Halte fest, was du hast (8)

Epheser 5,3-14

Licht und Finsternis

Der Epheser-Brief stellt uns in besonderer Weise unsere himmlische Stellung vor. Gott hat uns vor Grundlegung der Welt auserwählt, um uns in Christus mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern zu segnen (Eph 1,3.4). Einst waren wir tot in unseren Vergehungen und Sünden. Aber Gott hat uns mit dem Christus lebendig gemacht und uns in Ihm mitauferweckt und in den himmlischen Örtern mitsitzen lassen (Eph 2,1-6). Einst waren wir Finsternis. Doch jetzt sind wir Licht im Herrn (Eph 5,8).

Die Frucht des Lichts

Diese grosse Veränderung, die wir durch den Glauben an das Wort Gottes kennen, weist uns unseren Platz deutlich an. Alle, die als Söhne des Ungehorsams noch in der Finsternis sind, haben kein gemeinsames Teil mit den Söhnen des Lichts. Das Umgekehrte ist ebenfalls wahr: Die Gläubigen als Söhne des Lichts haben nichts mit den Ungläubigen gemeinsam. «Seid nun nicht ihre Mitgenossen.» Wenn wir Licht im Herrn geworden sind, haben wir auch den Auftrag, als Söhne des Lichts zu leben. Ob wir es tun, wird am Vorhandensein der Frucht gesehen, die eine solche Lebensführung hervorbringt: «Die Frucht des Lichts besteht in aller Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit.»

  1. Gütigkeit ist das Gegenteil von Boshaftigkeit. Wo Gütigkeit vorhanden ist, wird Bosheit gehasst. Die Furcht des HERRN ist sowohl der Weisheit Anfang als auch das Böse hassen (Spr 8,13; 9,10).
  2. Gerechtigkeit steht im klaren Gegensatz zu Ungerechtigkeit. Wenn man angefangen hat, das Böse zu hassen, wird man auch nach göttlicher Gerechtigkeit streben und von jeder Ungerechtigkeit abstehen (2. Tim 2,19).
  3. Wahrheit ist das Gegenteil von Lüge. Wer durch die Wahrheit geleitet wird, erliegt nicht der Lüge. Wenn der Gläubige dahin gekommen ist, das Böse zu hassen und dem Guten nachzustreben, wird er sowohl die Wahrheit zum alleinigen Führer machen als auch in seinen Handlungen der Wahrheit entsprechen.

Diese dreifache Frucht wird sich bei denen zeigen, die als Kinder des Lichts wandeln.

Das Licht offenbart es

Wir befinden uns als Kinder des Lichts auf einem Schauplatz, wo die Finsternis herrscht. Da tritt manches an uns heran, was wir prüfen müssen. Aber wir haben nicht zu untersuchen, was Sünde ist und was nicht Sünde ist. Nein, wir werden aufgefordert: «Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist.» Anstatt die Sündhaftigkeit einer Sache oder die möglichen Folgen einer Sünde zum Massstab unseres Handelns zu nehmen, soll uns in allem die Heiligkeit Gottes leiten.

Einerseits sind wir Kinder des Lichts. Anderseits ist das Licht in uns, wie der Herr gesagt hat: «Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben» (Joh 8,12). Das ist nicht genau dasselbe. Ich möchte den Unterschied wie folgt beschreiben: Als «Kinder des Lichts» oder als «Licht im Herrn» sind wir da, um in der Finsternis für andere zu leuchten. Aber das Licht in uns dient dazu, uns selbst Klarheit zu verschaffen. Darum heisst es: «Das Licht ist es, das alles offenbar macht.» Durch das Licht können wir nicht nur die bösen, sondern auch die unfruchtbaren oder toten Werke der Finsternis erkennen.

