Jesus Christus – unser grosser Hoherpriester (3)

Hebräer 7; Hebräer 10,22

3. Er führt uns als Priester zu Gott

Die Kapitel 7 – 10,22 stellen uns die zweite Seite seiner Hohenpriesterschaft vor. Der Herr Jesus führt uns als Priester zu Gott ins Heiligtum. Dieser Dienst ist höher als der, der uns in den Kapiteln 3 – 6 beschrieben wird. Warum? Weil seine Tätigkeit zu unseren Gunsten, damit wir hier auf der Erde nicht verzweifeln, sondern das Ziel erreichen, einmal aufhört. Aber sein Dienst im Blick auf unsere Anbetung beginnt, während wir auf der Erde leben, und bleibt in Ewigkeit bestehen. Der Dichter eines Liedes drückt diese Tatsache mit den Worten aus: «Du bleibest Priester ewiglich.»

Wenn wir uns mit diesem Thema beschäftigen, ist es nötig, an die Ausgangslage zu denken. Durch den Sündenfall und durch unsere eigenen Sünden ist uns der Weg zu Gott versperrt. Das wird schon in 1. Mose 3,24 deutlich. Die Cherubim und die Flamme des kreisenden Schwertes verwehrten den Zugang zum Garten Eden. Im Volk Israel führte Gott den Priesterdienst ein, der die Beziehung zwischen Gott und Menschen sicherstellen sollte. Doch die Anordnungen über diesen Priesterdienst zeigen, dass dadurch der Weg zu Gott nicht wirklich geöffnet wurde. Der Schreiber des Hebräer-Briefs möchte uns das klarmachen. Nur der Herr Jesus hat uns durch sein vollkommenes Erlösungswerk am Kreuz den Weg zu Gott aufgetan. Dieser Gedanke wird uns in diesem Abschnitt zu unserer Freude vorgestellt.

Wir wollen den einzelnen Kapiteln eine Überschrift geben:

  • Kapitel 7:   Die Würde der Person und des Dienstes des grossen Priesters.
  • Kapitel 8:   Der Mittler eines besseren Bundes.
  • Kapitel 9:   Wie Er uns den Weg ins Heiligtum geöffnet hat.
  • Kapitel 10,1-22:     Er hat aus Sündern Priester gemacht.

3.1. Er ist der grosse Priester

Hebräer 7,26-28. Denn ein solcher Hoherpriester geziemte uns auch: heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden, der nicht Tag für Tag nötig hat, wie die Hohenpriester, zuerst für die eigenen Sünden Schlachtopfer darzubringen, dann für die des Volkes; denn dies hat er ein für alle Mal getan, als er sich selbst geopfert hat. Denn das Gesetz bestellt Menschen zu Hohenpriestern, die Schwachheit haben; das Wort des Eidschwurs aber, der nach dem Gesetz gekommen ist, einen Sohn, vollendet in Ewigkeit.

«Ein solcher Hoherpriester geziemt uns.» Als gläubige Christen besitzen wir eine himmlische Berufung (Kap. 3,1). Das ist eine hohe Position, die wir aus Gnade empfangen haben. Nur der Herr Jesus als Hoherpriester geziemt uns, die wir eine so hohe Stellung haben. Aaron oder einer seiner Nachkommen würde nicht genügen. Aber unser Hoherpriester ist gross und unserer himmlischen Stellung völlig angemessen. Diese Aussage am Anfang von Vers 26 führt unsere Gedanken zu den vorhergehenden Versen. Sie beschreiben uns die Grösse seiner Person (V. 1-10) und die Grösse seines Priestertums (V. 11-25).

Die Grösse seiner Person (V. 1-10)

Um die Aussage über Melchisedek in Bezug auf die Grösse seiner Person zu verstehen, stellen wir einen Vergleich an. Wenn wir einen Israeliten fragen: Gibt es grosse Männer in eurem Volk?, so antwortet er uns: David, unseren König. Wenn wir weiter fragen: Gibt es noch einen Grösseren als David?, dann sagt er uns: Natürlich, Mose, den Führer durch die Wüste. Wenn wir schliesslich fragen: Ist im Volk Israel noch jemand grösser als Mose?, gibt er uns zur Antwort: der Patriarch Abraham, unser Vater.

