Wer ist «Jesus»? (4)

Der Christus – der Messias

Junge gläubige Freunde hatten uns einmal gebeten, ihnen das folgende Thema vorzustellen: Der prophetische Christus, der historische Christus und der lebende Christus – ist es ein und dieselbe Person? – Sehen wir also, was das Wort darüber sagt.

Das hebräische Wort «Messias» (Gesalbter) heisst auf Griechisch Christus, was auch in die deutsche Sprache übernommen wurde. Das ist ein Titel unseres Herrn, während Jesus ein persönlicher Name ist. Denken wir jedoch nicht, Er sei zu einem Zeitpunkt seines Daseins der Christus geworden, wie es einige behaupten, sondern lesen wir, was Römer 9,5 darüber sagt: «Der Christus, der über allem ist, Gott, gepriesen in Ewigkeit.»

1. Christus in der Prophetie

Ohne es ausdrücklich zu erklären, sagt uns Sprüche 8,23 in Bezug auf die Weisheit: «Ich war eingesetzt von Ewigkeit her, von Anbeginn, vor den Uranfängen der Erde.» Das Wort «eingesetzt» bedeutet im Hebräischen «gesalbt», womit der Christus eingeschlossen ist.

a. Der «Same»

Nach dem Sündenfall erklärte Gott der HERR der Schlange: «Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er (der Same der Frau) wird dir den Kopf zermalmen, und du wirst ihm die Ferse zermalmen» (1. Mo 3,15). Diese erste Verheissung beschreibt in ergreifender Weise denjenigen, der kommen und den Sieg über Satan davontragen würde. Er wird ihm «den Kopf zermalmen». Der Teufel wird dem Nachkommen der Frau «die Ferse zermalmen». Christus wurde Mensch und ging durch den Tod, um siegreich daraus hervorzugehen, «damit er durch den Tod den zunichtemachte, der die Macht des Todes hat, das ist den Teufel» (Heb 2,14). Während der ganzen Zeitgeschichte besteht die Feindschaft zwischen dem Samen der Frau und dem Samen des Teufels. Denen, die Ihn anfochten, sagte der Herr Jesus:

«Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel» (Joh 8,44). – «Da hoben sie Steine auf, um auf ihn zu werfen» (Vers 59).

Jahrhunderte später wandte sich der Engel des HERRN an Abraham, nachdem er seinen einzigen Sohn zum Opfer gegeben hatte: «Ich werde deine Nachkommen sehr mehren, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist … und in deinem Nachkommen werden sich segnen alle Nationen der Erde» (1. Mo 22,17.18). Wir finden drei verschiedene Nachkommen in diesen Versen:

  • himmlische Nachkommen: Abraham ist der Vater aller Gläubigen (Röm 4,16)
  • irdische Nachkommen: Israel;
  • schliesslich «deinen Nachkommen», in dem sich alle Nationen der Erde segnen werden: «und deinem Nachkommen, welcher Christus ist» (Gal 3,16).

Er ist nach 1. Chronika 17,13 auch der Nachkomme Davids. Dieser Vers wird in Hebräer 1,5 ausdrücklich angeführt und auf den Sohn angewandt. Die Prophetie Nathans deutete wohl auf Salomo in der nahen Zukunft; aber das Gesicht ging weit darüber hinaus bis zu dem, von dem der HERR sagen konnte: «Ich will ihm Bestand geben in meinem Haus und in meinem Königreich auf ewig; und sein Thron soll fest sein in Ewigkeit.»

b. Der Gesalbte

Mose hatte angekündigt, dass der HERR seinem Volk einen Propheten gleich ihm erwecken werde, aus seinen Brüdern (5. Mo 18,15-19). Gott würde seine Worte in seinen Mund legen und ihm Autorität verleihen. Wenn jemand nicht auf ihn hören würde, von dem würde Er es fordern. Die Juden hatten sehr gut verstanden, dass es sich um den Messias handelte, als sie Johannes den Täufer fragten: «Wer bist du?» – Er verneinte, der Christus oder Elia zu sein; dann fragten sie ihn: «Bist du der Prophet?» (Joh 1,21; vgl. Apg 3,22).

Nach Psalm 2 ist Er auch König: «‹Habe ich doch meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg!› Vom Beschluss will ich erzählen: Der HERR hat zu mir gesprochen: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben und die Enden der Erde zum Besitztum» (V. 6-8).

Der 110. Psalm stellt Ihn als Priester vor: «Geschworen hat der HERR, und es wird ihn nicht reuen: ‹Du bist Priester in Ewigkeit nach der Weise Melchisedeks!›», was Hebräer 2,17 und andere Stellen uns bestätigen.

