Verheissungen für das Gebet (5)

Jakobus 5,17-18

«Elia war ein Mensch von gleichen Empfindungen wie wir; und er betete ernstlich, dass es nicht regnen möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate. Und wieder betete er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor» (Jak 5,17.18).

Erstens richtet der Heilige Geist hier eine Ermunterung zum Gebet an unsere Herzen, indem Er uns daran erinnert, dass Elia, der so Erstaunliches tat, ein Mensch von gleichen Empfindungen war wie wir. Er sagt gleichsam: «Da ist ein Beispiel für euch; seht, welch ein Weg geöffnet ist für euch!»

Zweitens gibt uns Jakobus durch den Heiligen Geist eine Offenbarung von Tatsachen in Elias Geschichte, die uns sonst unbekannt geblieben wären. Die geschichtlichen Bücher geben uns die äusseren Handlungen Elias; Jakobus enthüllt uns die Voraussetzung, weshalb sie geschehen konnten.

Elia wird in 1. Könige 17 erstmals vorgestellt, wo der Hergang seiner grossen Taten mit der einfachen Mitteilung eröffnet wird, dass er zu Ahab sprach. Seine Worte waren: «So wahr der HERR lebt, der Gott Israels, vor dessen Angesicht ich stehe, wenn es in diesen Jahren Tau und Regen geben wird, es sei denn auf mein Wort!» Das ist die erste Erwähnung Elias. Nichts anderes wird von ihm gesagt als nur, dass er ein Tisbiter von Gilead war. Die Geschichte sagt nicht, wer er war und wie es kam, dass diese Person ohne offizielle Autorität in die Gegenwart des Königs vordrang, um eine solch schreckliche Ankündigung zu machen.

Aber hier tritt ein wichtiger Grundsatz zutage. Wenn die öffentliche Darstellung von Gott falsch ist, erweckt Gottes Geist einen Zeugen, der ausserhalb steht. So ist es immer. «Wenn der Bedränger kommen wird wie ein Strom, so wird der Hauch des HERRN ihn in die Flucht schlagen» (Jes 59,19). Und da ist nichts, worin Gottes Allmacht sich besser kundtun kann, als in den Werkzeugen, die Er sich auswählt. Wenn sich im Volk der Abfall ausbreitet und über achthundert falsche Propheten ihr Handwerk tun, dann wird Er handeln durch wen Er will. Nun enthüllt Jakobus das Geheimnis von Elias überraschendem Handeln. Dieses Geheimnis war Gemeinschaft mit Gott, wie wir es aus den eingangs erwähnten Versen erkennen können.

So gibt uns also das Alte Testament den Bericht über sein grossartiges Handeln; Jakobus aber spricht vom Gebet, auf das es sich gründete. Gott pflegt seine Knechte im Verborgenen zuzubereiten. David erschlägt den Löwen und den Bären, macht Erfahrungen von der Macht Gottes, als kein anderer es sieht und bevor er die Waffen des Glaubens vor dem Heer Israels gebraucht. Mose, ein gelehrter Mann, «mächtig in seinen Worten und Werken», muss vierzig Jahre lang in der Wüste eine Herde hüten, bevor er gebraucht wird, um Pharao zu begegnen und Israel zu befreien. Und Elias Handlungen, die uns vorkommen wie die Taten eines unerschrockenen Helden, werden als die Frucht verborgenen Gebets bezeichnet. Als aber seine Gemeinschaft mit Gott später von ihrer Höhe sank, zeigte er sich als ein Mensch von gleichen Empfindungen wie wir: der Prophet, der der Majestät des Königs kühnen Widerstand leistete, flieht um seines Lebens willen vor den Drohungen der Frau Ahabs. Das zeigt, wie nur dann, wenn wir von Gott unterstützt werden, wir für Ihn handeln können. «Ausser mir könnt ihr nichts tun.»

Drittens. Das Beispiel Elias ist uns als Illustration und als Beweis eines allgemeinen Grundsatzes gegeben, nämlich den: «Das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel» (Jak 5,16).

Die wichtigen Punkte, auf die das Wort hier hinweist, sind

  1. dass der Betende ein Gerechter ist,
  2. dass sein Gebet eindringlich ist, nicht träge oder flau, gleichgültig oder formell, sondern ein dringliches Herzensanliegen, so wie Paulus bei einer Gelegenheit von sich selbst sagt: «Indem wir Nacht und Tag über die Massen flehen» (1. Thes 3,10), oder wie Jakob in Pniel ausspricht: «Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du segnest mich.»

Gebete dieser Art haben in der Tat viel Kraft. Das ist die Belehrung, auf die Jakobus Nachdruck legt.

Viertens: Gebete in Verbindung mit Krankheit. Gestützt auf die Worte des Jakobus in Kapitel 5 hat man ein System der «Glaubens-Heilung» aufgebaut und damit viel Geräusch gemacht. Das grenzt an die Behauptung, Heilungskräfte zu besitzen. Viele Schriften über diesen Gegenstand, die veröffentlicht worden sind, enthalten grobe Irrtümer und falsche Lehre, auf die wir hier nicht eintreten.

Aber ein kurzer Hinweis auf die wirkliche Bedeutung der vorliegenden Schriftstelle mag von Nutzen sein. Sie lautet: «Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Versammlung zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet; das inbrünstige Gebet eines Gerechten vermag viel» (V. 14-16).

Am Anfang dieser Verse haben wir bezeichnende Worte, die die Anwendung der Stelle auf ein gewisses Mass begrenzen. Sie gilt ausdrücklich für den Kranken «unter euch», der zum Volk Gottes gehört. Diese Schriftstelle bietet also keine Grundlage für ein populäres System von an Wunder grenzenden Heilungen, für alle und jeden. Krankheit unter Kindern Gottes steht auf besonderem Boden. Manchmal steht sie im Zusammenhang mit Sünde. Jakobus deutet an, dass die Krankheit, derentwegen man zu den Ältesten sandte, solcher Art sein mochte, denn er sagt: «wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.» Nicht immer war es so, aber wenn dies der Fall war, so würden ihm seine Sünden vergeben werden.

Das war weit entfernt von einem öffentlich ausgerufenen System der Heilung; das war private Sphäre. Der Kranke hatte die Ältesten der Versammlung zu rufen, damit sie über ihn beteten. Die Glaubens-Heiler verlangen gebieterisch solchen Glauben; die Schrift tut dies nicht. Das Gebet, von dem Jakobus spricht, ist das Gebet der Ältesten, womit die Worte verbunden sind: «Das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen.» Man kann annehmen, dass der Kranke in dieses Gebet einstimmte, und das mit mehr oder weniger Gewissheit des Glaubens, aber es war das «Gebet des Glaubens», das wirksam war.

Der in Jakobus angenommene Fall ist offenbar sehr ernster Natur, wo der Tod bevorsteht, wie auch in 1. Johannes 5. Der Gedanke, diese Schriftstelle könne als Ersatz für Arzneimittel angewendet werden, für die Gott zum Teil in der Natur vorgesorgt hat, ist nicht nur unbegründet, sondern auch nicht schriftgemäss. Die Bibel spricht vom Gebrauch von Heilmitteln bei Leiden (2. Könige 20,7 und 1. Timotheus 5,23).