Doch Kapitel 7 stellt uns einen Mann vor, der noch höher als Abraham war: der König und Priester Melchisedek. Abraham gab Melchisedek den Zehnten und dieser segnete den Patriarchen. «Ohne allen Widerspruch aber wird das Geringere von dem Besseren gesegnet» (V. 7).

Der Geist Gottes möchte uns die Grösse von Melchisedek vor Augen führen, indem Er uns in Vers 4 auffordert: «Schaut aber, wie gross dieser war!» Dieser bemerkenswerte Melchisedek wird «dem Sohn Gottes verglichen» (V. 3). Die Schlussfolgerung daraus ist: Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist erhabener als der grosse Patriarch Abraham. So bekommen wir einen tiefen Eindruck von der Würde der Person des Herrn Jesus.

Die Grösse seines Dienstes (V. 11-25)

Im Blick auf die Erhabenheit seines Dienstes wird uns die Stärke und die Dauer seines Priestertums vorgestellt:

  • In Vers 16 heisst es, dass der Herr Jesus «nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens» Priester geworden ist. Das spricht von seiner göttlichen Kraft, die Er als Hoherpriester besitzt.
  • Im Blick auf die Dauer seines Priesterdienstes wird in Vers 17 gesagt: «Du bist Priester in Ewigkeit.»

Die Schlussfolgerung in Vers 24 ist klar: «Dieser aber, der in Ewigkeit bleibt, hat ein unveränderliches Priestertum.» In Kapitel 6,20 heisst es das erste Mal, dass Er in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks Hoherpriester geworden ist. Diese Tatsache wird in Kapitel 7 mehrmals wiederholt. Es macht die Höhe seines Amtes aus, dass er ewig Priester bleibt. Er wird uns auch als Hoherpriester dienen, wenn wir droben in der Herrlichkeit sein und unseren Gott in Ewigkeit anbeten werden.

Seine Reinheit (V. 26)

Vers 26 betont die Reinheit des Herrn Jesus. Er ist «heilig, unschuldig, unbefleckt». Wir haben einen reinen Hohenpriester, der ein reines Priestertum ausübt.

Sein Standort (V. 26.28)

Der Herr Jesus ist «abgesondert von den Sündern», d.h. Er hat die Erde verlassen. Er ist «höher als die Himmel geworden». Was bedeutet das? Kapitel 4,14 teilt uns mit, dass Er durch die Himmel gegangen ist. Wir haben bereits bemerkt: Er ist bis zum dritten Himmel, bis zum Thron Gottes, vorgestossen. Aber wenn es jetzt um Anbetung geht, hat Er eine Position, die höher als die Himmel ist.

Der Schreiber des Hebräer-Briefs weiss mehr, als er in diesem Brief zum Ausdruck bringt. Er kennt christliche Wahrheiten, über die er im Hebräer-Brief nicht beauftragt ist zu schreiben. Hier wird uns ein Ort vorgestellt, der höher als die geschaffenen Himmel ist. Es ist das Haus des Vaters. Dorthin ist der Herr als Mensch gegangen, als Er die Erde verliess. Wir beten einerseits vor dem Thron Gottes an (Off 5), anderseits aber auch den Vater (Joh 4). Darum zeigt uns das Wort Gottes hier diesen erhabenen Standort unseres Hohenpriesters. Er ist höher als die Himmel geworden, weil sich unsere Anbetung auch an den Vater richtet. Das ist aber nicht das Thema des Hebräer-Briefs.

Gott hat den Herrn Jesus zu unserem Hohenpriester bestellt als «einen Sohn, vollendet in Ewigkeit». Das spricht zum einen von seiner Fähigkeit, die Er in sich selbst als Sohn Gottes hat. Zum anderen ist Er für diesen Dienst zubereitet oder vollendet worden. Das geschah durch sein Leben, seinen Tod, seine Auferstehung und seine Himmelfahrt.

3.2. Er ist der Mittler des besseren Bundes

Hebräer 8,6.10-12. Jetzt aber hat er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, insofern er auch Mittler eines besseren Bundes ist, der aufgrund besserer Verheissungen gestiftet ist … Denn dies ist der Bund, den ich dem Haus Israel errichten werde nach jenen Tagen, spricht der Herr: Indem ich meine Gesetze in ihren Sinn gebe, werde ich sie auch auf ihre Herzen schreiben; und ich werde ihnen zum Gott und sie werden mir zum Volk sein. Und sie werden nicht jeder seinen Mitbürger und jeder seinen Bruder lehren und sagen: Erkenne den Herrn! Denn alle werden mich erkennen vom Kleinen bis zum Grossen unter ihnen. Denn ich werde ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken.

