Die Stiftshütte (1)

2. Mose 25

Inhalt

1. Einleitung
2. Allgemeiner Plan und Materialien
3. Die eigentliche Stiftshütte; Bretter, Teppiche, Vorhänge
4. Der Vorhof; Tor, kupferner Altar, Becken
5. Die Kleider des Hohenpriesters
6. Das Heilige; Tisch, Leuchter, goldener Altar
7. Das Allerheiligste; die Bundeslade
8. Der Zugang zum Heiligtum

Diese Aufzeichnungen, die wir jetzt in Fortsetzungen folgen lassen, bilden keine vollständige Betrachtung über die Stiftshütte. Es sind nur Notizen von einigen Unterredungen über dieses bemerkenswerte Vorbild, das uns hilft, die erhabene Grösse der Offenbarung des Neuen Testaments besser zu verstehen. «Durch die Vorbilder nähern sich uns die unendlichen Dinge unseres Glaubens und werden uns gleichsam greifbar» (J.N. Darby).

1. Einleitung

Im 1. Buch Mose sehen wir, wie Gott einzelne Menschen – wie Abraham – beruft, ihren Lebenskreis, in dem sie sich befinden, zu verlassen, um Wanderer und Fremdlinge zu werden, in der Erwartung eines «besseren Vaterlandes». So ist auch heute der Gläubige durch den Herrn Jesus aus der Welt herausgerufen und ein Fremdling und Wanderer auf dem Weg zum Himmel geworden.

Aber im 2. Buch Mose zeigt uns Gott, dass Er nicht nur einzelne Menschen beruft, sondern auf der Erde ein Volk für sich haben will. Dieses Volk hat Er zuerst aus der Gewalt des Feindes (Pharao) befreit, durch das Blut des Lammes vom Gericht losgekauft (Passah; 2. Mose 12) und dann durch das Rote Meer von der Welt (Ägypten) getrennt, indem Er es in die Wüste führte.

Dort in der Wüste offenbarte sich Gott als der, der inmitten seines Volkes wohnen will (2. Mo 15,17; 25,8; 29,45.46).

So wohnt Gott auch heute inmitten seiner Erlösten, die ein Ganzes bilden: Das Haus Gottes, bestehend aus lebendigen Steinen, wie wir es in 1. Petrus 2,5 sehen; die Wohnung Gottes im Geist, wie sie in Epheser 2,19-22 dargestellt wird.

Wir finden im Wort sieben aufeinanderfolgende «Wohnungen» Gottes auf der Erde:

  1. die Stiftshütte (2. Mo 40,34.35)
  2. der Tempel Salomos (2. Chr 5,13.14)1
  3. Christus (Joh 2,21; 2. Kor 5,19; Kol 1,19)
  4. die Versammlung
  5. der Tempel Hesekiels im Zusammenhang mit dem Tausendjährigen Reich auf der Erde (Hes 43,2-7)
  6. das neue Jerusalem (Off 21,22)
  7. die Hütte Gottes bei den Menschen auf der neuen Erde (Off 21,3)

Die Belehrungen bezüglich der Stiftshütte sind in den Kapiteln 25 – 40 des 2. Buches Mose zu finden. Nichts war dem Gutdünken des Volkes oder Moses überlassen: alles musste dem «Muster» entsprechen, das Gott gezeigt hatte (2. Mo 25,9). Dieser Grundsatz gilt auch für die Versammlung.

Von Kapitel 25 bis zu Kapitel 31 haben wir die Anweisungen des HERRN an Mose. Sie enthalten:

  • Kap. 25 – 27: Die Stiftshütte und ihre hauptsächlichen Gegenstände, ausser dem goldenen Altar und dem kupfernen Becken
  • Kap. 28 – 29: Die Priester, ihre Kleider und ihre Heiligung
  • Kap. 30: Der goldene Altar, das Sühngeld, das Becken von Kupfer und die wohlriechenden Gewürze
  • Von Kap. 35 bis Kap. 40 haben wir den Bau der Stiftshütte

Aber zwischenhinein wird die traurige Begebenheit des goldenen Kalbes erwähnt (Kap. 32 – 34). Das Volk musste sein eigenes Herz kennen lernen und sich bewusst werden, dass es nichts als das Gericht verdient hatte. Dadurch wurden die Zuneigungen zu dem HERRN vonseiten derer, die Ihn suchten, auf die Probe gestellt und brachten sie dazu, zum Zelt der Zusammenkunft hinauszugehen (2. Mo 33,7). Dann erst konnte Mose, dessen Angesicht strahlte (2. Mo 34,29-35), dem Volk die göttlichen Weisungen offenbaren, die seine Wohnung in ihrer Mitte betrafen. Hierin liegen auch für uns ernste Belehrungen: In dem Mass, wie die Herzen der Gläubigen, ihr eigenes Unvermögen erkennend, der Person des Herrn anhangen und bereit sind, zu Ihm hinauszugehen, «ausserhalb des Lagers», werden sie die Gedanken Gottes bezüglich seiner Wohnung inmitten seines Volkes erfassen (siehe Hes 43,10.11).

