Das Friedensopfer – eine Einführung zu den Opfern (1)

3. Mose 1; 3. Mose 7

In der Bibel nimmt das Thema «Opfer» einen sehr breiten Raum ein. Dabei werden zwei Blickwinkel unterschieden: die Seite Gottes und die Seite des Glaubenden.

Gottes Seite

Seitdem das erste Menschenpaar in Sünde gefallen ist, sind alle ihre Nachkommen von Natur aus Sünder. Zudem hat jeder Mensch durch seine persönlich verübten Sünden eine ungeheure Schuld vor dem heiligen Gott. Damit der Mensch gerettet werden und mit Gott ins Reine kommen kann, ist ein Opfer nötig.

Das sehen wir schon in 1. Mose 3,21. Gott musste Tiere, d.h. seine eigenen Geschöpfe, töten, um die Menschen nach dem Sündenfall bekleiden zu können. Später – bei der Opferung Isaaks in 1. Mose 22 – sehen wir im Vorausbild, dass zu unserer Errettung der Opfertod eines Menschen nötig war.

Einen weiteren wichtigen Hinweis auf die göttliche Seite des Opfers im Alten Testament finden wir in 3. Mose 16, wo der Sühnungstag beschrieben wird. Die verschiedenen Opfer, die an jenem Tag gebracht werden mussten, weisen alle auf das eine Opfer des Herrn Jesus am Kreuz von Golgatha hin. Das Blut der Sündopfer wurde an jenem Tag ins Allerheiligste vor Gott gebracht, um Sühnung zu tun. Die Sündopfer selbst wurden ausserhalb des Lagers verbrannt. Wir denken dabei an den Ort Golgatha, der ausserhalb von Jerusalem lag. Dort hat der Herr Jesus in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz das gewaltig grosse Erlösungswerk vollbracht. Er, der Sündlose, wurde mit unseren Sünden beladen und für fremde Schuld bestraft. So hat Er Sühnung getan. Zudem wurde der Reine für uns zur Sünde gemacht. Als solcher erlitt Er das Urteil Gottes über die Sünde – den Tod.

So wie der Sühnungstag in Israel die Basis war, auf der Gott beim Volk Israel wohnen konnte, so ist das, was der Erlöser am Kreuz von Golgatha vollbracht hat, die Grundlage, auf der ein Mensch mit Gott ins Reine kommen kann. Es gibt für den Menschen, der einsieht, dass er vor Gott ein verlorener Sünder ist und das Gericht verdient hat, nur eine Bedingung: Er muss persönlich an den Retter glauben (Röm 3,22-25).

Alle Opfer im Alten Testament hatten in sich selbst keinen Wert, keine sühnende Wirkung. Aber sie wiesen auf das eine Opfer des Herrn Jesus Christus hin. Weil sie nur Hinweise waren, wurden sie immer wieder gebracht. Auch der Sühnungstag musste jährlich wiederholt werden (Heb 10,1-4.11).

Im Neuen Testament wird das eine Opfer, das ein für alle Mal gebracht worden ist und auf das die Opfer des Alten Testaments hinwiesen, klar vorgestellt. Dies zeigt die folgende Auswahl von Bibelstellen:

  • Johannes 3,16: Gott gab seinen Sohn ans Kreuz und in den Tod.
  • 1. Timotheus 2,5.6: Der Mensch Christus Jesus wurde Mittler zwischen Gott und Menschen.
  • Römer 5,6-10: Zur Errettung von Kraftlosen, Gottlosen, Sündern und Feinden war der Tod Jesu Christi, des Sohnes Gottes, unerlässlich.
  • Hebräer 9,26: Die Abschaffung der Sünde kann nur durch das Opfer von Jesus Christus erfolgen.
  • Hebräer 10,10.12: Es geht um das Opfer des Leibes Jesu Christi, d.h. um den Tod des Menschen Jesus Christus. Weil Er sterben musste und sein Blut geflossen ist, ist die Rede von einem Schlachtopfer für Sünden.
  • Epheser 5,2: Das Opfer des Herrn Jesus, der sich für uns hingegeben hat, war zugleich ein duftender Wohlgeruch für Gott.

Fassen wir die Seite Gottes in Bezug auf das Opfer zusammen:

Gott gab seinen Sohn als Mensch in den Tod am Kreuz. Dort floss sein Blut zur Sühnung und zur Vergebung der Sünden (3. Mo 17,11; 1. Joh 4,10; Heb 9,22). Gleichzeitig war der Opfertod des Herrn Jesus zur Freude und Befriedigung des Herzens Gottes. Sein Opfer wird jedoch nur für den wirksam, der daran glaubt.

Die Seite des Glaubenden

Wer das Opfer, das Gott gegeben hat, im Glauben für sich persönlich in Anspruch nimmt, steht in einer vollkommenen Stellung vor Ihm. Er darf nun selbst Gott ein Opfer bringen. Hinweise dafür finden wir bereits am Anfang der Bibel.