Kapitel 8 stellt uns den besseren Bund vor. Es gibt in der Bibel eine ganze Anzahl von Bündnissen, die Gott mit Menschen geschlossen hat. Aber es gibt eigentlich nur zwei wichtige Bündnisse. Das sind der Bund vom Sinai und der neue Bund.

Der erste Bund wurde mit Israel auf der Grundlage gegenseitiger Verpflichtungen geschlossen. Aber das Volk hat diesen Bund gebrochen. Der neue oder bessere Bund gründet sich auf das Blut des Herrn Jesus, d.h. auf sein Erlösungswerk. Er ist der Mittler dieses Bundes, der ebenfalls mit Israel geschlossen wird. Das wird in Kapitel 8,10 sehr deutlich: «Dies ist der Bund, den ich dem Haus Israel errichten werde.»

Doch überraschenderweise nennt sich der Apostel Paulus in 2. Korinther 3 ein Diener des neuen Bundes. Obwohl dieser Bund nicht mit uns Christen geschlossen wird, dürfen wir die Segnungen, die mit ihm verbunden sind, geistlich vorwegnehmen. Das ist der Grund, warum der Apostel Paulus ein Diener des neuen Bundes ist und warum hier in Kapitel 8 der Herr als Mittler eines besseren Bundes vorgestellt wird.

Wir finden in den Versen 10-12 die vier grossen Elemente des neuen Bundes:

Das Gesetz im Herzen (V. 10)

Beim neuen Bund ist das Gesetz nicht mehr auf Tafeln, sondern in die Herzen eingeschrieben. Diese Tatsache nehmen wir als Christen vorweg. Das Wort Gottes ist durch das neue Leben, das wir empfangen haben, in unseren Herzen lebendig. Jakobus schreibt: «Nehmt mit Sanftmut das eingepflanzte Wort auf» (Jak 1,21). Mit dem Ausdruck «das eingepflanzte Wort» will er uns klarmachen, dass wir durch das Wort Gottes gezeugt worden sind und neues Leben besitzen. Und dieses neue Leben hat Verlangen nach dem Wort Gottes. So ist das Wort in unseren Herzen.

Volle Gemeinschaft mit Gott (V. 10)

«Ich werde ihnen zum Gott und sie werden mir zum Volk sein.» Das wird im Tausendjährigen Reich für das Volk Israel Wirklichkeit werden. Doch wir besitzen bereits jetzt volle Gemeinschaft mit unserem Gott.

Volle Erkenntnis des Herrn (V. 11)

«Alle werden mich erkennen vom Kleinen bis zum Grossen.» Im Blick auf diese herrliche zukünftige Tatsache sagt Jesaja: «Die Erde wird voll Erkenntnis des HERRN sein, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken» (Jes 11,9). Als Christen kennen wir bereits heute unseren Gott und unseren Herrn Jesus Christus.

Die Sünden sind für immer verschwunden (V. 12)

«Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken.» Das Volk Israel wird im Tausendjährigen Reich die Gewissheit haben: Alle Sünden sind für immer verschwunden. Im Blick auf unsere Sünden ruhen wir schon jetzt im vollkommen vollbrachten Werk unseres Heilands. Gott hat sie uns vergeben und wird nie mehr darauf zurückkommen.

Diese vier Elemente sind wichtige Voraussetzungen für die Ausübung unseres Priesterdienstes.

3.3. Er öffnet den Weg zu Gott

Hebräer 9,14.21-24. Wie viel mehr wird das Blut des Christus, der durch den ewigen Geist sich selbst ohne Flecken Gott geopfert hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen! … Aber auch die Hütte und alle Geräte des Dienstes besprengte er ebenso mit dem Blut; und fast alle Dinge werden mit Blut gereinigt nach dem Gesetz, und ohne Blutvergiessung gibt es keine Vergebung. Es war nun nötig, dass die Abbilder der Dinge in den Himmeln hierdurch gereinigt wurden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Schlachtopfer als diese. Denn Christus ist nicht eingegangen in das mit Händen gemachte Heiligtum, ein Gegenbild des wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen.