In der Schrift sehen wir, dass der Prophet, der König und der Priester «gesalbt» werden mussten.

c. Die Leiden und die Herrlichkeiten

Auf dem Weg nach Emmaus erinnerte der Herr Jesus die beiden Jünger: «Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?» (Lk 24,26). Die früheren Propheten wussten nicht, «auf welche oder welcherart Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als er von den Leiden, die auf Christus kommen sollten, und von den Herrlichkeiten danach zuvor zeugte» (1. Pet 1,11). Wie viele Weissagungen haben wir, die seine Leiden zum Gegenstand haben! Besonders zu erwähnen sind dabei Jesaja 53, die Psalmen 22, 69, 102 und viele andere. Dem Daniel wurde angekündigt, dass der Messias weggetan werden und nichts haben würde (Dan 9,26). Aber kurz vorher hatte der Prophet in dem Gesicht die Herrlichkeit dieses Sohnes des Menschen gesehen, der zu dem Alten an Tagen gebracht worden war. «Und ihm wurde Herrschaft und Herrlichkeit und Königtum gegeben, und alle Völker, Völkerschaften und Sprachen dienten ihm; seine Herrschaft ist eine ewige Herrschaft» (Dan 7,13.14).

Jesaja hatte seine Herrlichkeit gesehen: Der erniedrigte und misshandelte Knecht, der Mann der Schmerzen, würde «erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein» (Jes 52,13). «Darum werde ich ihm Anteil geben an den Vielen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen» (Jes 53,12).

Wie viele gesegnete Stunden könnte man damit zubringen, in allen Schriften die Verse zu suchen, die sowohl von seinen Leiden als auch von seinen Herrlichkeiten reden!

2. Der historische Christus

a. Bei seiner Geburt

Das Geschlechtsregister in Matthäus 1 endet damit, dass ausdrücklich gesagt wird: «… Maria, von der Jesus geboren wurde, der Christus genannt wird.» Den Hirten hatte der Engel verkündigt: Heute ist euch ein Erretter geboren, «welcher ist Christus, der Herr». Und Simeon hatte die Gewissheit, dass er den Christus des Herrn sehen würde. Die Weisen waren gekommen, um den König anzubeten.

b. Während seines Dienstes

Johannes der Täufer hatte gesagt, als er Jesus wandeln sah: «Siehe, das Lamm Gottes.» Andreas und ein anderer Jünger folgten Ihm nach und blieben bei Ihm. Dann findet Andreas seinen eigenen Bruder Simon und erklärt ihm: «Wir haben den Messias gefunden (was übersetzt ist: Christus)» (Joh 1,41).

Petrus selbst antwortete Ihm etwas später: «Du bist der Christus» (Mk 8,29). Das war keine Kleinigkeit, denn «die Juden waren schon übereingekommen, dass, wenn jemand ihn als Christus bekennen würde, er aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollte» (Joh 9,22).

Am Brunnen von Sichar hatte die samaritische Frau gesagt: «Ich weiss, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird.» Und Jesus antwortete ihr: «Ich bin es, der mit dir redet» (Joh 4,25.26). Vier Zeugnisse werden für den Herrn abgelegt: Das Johannes des Täufers (Joh 5,33); ein viel grösseres als das von Johannes: «Die Werke, die der Vater mir gegeben hat, damit ich sie vollbringe» (V. 36); der Vater selbst hatte Ihm Zeugnis gegeben (V. 37); schliesslich sagte Jesus: «Ihr erforscht die Schriften … sie sind es, die von mir zeugen» (V. 39). Der, den die Schriften angekündigt hatten und der damals auf der Erde gegenwärtig war, ist ein und derselbe: der Christus.

Vor dem Synedrium fragte der Hohepriester den Herrn Jesus: «Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes!» Obwohl dies zu seiner Verurteilung zum Tod führen musste, antwortete Jesus: «Du hast es gesagt» (Mt 26,63.64). Pilatus täuschte sich da nicht; zweimal sprach er von «Jesus, der Christus genannt wird» (Mt 27,17.22). Und vor ihm bezeugte der Herr «das gute Bekenntnis», dass Er der König der Juden, also der Messias war (Joh 18,33.37; 1. Tim 6,13).

c. Das Zeugnis der Apostel

Das ganze Buch der Apostelgeschichte ist voll davon. Trotz der Verfolgungen, denen sie ausgesetzt waren, hörten die Apostel nicht auf, jeden Tag «Jesus als den Christus zu verkündigen» (Apg 5,42). Paulus wurde nicht müde, aus den Schriften zu beweisen, «dass der Christus leiden und aus den Toten auferstehen musste und dass dieser, der Jesus, den ich euch verkündige, der Christus ist» (Apg 17,3). Apollos «widerlegte kräftig die Juden öffentlich, indem er durch die Schriften bewies, dass Jesus der Christus ist» (Apg 18,28).

