Halte fest, was du hast! (9)

Epheser 4,15

Sobald ein gläubiger Christ durch die Wahrheit geleitet den Platz der Absonderung versteht und einnimmt, fragt er sich: Wie soll mein Verhältnis zu den Kindern Gottes sein, von denen ich mich durch Absonderung äusserlich getrennt habe? Diese Frage wird umso ernster, wenn es sich um Gläubige handelt, die nicht nur im persönlichen Leben treu und rein sind, sondern auch keine Verbindungen zu Irrlehren und Irrlehrern haben. Aber sie haben weder Licht noch Kraft genug, um sich von den menschlich organisierten Gruppen in der Christenheit zu trennen.

Wahrheit und Gefühle

Die Beantwortung dieser Frage mag nicht leicht erscheinen. Dennoch ist sie klar, wenn wir uns nur durch die Wahrheit leiten lassen. Sobald wir aber neben der Wahrheit auch unsere natürlichen Gefühle einbeziehen, wird es schwierig, eine klare Antwort zu finden. Wenn das ewig gültige Wort Gottes einen Gläubigen veranlasst hat, einen unbiblischen Platz zu verlassen und den Boden der Wahrheit zu betreten, kann sie ihn auch weiterführen. Sie will ihm die Gnade und die Kraft geben, auf dem Boden der Wahrheit zu bleiben.

Vielleicht sind wir nach langen Irrwegen auf den biblischen Weg gekommen, «um der Wahrheit willen, die in uns bleibt, und sie wird mit uns sein in Ewigkeit» (2. Joh 2). Nun liegt es an uns, weiter in der Wahrheit zu wandeln, «wie wir von dem Vater ein Gebot empfangen haben» (2. Joh 4). Unsere Gefühle, die so leicht einen grossen Einfluss auf unser Denken und Handeln ausüben, sind nicht die Wahrheit. Wenn wir uns von ihnen leiten lassen oder ihnen neben der Wahrheit einen Einfluss auf unser Verhalten gestatten, geraten wir in Verwirrung. Warum? Weil die menschlichen Gefühle und die Wahrheit selten miteinander in Einklang zu bringen sind. Wollen wir treu sein, so bleibt uns nichts anderes übrig, als unsere Gefühle der Wahrheit unterzuordnen.

Das Bewusstsein der eigenen Schwachheit kann es uns ebenfalls schwer machen, einen klaren Standpunkt nach der Wahrheit einzunehmen und dabei zu bleiben. Vielleicht wird uns unterstellt, wir wollten besser sein als andere. Sollten wir dann unseren Gefühlen folgen und die Wahrheit aufgeben, um niemand zu enttäuschen? Wir sind ja selbst in jeder Beziehung schwach und unvollkommen. Darum ist es gut, dass wir uns nicht auf unsere Gefühle stützen, sondern an der göttlichen Wahrheit festhalten. Dann wird uns der Herr bestimmt richtig führen.

Wahrheit und Liebe

Es können noch weitere Fragen im Herzen aufsteigen: Wird durch das Festhalten an der Wahrheit, das uns von vielen Gläubigen äusserlich trennt, nicht die Bruderliebe beeinträchtigt? Steht nicht in der Bibel, dass wir die Wahrheit in Liebe festhalten sollen?

Es ist wahr, dass die Bruderliebe auf diesem Weg beeinträchtigt werden kann und infolge einer sektiererischen Neigung auch beeinträchtigt wird. Aber es ist nicht so, dass die Liebe zu den Gläubigen beeinträchtigt werden muss. Im Gegenteil! Wenn ich demütig der Wahrheit folge und den Willen Gottes tun möchte – was im Blick auf das Verhältnis zu manchen Gläubigen schmerzlich sein mag –, so wird meine Liebe dadurch nicht beeinträchtigt, sondern kommt erst richtig zum Ausdruck. Meine Unterordnung unter die Wahrheit macht mich nämlich fähig, die Gläubigen ungeheuchelt und aus reinem Herzen zu lieben (1. Pet 1,22).