Kapitel 9 behandelt die Tatsache, dass der Herr Jesus uns den Weg zu Gott geöffnet hat. Dieser Weg war durch unsere Sünden verbaut und verunreinigt. Doch Jesus Christus hat uns durch sein Opfer am Kreuz den Zugang zu Gott aufgetan. Drei Schwerpunkte fallen in diesem Kapitel auf:

  • ein gereinigtes Gewissen;
  • ein geöffneter Weg;
  • eine ewige Erlösung.

Ein gereinigtes Gewissen (V. 14)

Damit wir diesen neuen Weg zu Gott in Ruhe beschreiten können, brauchen wir ein gereinigtes Gewissen. Das ist auf der Grundlage des Opfers unseres Herrn möglich. Er hat «durch den ewigen Geist» – das ist der Geist Gottes – «sich selbst ohne Flecken Gott geopfert». Hier steht das Element des Brandopfers vor uns. In seinem Tod hat der Herr Jesus Gott in Bezug auf die Sünde vollkommen befriedigt. Das tat Er am Platz der Sünde, denn sein Kreuz stand auf der Erde. Wir wissen: Sein Opfer ist vollkommen und Gott hat dieses Werk völlig angenommen.

Das entlastet unser Gewissen. Mit einem auf solch vollkommene Weise gereinigten Gewissen nahen wir Gott, obwohl wir noch mit den Füssen auf der Erde – also am Ort der Sünde – stehen und obwohl die Sünde noch in uns wirksam sein kann. Das hat nichts mit unserer Praxis zu tun, sondern mit dem vollgültigen Erlösungswerk unseres Herrn und mit unserer Kenntnis davon. Mit Freude und tiefer Dankbarkeit bezeugen wir:

  • Da, wo Gott mit Wonne ruhet,
    bin auch ich zur Ruh gesetzt.

Diese Ruhe zu kennen ist eine Voraussetzung, um in die Gegenwart Gottes treten zu können.

Ein geöffneter Weg (V. 21-23)

Unsere Sünden haben den Weg zu Gott beschmutzt. Es war daher für uns Menschen unmöglich geworden, ihn zu betreten. Doch der Herr Jesus hat durch sein Blut diesen Weg oder Zugang gereinigt. Der Schreiber nimmt dabei Bezug auf die Reinigung der Geräte und der Stiftshütte im Alten Testament. Fast alles wurde mit Blut besprengt. Das ist eine Illustration der Reinigung des Zugangs zu Gott. «Es war nun nötig, dass die Abbilder der Dinge in den Himmeln hierdurch gereinigt wurden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Schlachtopfer als diese.» Durch das vollkommene Opfer unseres Herrn ist der Weg in das himmlische Heiligtum, d.h. in die Gegenwart Gottes, gereinigt worden.

Wir möchten auf einen Unterschied zwischen Vers 22 und Kolosser 1,20 hinweisen. Die Versöhnung der Dinge im Himmel, die der Kolosser-Brief anspricht, ist noch zukünftig. Einmal wird Satan aus dem Himmel geworfen werden. Dann wird der Himmel auf der Grundlage des Todes des Herrn Jesus gereinigt, d.h. wieder in völlige Übereinstimmung mit Gott gebracht werden. Hier in Hebräer 9 geht es aber um den Zugang zu Gott, der gereinigt ist, damit wir schon heute im Geist zu Ihm kommen können.

Diese Reinigung geschah durch bessere Schlachtopfer. Das nimmt Bezug auf 2. Mose 24,5-8 und macht klar, dass es sich um die Aspekte des Brand- und Friedensopfers handelt. Der Herr Jesus hat natürlich nur ein Opfer gebracht. Die Erfüllung des Friedensopfers in seinem Tod ermöglicht uns den Zugang zu Gott und die Gemeinschaft mit Ihm.

Eine ewige Erlösung (V. 24)

Christus ist nach vollbrachtem Erlösungswerk in den Himmel gegangen, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen. Wir verbinden diese Aussage mit Vers 12. Kraft seines eigenen Blutes hält Er sich in der Gegenwart Gottes auf und bleibt ewig dort. Dadurch hat Er eine ewige Erlösung bewirkt. Damit wird klar, dass der Zugang zu Gott für uns ewig offen bleibt und wir Ihm ewig in Anbetung nahen werden. Unser Priesterdienst beginnt schon auf der Erde, wird aber in Ewigkeit fortbestehen.