Von Abel, dem zweiten Sohn des ersten Menschenpaars, heisst es, dass er dem HERRN von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett eine Opfergabe brachte. Aus Hebräer 11,4 wissen wir, dass Abel dies aus Glauben tat. Er hatte die Lektion erfasst, die Gott einst seinen Eltern gab, als Er ein Tier tötete, um sie mit Fellen bekleiden zu können. Er drückte also vor Gott aus: Ich bin ein Sünder und habe den Tod verdient, aber da ist ein anderer, der für mich stirbt. Das Opfer Abels schattete bereits das Opfer des Herrn Jesus voraus, der einmal für sündige Menschen sterben würde. Mit seinem Opfer bezeugte Abel seine Dankbarkeit gegenüber Gott für die Lösung, die der HERR selbst im Blick auf das Sündenproblem der Menschen hatte.

Nachdem Noah mit seiner Familie durch die Flut hindurch gerettet worden war, baute er einen Altar und opferte dem HERRN von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln ein Brandopfer. Damit drückte er seine Dankbarkeit für die erfahrene Bewahrung aus und betete Gott an. «Der HERR roch den lieblichen Geruch», oder wie die Fussnote sagt: den Duft der Beruhigung (1. Mo 8,20.21).

Im weiteren Verlauf des Alten Testaments finden wir viele dieser freiwilligen Opfer, die glaubende Menschen Gott darbrachten. Sie alle sind Bilder für uns und zeigen uns, wie wir als gläubige Christen Gott auf geistliche Weise Opfer darbringen können. Diese Hinweise sind für uns sehr wichtig, denn wir finden im Neuen Testament nur wenige Stellen, die vom Darbringen unserer Opfer reden.

Die drei wichtigsten neutestamentlichen Aussagen sind:

  • Hebräer 13,15: «Durch ihn (Jesus Christus) nun lasst uns Gott stets ein Opfer des Lobes darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.» Die Opfer des Lobes umfassen alles, was an Lob, Dank und Anbetung aus unseren Herzen zu Gott aufsteigt und wir mit unserem Mund ausdrücken.
  • Hebräer 13,16: «Das Wohltun aber und Mitteilen vergesst nicht, denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen.» Hier geht es um das materielle Opfer, das wir Gott geben, das aber zur Unterstützung von Bedürftigen und von Mitarbeitern im Werk des Herrn dient.
  • 1. Petrus 2,5: «Ihr selbst werdet als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus.» Wir bringen Gott geistliche Schlachtopfer dar, wenn wir an den Kreuzestod unseres Heilands denken – was Christus und sein Opfer für Gott und für uns bedeuten – und davon zu Gott reden.

Geistliche Opfer kann jeder Erlöste persönlich Gott darbringen. Aber Anbetung, d.h. das Darbringen von geistlichen Opfern, ist eigentlich eine gemeinsame Sache. Wir tun es, wenn wir als Versammlung zum Brotbrechen zusammenkommen. Dann bringen wir miteinander durch Lied, durch Gebet oder auch durch das Lesen eines entsprechenden Abschnitts aus der Bibel Gott den Dank, das Lob und die Anbetung unserer Herzen als geistliche Opfer dar.

Die Opfer in 3. Mose 1 – 7

Wenn wir als Gläubige über die Seite unserer Darbringung von Opfern mehr wissen möchten, finden wir in 3. Mose 1 – 7 viele nützliche Hinweise. Als Erstes stellen wir unter den dort beschriebenen Opfern einen wesentlichen Unterschied fest: Drei der aufgeführten Opfer sind freiwillig, die anderen zwei sind Pflichtopfer. Wir wollen kurz auf ihre unterschiedliche Bedeutung eingehen, dabei aber bedenken, dass alle von dem einen Opfer unseres Heilands reden, das jedoch in diesen Opfern unter verschiedenen Blickwinkeln gesehen wird.

Das Brandopfer

Beim Brandopfer wurde das Ganze auf dem Altar geräuchert (3. Mo 1). Im Bild geht es bei diesem Opfer um das, was der Herr Jesus am Kreuz von Golgatha für das Herz Gottes war. Er starb dort, um Gott in allen Wesenszügen zu verherrlichen. Wir denken daran, wie seine Hingabe an Gott bis zum Äussersten ging. Er bewies einen Gehorsam, der Ihn bis in den Tod am Kreuz führte. Es war das Wohlgefallen des Herrn Jesus, den Willen Gottes zu tun, auch wenn dies bedeutete, ans Kreuz von Golgatha zu gehen, den Kelch des Zornes Gottes über die Sünde zu leeren und zu sterben. Wie hat sich Gott über dieses Opfer seines Sohnes gefreut! Wie ist Er dadurch verherrlicht worden! Ja, das Brandopfer ist «ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem HERRN». – Wenn wir an diese Seite des Todes unseres Herrn denken, all das vor Gott erwägen und mit Ihm darüber reden, bringen wir Ihm geistlicherweise ein freiwilliges Brandopfer dar.

