Anbetung – häufig gestellte Fragen (4)

Die christliche Anbetung (Fortsetzung)

20) Beten Christen den Herrn als ihren König an?

Viele tun es wahrscheinlich. Aber ist es richtig? Als Christen kennen wir Jesus Christus als unseren Herrn (Apg 2,36; 1. Kor 1,2), als unseren Erretter (Eph 1,7), als unseren Bräutigam (Off 22,17) und als unser Haupt (Kol 1,18). Er wird jedoch nie unser König genannt. Wir freuen uns natürlich auf die Zeit, da Christus hier als König regieren und alle Ehre bekommen wird. Aber selbst dann wird Er nicht über uns herrschen, sondern wir werden mit Ihm regieren. Unsere Beziehung zu Ihm ist viel enger. Das sollte sich auch in der Anbetung widerspiegeln.

Wir wollen das an einem Beispiel verdeutlichen: Wie wird die Frau eines Staatspräsidenten ihren Mann begrüssen, wenn er am Abend nach Hause kommt? Wird sie zu ihm sagen: «Guten Abend, Herr Präsident?» Sicher nicht! So sehr sie sich auch über seinen hohen Posten freut, für sie ist er ihr Ehemann, den sie liebt, und nicht ihr «Herr Präsident».

21) Ist Anbetung wirklich eine sinnvolle Aktivität?

In Johannes 4,23 sagt der Herr Jesus: «Der Vater sucht solche als seine Anbeter.» Das ist umso bemerkenswerter, als es nie heisst, dass Er Lehrer, Hirten, Evangelisten oder sonst irgendetwas sucht. Das zeigt, wie sehr sich Gott über die Anbetung als Antwort unserer Herzen freut.

In Johannes 12 wird die Anbetung durch die Handlung von Maria von Bethanien bildlich dargestellt. Als sie mit dem sehr kostbaren Salböl die Füsse des Herrn Jesus salbte, wurde das Haus vom Geruch des Salböls erfüllt. Judas sah das als Verschwendung an. Seiner Meinung nach wäre das Geld, das man durch den Verkauf dieses teuren Salböls bekommen hätte, besser für die Bedürfnisse der Menschen eingesetzt worden – sozusagen als soziales Engagement. Doch der Sohn Gottes verteidigte Maria: «Erlaube ihr, es auf den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt zu haben; denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit.» Wenn wir für die Anbetung Zeit und Kraft aufwenden, ist es nie eine Verschwendung. Wenn es je einen «guten Zweck» gegeben hat, ist es die Anbetung. Sie ist die höchste Form von Dienst, weil sie sich direkt an Gott richtet.

Nach 70 Jahren im babylonischen Exil kehrte eine Minderheit der Juden nach Jerusalem zurück. Was war das Erste, das sie dort taten? Sie bauten den Altar wieder auf, damit sie ihrem Gott opfern konnten (Esra 3,2-3). Anbetung hatte für sie höchste Priorität.

22) Ist Anbetung dasselbe wie Dienst?

In einem gewissen Sinn ist Anbetung Dienst, nämlich Gottesdienst. Wenn dieser Aspekt der Anbetung betont wird, gebraucht der Heilige Geist in der Bibel das griechische Wort «latreuo». Aber nicht jeder Dienst ist Anbetung. Dienst im allgemeinen Sinn zielt meistens auf die materiellen oder geistlichen Bedürfnisse der Menschen ab. Anbetung dagegen richtet sich an Gott.

Diese Unterscheidung wird im Alten Testament illustriert: Der priesterliche Dienst war nur Aaron und seinen Söhnen vorbehalten. Der levitische Dienst hingegen konnte auch durch alle anderen Leviten ausgeführt werden. Mit anderen Worten: Anbetung ist eine höhere Aktivität als alle anderen Formen von Dienst. Heute sind alle Christen Priester. Aber die Tatsache, dass der Priesterdienst höher ist als der Levitendienst, bleibt bestehen.

23) Ist Anbetung eine individuelle oder kollektive Aktivität?

Beides. Auf der einen Seite finden wir in der Bibel viele Beispiele von einzelnen Personen, die Gott oder den Herrn Jesus angebetet haben (z.B. Joh 9,38). Auf der anderen Seite bringen wir als eine «heilige Priesterschaft» – d.h. nicht als einzelne Priester, sondern gemeinsam als priesterliche Familie – Gott geistliche Schlachtopfer dar (1. Pet 2,5). Das ist die kollektive Seite der Anbetung. Gemeinsame Anbetung wird bereits im Alten Testament dargestellt: Der Israelit musste das Schlachtopfer zum Zelt der Zusammenkunft bringen, d.h. an den Ort, wo Gott in der Mitte seines Volkes wohnte (z.B. 3. Mo 1,3). Im Neuen Testament wird Anbetung mit dem Heiligtum (Heb 10,19) und dem geistlichen Haus verbunden (1. Pet 2,5). Das macht sie zu einer gemeinsamen Sache.