Damit Vers 12 nicht falsch verstanden wird, weisen wir darauf hin, dass der Herr Jesus nicht buchstäblich mit seinem Blut in den Himmel gegangen ist. Das ist nicht so. Es geht vielmehr darum, dass sein Blut, d.h. sein Tod, den Zugang in die unmittelbare Gegenwart Gottes geöffnet hat. Seine Anwesenheit dort ist der Beweis dafür. Treffend sagt der Dichter:

  • Vor Gottes Thron bist Du, o Herr,
    für uns erschienen;
    dein eignes Blut spricht jetzt für uns
    im Heiligtum;
    versöhnt sind wir durch Dich,
    um ewig Gott zu dienen
    und zu verkünden deinen Ruhm.

So finden wir in diesem Kapitel im Blick auf unseren Priesterdienst drei wichtige Auswirkungen seines vollkommenen Opfers:

  1. Ein gereinigtes Gewissen – das betrifft die Freimütigkeit der Priester.
  2. Einen geöffneten Weg – das betrifft den Zugang zu Gott.
  3. Eine ewige Erlösung – das betrifft das ewige Fortbestehen unserer Anbetung.

3.4. Er heiligt die Priester

Hebräer 10,5-7.10.19-22. Darum, als er in die Welt kommt, spricht er: «Schlachtopfer und Speisopfer hast du nicht gewollt, einen Leib aber hast du mir bereitet; an Brandopfern und Opfern für die Sünde hast du kein Wohlgefallen gefunden. Da sprach ich: Siehe, ich komme (in der Rolle des Buches steht von mir geschrieben), um deinen Willen, o Gott, zu tun.»

Durch diesen Willen sind wir geheiligt durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi …

Da wir nun, Brüder, Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum durch das Blut Jesu, auf dem neuen und lebendigen Weg, den er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch, und einen grossen Priester haben über das Haus Gottes, so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und so gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.

Kapitel 10 beschreibt den grossen Gedanken, dass der Herr Jesus aus Sündern Priester gemacht hat. Wir möchten aus diesem Kapitel drei Tatsachen hervorheben:

  • Die Rolle des Buches;
  • Er heiligt uns durch sein Opfer;
  • Er gibt uns Freimütigkeit.

Die Rolle des Buches (V. 5-7)

Wann hatte Gott den Wunsch, Priester zu haben, die Ihn anbeten? In der Ewigkeit. Die Rolle des Buches ist das Buch der ewigen Ratschlüsse Gottes. Dort findet sich der Ursprung oder der Ausgangspunkt unserer heiligen Priesterschaft.

In dieser Buchrolle steht etwas vom Herrn Jesus geschrieben. Er ist der Erfüller dieser ewigen Pläne Gottes.

Die Verse 5-7 sind erhaben, denn wir dürfen zuhören, wie die Personen der Gottheit miteinander reden. In Vers 5 spricht der Sohn Gottes. Zuerst sagt Er: «Siehe, ich komme!» Das ist seine Freiwilligkeit. Doch Er fügt hinzu: «Um deinen Willen, o Gott, zu tun.» Das ist sein Gehorsam. Dies sind die beiden grossen Elemente seines Kommens, die Er auch in Johannes 17 erwähnt: «Ich bin von dem Vater ausgegangen» und: «Der Vater hat mich gesandt.»

Das Zitat hier stammt aus Psalm 40. Doch es gibt einen Unterschied. In Psalm 40,7 heisst es: «Ohren hast du mir bereitet.» Die Ohren illustrieren seine Bereitschaft, als Mensch Aufträge von Gott entgegenzunehmen. Hier in Vers 5 steht hingegen: «Einen Leib hast du mir bereitet.» Das spricht davon, dass der Herr Jesus Mensch geworden ist, um die Aufträge Gottes auszuführen.

Er heiligt uns durch sein Opfer (V. 10)

«Durch diesen Willen sind wir geheiligt durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.» Was beinhaltete der Wille Gottes, den der Herr Jesus bereit war zu tun? Gott wollte aus Sündern Priester und Anbeter machen. Doch das konnte nur in Erfüllung gehen, wenn Jesus Christus am Kreuz das Opfer stellte. Vers 6 macht klar, dass die Opfer im Alten Testament diesem Willen nicht völlig entsprechen konnten. Nur der Tod des Herrn Jesus konnte die Grundlage unserer Priesterschaft legen. Als das echte Brandopfer hat Er alle Ansprüche Gottes diesbezüglich erfüllt. Unter dem Aspekt des Sündopfers hat Er in seinem Tod allen unseren Bedürfnissen entsprochen.