Die Bruderliebe darf nicht mit den natürlichen Gefühlen verwechselt werden. Sie ist ein Teil der Liebe Gottes. Diese fliesst aus seinem Herzen, denn die Liebe ist sein Wesen. Sie ist nicht etwas, was uns von Natur eigen ist, sondern sie ist durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen worden (Röm 5,5). Sie zeigt sich bei uns zuerst durch den Gehorsam gegen die Wahrheit. «Dies ist die Liebe Gottes, dass wir seine Gebote halten, und seine Gebote sind nicht schwer» (1. Joh 5,3). «Wer aber irgend sein Wort hält, in diesem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet» (1. Joh 2,5).

Die Wahrheit in Liebe festhalten heisst also, dass wir sie demütig und von Gott abhängig befolgen. Wahrheit und Liebe gehen immer zusammen. Sie können und dürfen niemals getrennt werden. Die Liebe «freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit» (1. Kor 13,6). Zwischen Wahrheit und Liebe besteht eine völlige Harmonie. Beide räumen Gott den ersten Platz ein, und nicht dem Geschöpf. Die natürlichen Gefühle, die wir oft für «Liebe» halten, sind anders. Wenn wir sie nicht der Wahrheit unterordnen, beziehen sie sich zuerst auf das sichtbare Geschöpf, während der unsichtbare Gott zurücktreten muss.

Göttliche Liebe

Die Liebe Gottes ist unveränderlich und bleibt immer gleich. Sie wird nicht durch die Person beeinflusst, der sie sich zuwendet. So nimmt sie keine Rücksicht auf unterschiedliche Charaktere oder auf das Mass der Gegenliebe. Es bleibt zwar wahr, dass Gott seine Liebe einem gehorsamen Gläubigen reichlicher bezeugen kann (Joh 14,21). Doch das ist ein anderes Thema.

«Jesus aber liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus» (Joh 11,5). Die Zuneigung von Maria zum Herrn war zweifellos inniger als die Liebe von Martha. So konnte Er sich Maria mehr offenbaren als Martha. Aber dieser Umstand beeinflusste in keiner Weise seine Liebe zu ihnen. Unsere Gefühle treffen jedoch eine Auswahl unter denen, die wir lieben sollen, und zeigen eine Liebe, die nur dem Mass der Gegenliebe entspricht. So schwankend ist die echte Liebe nicht. Darum kann uns nur die unerschütterliche, gleichbleibende Liebe Gottes sicheren Halt geben. Sie ist durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen worden. Dieser Geist ist zugleich der Geist der Wahrheit, der uns in die ganze Wahrheit leitet (Joh 16,13).

Lasst uns die wahre Liebe Gottes erkennen und in die Tat umsetzen. Dann werden wir uns der ganzen Wahrheit unterordnen und im Herzen alle Kinder Gottes lieben. Damit löst sich auch jede Schwierigkeit, die sich uns auf dem Weg der Absonderung entgegenstellen will.

Menschliches Unverständnis

Der Weg der biblischen Absonderung ruft oft schmerzliche Übungen hervor. Es kann sein, dass Gläubige, mit denen wir aus den bisher erklärten Gründen keinen gemeinsamen Weg gehen können, uns Hochmut oder Lieblosigkeit vorwerfen, weil sie uns nicht verstehen. Vielleicht nennen sie das, was wir aus Gehorsam gegenüber dem Herrn tun, Engherzigkeit und Sektiererei. Wenn wir nicht gelernt haben, das eigene Ich beiseitezusetzen, werden uns bittere Demütigungen nicht erspart bleiben. Die Tatsache, dass der Herr uns versteht und anerkennt, wird jedoch alles Bittere versüssen und uns inneren Frieden geben. Er wird sich zu uns bekennen und uns stärken. Wir dürfen unsere Rechtfertigung ruhig Ihm überlassen. Schauen wir uns zwei Beispiele an:

a) Maria

Maria sass zu den Füssen des Herrn Jesus, um seinem Wort zuzuhören. Doch diese Haltung erregte das Missfallen ihrer gleichfalls gläubigen Schwester Martha, die ihre Verstimmung klar zum Ausdruck brachte. Aber Maria blieb ruhig und erwiderte kein Wort. Der Herr nahm ihre Verteidigung in seine Hand und bezeichnete ihre Stellung als «das gute Teil» (Lk 10,42). Später wurde ihr Werk des Glaubens in der Salbung des Herrn Jesus nicht verstanden. Bei dieser Gelegenheit waren es die gläubigen Jünger, die ihre Missbilligung ausdrückten. Wieder schwieg Maria. Der Herr verteidigte sie und nannte ihre Tat ein «gutes Werk» (Mt 26,10; Mk 14,6).

