Wer ist «Jesus»? (3)

Der Heiland oder Erretter

«Der Vater hat den Sohn gesandt als Heiland der Welt» (1. Joh 4,14). Der Name Jesus an sich ist die Offenbarung davon. Er bedeutet: Der HERR ist Rettung. Der Engel hat den Hirten verkündigt: «Euch ist heute in der Stadt Davids ein Erretter geboren.» Die Samariter von Sichar haben davon Zeugnis gegeben: «Wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist.» Und 2. Timotheus 1,10 bestätigt uns die ganze Wirklichkeit darüber: «Unser Heiland Jesus Christus, der den Tod zunichtegemacht, aber Leben und Unverweslichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.»

1. Das Heil, (Errettung)

«Der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist» (Lk 19,10). Man muss sich als verloren erkannt haben, um die Tatsache, errettet zu sein, wertzuschätzen. Der Mensch muss wirklich einen oder mehrere Tage vor der Heiligkeit eines Gottes, der das Böse nicht sehen kann, gestanden und anerkannt haben, dass er, nachdem er diesen heiligen Gott so viele Male beleidigt hat, zur Verdammnis verurteilt ist. Dann darf er erfassen, dass wir «durch die Gnade errettet sind, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es» (Eph 2,8).

Der Gläubige wurde gerettet und ist gerettet: «Ihr seid errettet …» Das Heil der Seele ist nicht zukünftig, es ist gegenwärtig und fortdauernd: «Gott hat uns errettet und berufen mit heiligem Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade …» (2. Tim 1,9).

Das Heil, die Errettung, ist also auch in der Gegenwart eine Wirklichkeit. Philipper 2,12.13 sagt uns: «Bewirkt euer eigenes Heil (oder Errettung) mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken.» «Bewirken» hat in diesem Text mehr die Bedeutung von «bilden oder pflegen». Dieser Sinn des ursprünglichen Wortes wurde durch viele Papyri des 1. Jahrhunderts, die vor einigen Jahren gefunden worden sind, bestätigt. Es handelt sich nicht darum, das Heil zu erwerben, sondern es durch das Wirken zu einem guten Ende zu führen, indem man Frucht bringt, d.h. Resultate, die sich in unserem Wandel zeigen. Nur die Kraft Gottes kann in uns sowohl das Wollen als auch das Wirken hervorbringen. Aber das verlangt unsererseits Wachsamkeit und Bereitschaft des Herzens und des Geistes, um Gott durch seinen Geist in unserem Leben wirken zu lassen.

Schliesslich ist die vollständige Errettung noch zukünftig. «Denn jetzt ist unsere Errettung näher, als damals, als wir gläubig wurden» (Röm 13,11). Noch einmal, es handelt sich nicht darum, sie zu erwerben, sondern dass wir aus dem Schlaf aufwachen, die Waffen des Lichts anziehen und anständig wandeln, wie am Tag. Zweifellos in sehr naher Zukunft wird der Herr Jesus Christus als Heiland «unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten zur Gleichförmigkeit mit seinem Leib der Herrlichkeit» (Phil 3,21). Jetzt haben wir die «Erstlinge des Geistes», aber wir erwarten «die Sohnschaft: die Erlösung unseres Leibes» (Röm 8,23).

2. Die Vergebung der Vergehungen und die Reinigung

Die Sünde wird uns unter zwei Gesichtspunkten vorgestellt:

  • als Schuld, wie in den Gleichnissen;
  • und als Verunreinigung, vorgebildet durch den Aussatz.

Dem Gesichtspunkt der Schuld entspricht die Vergebung; und dem der Verunreinigung die Reinigung.

a. Vergebung

Dem Schuldigen ist vergeben worden; er hat die seiner Vergehung gebührende Strafe nicht mehr zu erleiden.

Wenn es sich um eine menschliche Vergebung handelt, z.B. von einem Vater gegenüber seinem Kind, dann wird die Strafe aus Liebe, vielleicht aus Schwachheit, erlassen, ohne dass es eine Züchtigung gegeben hätte.

So ist es nicht bei der göttlichen Vergebung. Die Strafe, das Gericht, musste vollzogen werden, aber an einem anderen, einem Stellvertreter. Erst dann konnte Gott vergeben. Aber der Stellvertreter ist nicht ein anderer Mensch, ein menschliches Opfer, das man brachte, wie in gewissen heidnischen Religionen, um die Gottheit zu beschwichtigen. Es ist Gott selbst, der in seinem eigenen Sohn den Stellvertreter gestellt hat: «Wir alle irrten umher wie Schafe … und der HERR hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit» (Jes 53,6).