«Durch diesen Willen sind wir geheiligt.» Wir sind auf der Grundlage seines Opfers geheiligt, damit wir als Priester zu einem heiligen Gott passen.

Wie gross ist sein Erlösungswerk! Wie herrlich ist unser Herr! Wir können nicht hoch genug über seine Person, nicht vollkommen genug von seinem Erlösungswerk und nicht weit reichend genug von den Auswirkungen dieses Werks denken.

Er gibt uns Freimütigkeit (V. 19)

Es stellt sich die Frage, ob wir in den Versen 19-22 Lehre oder Praxis haben. Wir wollen es einmal so ausdrücken: Es geht hier um die Realisierung der Tatsache, dass wir Priester sind. Wir setzen das, was wir bis jetzt gelernt haben, in die Praxis um. Wie das geschieht, belehrt uns dieser Abschnitt.

Was gibt uns Freimütigkeit zum Eintritt ins Heiligtum? Erstens die Tatsache, dass es Gottes Wille ist, zweitens das vollgültige Werk des Herrn Jesus und drittens unsere persönliche Heiligung zu Priestern. Wir dürfen persönlich und gemeinsam in die Gegenwart Gottes treten. Das Heiligtum ist der Himmel, die unmittelbare Nähe Gottes. Wenn wir am Sonntagmorgen gemeinsam ins Heiligtum eintreten, stehen wir mit den Füssen auf der Erde, aber im Herzen befinden wir uns im Himmel bei Gott.

Der neue und lebendige Weg (V. 20)

Der Weg in die Gegenwart Gottes ist neu und lebendig. Wenn es einen neuen Weg gibt, dann gab es einmal einen alten. Der Charakter des neuen Weges ist, dass er breit ist. Der alte war schmal. Da konnte nur eine Familie hineingehen, die Familie Aarons. Aber auf dem neuen Weg dürfen alle Erlösten, Brüder und Schwestern, zu Gott kommen.

Dieser Weg ist auch lebendig. Im Gegensatz dazu gab es früher einen toten Weg. Dieser war damals breit, denn im Alten Testament und zur Zeit, da der Herr hier lebte, traten auch unbekehrte Priester ins Heiligtum ein. Sie hatten kein Leben aus Gott, doch weil sie Nachkommen Aarons waren, konnten sie ins irdische Heiligtum hineingehen. Der lebendige Weg ist jetzt schmal. Beim christlichen Gottesdienst können nur Menschen eintreten, die Leben aus Gott besitzen.

Er hat den Weg geöffnet (V. 20)

«Den er uns eingeweiht hat durch den Vorhang hin, das ist sein Fleisch.» Beim Ausdruck «Fleisch» haben wir den Herrn Jesus als Mensch vor uns, wie Er einst hier lebte, starb, auferstand und als Mensch in den Himmel ging. Dadurch hat Er uns den Weg eingeweiht oder geöffnet. Wir führen dazu drei Bibelstellen an:

  • «Das Wort wurde Fleisch» (Joh 1,14). Hier geht es um die Menschwerdung des Herrn Jesus.
  • «… im Leib seines Fleisches durch den Tod» (Kol 1,22). Dieser Vers spricht von seinem Sterben am Kreuz.
  • «Ein Geist hat nicht Fleisch und Gebein, wie ihr seht, dass ich habe» (Lk 24,39). Das sagte der Herr Jesus als auferstandener Mensch. Als solcher ist Er in den Himmel gegangen.

Doch die Aussage in Vers 20 enthält noch eine zweite grosse Tatsache. Als der Herr Jesus am Kreuz rief: «Es ist vollbracht!», wurde durch unsichtbare göttliche Hand der Vorhang im Tempel von oben nach unten zerrissen. Dadurch wurde die Trennung zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten aufgehoben. Als Priester stehen wir im Geist im Heiligtum, und weil der Vorhang zerrissen ist, befinden wir uns in der unmittelbaren Gegenwart eines heiligen Gottes. Wir sind dort ohne Furcht, weil wir in die Gnade des Erlösungswerks von Golgatha eingehüllt sind.

Der grosse Priester (V.21)

Der Herr Jesus ist der grosse Priester, der über das Haus Gottes bestellt ist (Kap. 3,2.6). Hier steht mehr der Gedanke vor uns, dass Er das Lob und die Anbetung anführt.