b) Paulus

Paulus hielt treu an der Wahrheit fest. Dadurch wurde sein Weg immer einsamer. Den Philippern schrieb er: «Ich habe keinen Gleichgesinnten», ausser Timotheus (Phil 2,20). Später erklärte er Timotheus: «Du weisst dies, dass alle, die in Asien sind, sich von mir abgewandt haben» (2. Tim 1,15). Paulus musste sogar erfahren: «Bei meiner ersten Verantwortung stand mir niemand bei» (2. Tim 4,16).

Würde wohl jemand zu behaupten wagen, dass Paulus die Brüder nicht liebte? Er opferte sich im Dienst für sie völlig auf! Allerdings lernte er auch, sich für nichts zu halten. Er konnte sagen: «Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir» (Gal 2,20). Seine Arbeit beurteilte er so: «Ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war» (1. Kor 15,10). Nur wenn wir diese Demut lernen, können wir in der rechten Weise auf dem Weg der Absonderung bleiben und die Wahrheit in Liebe festhalten.

Die Einheit im Auge behalten

Es ist wohl angebracht, auf eine besondere Gefahr hinzuweisen. Wenn wir infolge der Unterordnung unter die Wahrheit von vielen Gläubigen getrennt sind, können wir das Bewusstsein unserer Einheit mit allen Kindern Gottes verlieren. Darum wollen wir nicht vergessen: Die Notwendigkeit der Absonderung vom Bösen kann zwar einen Bruch der praktischen Gemeinschaft zur Folge haben, aber sie beeinträchtigt in keiner Weise die Wahrheit von der Einheit des Leibes. Diese wunderbare Einheit ist im Gegensatz zur praktisch ausgeübten Gemeinschaft nicht vom Zustand oder der Lebensführung der Gläubigen abhängig. Sie gründet sich auf das vollbrachte Werk des Herrn Jesus am Kreuz, das durch keine Macht im Himmel und auf der Erde erschüttert werden kann. Daran wollen wir denken, wenn wir beim Brotbrechen der Einheit des Leibes Ausdruck geben. Dann haben wir nicht nur jene Gläubigen vor Augen, die mit uns in Gemeinschaft sind, sondern ausnahmslos alle Glieder des Leibes.

In Korinth gab es solche, die sagten: «Wir sind des Christus» (1. Kor 1,12). Das hörte sich zwar schön an. Aber damit wurde Christus auf den Boden von Parteiungen herabgezogen. Diese Christen waren also gleich parteiisch wie die anderen, die sagten: «Wir sind des Paulus», oder: «Wir sind des Apollos.» Unter dem «wir» verstanden sie nicht alle Glieder des Leibes, sondern nur jene, die mit ihnen eines Sinnes waren oder engere Gemeinschaft pflegten. Sie machten sich in der gleichen Sache schuldig wie die anderen: Sie zerteilten den Christus (1. Kor 1,13). Wenn wir uns heute der Wahrheit unterordnen und zugleich sagen würden: «Wir sind die Versammlung!», dann wären wir genauso parteiisch wie jene Korinther. Vergessen wir nie: Alle Kinder Gottes bilden die Versammlung des lebendigen Gottes, auch wenn sich nicht alle auf dem Boden der Einheit des Leibes versammeln.

Durch die Notwendigkeit der Absonderung kann also das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit verloren gehen. Das ist nicht nach Gottes Gedanken. Wie wichtig ist es daher für alle, die der Wahrheit folgen möchten, im Blick auf sich selbst wachsam zu sein. Sie brauchen auch Weisheit, Geduld und Liebe im Umgang mit den Gläubigen, die die biblische Absonderung noch nicht verwirklichen.

Der Dienst an Kindern Gottes

Grundsätzlich sollen wir allen Gläubigen mit der Gabe dienen, die wir vom Herrn empfangen haben. Aber dabei gilt es, die Wahrheit in Liebe festzuhalten.

