Die wohlriechenden Gewürze des Heiligtums (3)

Ausser den Gewürzen, die wir bisher besprochen haben, finden wir im Wort noch vier andere, die weder im Salböl noch im Räucherwerk Verwendung fanden. Sie zeigen uns wiederum neue Seiten vom Wohlgeruch des Namens Jesu. Sie helfen uns verstehen, was Er für das Herz derer ist, die Ihn lieben, im Gegensatz zu den bis jetzt betrachteten Gewürzen, die mehr auf das hinweisen, was Er für das Herz Gottes ist. Das bekannteste dieser vier ist gewiss:

Die Narde

Das, was sie besonders kennzeichnet, ist ihr hoher Kaufpreis und ihr alles durchdringender Duft. Die Stellen der Heiligen Schrift, in denen dieses Gewürz erwähnt wird, sind von besonderer Schönheit. Denken wir nur an Joh 12,1-3: «Jesus nun kam sechs Tage vor dem Passah nach Bethanien, wo Lazarus, der Gestorbene, war, den Jesus aus den Toten auferweckt hatte. Sie machten ihm nun dort ein Abendessen, und Martha diente; Lazarus aber war einer von denen, die mit ihm zu Tisch lagen. Da nahm Maria ein Pfund Salböl von echter, sehr kostbarer Narde und salbte die Füsse Jesu und trocknete seine Füsse mit ihren Haaren. Das Haus aber wurde von dem Geruch des Salböls erfüllt.» Der Heilige Geist gibt uns hier eine einfache und doch so zu Herzen gehende Beschreibung einer lieblichen Szene in Bethanien. In einer Ihm feindlich gesinnten Welt hatte der verworfene König Herzen gefunden, die Ihn liebten. Das ganze Haus wurde dort vom Duft der Narde erfüllt. Es war wie ein Stück Himmel auf der Erde, in dem sie etwas von der glückseligen Ewigkeit schmecken konnten, zu der alle Erlösten berufen sind. Lazarus war nicht mehr im Grab; der Tod lag nur noch als Erinnerung hinter ihnen. Ein anderer Gegenstand erfüllte jetzt alle Herzen. Die wertvolle Narde war Maria nicht zu kostbar, als es galt, den verworfenen König zu ehren. – Gesegnete Stätte, wo sich die Liebe in einer solchen Fülle entfalten kann!

Safran

Safran finden wir in der Heiligen Schrift nur einmal, und zwar im Hohenlied 4,14, wo es neben andern Gewürzen erwähnt wird. Der König ist hier in seinen verschlossenen Garten gekommen. Er allein kennt die Pflanzen, die darin wachsen und weiss sie nach ihrem wahren Wert zu schätzen.

Wir haben schon einmal festgestellt, dass die Gewürze in diesem Vers paarweise aufgezählt werden, und auch Narde und Safran sind zusammengestellt. Warum wohl? Wir lesen im 1. Kapitel des Hohenliedes: «Während der König an seiner Tafel war, gab meine Narde ihren Duft» (Hld 1,12). Die Narde verherrlicht, wie wir gesehen haben, den von der Welt verworfenen König. Safran ist ein goldgelbes Pulver, das uns an seine goldene Krone denken lässt. Safran ist also das Symbol des demutsvollen, sanftmütigen Königs, der zwar von der Welt verworfen ist, aber von denen verehrt wird, die Ihn lieben und Ihm gehorchen. Narde und Safran sind Gewürze, die Ihn ehren.

Aloe

In Johannes 19,39 wird erwähnt, dass Joseph von Arimathia und Nikodemus ein Gemisch von Myrrhe und Aloe brachten, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leib Jesu, wickelten ihn in Leinentücher mit den Gewürzsalben und brachten ihn in eine neue Gruft, in die noch nie jemand gelegt worden war. Myrrhe und Aloe ergaben zusammen den Duft, der aus dem Grab des Herrn stieg. Es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle der Gottheit gewesen, in diesem Leib zu wohnen, der keine Verwesung sehen sollte und den der Tod nicht zu behalten vermochte. Myrrhe ist – wie wir gesehen haben – der Wohlgeruch, der aus seinen Leiden emporstieg. Aloe aber ist ein Bild von dem Wohlgeruch, der seinem Tod entströmte.

Diese beiden Gewürze, die wir hier beieinander finden, sind auch in Hohelied 4,14 miteinander verbunden.

Nach Psalm 45,9 sind die Kleider des Königs, wenn Er am Tag seines Triumphes in all seiner Herrlichkeit aus dem Palast von Elfenbein hervortreten wird, gewürzt mit Myrrhe, Aloe und Kassia, zum Gedächtnis seiner Leiden und seines Todes.