Wie treten wir ein? (V. 22)

  1. Mit wahrhaftigen Herzen. Das sind Herzen, die von der christlichen Wahrheit belehrt und erfüllt sind. Unsere Zuneigungen sind durch das christliche Gedankengut im Neuen Testament gebildet.
  2. In voller Gewissheit des Glaubens. Das bedeutet, dass wir in der vollen Kenntnis eines vollbrachten Erlösungswerks in Gottes Gegenwart treten.
  3. Mit besprengten Herzen und so gereinigt vom bösen Gewissen. Das nimmt Bezug auf die Besprengung der Priester mit Blut und bezeichnet eine Wirkung des Todes des Herrn. Die Begebenheit in Johannes 19,33-35 hilft uns, diesen Gedanken zu verstehen. Nachdem der Herr gestorben war, durchbohrte der Soldat die Seite des Herrn und es kam Blut und Wasser heraus. Johannes hat das damals gesehen. Etwa 50 Jahre später gibt er im fünften Kapitel seines ersten Briefs Belehrungen darüber. Das Blut und das Wasser zeugen von den Auswirkungen des Opfertodes des Herrn Jesus.
    Das Blut zeugt davon, dass auf der Grundlage des Werks des Herrn Jesus meine Sünden für immer vor den heiligen Augen Gottes verschwunden sind. Das ist das Werk Gottes für mich, aber ausserhalb von mir, d.h. vor Gott. Der heilige Gott forderte Sühnung für meine vielen Sünden. Diese Sühnung konnte ich nicht vollbringen. Doch als ich mich im Glauben an Jesus Christus wandte und Ihn als persönlichen Heiland für mich annahm, da kam ich in den Genuss der Auswirkungen seines Erlösungswerks. Weil mein Heiland in den drei Stunden der Finsternis meine Sünden trug und Sühnung dafür getan hat, hat sein Blut alle meine Sünden vor Gott ausgetilgt.
    Das Bewusstsein dieser grundlegenden Tatsache macht unsere Herzen frei, Gott anzubeten, weil unsere Gewissen entlastet sind.
  4. Den Leib mit reinem Wasser gewaschen. Dieser Ausdruck bezieht sich auf die Waschung der Priester, spricht aber von der Auswirkung des Erlösungswerks für die Glaubenden. Das Wasser zeugt davon, dass ich auf der Grundlage des Todes des Herrn Jesus neues Leben bekommen habe. Das ist das Werk Gottes in mir. Der Herr spricht davon in Johannes 13,10 zu Petrus: «Wer gebadet ist … ist ganz rein.» Es ist das Wasserbad der Neugeburt, durch das ich neues Leben bekommen habe.
    Schliesslich geschah noch ein drittes Werk Gottes. Das ist unbedingt auch in diesem Wasser zu sehen. Es zeugt von der Tatsache, dass ich auf der Grundlage des Erlösungswerks am Kreuz von einem Boden genommen und auf einen anderen gestellt worden bin. Ich habe das Terrain gewechselt. Vor der Bekehrung stand ich auf dem Boden der Sünder und jetzt stehe ich auf dem Boden der Priester. Das ist das Werk Gottes mit mir. In Titus 3,5 lesen wir von der Waschung der Wiedergeburt. Da geht es tatsächlich um eine Veränderung des Terrains. Die beiden Heilstatsachen, die mit dem Wasser gemeint sind, finden wir auch in Epheser 2,5.6. «Mitlebendig gemacht» – das ist neues Leben. «Mitauferweckt» – das ist der Wechsel auf den Boden der neuen Schöpfung.
    Das neue Leben und der neue Boden, auf dem wir als Priester stehen, machen uns fähig, einen heiligen Gott anzubeten.

So dürfen wir als gereinigte Priester vor einem heiligen Gott stehen! Wie erhaben ist unsere Stellung! Jetzt schon in einem schwachen Körper noch auf der Erde stehend, oft in schweren und turbulenten Umständen des Lebens, beten wir Ihn an. Er nimmt das in seiner Gnade von uns an. Doch wir schauen nach dem nahen, grossen Tag aus, an dem der Herr Jesus wiederkommt. Was wird das sein, wenn wir Ihn sehen werden! Dann werden wir nicht mehr stammeln, sondern Ihn mit vollkommenen Lippen ewig preisen und durch Ihn den grossen, ewigen Gott anbeten.