Ermunterungen bis zum Kommen des Herrn

Matthäus 28,18-20; Markus 16,19-20; Lukas 24,50-53; Johannes 21,24-25

Vor seiner Rückkehr zum Vater hat der Herr Jesus versprochen, wiederzukommen und uns für immer zu sich zu nehmen, «damit, wo ich bin, auch ihr seiet» (Joh 14,3). Obwohl Er am Ende der Bibel mehrmals wiederholt: «Ich komme bald», hat Er diese Verheissung bis jetzt noch nicht eingelöst. Noch immer warten wir auf diesen glücklichen Augenblick. Damit in dieser Zeit unser Herz durch lang hingezogenes Harren nicht krank wird (Spr 13,12), hat Er uns in seinem Wort viele Ermunterungen für die Zeit seiner Abwesenheit hinterlassen. Dazu gehören auch die letzten Verse der vier Evangelien, die unseren Herrn Jesus so wunderbar beschreiben.

Matthäus 28,18-20

«Jesus trat herzu und redete zu ihnen und sprach: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.»

Das Matthäus-Evangelium stellt uns den Herrn Jesus als König vor. Als solcher hat Er Autorität. Er kann sagen: «Geht nun hin …» Jeder Untertan seines Reiches ist verpflichtet, dies zu befolgen. Wir, die Gläubigen der Gnadenzeit, gehören auch zum Reich der Himmel. Deshalb gilt diese Aufforderung auch uns. Haben wir sie gehört? Haben wir sie auch befolgt und entsprechend gehandelt?

Glücklicherweise befiehlt der Herr nicht nur. Bevor Er den Auftrag gab, sagte Er: «Mir ist alle Gewalt gegeben.» Wenn wir uns also im Dienst des Herrn auf der Erde irgendwie gebrauchen lassen, z.B. um Traktate zu verteilen, dann lasst uns bedenken: Der Allmächtige, dem alle Gewalt gegeben ist, steht hinter uns. Wie hilft uns dieser Gedanke, die Menschenfurcht zu überwinden!

Am Ende des Auftrags fügt der Herr die tröstlichen Worte hinzu: «Siehe, ich bin bei euch.» Wir sind nie allein, wenn wir «hingehen», um Ihm zu dienen und seiner Aufforderung Folge zu leisten. Er ist immer bei uns. Das Bewusstsein seiner Nähe ist ein wunderbares Heilmittel gegen Mutlosigkeit in seiner Nachfolge und im Dienst für Ihn.

Markus 16,19.20

«Der Herr nun wurde, nachdem er mit ihnen geredet hatte, in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber gingen aus und predigten überall, wobei der Herr mitwirkte und das Wort bestätigte durch die darauf folgenden Zeichen.»

Der Herr Jesus hat seinen Dienst als Knecht und Prophet auf der Erde abgeschlossen. Er ist in den Himmel aufgenommen worden und hat sich zur Rechten Gottes gesetzt. Weil Er alles zur vollkommenen Befriedigung Gottes vollbracht hat, gehört Ihm dieser Platz der Ehre (Heb 1,3; 8,1; 10,12; 12,2).

Seither sind die, die Ihm nachfolgen, in seinen Dienst getreten (vgl. V. 20 mit Kap. 1,14.15). Aber wie können schwache Gefässe, wie es die Jünger waren und wie wir es sind, diese Aufgabe zur Ehre Gottes erfüllen? «Der Herr wirkte mit.» Am Anfang, als das geschriebene Wort noch nicht vollständig war, bestätigte Er das Wort seiner Diener durch Wunder und Zeichen (Heb 2,3.4). Diese Anfangszeit ist längst vorüber, aber der Herr wirkt immer noch durch seinen Heiligen Geist an den Herzen der ungläubigen Menschen. Würde es wohl eine einzige Bekehrung ohne sein Wirken geben? Er wirkt auch in den Seinen (Phil 2,13; Kol 1,28.29), gibt Kraft und Mut zum Dienst. Ermutigt uns diese Tatsache nicht, unsere Aufgabe für den Herrn mit dem Blick auf Ihn und seine Hilfe treu zu tun, bis Er kommt?