Unfruchtbare Werke

Diese Werke werden von den Menschen vielleicht gar nicht verurteilt, sondern sogar gelobt. Aber sie sind unfruchtbar, weil sie von der Finsternis ausgehen. «Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, vielmehr aber straft sie auch (oder stellt sie auch bloss).» Man könnte zum Gedanken neigen, das Wort Gottes würde nur zur Absonderung von den bösen Werken der Finsternis auffordern. Dazu gehören Hurerei, Unreinheit, Habsucht, Schändlichkeit, albernes Geschwätz, Witzelei usw. Dieser Dinge wegen kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams (Eph 5,3-6). Ein solcher Gedanke hätte zur Folge, dass sich die Gläubigen zwar von den bösen Werken der Finsternis absondern sollten, aber an den unfruchtbaren Werken der Ungläubigen teilnehmen könnten. Doch das Wort Gottes belehrt uns anders: Erstens sollen die Kinder des Lichts keine Mitgenossen der Söhne des Ungehorsams in Bezug auf die bösen Werke sein. Zweitens werden sie aufgefordert, im Blick auf die unfruchtbaren Werke keine Gemeinschaft mit den Ungläubigen zu haben.

Dies wird uns klar, wenn wir uns daran erinnern, wie Gott über die Ungläubigen denkt. Es heisst von ihnen: «Sie geben vor, Gott zu kennen, aber in den Werken verleugnen sie ihn und sind abscheulich und ungehorsam und zu jedem guten Werk unbewährt» (Tit 1,16). So lautet das Urteil Gottes. Ein Kind Gottes glaubt diesem Urteil und ordnet sich ihm unter.

Ich möchte nicht missverstanden werden. Es besteht ein grosser Unterschied zwischen den bösen Werken der ungläubigen Menschen und den Werken der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit, die sie tun. Die sogenannten guten Werke, die Menschen tun, sind für das Leben auf der Erde von Nutzen. Das steht ausser Zweifel, «denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten» (Gal 6,7). Aber vor Gott und für die Ewigkeit sind sie wertlos. Sie gleichen sogar einem unflätigen Kleid (Jes 64,5), das mit Selbstsucht, Eigenliebe und Selbstgefälligkeit beschmutzt ist. Dennoch meinen manche, sich durch solche Werke ein Anrecht auf den Himmel erwerben zu können. Für solche Menschen sind gute Werke wie eine Leiter, die in den Himmel führen soll. Was für ein verhängnisvoller Irrtum! «Aus Gesetzeswerken (auch wenn es die schönsten wären) wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden» (Röm 3,20).

Keine Gemeinschaft

Es kommt vor, dass ungläubige Menschen im Mantel eines schönen christlichen Bekenntnisses am «Bau des Reiches Gottes», an der Mission in der Heimat oder im Ausland mitarbeiten wollen. Was anderes bleibt dann für die Kinder des Lichts übrig, als sich von ihnen abzusondern? Wer nicht bereit ist, sich zu trennen, sondern in sozialen und christlichen Werken Gemeinschaft mit Ungläubigen hat, wird diese nur in ihrem Zustand bestärken. Anstatt zur Erkenntnis zu kommen, dass ihre Werke Gott nicht gefallen und in Bezug auf die Ewigkeit «unfruchtbar» sind, machen sie einfach weiter. Über diesen ernsten Punkt sollte jedes Kind Gottes aufrichtig nachdenken.

Leider wird die Notwendigkeit dieser Absonderung wenig erkannt und verwirklicht. Wie häufig findet man Kinder des Lichts in Gemeinschaft oder in Verbindung mit den Söhnen des Ungehorsams! Der eine geht geschäftlich eine Gemeinschaft mit einem Ungläubigen ein. Ein anderer schliesst die Ehe mit einer ungläubigen Partnerin. Wieder ein anderer feiert sogar das Abendmahl an Orten, wo offensichtlich Menschen ohne Leben aus Gott teilnehmen. Dann gibt es Gläubige, die in einer Dienstgemeinschaft mit ungläubigen Predigern stehen. Oder Christen sammeln eifrig bei der Welt für wohltätige Zwecke und errichten mit ihrer Hilfe gemeinnützige Organisationen. Auf viele Weise zeigt sich, wie sich das Licht und die Finsternis vermischen.

Beispiele aus der Bibel

Eine Vermischung von Gläubigen und Ungläubigen entspricht nicht der göttlichen Ordnung. «Gott sah das Licht, dass es gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis» (1. Mo 1,4). Gott will, dass diese Trennung aufrechterhalten wird. Der Herr Jesus verwirklichte sie vollkommen. Er lebte völlig getrennt von der Welt und ihren unfruchtbaren Werken der Finsternis. Gerade diese entschiedene Trennung rief den Hass der religiösen Juden hervor.

