Anbetung – häufig gestellte Fragen (2)

Anbetung zur Zeit des Alten Testaments

5) Wurde Gott in alttestamentlicher Zeit angebetet?

Ja, es gab persönliche und gemeinsame Anbetung. Es wird von vielen Personen berichtet, die sich einzeln in Anbetung vor Gott niedergebeugt haben. Wir erwähnen als Beispiele:

  • Abraham (1. Mo 22,5),
  • Abrahams Knecht (1. Mo 24,26),
  • Josua (Jos 5,14),
  • Elkana (1. Sam 1,3),
  • David (2. Sam 15,32) und
  • Hiob (Hiob 1,20).

Aber es gibt auch viele Beispiele, wo gemeinsam angebetet wurde:

  • die Kinder Israel (2. Mo 4,31; 2. Chr 7,3; Neh 9,3),
  • die ganze Versammlung Israels (1. Chr 29,20),
  • das Volk (2. Mo 12,27),
  • Josaphat, Juda und Jerusalem (2. Chr 20,18),
  • Hiskia und die ganze Versammlung Israels (2. Chr 29,28-30) und
  • das ganze Volk (2. Mo 33,10; Neh 8,6).

Sodann gibt es auch Beispiele dafür, dass Engel Gott anbeten (Neh 9,6; Heb 1,6).

6) Wie haben die Gläubigen in alttestamentlicher Zeit angebetet?

Die gemeinsame Anbetung im Alten Testament

  • war grösstenteils materiell und beinhaltete tierische Opfer und das Darbringen von Weihrauch, Speisopfern, Erstlingsfrüchten usw.
  • war durch formelle Zeremonien, heilige Orte, spezielle Kleider, vermittelnde Priester, zeremonielle Waschungen usw. streng geregelt.
  • illustriert die christliche Anbetung (→ Fragen 7 bis 11) und unterscheidet sich doch grundlegend von ihr (→ Frage 12).

Illustrationen der christlichen Anbetung

7) Welche alttestamentlichen Bilder der Anbetung gibt es?

Die grossen alttestamentlichen Vorbilder der Anbetung sind folgende:

  • die Altäre, die von einzelnen Personen aufgerichtet wurden (→ Frage 8),
  • die Opfer auf dem kupfernen Altar – besonders das Brandopfer (2. Mo 27,1-8; 3. Mo 1; → Frage 9),
  • das Räucherwerk auf dem goldenen Altar (2. Mo 30,1-10; → Frage 10),
  • das Darbringen des Korbs mit den Erstlingsfrüchten (5. Mo 26; → Frage 11).

8) Was lernen wir von den Altären im Alten Testament?

Nach der Flut – als Noah gerettet war und die gereinigte Erde betrat – baute er einen Altar und brachte reine Tiere als Opfer dar (1. Mo 8,20). Die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob bauten Altäre, um Gott zu nahen (1. Mo 12,7.8; 13,4.18; 22,9; 26,25; 33,20; 35,1-7). Am Altar hatten sie Gemeinschaft mit Gott und beteten Ihn an.

Von diesen Altären können wir zwei wichtige Lektionen lernen:

  • Glaubende sollen Anbeter sein.
  • Anbetung basiert auf unserer Erkenntnis von Gott, denn die Altäre wurden damals nach einer speziellen Offenbarung Gottes oder einer besonderen Erfahrung mit Ihm gebaut.

9) Werfen die Opfer im Alten Testament Licht auf die Anbetung?

Ja, das tun sie. Auf der einen Seite sprechen diese Opfer vom Herrn Jesus (3. Mo 1 – 7; 3. Mo 16; 4. Mo 19 usw.). Diese symbolische Bedeutung der Opfer wird im Neuen Testament ausdrücklich bestätigt (Eph 5,2; Heb 9 – 10).

Das Speisopfer illustriert sein vollkommenes Leben (3. Mo 2). Gewisse Details bei anderen Opfern weisen ebenfalls auf die Vollkommenheit in seinem Leben hin. Es heisst zum Beispiel, dass das Opfertier «ohne Fehl» sein musste (3. Mo 1,3). So war Jesus Christus in seinem Leben «ohne Flecken und ohne Fehl» (1. Pet 1,19). Das war eine Voraussetzung für seinen Opfertod.

Die Opfer, bei denen Blut vergossen wurde, sprechen vom Tod des Herrn Jesus. Sie illustrieren, dass sein Tod

  • Gott verherrlicht hat (Brandopfer),
  • die Basis für Gemeinschaft und der Gegenstand der Gemeinschaft ist (Friedensopfer),
  • die Sünden gesühnt hat (Sündopfer) und
  • den verursachten Schaden gutgemacht hat (Schuldopfer).