Lukas 24,50-53

«Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien und hob seine Hände auf und segnete sie. Und es geschah, während er sie segnete, dass er von ihnen schied und hinaufgetragen wurde in den Himmel. Und sie warfen sich vor ihm nieder und kehrten nach Jerusalem zurück mit grosser Freude; und sie waren allezeit im Tempel und lobten und priesen Gott.»

Die letzten Verse des Lukas-Evangeliums beschreiben die Begleitumstände der Himmelfahrt des Herrn. Wie verliess der Sohn des Menschen die Erde? Indem Er die Seinen, die Er zurückliess, segnete. Was waren das für Hände, die Er segnend über seine Jünger hielt? Es waren seine durchgrabenen Hände, in deren Handflächen wir eingezeichnet sind (Jes 49,16). Für uns - für dich und für mich - ging Er ans Kreuz. Das haben wir Ihn gekostet! Welch ein Preis! Nur die Liebe konnte ihn bezahlen (Gal 2,20b).

Diese durchgrabenen Segenshände hält Er noch heute ausgestreckt. Der Sohn des Menschen ist in den Himmel eingegangen, wo Er jetzt unser Hoherpriester ist, der immer in Liebe und Gnade an uns denkt. Er hat Mitleid mit unseren Schwachheiten und vertritt uns vor Gott. Als verherrlichter Mensch im Himmel versteht Er uns in jeder Lage, weil Er alles selbst erlebt hat, ausgenommen die Sünde. Er kennt unsere Schwachheiten nicht nur vom Hörensagen, sondern aus eigener Erfahrung (Heb 4,15). Weil Er zugleich wahrer Mensch und wahrer Gott ist, will Er nicht nur segnen, sondern kann Er es auch tun. Das ist ein starker Trost und füllt unser Herz mit Zuversicht.

Möge der Gedanke an seine segnenden Hände auch in unseren Herzen Freude, Lob und Dank auslösen - wie damals bei den Jüngern! Haben wir nicht Grund, mit Freuden unseren Weg bis zu seinem baldigen Wiederkommen zu gehen?

Johannes 21,24.25

«Dies ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt und der dieses geschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist. Es sind aber auch viele andere Dinge, die Jesus getan hat, und wenn diese einzeln niedergeschrieben würden, so würde, denke ich, selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen.»

Das Johannes-Evangelium war zu einem ganz besonderen Zweck geschrieben worden. Schon im ersten Jahrhundert gab es Strömungen, die den Herrn Jesus, den Mensch gewordenen Sohn Gottes, in seiner Person angriffen. Dagegen nimmt dieses Evangelium klar Stellung. So lesen wir in Kapitel 20,31, dass von den Zeichen, die der Herr getan hat, einige in diesem Buch aufgeschrieben wurden, «damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr glaubend Leben habt in seinem Namen».

Der zweitletzte Vers des Evangeliums bezeugt noch einmal die Wahrheit von dem, was aufgeschrieben worden ist. Er ist sozusagen die beglaubigte Unterschrift unter dieses wichtige Dokument über die Person des Herrn Jesus. Aber der Apostel möchte nicht, dass der Leser bei ihm, dem Schreiber des Evangeliums, stehen bleibt, sondern bei der wunderbaren, unergründlichen Person des Sohnes Gottes. Darum schreibt er im letzten Vers noch einmal von Ihm. Der Herr Jesus ist so herrlich, dass man mit der Beschreibung seiner Person nie zu Ende kommt. Das ist auch nicht nötig. Ein Bibelausleger hat einmal gesagt: «Wir werden ewig in der Sphäre sein, wo wir das, was wir nicht beschreiben und ergründen können, anschauen, bewundern und anbeten werden.»

Möge diese herrliche Person heute schon - wenn unser Verständnis noch mangelhaft und unser Auffassungsvermögen beschränkt ist - unser Blickfeld ganz ausfüllen. Dann wird unser Auge am Herrn Jesus Christus hängen bleiben und unser Herz nur von Ihm gefesselt sein.