Wir wollen drei Hauptgedanken in den Belehrungen, die uns die Stiftshütte gibt, festhalten:

  1. Das Haus Gottes, die Stätte, wo Er auf der Erde wohnt, als Vorbild für die heutige Kirche oder Versammlung
  2. Die Offenbarung Gottes in Christus, das heisst die Kundmachung Gottes dem Menschen gegenüber
  3. Der Zugang zum Heiligtum, das heisst, der Weg zu Gott, den Er dem Menschen aufgetan hat

2. Allgemeiner Plan und Materialien

Die wichtigsten Masse

Vorhof

100 zu 50 Ellen (Kap. 27,9-12). Tor: 20 Ellen.

Eigentliche Stiftshütte

30 Ellen lang, 10 Ellen breit und 10 Ellen hoch (Kap. 26,15-25).

Heiliges

10 Ellen breit, 20 Ellen lang, 10 Ellen hoch. (Der Vorhang, der die Trennung zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten bildete, wurde unter die Klammern gehängt (2. Mo 26,33.6).

Allerheiligstes

10 mal 10 mal 10 Ellen: würfelförmig (die Vollkommenheit, wenn sich das Unendliche im «Endlichen» zu erkennen gibt; vgl. Off 21,16).

Sechs Hauptgegenstände befinden sich in der Stiftshütte; in der Reihenfolge vom Eingang her sind es:

Im Vorhof

  1. der kupferne Altar
  2. das kupferne Becken

Im Heiligtum

  1. rechts: der Schaubrottisch
  2. Mitte: der goldene Altar
  3. links: der Leuchter

Im Allerheiligsten

  1. die Lade

Materialien (2. Mose 25,3-7; 35,4 bis 36,7)

Vier Gruppen:

a) 2. Mose 25,3: Gott

  • Gold (in der Bibel als kostbarstes Material erwähnt): das, was göttlich ist, die göttliche Natur («reines Gold»); die wesentliche Gerechtigkeit Gottes («Gold»)
  • Silber: Die Erlösung, das Sühngeld (30,16)
  • Kupfer: Die Gerechtigkeit Gottes im Gericht (Off 1,15; 4. Mo 16,36-40)

b) 2. Mose 25,4-5: Christus

  • Blauer Purpur: der vom Himmel Herabgestiegene; Liebe; Sohn Gottes: Johannes-Evangelium
  • Karmesin: Blut; Leiden; «Wurm» (Ps 22,7); irdische Herrlichkeit des Messias in Bezug auf Israel (4. Mo 4,8)
  • Roter Purpur: Der Sohn des Menschen, der nach den Leiden die universelle Herrlichkeit empfängt (4. Mo 4,13): Markus 15,17 – 16,19
  • Byssus: Der vollkommene Mensch (Off 19,8), Gott und den Menschen gegenüber gerecht, sowohl in seinem Dienst als auch in seinem Wandel
  • Ziegenhaar: Absonderung für Gott (Kleidung der Propheten; Sach 13,4)
  • Rotgefärbte Widderfelle: Aufopferung bis zum Tod, (der Widder war die Opfergabe der Einweihung, siehe 2. Mose 29,15-35)

c) 2. Mose 25,6: Heiliger Geist

  • Öl: Licht
  • Gewürze zum Salböl
  • Weihrauch: Vollkommenheiten Christi, durch den Heiligen Geist Gott dargereicht (Phil 3,3)

d) 2. Mose 25,7: Die Erlösten (Gegenstände des Priestertums)

  • Onyxsteine: auf seinen Schultern
  • Steine zum Einsetzen: auf seinem Herzen; Einheit in der Verschiedenartigkeit. (Unter einem anderen Gesichtswinkel sprechen diese Steine auch von den Vollkommenheiten des Herrn Jesus.)