Es gibt Gläubige, die den Willen Gottes noch nicht kennen und sich deshalb nicht absondern. Andere haben die Wahrheit kennen gelernt und wollen sich ihr nicht unterordnen. Diesen Unterschied gilt es zu beachten. Den Erstgenannten dürfen wir, wenn sie es wünschen, in Liebe dienen, soweit es in unseren Kräften steht und sofern der Herr uns einen Auftrag gibt. Dabei werden wir das, was ihnen wertvoll erscheint, niemals herabsetzen. Stattdessen versuchen wir, ihnen das Bessere nahezubringen – das ist Christus als die Wahrheit. Wenn sie vom Wert der Wahrheit angezogen werden und bereit sind, der erkannten Wahrheit treu zu folgen, wird die Wahrheit sie frei machen (Joh 8,31.32). Sobald sie Christus als die Wahrheit erkannt haben, werden sie das, was ihnen bisher als wertvoll erschien, gern aufgeben. Die Wahrheit wird sie von jedem menschlichen Joch frei machen und zum Herrn führen.

Im Dienst an solchen Christen geschehen leicht zwei Fehler. Zum einen wird er nur schwach ausgeübt oder unterbleibt sogar ganz. Zum anderen wird diese Aufgabe verkehrt angepackt, indem man Anhänger zu gewinnen sucht. Lasst uns immer daran denken, dass wir nicht in der Lage sind, jemand zu befreien. Aber wir können den Gläubigen das bringen, was sie frei macht: Christus als die Wahrheit. Darin sollen wir nicht ermatten.

a) Der richtige Standpunkt

Bei diesem Dienst ist es besonders nötig, die Wahrheit in Liebe festzuhalten. Wie Paulus sollen wir in Liebe dienen und die Gläubigen dort abholen, wo sie stehen. Aber dabei dürfen wir die Wahrheit nicht verleugnen, die unsere Gemeinschaft mit ihnen verhindert. Das würden wir zum Beispiel tun, wenn wir bei dem mitmachen, was nach Gottes Wort verkehrt ist. Nehmen wir an, wir würden mit ihnen das Brot brechen, obwohl sie den Grundsatz der Einheit des Leibes nicht verwirklichen. Wäre das nicht ein Aufgeben der biblischen Absonderung? Würden wir sie nicht auf ihrem falschen Weg bestärken, anstatt ihnen zu dienen?

Vielleicht hilft ein Vergleich zum besseren Verständnis: Wenn ich jemand aus dem Sumpf ziehen will, gehe ich nicht in den Sumpf hinein. Würde ich es tun, hätte ich genug mit mir selbst zu tun. Ich könnte dem anderen nicht helfen, sondern würde mich selbst in Gefahr bringen zu versinken. Wenn ich aber ausserhalb des Sumpfs auf festem Boden stehe, kann ich dem Versinkenden eine hilfreiche Hand reichen. – Darum wollen wir uns auf den festen, unerschütterlichen und nie wankenden Boden der Wahrheit stellen. So bleiben wir selbst bewahrt und sind auch in der Lage, anderen zu helfen.

b) Der falsche Standpunkt

Manche Evangelisten haben die Parteiungen als falsch und menschlich erkannt. Dennoch bleiben sie in ihnen, weil sie meinen, den Menschen dort näher zu sein. Sie fragen: Wie sollen solche, die noch innerlich gebunden sind, zur Freiheit gelangen, wenn nicht Brüder, die innerlich frei sind, äusserlich darauf verzichten, sich vom Bösen abzusondern, um unter ihnen zu arbeiten und Licht zu verbreiten? Diese Beweisführung erscheint auf den ersten Blick recht einleuchtend. Aber bei gründlichem Nachdenken merken wir: Sie ist verkehrt!

Dem Grundsatz nach heisst das nichts anderes als Folgendes: «Lasst uns das Böse tun, damit das Gute komme» (Röm 3,8). Genauso gut könnte jemand sagen: Man muss mit der Welt gehen und ihre Vergnügungen mitmachen, auch wenn man mit dem Herzen nicht dabei ist, um so den Ungläubigen näherzukommen und ihnen das Evangelium bringen zu können. Würden wir einen solchen Gedanken nicht weit von uns weisen? Obwohl die Welt und eine christliche Gruppierung nicht dasselbe sind, verhält es sich grundsätzlich gleich: Wer mitmacht, erkennt das Verkehrte an.