Der Christus, der auf der Erde gelebt und sein Leben gegeben hat, war Er nicht der, den die Propheten angekündigt hatten?

d. Ihn anerkennen

Die Juden müssen Ihn als solchen anerkennen. Israel ist heute zum Teil in sein Land zurückgekehrt und bildet von neuem einen unabhängigen Staat. Aber Sacharja 12 zeigt uns, wie sehr sie noch darüber wehklagen und Buße tun werden, dass sie nicht anerkannt hatten, dass Jesus der Christus war. Bis dahin wird es keinerlei Segnung geben, sondern nur Kriege und Züchtigungen. Wenn sie Buße getan haben werden, «wird eine Quelle geöffnet sein für das Haus David und für die Bewohner von Jerusalem für Sünde und für Unreinheit» (Sach 13,1). Dann wird der Messias erscheinen, um sein Volk zu befreien und zu segnen.

Der Apostel Johannes spricht überaus ernst gegen die, die Jesus nicht als Christus anerkennen: «Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Dieser ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht» (1. Joh 2,22.23). Im Gegensatz dazu: «Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren» (1. Joh 5,1).

Der Apostel schliesst seinen Brief mit dieser Versicherung: «Wir wissen aber, dass der Sohn Gottes gekommen ist (der historische Christus) und uns Verständnis gegeben hat, damit wir den Wahrhaftigen erkennen (der Dienst des Heiligen Geistes); und wir sind in dem Wahrhaftigen, in seinem Sohn Jesus Christus (die Belehrung der Briefe). Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.» Und der Apostel fügt hinzu: «Kinder, hütet euch vor den Götzen!», nicht allein vor den Götzen aus Stein und Gold, sondern vor all den philosophischen und anderen Götzen, die der erfinderische menschliche Geist sich ausdenkt, um Christus zu ersetzen.

3. Der lebende Christus

Der Christus, der in dieser Welt gelebt hat, ist gestorben, aber Er ist auch auferstanden. Dies ist das Zeugnis, das in der Apostelgeschichte durch die Apostel und besonders durch Petrus wiederholt gegeben wird. Diese Versicherung wird auch durch Paulus bestätigt, wenn er, geleitet durch den Geist Gottes in 1. Korinther 15 schreibt: «Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist also auch unsere Predigt vergeblich, vergeblich auch euer Glaube» (V. 14). – «Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen … so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden … der Erstling, Christus; dann die, die des Christus sind bei seiner Ankunft.»

Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen dem Dienst des Petrus und dem des Paulus. Petrus verkündigt die Auferstehung. Er hat zu Lebzeiten des Herrn Jesus mit Ihm auf der Erde gelebt; er hat seinen Tod feststellen können; er ist bei der Gruft gewesen; er hat Ihn auferstanden gesehen und davon ein klares Zeugnis gegeben. Paulus hat den Herrn Jesus in den Tagen seines Fleisches nicht gekannt; er hat Ihn nicht auferstanden gesehen; aber er hat Ihn in der Herrlichkeit gesehen, auf dem Weg nach Damaskus und im Tempel in Jerusalem (Apg 22,17). Für ihn ist Jesus, der Christus, lebend: «Ein gewisser Jesus, der gestorben ist, von dem Paulus sagte, er lebe» (Apg 25,19).

Heute lebt Er im Himmel, wo «er allezeit lebt, um sich für die zu verwenden, die durch ihn Gott nahen» (Heb 7,25). Geistlicherweise ist der Gläubige mit Ihm auferweckt (Kol 3,1). Christus wohnt auch durch den Glauben in unseren Herzen (Eph 3,17). Paulus bestätigt uns diese wunderbare Sache: «ich bin mit Christus gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir» (Gal 2,20).

Christus, der durch die Propheten angekündigt war, ist ein erstes Mal hier auf der Erde erschienen und hat sich einmal geopfert, um die Sünden vieler zu tragen; Er wird «zum zweiten Mal denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Errettung» (Heb 9,28).

Immer ist es die gleiche Person. Er ist angekündigt worden; Er hat gelebt; Er ist auferstanden und in die Herrlichkeit aufgefahren; Er wird allen denen erscheinen, die Ihn erwarten: «Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit» (Heb 13,8).