«Ohne Blutvergiessung gibt es keine Vergebung» (Heb 9,22). Als Vorbild auf den Tod Christi ist das Blut vieler Opfer geflossen, von Stieren und Böcken. Dieses Blut konnte die Sünde nicht wegnehmen. Um den Seinen die Art und Weise eindrücklich zu machen, wie die Schuld bezahlt werden würde, nahm der Herr Jesus in der Nacht, in der Er überliefert wurde, den Kelch und stellte ihn den Jüngern mit den Worten vor: «Dies ist mein Blut, das des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden» (Mt 26,28).

Die Vergebung ist vollständig. Gott hat uns «alle Vergehungen vergeben» (Kol 2,13).

Wie steht es mit den Vergehungen des Gläubigen? Allein das gleiche Werk Christi hat dafür die Schuld bezahlt. Gott verlangt von den Seinen, ihre Verfehlungen einzusehen: «Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit» (1. Joh 1,9). Zu sagen, dass wir keine Sünde, keine sündige Natur mehr haben, heisst uns selbst betrügen; zu sagen, dass wir nicht gesündigt, keine Fehltritte getan haben, heisst Gott zum Lügner machen. Es handelt sich nicht darum, seine Verfehlungen zu verbergen, sondern sie anzuerkennen und zu bekennen, zuerst vor Gott und dann gegenüber denen, die wir beleidigt oder verletzt haben. Gott ist treu gegenüber seiner Verheissung und vergibt, aber Er ist auch gerecht gegenüber Christus, indem Er so handelt.

b. Die Reinigung

Wer sich verunreinigt hat, muss gereinigt oder gewaschen werden.

1. Korinther 6,9.10 stellt uns die Liste von zehn «Aussätzigen» vor, die das Reich Gottes nicht erben werden. Dennoch kann der Apostel anfügen: «Und solches sind einige von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden in dem Namen des Herrn Jesus und durch den Geist unseres Gottes.» Es handelt sich hier um die Anfangswaschung, um eine Ganzwaschung. Alle, die sich an dieser erfreuen, singen jubelnd: «Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut … ihm sei die Herrlichkeit» (Off 1,5.6).

Diese Anfangswaschung des ganzen Körpers braucht nicht wiederholt zu werden. Aber der Gläubige, der in seinem Wandel vom Schmutz verunreinigt wird, hat deshalb nötig, dass ihm unter Anwendung des Wortes (das Wasser) und der Tätigkeit des Herrn Jesus durch seinen Geist, seine Füsse gewaschen werden. Das ist die Belehrung, die der Herr Jesus seinen Jüngern in Johannes 13 gibt, indem Er klar betont: «Wer gebadet (d.h. ganz gewaschen) ist, hat nicht nötig sich zu waschen, ausgenommen die Füsse.» Wenn dies nicht stattfindet, sagt Er zu Petrus: «So hast du kein Teil mit mir», d.h. du kannst dich nicht der Gemeinschaft mit deinem Herrn erfreuen.

3. Die Rechtfertigung

Der Sünder muss gerechtfertigt werden, sonst wird er in die Verdammnis kommen.

«Es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes» (Röm 3,23). Muss man Werke vollbringen, damit einem gewissermassen ein Lohn nach Schuldigkeit zugerechnet wird? (Röm 4,4). Keineswegs! «Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet» (Röm 4,5).

Wir sind «umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist … durch den Glauben an sein Blut». So ist Gott gerecht und kann den rechtfertigen, «der des Glaubens an Jesus ist» (Röm 3,24-26).

4. Die Erlösung

Wir waren Sklaven der Sünde und Sklaven Satans. Wir mussten frei gemacht werden.

Der Grundtext wendet zwei Wörter an, um diese Erlösung auszudrücken: einen Sklaven vom Markt kaufen, um ihn freizulassen, oder einfach freilassen aufgrund eines Lösegeldes. Anderseits überdecken sich die zwei Bedeutungen.

Wir waren «unter die Sünde verkauft» (Röm 7,14), «geknechtet unter die Elemente der Welt» (Gal 4,3), unter «dem Fluch des Gesetzes» (Gal 3,13). Aber Christus hat uns losgekauft von dem Fluch, «indem er ein Fluch für uns geworden ist». «Ihr seid erlöst worden von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel … mit dem kostbaren Blut Christi» (1. Pet 1,18.19). Und wenn vor dem Thron das neue Lied aufsteigen wird, wird es betonen: «Du hast für Gott erkauft, durch dein Blut, aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation» (Off 5,9).

So sind wir durch den unendlich hohen Preis des Blutes Christi von der Macht Satans und der Sünde befreit worden: «Christus … ist mit seinem eigenen Blut ein für alle Mal in das Heiligtum eingegangen, als er eine ewige Erlösung erfunden hatte» (Heb 9,12).