Viele verschiedene Tieropfer und viele unterschiedliche Arten der Darbringung waren nötig, um das Werk des Herrn Jesus am Kreuz im Voraus anzudeuten. So geben die Opfer des Alten Testaments in ihren unterschiedlichen Aspekten viel Stoff für die christliche Anbetung, wenn wir ihre symbolische Bedeutung im Blick auf Jesus Christus erkennen.

Auf der anderen Seite sprechen manche dieser Opfer – besonders das Brandopfer (3. Mo 1) – von der Anbetung selbst:

  • Der zentrale Gedanke dieser Opfer war, dass Gott etwas dargebracht wurde. Zudem sollte es ein Opfer sein, an dem Er Gefallen finden konnte, d.h. das zum «lieblichen Geruch dem HERRN» war (3. Mo 1,9.13.17).
  • Gott bestimmte, was Er als Opfer annahm und welche Opfergabe Er nicht akzeptierte. Er legte auch fest, wie das Opfer gebracht werden sollte. Jedes Detail musste von seinem Sohn sprechen.

10) Was lernen wir vom goldenen Räucheraltar?

Der goldene Altar befand sich im Heiligtum des Zeltes der Zusammenkunft gerade vor dem Vorhang, der den Zugang zum Allerheiligsten versperrte (2. Mo 30,1-10). Jeden Morgen musste der Hohepriester Aaron das Räucherwerk auf diesem Altar räuchern. So erfüllte der liebliche Geruch des Räucherwerks – das von der Vollkommenheit des Herrn Jesus spricht – jeden Tag das Heiligtum. Dieses Bild spricht von der Tatsache, dass sowohl unsere Gebete als auch unsere Anbetung in der Annehmlichkeit von Christus vor Gott kommen.

Für den Sühnungstag, wenn Aaron ins Allerheiligste, in die Gegenwart Gottes, treten sollte, bekam er genaue Anweisungen: «Er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor den HERRN, damit die Wolke des Räucherwerks den Deckel bedecke, der auf dem Zeugnis ist, und er nicht sterbe» (3. Mo 16,13). Diese Handlung zeigt unser Vorrecht, in die Gegenwart Gottes «einzutreten» und «hinzuzutreten», um Ihn dort anzubeten (Heb 10,19.22). Eingehüllt in die Wohlannehmlichkeit Christi treten wir als Anbeter vor Gott. Denn wir wissen, dass wir angenehm gemacht sind in dem Geliebten (Eph 1,6).

11) Was lernen wir von den Anweisungen in 5. Mose 26?

Dieser Abschnitt belehrte die Israeliten über die Zeit, wenn sie im verheissenen Land sein würden. Sie sollten die Erstlingsfrüchte der Ernte in einen Korb sammeln und damit «an den Ort gehen, den der HERR, dein Gott, erwählen wird, um seinen Namen dort wohnen zu lassen». Dort sollten sie ihre Geschichte als Volk erzählen und davon sprechen, wie Gott sie gesegnet hatte. Dann sollten sie die Erstlingsfrüchte vor dem HERRN niederlegen und Ihn anbeten.

Es gibt einige Unterschiede zur christlichen Anbetung: Wir sollten zum Beispiel beim Anbeten nicht in erster Linie mit uns, unserer Errettung oder unseren Segnungen beschäftigt sein. Vielmehr soll Christus und sein Werk das Zentrum unserer Anbetung bilden. Dennoch enthält 5. Mose 26 einige praktische Lektionen für uns:

  • Die Israeliten mussten im Land leben, damit sie die Erstlingsfrüchte sammeln konnten. Auf uns Christen übertragen heisst das: Nur wer die christliche Stellung vor Gott versteht und geniesst, kann ein aktiver Anbeter sein.
  • So wie die Israeliten zuerst Früchte sammeln mussten, so ist es nötig, dass wir mit Christus beschäftigt sind, damit wir etwas haben, was wir Gott anbetend bringen können.
  • Es wurden die Erstlingsfrüchte, nicht die Reste geopfert. Daraus lernen wir für uns, dass Gott und seine Anbetung den ersten Platz einnehmen sollen.
  • Die Früchte mussten frisch sein und konnten nicht für lange Zeit gelagert werden. Das zeigt, dass unsere Anbetung frisch und lebendig sein soll. Was wir Gott bringen, soll dem persönlichen Genuss des Herrn Jesus und seines Werks entspringen.
  • «Du sollst dich an all dem Guten erfreuen» (V. 11). Anbetung drückt Freude aus.
  • Die Worte, die der Israelit vor Gott aussprach, machen klar, dass Anbetung nicht aus unverständlichen Tönen oder endlosen Wiederholungen besteht. Wenn wir Gott anbeten, drücken wir uns mit verständlichen Worten aus. Wir reden von Ihm und seinem Charakter, der in seinen Taten oder Wegen zum Ausdruck kommt.

