droben angetreten hat, ist Er in der Vollendung der Zeitalter hier auf der Erde einmal offenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer, das nicht wiederholt werden muss (Heb 9,26). Als Priester hat Er es nicht mehr mit der Sünde zu tun, nur als unser Sachwalter. Statt mit fremdem Blut in das Heiligtum der Stiftshütte zu treten, ist Er vor Beginn seines hohenpriesterlichen Dienstes im Himmel mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das wahrhaftige Heiligtum im Himmel eingegangen, als Er eine ewige Erlösung erfunden hatte (Heb 9,12).

Nach dem Willen Gottes sind die an Christus Glaubenden durch sein Opfer geheiligt und auf immerdar vollkommen gemacht (Heb 10,10 und 14). Wir alle haben nun Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum im Himmel «durch das Blut Jesu, auf dem neuen und lebendigen Weg, den er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch» (Heb 10,19.20).

Die Beziehungen Christi zu Israel als Volk sind bis zu dessen Wiederherstellung abgebrochen. In seiner Mitte ist kein Priesterdienst mehr möglich (Hosea 4,6) und Christus ist noch nicht sein Hoherpriester. Wer seit der Vollendung seines Erlösungswerkes an Ihn glaubt, sei es ein Mensch aus den Juden oder aus den Nationen, wird der Versammlung Gottes hinzugefügt. Sein jetziges, himmlisches Priestertum übt Christus für seine Versammlung aus. Er ist der Apostel und Hohepriester unseres (christlichen) Bekenntnisses (Heb 3,1), also von denen, die eine himmlische Berufung haben und mit Ihm in der Herrlichkeit vereinigt sein werden.

Nachdem unser Herr Jesus das Sühnungswerk vollbracht hatte, hat Er sich zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln gesetzt (Heb 8,1), oder, wie wir in Offenbarung 3,21 lesen: «mit meinem Vater auf seinen Thron». Da wartet Christus «bis seine Feinde hingelegt sind als Schemel seiner Füsse». Satan ist noch nicht gebunden (Heb 10,13; Off 20,1-3).

Die erste Aufgabe der levitischen Priester war, dem Volk auf der Reise ins verheissene Land beizustehen und zu dienen. So hat es sich auch Christus im Himmel zum Ziel gesetzt, die Seinen durch die Wüste zu begleiten. Und weil Er ein unveränderliches Priestertum hat und allezeit lebt, um sich für sie zu verwenden, kann Er sie völlig, d.h. durch alles hindurch erretten, bis sie droben sind (Heb 7,24.25).

Das Priestertum Aarons war also ein schwaches Vorbild des jetzigen, vollkommenen Priestertums Christi. Es hat ähnlichen Charakter und ist für die Zeit des Bedürfnisses. Weil Jesus als Mensch hier auf der Erde in allem versucht worden ist wie wir, ausgenommen die Sünde, vermag Er als der Verherrlichte denen zu helfen, die Ihm jetzt auf den Wegen Gottes, trotz aller Hindernisse in dieser Welt, in Treue nachzufolgen begehren. Er vermag Mitleid zu haben mit unseren Schwachheiten, (nicht mit unseren Sünden). Am Thron der Gnade finden wir daher rechtzeitige Hilfe, dass wir nicht sündigen, sondern Gott verherrlichen können (Heb 2,17.18; 4,15.16).

3. Das Priestertum Christi nach der Ordnung Melchisedeks

Durch das levitische Priestertum, das mit dem Gesetz in Verbindung stand, war nicht die Vollkommenheit gekommen. Daher wurde für Israel das Bedürfnis nach einem anderen Priester offenbar, der es nicht nach der Ordnung Aarons war (Heb 7,11 ff.). Jesus Christus, aus dem Stamm Juda, sollte der von Gott Auserwählte sein. Durch David hat Er von Ihm gesagt: «Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht reuen: ‹Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks›» (Psalm 110,4).

Durch Leiden vollendet und für alle, die Ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden, ist Er aufgefahren und wurde von Gott als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks begrüsst (Heb 5,9.10). Er hat nun diesen Titel, aber wir finden im Hebräerbrief, der im Neuen Testament einzig von diesem Priestertum spricht, keinerlei Andeutung dafür, dass Er den Dienst nach der Ordnung Melchisedeks jetzt schon erfüllt.

In Hebräer 7 wird jedoch die Herrlichkeit der Person dieses Hohenpriesters beschrieben, die Er jetzt schon besitzt. Es ist dieselbe unvergleichliche Person, die jetzt noch für uns den Priesterdienst nach der Weise Aarons tut:

Er ist der Sohn Gottes, vollendet in Ewigkeit (V. 28). Er wird sich in seinem Reich als König der Gerechtigkeit und als König des Friedens offenbaren. Er hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens (V. 2,3). Im Bild der Begegnung Abrahams mit Melchisedek wird dargestellt, dass dieser Hohepriester grösser und besser ist als die levitischen Priester (V. 4-10). Jene haben nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebots dieses Amt empfangen, Er aber nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens (V. 16). Der Herr Jesus ist für Israel Bürge eines besseren Bundes geworden (V. 22).

Wann wird Christus den Dienst des Hohenpriesters nach der Ordnung Melchisedeks ausüben? Zunächst hat Ihn der Himmel aufgenommen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge (Apg 3,21), die wie folgt zusammengefasst werden können:

Er wird seine Versammlung zu sich ins Vaterhaus entrücken. Sein himmlisches Priestertum für die Zeiten der Versuchung und der Bedürfnisse ist dann zu Ende.

In der darauffolgenden Zeit der Drangsal bildet sich ein gläubiger Überrest aus den Juden, zu dem später noch die Gläubigen aus den zerstreuten 10 Stämmen hinzukommen. Nachdem alle Feinde des Christus zu seinen Füssen gelegt, also durch die furchtbaren Gerichte der kommenden Drangsal vernichtet sind und Satan gebunden ist, wird Er, der Sohn des Menschen, auf seinem (eigenen) Thron der Herrlichkeit sitzen (Mt 19,28). Dann wird Er als König der Gerechtigkeit und des Friedens herrschen und für Israel gleichzeitig der herrliche Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks sein.

Versuchung und Kampf, Not und Trübsal haben aufgehört. Keine Feinde sind mehr da. Dieses dritte Priestertum ist für die dann auf der Erde Wohnenden ein Priestertum unendlichen Segens.