Der Herr freut sich immer, wenn sich Erlöste persönlich vor Ihm verneigen und seine Grösse, seine Liebe und seine Gnade anbetend bewundern. Dennoch erhebt sich die gemeinsame Anbetung – wenn wir zum Namen des Herrn Jesus hin versammelt sind (Mt 18,20) – oft auf ein höheres Niveau als die persönliche Anbetung. Wir sind dann mehr auf Christus ausgerichtet und werden auf besondere Weise durch den Heiligen Geist geleitet. Zudem wird die Anbetung in den Herzen der Einzelnen gegenseitig verstärkt: Was ein Bruder in seinem Gebet ausdrückt, ruft einen neuen Gedanken im Herzen eines anderen hervor.

24) Kann (gemeinsame) Anbetung die Form einer Aufführung annehmen?

Es gibt viele Aufführungen wie beispielsweise Chöre oder «Anbetungskonzerte», die die Menschen als «Anbetung» bezeichnen oder bekanntmachen. Aber eine solche Vorführung ist genau das Gegenteil von Anbetung:

  • Eine musikalische Darbietung richtet sich an ein menschliches Publikum. Anbetung dagegen richtet sich an Gott.
  • Die Sänger und Musiker erhalten bei einer Aufführung oft Applaus. Aber die wahrhaftigen Anbeter geben Gott die Ehre (Off 19,10; 22,9).

25) Gibt es ein Zusammenkommen der Versammlung für gemeinsame Anbetung?

Wir finden im Neuen Testament drei Arten von regelmässigen Versammlungsstunden:

  • das Zusammenkommen zum Gebet (Mt 18,19; Apg 12,5),
  • das Zusammenkommen zur Verkündigung des Wortes Gottes (1. Kor 14,26) und
  • das Zusammenkommen zum Brotbrechen (Apg 20,7; 1. Kor 11,20-26).

Die letztgenannte Zusammenkunft ist naturgemäss am engsten mit Anbetung verknüpft. Wir sind versammelt, um beim Brotbrechen an den Herrn Jesus zu denken und seinen Tod zu «zeigen» oder «zu verkündigen» (1. Kor 11,24-26). Es wäre höchst unnatürlich, wenn uns die Beschäftigung mit den Leiden und mit dem Tod unseres Erlösers nicht zur Anbetung führen würde. Wir beten den Sohn an für seine Liebe und seinen Gehorsam bis in den Tod am Kreuz. Wir beten den Vater an, der durch den Tod seines Sohnes in allen seinen herrlichen Eigenschaften offenbart wurde.

Anbetung mag gelegentlich auch in anderen Zusammenkünften der Glaubenden vorkommen. Wenn z.B. in der Wortverkündigung die Person unseres Erlöser besonders vorgestellt wird, kann das anschliessende Lied oder Gebet spontan ein Ausdruck der Anbetung sein, die in den Herzen der Zuhörer entstanden ist.

26) In welcher Ordnung sollen wir den Vater und den Sohn anbeten, wenn wir zum Brotbrechen zusammen sind?

Wenn wir vom Brot essen und aus dem Kelch trinken, nehmen wir «an dem Tisch des Herrn teil» (1. Kor 10,21). Es ist sein Tisch und wir haben Gemeinschaft mit seinem Leib und seinem Blut. Es ist sein Gedächtnismahl. Weil der Herr Jesus seinem Tisch vorsteht, wäre es unnatürlich, wenn wir Ihn beim Danken für Brot und Kelch nicht ansprechen würden.

Aber es ist nicht gut, Regeln aufzustellen, ob im Zusammenkommen zum Brotbrechen der Vater zuerst angebetet werden soll oder erst gegen Ende der Stunde. Die Bibel gibt diesbezüglich keine Details. Deshalb handeln wir weise, wenn wir es auch nicht tun. Sicher ist, dass sowohl dem Vater als auch dem Sohn unsere Anbetung gebührt.

27) Was sind die jeweiligen Rollen der Brüder und Schwestern bei der Anbetung?

Brüder und Schwestern sind alle Priester (1. Pet 2,5; Off 1,6). Jeder Bruder oder jede Schwester kann den Vater und den Sohn anbeten. In der gemeinsamen Anbetung werden die Brüder die Anbetung hörbar zum Ausdruck bringen. In ihren Gebeten bringen sie Gott die Anbetung, die aus den Herzen der Versammelten kommt. Der Schwerpunkt liegt dann auf der gemeinsamen Aktivität – d.h. Brüder und Schwestern beten als eine Einheit an. Das wird verwirklicht, wenn Brüder und Schwestern gemeinsam singen oder ein Bruder ein Gebet im Sinn aller Versammelten spricht und diese hörbar «Amen» sagen. In stillen Momenten können Brüder und Schwestern in ihren Herzen anbeten. Diese stille Anbetung wird auf schöne Weise durch den Duft des Salböls von Maria dargestellt – er war nicht hörbar, erfüllte aber das Haus (Joh 12,3). Der Herr freute sich – nicht so sehr über den Duft selbst – sondern über das Herz, das bereit war, Ihm dieses Salböl zu bringen.