Unterschiede zur christlichen Anbetung

12) Wie unterscheidet sich die israelitische Anbetung von der christlichen Anbetung?

Einerseits enthält der israelitische Gottesdienst, der im Alten Testament beschrieben wird, viele Bilder, die wir geistlich auf die christliche Anbetung übertragen können (→ Fragen 7 bis 11). Anderseits gibt es fundamentale Unterschiede zur christlichen Anbetung:

  • Die israelitische Anbetung basierte auf Zeremonien. Alles war auf das Materielle ausgerichtet: Es gab das wunderschöne Zelt in der Wüste oder den herrlichen Tempel im Land. Altäre, tierische Opfer, Räucherwerke und spezielle Kleider prägten den israelitischen Gottesdienst. Die christliche Anbetung hingegen ist geistlich (Joh 4,23).
  • Die israelitische Anbetung bestand aus Zeremonien, die im Wesentlichen nur Schatten waren. Das Christentum besitzt die Wirklichkeit oder den Körper, der damals vorgeschattet wurde. So haben wir heute «das Ebenbild der Dinge» (Heb 10,1, siehe auch Kol 2,17).
  • Die israelitische Anbetung schaute vorwärts auf das, was Gott schon im Voraus wusste und schliesslich am Kreuz geschehen würde. Im Gegensatz dazu gründet sich christliche Anbetung auf das vollbrachte Werk des Herrn Jesus (Heb 9,12.14). Seit Christus gekommen und am Kreuz gestorben ist, will Gott nicht länger tierische Opfer annehmen (Heb 10,5.6).
  • Die israelitische Anbetung war charakterisiert durch das wiederholte Vergiessen von Blut (Heb 10,1). Christliche Anbetung hingegen basiert auf der Tatsache, dass das Erlösungswerk vollbracht ist. Das Blut des Herrn Jesus wurde «ein für alle Mal» vergossen (Heb 9,12.26; 10,12).
  • Die israelitische Anbetung war durch verschiedene Klassen innerhalb des Volks gekennzeichnet: der Hohepriester, die Priester, die Leviten und das normale Volk. Im Christentum ist der Herr Jesus der «grosse Hohepriester». Es gibt keinen anderen Mittler, weder «Heilige» noch Maria, noch eine spezielle Klasse von «Priestern» (1. Tim 2,5). Alle Glaubenden sind Priester (1. Pet 2,5; Off 1,6) und haben direkten Zugang zu Gott (Eph 2,18; Heb 10,19-22).
  • Der israelitische Gottesdienst machte nichts vollkommen (Heb 7,19; 9,8; 10,1.4). Christliche Anbeter dagegen sind vollkommen gemacht (Heb 10,14). Das betrifft ihre Stellung vor Gott. Ihre Praxis ist eine andere Sache. Solange wir noch auf der Erde sind, haben wir das Fleisch in uns. Obwohl wir nicht sündigen sollen, kommt es leider vor, dass wir fallen. Doch durch ein aufrichtiges Bekenntnis der vorgefallenen Sünde vor Gott, dem Vater, kommt die Sache wieder in Ordnung. Trotzdem wissen wir: Christus hat ein für alle Mal gelitten. Gott sieht uns in Ihm und wirft uns nichts vor. Deshalb haben wir ein gereinigtes Gewissen und die Freimütigkeit, in Anbetung «hinzuzutreten» (Heb 10,19.22). Das kannten die Anbeter aus Israel nicht.
  • Die israelitische Anbetung richtete sich an den HERRN, d.h. an den Bundesgott Israels (1. Mo 13,18; 5. Mo 26,4). Christen kennen Gott als ihren Vater. Darum beten sie den Vater (Joh 4,23) und seinen Sohn Jesus Christus an.

Wir wollen diese Unterschiede an einem Beispiel verdeutlichen: Wenn Christen heute wirklich Weihrauch verbrennen, dann handeln sie einerseits im Widerspruch zum geistlichen Charakter der christlichen Anbetung. Anderseits verhalten sie sich dabei so, als wüssten sie nicht, dass die alt­tes­ta­ment­li­chen Vorausbilder durch Jesus Christus und sein Erlösungswerk in Erfüllung gegangen sind.

Aus diesen Unterschieden ziehen wir eine wichtige Schlussfolgerung: Wenn wir in der christlichen Zeit spezielle Gewänder, Altäre, Räucherwerke benutzen oder eine spezielle Klasse von Priestern haben, kehren wir zum Judentum zurück. Doch genau davor warnt uns der Hebräer-Brief auf un­miss­ver­ständ­li­che Weise.