Opfergaben des Volkes

Der HERR gebot dem Volk, Ihm ein Hebopfer darzubringen (2. Mo 25,2), das von dem, was ihnen gehörte, genommen werden sollte (2. Mo 35,5). Alle konnten eine Opfergabe darbringen, denn alle hatten bei ihrem Auszug aus Ägypten von den Ägyptern verschiedene Kostbarkeiten erhalten (2. Mo 11,2.3; 12,35.36), aber keiner war zum Geben gezwungen. Nur jene, die «willigen Geistes» waren, taten es, so wie das Herz sie trieb (2. Mo 35,21; 36,2). Jeder konnte seinen Mitteln entsprechend geben: der eine Gold, der andere Silber, ein anderer Gewebe, wieder ein anderer Ziegenhaar; die Fürsten gaben Edelsteine; aber jeder hatte sich vorgenommen, für das Haus Gottes etwas darzubringen.

Zudem gab es Männer und Frauen, die es nicht nur am Herzen hatten darzubringen, sondern die es auch trieb, «ans Werk zu gehen, um es zu machen» (2. Mo 36,2).

Zum Beispiel wird uns in Kapitel 35, Vers 25, gesagt: «Alle Frauen, die weisen Herzens waren, spannen mit ihren Händen» den blauen und roten Purpur, das Karmesin und den Byssus. Sie hatten für das Haus Gottes nicht nur etwas dargebracht, sondern arbeiteten auch am Werk. Aber sie taten es in ihrem Bereich, wahrscheinlich in ihrem Zelt oder an dessen Eingang. Der Faden, den sie so für das Haus Gottes zubereiteten, war von grosser Bedeutung; denn wenn er schwach oder schlecht gesponnen war, so mochte die Geschicklichkeit derer, die «weisen Herzens» waren, noch so gross sein (2. Mo 36,8), die Teppiche und die Vorhänge der Stiftshütte wären nicht vollkommen gewesen. Jede Christin, ob jung oder alt, kann in ihrem Bereich die verschiedenen Farben «spinnen», die alle von den verschiedenen Herrlichkeiten des Herrn Jesus sprechen: in ihre Unterredungen, in ihre Haltung, in ihren Einfluss, den sie ausüben, können sie irgendetwas von Christus, von seinen Vollkommenheiten und seinen Herrlichkeiten beifügen. Maria von Bethanien war davon so durchdrungen, dass, als sie das Haupt und die Füsse des Heilandes gesalbt hatte, «das ganze Haus» von dem Geruch des Salböls erfüllt war.

Andere verständige Frauen, «die ihr Herz dazu trieb», spannen das Ziegenhaar. Wenn die praktische Absonderung, von der das Ziegenhaar spricht, nicht in unserem Haus, in der Familie, in den Gewohnheiten, im Verhalten, in den Stätten, wo man sich aufhält und in der Erziehung der Kinder geübt wird, wie kann sie dann im Haus Gottes verwirklicht werden? Die hervorragendsten Gaben in einer Versammlung vermögen den Segen, den Gott geben möchte, nicht darzureichen, wenn die Schwestern nicht in der Abhängigkeit vom Herrn sowohl den blauen und den roten Purpur als auch das Karmesin, den Byssus und das Ziegenhaar gesponnen haben.

Man kann also in dem Volk vier Gruppen unterscheiden:

  1. Solche, die nichts darbrachten, weil sie zu egoistisch waren, oder weil sie es schon für das goldene Kalb gegeben hatten! (2. Mo 32,2.3)
  2. Solche, die ihre Gabe darbrachten
  3. Solche, die am Werk arbeiteten
  4. Und schliesslich jene, die infolge eines speziellen Auftrages von Gott zum Bau des Hauses besonders begabt waren (vgl. mit den Gaben des Geistes für die Versammlung nach 1. Korinther 12, usw.)

Alle, die in dieser Weise am Werk des Hauses Gottes mitarbeiteten, taten es aus Liebe zu Ihm. Wenn wir den Herrn Jesus haben, haben wir es am Herzen, nicht nur von der Versammlung zu leben, (so kostbar dieses Vorrecht ist), sondern auch für die Versammlung, indem jeder etwas beisteuert, je nach dem er empfangen hat, einen Beitrag zum Nutzen aller, in Abhängigkeit und nach den Weisungen Gottes.

Es kommt eine Zeit, in der man weder darbringen noch dienen kann (2. Mo 36,6). Dass doch niemand seine Zeit vorübergehen lassen möge, ohne danach zu trachten, am Werk des Hauses Gottes mitzuarbeiten, gemäss dem, was der Herr ihm in Gnade dazu schenken wird.

  • 1Die unter Serubbabel (Esra 2,8-13; 7,12.15) und unter Herodes (Mt 21,12.13) als «Haus Gottes» aufgebauten Tempel standen anstelle des zerstörten Tempels Salomos.