Was für eine ernste Sprache führte Petrus, als der Zauberer Simon mit Geld die Gabe erhalten wollte, den Menschen den Heiligen Geist mitzuteilen! «Dein Geld fahre samt dir ins Verderben, weil du gemeint hast, dass die Gabe Gottes durch Geld zu erwerben sei! Du hast weder Teil noch Anrecht an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott» (Apg 8,20.21).

Der Apostel Johannes schrieb an Gajus über Brüder, die für den Namen des Herrn ausgegangen waren und nichts von den Menschen aus den Nationen annahmen. Er forderte ihn auf, sie gut zu versorgen und auf eine Gottes würdige Weise zu geleiten (3. Joh 5-7). Auch die treuen Gläubigen im Alten Testament handelten nach diesem Grundsatz. Sie vermischten nicht das, was Gott getrennt hatte: 

  • Henoch (1. Mose 5,24)
  • Noah (1. Mose 6,9)
  • Abraham (1. Mose 14,22-24)
  • Elia (1. Könige 18,21)
  • Micha (1. Könige 22,8-28)
  • Elisa (2. Könige 3,14)
  • Hanani (2. Chronika 16,7-10)
  • Jehu (2. Chronika 19,1-3)
  • Jeremia (Jeremia 15,17-19)
  • Daniel (Daniel 1,8)

Wenn wir einen Blick in die Zukunft werfen, finden wir die gleiche Trennung: «Glückselig, die ihre Gewänder waschen, damit sie ein Recht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen! Draussen sind die Hunde und die Zauberer und die Hurer und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut» (Off 22,14.15). Die Gläubigen sind drinnen, die Ungläubigen sind draussen. So urteilt Gott!

Aufwachen und aufstehen

Wünschen wir unseren Lebensweg als Kinder des Lichts zu gehen? Dann lasst uns die treuen Gläubigen des Alten und Neuen Testaments nachahmen, die mit Gott wandelten! Leider werden wir auf dem Glaubensweg schnell träge. In der Folge verlieren wir unsere Nüchternheit und schlafen geistlich ein. Wenn aber jemand schläft, so hat das Licht, wie hell es auch scheinen mag, keinen Nutzen für ihn. Er gleicht als Schlafender den Toten. Obwohl er gläubig ist, unterscheidet er sich äusserlich kaum von einem Ungläubigen.

Prüfen wir uns selbst! Haben wir es an Wachsamkeit und Treue fehlen lassen? Sind wir träge geworden und eingeschlafen? Haben wir uns als Folge davon mit Ungläubigen verbunden? Dann lasst uns auf die Stimme des Heiligen Geistes hören:

  • «Wache auf, der du schläfst!» Als gläubige Christen gehören wir nicht mehr zu den Kindern der Welt. Wir sind nicht mehr tot in Vergehungen und Sünden, sondern «mit dem Christus lebendig gemacht». Aber vielleicht sind wir eingeschlafen und liegen unter den Toten, als wären wir von ihnen. Ein schlafender Mensch kann ebenso wenig ein gutes Werk vollbringen wie ein Toter. Wenn die Stimme des Heiligen Geistes an unser Ohr dringt, dann lasst uns aufwachen, unsere falsche Stellung erkennen und auf das hören, was der Geist uns weiter zuruft.
  • «Stehe auf aus den Toten!» Diese Aufforderung bedeutet für uns nichts anderes, als uns aus unserem Schlaf zu erheben und uns von den Toten (= Ungläubigen) abzusondern. Das ist unsere erste, vordringliche Aufgabe. Wenn wir sie erfüllen, gilt uns die Verheissung im letzten Teil des Verses.
  • «Der Christus wird dir leuchten!» Ja, der gute Hirte selbst, der die Wahrheit ist, will uns den Weg zeigen, den wir zu seinem Wohlgefallen gehen können. Wenn Er uns leuchtet und wir uns von Ihm den Weg erhellen lassen, gehen wir in völliger Sicherheit vorwärts. Zugleich werden wir immer mehr erkennen, dass jede Gemeinschaft zwischen Licht und Finsternis unmöglich ist.