Auch in 4. Mose 24,6 finden wir Aloebäume erwähnt. Sie sind dort ein Bild vom Ergebnis des Todes Christi. Das Volk Israel, von dem Bileam spricht, wird dort in die gesegneten Resultate dieses Todes eingeführt. Und auch wir besitzen ein Leben, das diesem Tod entspringt. Auch uns sollte der Wohlgeruch seines Todes anhaften.

Zypertraube oder Henna

Die Zypertraube ist eine weissgelbliche Blüte des zierlichen Hennastrauches. Diese Blüte hat die Form einer Traube. Sie verbreitet einen wohlriechenden Duft. Die Ägypterinnen banden diese Blumen zu kleinen Sträusschen und steckten sie in ihre Mieder, um sich zu parfümieren. Zudem diente der orangefarbene Saft dieser Pflanze als Schminkmittel.

«Eine Zypertraube ist mir mein Geliebter, in den Weinbergen von En-Gedi» (Hohelied 1,14). – En-Gedi war eine Stadt auf einem Plateau an der felsigen Westküste des Toten Meeres. Einer Oase gleich gediehen dort inmitten der Steinwüste Weinberge, Palmen und Balsamstauden – ein Geschenk des Herrn. Dieser Fleck Erde lag allen Menschen, die ihn kannten, am Herzen, auch am Herzen der Braut. Sie vergleicht den Bräutigam mit einer wohlriechenden Blume aus En-Gedi, das dem königlichen Stamm Juda als Erbteil zugefallen war. Die Weinberge dieses Ortes sind hier ein Sinnbild der Freude, die der König der Herrlichkeit gebracht hat. Der Geliebte ist da in all seiner Schönheit und Heiligkeit, und der Wohlgeruch seines Namens erfüllt die Herzen all der Seinen.

Die schöne und duftende Zypertraube ist also ein Bild dieses Königs der Herrlichkeit, und der Wohlgeruch dieser Blume spricht zum Herzen der Seinen von der Vortrefflichkeit seiner Person.

Wir haben im Verlauf unserer Betrachtungen festgestellt, dass wir in der Schrift drei Gruppen von Wohlgerüchen finden, jede aus vier Gewürzen zusammengesetzt.

1. Das Öl der heiligen Salbung

Es war aus Myrrhe, Zimt, Würzrohr und Kassia zusammengesetzt. Es wurde über die Stiftshütte und alle ihre Geräte gesprengt. Auch das Haupt Aarons und seiner Söhne wurde mit diesem heiligen Öl gesalbt. Es ist für uns ein Bild vom Wohlgeruch des Namens Jesu, von dem der Heilige Geist im Haus Gottes und in den Seinen Zeugnis gibt.

2. Das Räucherwerk

Es war aus duftenden Substanzen zusammengesetzt: Stakte, Räuchermuschel, Galban und Weihrauch, und durfte nur im Heiligtum verwendet werden. Dieses Räucherwerk ist ein Vorbild von Christus als dem Fürsprecher für die Seinen in der Gegenwart Gottes, und zwar in der ganzen Vortrefflichkeit seiner Person und in der Vollkommenheit seines Werkes.

3. Die Wohlgerüche, die Christus in seinem Garten, das heisst bei den Seinen findet: Narde, Safran, Aloe und Zypertraube

Die Gläubigen dürfen nach ihrem Mass Christus vor dieser Welt offenbar machen. Kinder Gottes hatten je und je das Vorrecht, für Christus zu leiden und sogar aus Liebe zu seinem Namen ihr Leben zu lassen. Sie durften also auch den Duft von Myrrhe und Aloe verbreiten.

Gott möge diesen Aufsatz dazu dienen lassen, dass wir zu einem besseren Verständnis des vortrefflichen Wohlgeruchs des Namens Jesu gelangen. Kein anderer Name kann mit dem seinen verglichen werden. Es sollte uns ein Anliegen sein, seinen Wohlgeruch um uns her zu verbreiten und als wahre Priester im Heiligtum das reine und unvermischte Räucherwerk vor Gott emporsteigen zu lassen, das sein Herz erfreut. Soll dies geschehen, müssen wir uns stets in der gesegneten Atmosphäre des Heiligtums aufhalten, die von dem Duft der besten wohlriechenden Gewürze gesättigt ist. Ausserhalb des Heiligtums konnte der Wohlgeruch dieses Würzwerkes nirgends und bei keinem Menschen eingeatmet werden.