Das Speisopfer

Dieses Opfer war ein unblutiges Opfer (3. Mo 2). Es setzte sich aus Feinmehl, Öl, Weihrauch und Salz zusammen. Das Speisopfer ist ein Bild vom absolut sündlosen Leben des Sohnes Gottes als Mensch auf der Erde, wie es uns in den vier Evangelien beschrieben wird. Der Herr Jesus lebte nur für Gott. Zweimal bezeugte der Vater vom Himmel her sein Wohlgefallen, das Er hier an seinem Sohn als Mensch fand (Mt 3,17; 17,5). Schliesslich gab dieser einzigartige Mensch sein gottgeweihtes Leben in den Tod. Welch eine Freude hatte Gott an diesem sündlosen Menschen, der keinen einzigen Schritt in Unabhängigkeit von Ihm tat, sondern stets und in allem nach seinem Willen fragte! Auch dieses Opfer ist «ein Feueropfer lieblichen Geruchs dem HERRN». – Wir dürfen zu Gott über das Leben seines Sohnes als sündloser Mensch auf der Erde reden, wie wir es aus den Evangelien kennen gelernt haben. Wenn wir Gott sagen, wie gnädig, langmütig, demütig, sanftmütig der Herr Jesus war, wie entschieden Er gegen das Böse auftrat und zugleich liebevoll mit den Menschen umging, bringen wir Gott ein Speisopfer dar.

Das Friedensopfer

Bei diesem Opfer in 3. Mose 3 geht es um das Erlösungswerk des Herrn Jesus und seinen Tod im Blick auf unsere Versöhnung mit Gott. Wir, die einst Kraftlose, Gottlose, Sünder und Feinde waren, sind aufgrund des Werks am Kreuz mit dem heiligen Gott versöhnt worden. Weil der Herr Jesus durch das Blut seines Kreuzes Frieden gemacht hat, haben wir jetzt Frieden mit Gott. Sein Opfer am Kreuz ist zudem die Grundlage des Friedens, den wir als Erlöste jetzt untereinander haben (Röm 5,1; Kol 1,20; Eph 2,14.15). Das Friedensopfer spricht also von Gemeinschaft, und zwar von der Gemeinschaft der Gläubigen mit Gott, mit dem Herrn Jesus und untereinander (1. Joh 1,3). Denn vom Friedensopfer war das Blut und das Fett für Gott, die Brust für Aaron und seine Söhne, der rechte Schenkel für den opfernden Priester. Das Übrige des Opfers gehörte dem Opfernden und seiner Familie. Jeder Reine aus Israel durfte davon essen. – Das Darbringen des Friedensopfers verwirklichen wir vor allem, wenn wir am Tisch des Herrn versammelt sind. Gemeinsam beten wir dann Gott, den Vater, und den Herrn Jesus an. Wir drücken gemeinsam durch Lieder, Gebete und das Lesen von Bibelstellen das aus, was in unseren Herzen an Wertschätzung, Dank und Anbetung vorhanden ist. Zudem bringen wir am Tisch des Herrn die Gemeinschaft mit Ihm und untereinander zum Ausdruck (1. Kor 10,16.17).

Das Sünd- und Schuldopfer

Die in 3. Mose 4 und 5 erwähnten Opfer sind keine freiwilligen. Gott verlangte sie von den Israeliten, wenn sie gesündigt hatten. Die Grösse des Opfers richtete sich einerseits nach der Verantwortung dessen, der gesündigt hatte, und anderseits nach der Art und Weise der Sünde sowie nach dem Ausmass des entstandenen Schadens. Diese Sündopfer reden nicht wie die Sündopfer am Sühnungstag von der grundsätzlichen Sühnung unserer Sünden vor Gott und der Grundlage unserer Errettung bei der Bekehrung.

In 3. Mose 4 und 5 stellt der Israelit, der gesündigt hat, einen Gläubigen dar, der gestrauchelt, d.h. in eine Sünde gefallen ist. In 1. Johannes 2,1 schreibt der Apostel Johannes an seine gläubigen Briefempfänger: «Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt; und wenn jemand gesündigt hat …» Dieser Fall wird uns in 3. Mose 4 und 5 vorgestellt. Wenn ein Kind Gottes sündigt, wird seine Gemeinschaft mit Gott, seinem himmlischen Vater, gestört. Was bedeutet nun in diesem Fall das Darbringen des entsprechenden Sündopfers? Es geht eigentlich um einen Rückblick zum Kreuz. Der fehlbare Gläubige soll sich erinnern, was Sünde in Gottes Augen ist. Zudem muss ihm bewusst werden: Auch für diese Sünde, die ich jetzt begangen habe, musste der Herr Jesus die drei Stunden der Finsternis erdulden und sterben! Wenn er dann die ihm bewusste, vorgefallene Sünde seinem Gott und Vater aufrichtig bekennt, erfährt er die väterliche Vergebung (1. Joh 1,9). Die getrübte Beziehung zum Vater wird wiederhergestellt und er kann Ihm wieder frei in die Augen sehen.