Klug und ohne Falsch

Wenn ein Diener des Herrn anderen den Weg der Wahrheit zeigen will, muss er ihn zunächst selbst gehen. Er würde sonst nicht ehrlich sein und unter den Vorwurf der Unglaubwürdigkeit geraten.

Hat der Herr nicht gesagt: «Seid klug wie die Schlangen»? Ja, aber Er hat auch hinzugefügt: «… und ohne Falsch wie die Tauben» (Mt 10,16).

Paulus sagt: «Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige errette. Ich tue aber alles um des Evangeliums willen, damit ich mit ihm teilhaben möge» (1. Kor 9,22.23). Was meint er damit? Er zeigt hier die Gesinnung des Herrn Jesus und handelt nach seinen Gedanken. Er verbindet Schlangenklugheit mit Taubeneinfalt. Vergleichen wir nur seine Rede an die Juden in Antiochien in Pisidien (Apg 13,16-41) mit seiner Predigt an die Athener auf dem Areopag (Apg 17,22-31). Im ersten Fall begegnet er denen, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz. Im zweiten Fall ist er denen, die ohne Gesetz sind, wie ohne Gesetz. Aber er verlässt dabei seinen festen Platz der Absonderung nicht. Er gibt auch nichts von der Wahrheit auf.

Wie verhielt sich der Apostel Paulus, als Petrus aus Menschengefälligkeit mit den Judenchristen heuchelte und gerade das tat, was man als Kompromiss bezeichnen kann? Er sah, dass Petrus nicht den geraden Weg nach der Wahrheit des Evangeliums ging. Darum tadelte er ihn vor allen: «Wenn du, der du ein Jude bist, wie die Nationen lebst und nicht wie die Juden, wie zwingst du denn die Nationen, jüdisch zu leben?» (Gal 2,14).

Schluss

Der Herr tut die Tür auf. Wenn Er öffnet, kann niemand schliessen (Off 3,7.8). Wer sind wir? Werkzeuge, die in sich selbst keine Kraft besitzen und nur nützlich sind, wenn der Herr sie gebraucht.

Die Tatsache, dass der Herr einen Dienst segnet, darf nicht zum Schluss führen, Er würde sich zum falschen Platz eines Dieners bekennen. Die Gnade ist und wirkt unumschränkt, trotz der Untreue des Menschen. Es wäre deshalb verkehrt, im Wirken der Gnade eine göttliche Anerkennung der jeweiligen Stellung des Predigers zu erkennen. Wie könnte der Herr seinem eigenen Wort widersprechen?

Wenn der Dienst an den Gläubigen, die sich in christlichen Gruppierungen befinden, unter der Leitung des Geistes und in Übereinstimmung mit Gottes Wort erfolgt, wird er bestimmt gesegnet sein. Der Herr wird aufrichtigen Kindern Gottes das Herz öffnen, damit sie auf das, was geredet wird, achtgeben und die Wahrheit erkennen.

Aufgrund menschlicher Interessen oder aus Furcht vor der Schmach widerstehen manche Christen der verkündigten Wahrheit. Wie sollen wir damit umgehen? Der Apostel gibt uns dafür klare Unterweisung: «Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen alle milde sein, lehrfähig, duldsam, der in Sanftmut die Widersacher zurechtweist, ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit» (2. Tim 2,24.25). Wenn sich der Dienst an ihnen als vergeblich erweist, bleibt uns nichts anderes übrig, als sich von ihnen abzuwenden und sie dem Herrn zu übergeben.

Möge echte Gottesfurcht unseren Weg und unser Handeln bestimmen: «Lasst uns Gnade haben, durch die wir Gott wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und Furcht» (Heb 12,28). Wer gottesfürchtig ist und sich dem Wort Gottes respektvoll unterordnet, wird geistlich wachsen. Als Folge davon werden seine Sinne geübt sein «zur Unterscheidung des Guten sowohl als auch des Bösen» (Heb 5,14).