5. Die Sühnung und die Versöhnung

Die Versöhnung ist eine der Segnungen, die das Werk Christi uns gebracht hat; die Sühnung ist die Seite Gottes.

a. Die Versöhnung

«Und euch, die ihr einst entfremdet und Feinde wart … hat er aber nun versöhnt in dem Leib seines Fleisches durch den Tod» (Kol 1,21.22). Die Versöhnung schliesst einen vollständigen Wechsel des geistlichen Zustandes in sich. Gott war nie unser Feind, im Gegenteil: «Gott hat die Welt so geliebt …» Wir sind es, die in unserer Gesinnung, in unserer Auffassung der Dinge, in unserer Wesensart gegen Gott waren. Die tiefgreifende Veränderung, die aus uns Feinden Kinder Gottes gemacht hat, wurde bewirkt «durch den Tod seines Sohnes» (Röm 5,10).

«Gott war in Christus, die Welt mit sich selbst versöhnend.» Er hat uns «den Dienst der Versöhnung gegeben», und wir «bitten an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!»: Nehmt im Glauben das Werk dessen an, «der Sünde nicht kannte» und der «für uns zur Sünde gemacht wurde, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm» (2. Kor 5,18-21).

b. Die Sühnung

Am grossen Versöhnungstag in 3. Mose 16 musste der Hohepriester unter anderem den Bock zum Sündopfer schlachten, sein Blut innerhalb des Vorhangs hineinbringen und davon auf den Sühndeckel der Bundeslade und vor den Deckel sprengen. Durch diese Handlung befand sich das Blut also auf der Lade, unter den Augen der zwei Cherubim, die sie krönten: ein schönes Bild des Blutes Christi, das in seinem ganzen Wert vor Gott ist. «Die Erlösung, die in Christus Jesus ist; den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel» (Röm 3,24.25).

Es handelt sich nicht darum, einen Rächer-Gott günstig zu stimmen, eine erzürnte Gottheit zu beschwichtigen. Christus hat es durch seinen vollkommenen Gehorsam und sein Opfer möglich gemacht, dass Gott gerecht sein konnte, wenn Er Gnade walten liess. Das Blut auf dem Sühndeckel beweist, dass das Werk vollbracht ist, dass der Gerechtigkeit Gottes vollkommen entsprochen worden ist. Die Sünde wurde durch die Opfer des Alten Testaments «zugedeckt», aber sie konnten die Hinzunahenden niemals vollkommen machen. Jetzt ist die Sünde «weggetan». Christus ist «die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt» (1. Joh 2,2). Der Wert seines Werkes vor Gott ist gültig für die ganze Welt, aber es kommt nur dem zugut, der im Glauben Besitz davon ergreift.

6. Das ewige Leben

Wir waren tot in unseren Vergehungen und Sünden, aber Gott hat uns mit dem Christus lebendig gemacht und uns mitauferweckt (Eph 2,5.6; Kol 2,13 und 3,1). Die neue Geburt liess uns in ein neues Leben eintreten. Wir werden «Teilhaber» der göttlichen Natur. Wir können nun in «Neuheit des Lebens» wandeln (2. Pet 1,4; Röm 6,4).

Die offensichtliche Veränderung, die bei einem vor sich geht, der fern von Gott war und zum Herrn Jesus geführt wurde, zeigt sich im Sichtbarwerden dieses neuen Lebens. Die Neigungen, die Bestrebungen, die Ansichten über alle Dinge haben sich geändert. Das, was früher derart wichtig war, ist es jetzt nicht mehr, dafür sind die Dinge Gottes eine Wirklichkeit geworden.

«Gott hat uns ewiges Leben gegeben, und dieses Leben ist in seinem Sohn. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes» (1. Joh 5,11-13).

7. Das Gewicht unserer Sünden auf Christus

Wie wenig geben wir uns Rechenschaft über die unsäglichen Leiden, die unser Heiland erduldete, um uns zu Gott zu führen: «Indem er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, machte er den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen» (Heb 2,10).

Der Prophet hatte es schon angekündigt (Jesaja 53 und viele andere Schriftstellen): «Er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen … Um unserer Übertretungen willen war er verwundet … Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm … Wir alle irrten umher wie Schafe … und der HERR hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit … Ihre Ungerechtigkeiten wird er auf sich ladenEr aber hat die Sünde vieler getragen

Wenn der Herr Jesus von seiner Leidenszeit redete, konnte Er sagen, «dass er vieles leiden und für nichts geachtet (oder mit Verachtung beladen) werden soll» (Mk 9,12). Der Apostel Petrus als Zeuge der Leiden Christi unterstreicht es mit den Worten: «Der selbst unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz getragen hat.»

«Christus ist einmal geopfert worden, um vieler Sünden zu tragen» (Heb 9,28).

  • Du trugst am Kreuz in Not und Pein –
    o Liebe ohne Massen! –
    die Last der Sünden ganz allein,
    von Gott und Mensch verlassen.